Sonntag, 28. Februar 2010

Peter Jöback beim Eurovision Song Contest?

Anders als in Deutschland wo der ESC seit Jahren nur noch eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten ist, bei denen sich kein ernsthafter Künstler blicken lassen will, wird der große Songwettbewerb in Schweden jedes Jahr sehr ernst genommen. In mehreren "Vorrunden" stellen die Kandidaten ihre Songs vor und die besten von ihnen werden ins Finale gewählt, wo dann wiederum der Vertreter Schwedens bestimmt wird. Mit dabei sind auch immer wieder schwedische Musicaldarsteller.

In diesem Jahr gibt sich nun Peter Jöback höchstselbst die Ehre. Seine "große Zeit" hatte der talentierte Schwede in den 90'er Jahren, nachdem er als Robert in "Kristina från Duvemåla" mit dem Hit "Guldet blev till sand" seinen Durchbruch feierte. Viele weitere Rollen folgten, darunter auch ein Gastspiel im Londoner West End als Chris in "Miss Saigon". Anschließend versuchte er sich mit mittelmäßigem Erfolg als Popsänger. Bei der letzten Vorauswahl in Malmö am Freitag präsentierte er sich nun als Kandidat für den ESC 2010 in Oslo mit dem neuen Song "Hollow". Ob er im Nachbarland dabei sein wird, entscheidet sich beim Finale in Stockholm im März.


Samstag, 27. Februar 2010

Nine - Neun Frauen und ein Idiot

Das größte Problem von “Nine” ist in meinen Augen die unsympathische Hauptfigur, Guido Contini. Schon gleich am Anfang wird deutlich, was das Musical in erster Linie ist: Eine Männerfantasie, in der sich ein halbes Dutzend bildschöner Frauen um einen angeblich tollen Hecht balgt. Dieser “tolle Hecht” ist ein Regisseur in Schaffenskrise, ein angebliches Genie aus einem nostalgisch verklärten Italien der 60’er Jahre als das europäische Kino seine große Zeit erlebte, darunter auch das italienische Kino mit seinen Leinwandgöttinnen Gina Lollobrigida und Sophia Loren (die als Mama Contini auch dabei ist) und Regisseuren wie Federico Fellini auf dessen “8 ½” das Stück basiert. Für die Filmversion von “Nine” hat Regisseur Rob Marshall nun eine 1A-Riege an internationalen Filmstars aufgeboten, die mal mehr mal weniger gut wegkommen.
Daniel Day-Lewis schafft es zwar, eine typisch italienische Gestik in sein Spiel einzubringen und überzeugend zu wirken, doch mit einer so unsympathischen Vorlage kann auch ein begnadeter Schauspieler wie er nichts machen. Dazu sägt der künstliche italienische Akzent von der ersten Minute an den Nerven. Leute wir wissen, dass die Figuren Italiener sind und italienisch sprechen, da brauchen sie kein akzentuiertes Englisch zu reden wie ein Pizzabäcker in Hoboken! Um eine italienische Atmosphäre zu erzeugen hätte ich viel lieber mehr Außenaufnahmen gesehen – doch für mehr als einige kurze Blicke auf Rom und die Amalfiküste reichte es scheinbar nicht.

Die Arschkarte in der Damenriege hat – leider – die wunderbare Penelope Cruz gezogen. Die “Muse” von Spaniens Regie-Darling Pedro Almodovar hat in Filmen wie “Volver” und “Abrazos Rotos” längst bewiesen dass sie nicht nur bildschön ist, sondern auch eine großartige Schauspielerin. Hier spielt sie Continis Geliebte Carla, ein dummes Pupperl, das ihm nachläuft wie ein Hündchen und Pillen einwirft, als sie mit seiner Ehefrau zusammenstößt. Und Songs wie ihr “Call from the Vatican” oder Fergies “Be Italian”-Nummer (als Nutte Saranghina) mögen auf einer Live-Bühne erotisch und spannend sein, im Film wirken sie überflüssig und gekünstelt. Auch wenn die Damen gut bei Stimme sind und ausgesprochen hübsch anzusehen sind. Besser dran ist Nicole Kidman, die hier spielen darf, was sie wirklich kann: Eine kühle glamouröse Lady. Ihr “Unusual Way” gehört auch zu den am schönsten gefilmten Szenen und lohnt sich, den Film auszusitzen. Eigentlich wollte ich nämlich nach der ersten Stunde türmen.

Dann erscheint nämlich die großartige Marion Cotillard als betrogene Ehefrau Luisa und sorgt mit “My husband makes movies” dafür, das sich das bißchen Respekt und Achtung, das man bis dahin noch für Contini hatte, in Luft auflöst. Den dummen Hund will man ab dann nur noch zum Teufel jagen (wofür sie leider noch länger braucht, aber immerhin)., statt ihn dann auch noch mit einer amerikanischen “Vogue”-Journalistin herumtändeln zu sehen. Kate Hudson singt den neugeschriebenen Song “Cinema Italiano” der schon länger durchs Internet geisterte und der irgendwie nicht so richtig zum Rest des Films passen will. Dame Judi ist als Guidos Vertraute Lilliane LaFleur souverän wie immer und bringt den Film nach einem langen zähen Auftakt mit “Folies Bergeres” zum ersten Mal in Schwung.

Aber die großartige Damenriege kann letztendlich nichts gegen das schwache Material ausrichten. Am besten wartet man auf die DVD und programmiert sich die Songs zur Playlist zusammen, dann mag’s noch angehen. Aber mich persönlich hat Guido Contini vollkommen kaltgelassen und damit leider auch der Film.

Freitag, 26. Februar 2010

Laurence Olivier Awards live im Internet

Zumindest in London ist man endlich in der Gegenwart angekommen: Am Sonntag, den 21.März wird die Verleihung der Olivier Awards live im Internet übertragen (ab 19.30 Uhr MEZ). Seit die BBC 2003 die Fernsehübertragung einstellte, konnte man das größte Ereignis der Londoner Theaterwelt nicht mehr am Bildschirm verfolgen – doch nun können sogar ausländische Theaterfans zusehen. Einen Anteil daran mag die Zahl der Stars haben, die in diesem Jahr nominiert sind, darunter Jude Law, Keira Knightley, Rachel Weisz, Gillian Anderson, James Earl Jones, Mark Rylance und Rowan Atkinson. Spannend wird auch die Verleihung des erstmalig vergebenen Publikumspreises. Hier nimmt es das Schauspiel “War Horse” gegen die Musical-Schwergewichte Wicked, Phantom, We Will Rock You und Billy Elliot auf.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Till I hear you sing - das offizielle Video

Wenn man den ersten Berichten aus dem Adelphi Theatre glauben darf, ist "Till I hear you sing" DER große Hit der Phantom-Sequel. ALW scheint den Song nun auch konsequent als Hit zu pushen: Vor einigen Tagen wurde ein offizieller Videoclip dazu veröffentlicht, der den recht ansehnlichen Herrn Karimloo Boyband-mäßig schmachten lässt:

Evita am Broadway mit Ricky Martin und Elena Roger?

Das London Revival von "Evita" soll im kommenden Jahr auch am Broadway zu sehen sein, berichtet die New York Post. Die argentinische Sängerin Elena Roger soll schon zugesagt haben, wieder Eva Peron zu spielen. Die Dame ist derzeit sehr beschäftigt: Mit der Donmar Produktion von "Piaf" gastiert sie in Spanien, anschließend kehrt sie nach London ans Donmar Warehouse zurück um in "Passion" die Hauptrolle der Fosca zu spielen. Anschließend lockt dann wohl New York.
Laut New York Post haben die Produzenten Latino-Popstar Ricky Martin die männliche Hauptrolle des Che angetragen. Bevor sich wieder einer über Stunt-Casting aufregt: Ricky Martin ist am Broadway kein Unbekannter. Bevor er als Popstar weltweit bekannt wurde, spielte er bereits den Marius in "Les Miserables".

Dienstag, 23. Februar 2010

Love never dies oder: Faszination Web 2.0

Vor langer langer Zeit war die Suche nach Informationen zu einem neuen Musical in London so umständlich wie das Sieben nach Goldnuggets. Mit viel Glück brachte die lokale Zeitung eine kleine Premierenkritik und wer als Hardcore-Fan was auf sich hielt, ging in den Tagen nach der Premiere zum Bahnhof wo man zumindest die wichtigsten britischen Zeitungen überteuert kaufen konnte um an Premierenkritiken zu kommen. Ansonsten blieb nur das Warten auf die neue "musicals" oft Wochen später.

Das Internet verbesserte die Situation in den 90er Jahren schlagartig – Kritiken waren ebenso nur noch einen Mausklick im Netz entfernt wie die ersten Kommentare von Besuchern in Foren. Mitte der 00er begann der Siegeszug des Web 2.0, das das Internet endgültig zur Quasselbude machte. Mußten eigene Websites und Blogs noch mit halbwegs kohärentem Inhalt gefüllt werden, konnte bei MySpace und Facebook jeder seinen Senf zu allem geben ohne groß das Gehirn einzuschalten. Die logische Fortentwicklung der Status-Updates bei Facebook war Twitter, wo jeder Quatschkopp in 160 Zeichen der Welt seine unglaublich wichtigen Gedanken und sein aktuelles Tun mitteilen kann. Auch wenns nur die lebenswichtige Frage ist, ob man abends Pommes oder Kebab essen soll.

Dass die Quasselbude Web 2.0 auch die Musicalwelt erreicht hat, ließ sich gestern abend schön verfolgen: Da erlebte nämlich Andrew Lloyd Webber's langerwartete (und von vielen gefürchtete) Phantom-Sequel "Love never dies" seine allererste öffentliche Aufführung und die Internetgemeinde fieberte mit. So erfuhr man schon per Twitter live aus dem Adelphi Theatre, dass die Show nach 10 Minuten wegen technischer Schwierigkeiten gestoppt worden war und kaum war der letzte Vorhang gefallen, tippten die ersten Besucher ihre Eindrücke in die Tasten. Diese fielen eher negativ aus – was angesichts der hohen Erwartungen vielleicht wenig verwundert, aber auch auch nichts gutes ahnen lässt, vor allem was die Handlung betrifft. Im Namen der Spoilerfreiheit werde ich mich hier nicht weiter dazu auslassen – in den kommenden Wochen scheint ja ein wahrer Treck deutscher Musicalfans über den Kanal zu ziehen um LND zu sehen und nicht alle werden im voraus wissen wollen wie spektakulär unsinnig der 2.Akt verläuft.

Mir bleibt weniger die Frage "Warum, Andrew, warum?" sondern die Frage, ob das Web 2.0 nun Fluch oder Segen ist. Spannend war die Entwicklung gestern abend allemal, nebenher genossen, während die deutschen "Adler" überraschend zu Silber flogen und die Langlaufdamen noch überraschender Gold gewannen. Und vielleicht nutzen ALW und seine Mitstreiter das Feedback im Internet ja auch um an der Show zu feilen (denn dafür sind Previews schliesslich da). Andererseits kann der gute Mann einem auch leid tun, wenn man sieht wie sich die Meute auf dieses fragile zarte Pflänzchen "erste Preview" stürzt und sich im Internet rasend schnell verbreitet dass die Phantom-Sequel dann doch eher ein Griff ins Klo ist (oder "Shit never flushes" wie jemand sich per Twitter so charmant ausdrückte). Ich bin jedenfalls gespannt auf die Kommentare, die in den nächsten Tagen durchs Internet gehen werden. Billiger und bequemer als die Märsche zum Hauptbahnhof vor 20 Jahren ist es allemal.

Sonntag, 21. Februar 2010

Notre Dame de Paris - Capitole Gent

Fast schien es, als sei das großartige Musical "Notre Dame de Paris" von Richard Cocciante und Luc Plamondon, das vor zehn Jahren den französischen Musicalboom auslöste, in der Versenkung verschwunden. Doch nun wagte sich erfreulicherweise Musical van Vlaanderen daran, die neue flämische Produktionsfirma, die vor allem europäische Musicalhits nach Belgien holen will. Am gestrigen Samstag durfte ich bei der Preview im Capitole in Gent dabei sein und mir meine eigene Meinung bilden.

Nun muss ich dazu sagen, dass ich die französische Version innig liebe und bis zur letzten Note auswendig kann – das ganze nun auf flämisch zu hören, tat meinen Ohren zunächst mal nichts gutes und als Dennis ten Vergert als Gringoire auch noch meinen geliebten Opener "Les temps des cathedrales" ordentlich versemmelte, wollte ich schon wieder aus dem Saal stürmen. Auch Esmeraldas Opener "Bohemienne" kam auf flämisch erstmal gar nicht zur Geltung (sorry liebe Flamen, französisch klingt da doch um einiges verführerischer), aber danach wurde es dann rasant besser.

Clayton Peroti, zuletzt bei "Tarzan" in Scheveningen als Tark zu sehen, riß als Clopin die Leute mit und Musical-Veteran Wim van den Driessche gab einen überzeugenden Frollo mit großer Stimme, ebenso wie Tim Driesen als Phoebus (auch wenn man dieses dünne Kerlchen nun wirklich nicht als "beau comme le soleil" bezeichnen kann). Die positivste Überraschung war für mich Popstar Gene Thomas als Quasimodo – das er stimmlich überzeugen würde, hatte ich ja noch erwartet, aber nicht, dass er auch noch so berührend und mitreißend spielt. Pop-Kollegin Sandrine als Esmeralda ist hübsch anzusehen, singt und spielt auch ganz nett, aber das letzte Fünkchen fehlt da derzeit noch – aber wir sind ja auch noch in den Previews und bis zur großen Premiere in Antwerpen im April wird sie sich sicher noch steigern und ihren großen Song "Vivre" mit soviel Verve über die Rampe bringen wie ihre französischen Kolleginnen. Einige kämpften wohl auch mit den Nerven – bei der finalen Zugabe von "Les temps des cathedrales" klang ten Vergert dann auch schon um einiges beeindruckender als beim Auftakt, auch wenn er vom Kaliber Bruno Pelletier noch meilenweit entfernt ist.

Die Inszenierung ist das französische Original, zusammengequetscht auf die "normalgroße" Bühne des Capitole, was gerade die großen Tanzszenen etwas lähmt, aber wer das Original nicht kennt, dürfte auch so mit dem Gebotenen glücklich werden. Auch ich fand es immernoch schöner mich von menschlichem Können beeindrucken zu lassen, den akrobatischen Leistungen z.B. in "Les Cloches" und dem mitreißenden Modern Dance, als von aufgeblasenen Bühnenbildern und Brimborium. Auffällig war für mich auch, dass sich die französischen "Spectacles" seit diesem grandiosen Auftakt doch zum Negativen entwickelt haben - Notre Dame de Paris steckt nicht nur voller fantastischer Songs, sondern besitzt auch viel Tiefgang, viel mehr als die Verächter der "spectacles" wahrhaben wollen, vor allem im Konflikt der "asylsuchenden Zigeuner" mit Domherr Frollo und seiner Miliz. Neuere Shows wie Cleopatre und Mozart kommen zwar mit viel aufwendigeren Kulissen und Pomp daher, sind aber letztendlich wirklich nur noch glorifizierte Popshows deren Handlung am seidenen Faden hängt und die so mitreißende Hits wie "Vivre", "Les temps de cathedrales" und "Belle" trotzdem vermissen lassen.

Leider gab es noch keine Programmhefte, so dass mir die flämischen Songtitel nicht geläufig sind, aber eine CD wird es bei soviel Starpower wohl garantiert geben. Wer die Originalversion seinerzeit verpasst hat, hat nun auf jeden Fall noch einmal eine gute Gelegenheit dieses großartige Musical live zu sehen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

"Tatsachen sind die Feinde der Wahrheit" Cervantes



Der Mann von La Mancha - Theater St.Gallen

Das Theater in St.Gallen ist vielen Musicalfans im deutschsprachigen Raum bekannt. In den letzten Jahren glänzt es besonders durch deutschsprachige Erstaufführungen wie "Hairspray" oder die Wildhorn- Zwillinge "Dracula" und "Monte Christo". Im nächsten Jahr steht "Avenue Q" auf dem Plan.
Ich hatte das Haus noch nie gesehen und war doch ziemlich erstaunt, eine 70-Jahre Bausünde par excellence vorzufinden. Dieser Traum in Beton war glaube ich so geplant, dass es in jeder Ecke des Foyers zieht, die Anordnung der Sitzreihen ist zumindest ungewöhnlich, die Sitze nicht wirklich bequem, besonders für Menschen über 1,70m Körpergröße. Dafür entschädigen der hervorragende Klang und die sehr gute Sicht auf die Bühne, da die Sitzreihen zügig ansteigen.
Neben dem Grafen von Monte Christo wird derzeit der "Mann von La Mancha" mit Andreas Lichtenberger in der Hauptrolle gegeben. Obwohl nicht so massiv beworben und von der Besetzung vielleicht nicht ganz so spektakulär, war die Vorstellung am 15.2.2010 gut besucht, besonders in der PK1, die mit CHF 90,00 nicht wirklich ein Schnäppchen ist.
Die Geschichte vom Ritter von der traurigen Gestalt ist sicher allen Lesern sattsam bekannt, das Musical von Dale Wassermann (Buch) und Mitch Leigh (Musik) wird eher selten gespielt. Ich persönlich empfinde die Musik als ein bisschen eintönig, mal von "Impossible Dream" abgesehen. Jedoch muss ich im Nachhinein sagen, diese Musik unterstützt die Handlung hervorragend.
Cervantes der Dichter wird wegen miserabler Leistungen als Steuereintreiber ins Gefängnis geworfen und wartet dort gemeinsam mit seinem treuen Diener auf seinen Prozess. In der Zwischenzeit wird ihm von seinen Mitgefangenen der Prozess gemacht. Um sein Manuskript vor den Mitgefangenen zu retten, muss er ihnen die Geschichte vorspielen.
Er und sein Diener übernehmen die Rollen des fahrenden Ritters Don Quixote bzw. des Edelmannes Alonso Quijana (Cervantes) und des Dieners Sancho Pansa. Die Mitgefangenen werden einbezogen und spielen die jeweils dem Stück entsprechenden Rollen, wobei die Maultiertreiber es besonders schwer haben, da sie mangels Maultieren auch als diese eingesetzt werden (sehr lustig). Zum Glück bringen Cervantes und sein Diener auch eine große Kiste Requisiten und Kostüme mit, das Spiel kann beginnen.
Nicht nur sich selbst verwandelt der Dichter durch wenige Handgriffe und eine scheußliche Kappe in den Ritter von der traurigen Gestalt, auch alle Dinge, die ihm auf seinen Reisen begegnen werden in die Handlung einbezogen. Sei es die Windmühle, die zum grässlichen vierarmigen Riesen, sei es die Schenke, die kurzerhand zum Schloss ernannt wird oder der Wirt, den er zum Kastellan macht, nicht ohne gewissen Eigennutz, da er noch einen Edelmann benötigt, der ihn zum rechtmäßigen Ritter schlägt.
Da ein Ritter auch eine Dame seines Herzens benötigt, um in ihrem Namen ruhmreiche Taten zu bestehen, wird die Hure Aldonza zu Dulcinea. Diese wehrt sich anfangs heftig und führt ihm ihre wahre Identität vor Augen, steht aber am Totenbett zu ihm und seinen Idealen. Denn am Ende ist er tot, der Held, zu Tode erschreckt durch sein eigenes lächerliches Spiegelbild, welches der Verlobte seiner Nichte ihm vorhält. Angeblich wollte er ihn (Alonso) mit dieser Schocktherapie heilen, ich hatte eher den Eindruck, er hatte Angst um das Erbe seiner Verlobten.
Damit ist das Spiel vorbei, Don Quixote verwandelt sich wieder in Cervantes, die Gefangenen sind immer noch gefangen, geben dem Dichter aber sein Manuskript zurück. Cervantes wird zu seinem Prozess abgeführt, Aldonza stimmt noch einmal den "unmöglichen Traum" an.
Die Darsteller waren allesamt klasse, ein wunderbares Ensemble, allen voran Andreas Lichtenberger, der seine drei Rollen so überzeugend und ineinander übergehend spielte, dass ich manchmal froh war, dass er akribisch die Kappe absetzte, um Don Quixote von den anderen zu trennen. Gesanglich war er einfach super, der "Unmögliche Traum" der Höhepunkt der Show. Auch wenn meine Begleitung noch tagelang "Dulcineaaaaaaaa" trällerte. Mark Hamman war ein Sancho Pansa wie aus dem Bilderbuch, der vor allem durch sein Schauspiel glänzte, dessen Solo "Ich mag ihn" wirklich komisch war und trotzdem zu Herzen ging. Sophie Berner gab eine ungemein kratzbürstige Aldonza, der man das Kind aus der Gosse ohne weiteres abnahm, mit toller warmer Stimme. Auch wenn es redundant ist, das Ensemble war einfach großartig und bis in die kleinste Rolle hervorragend besetzt, hier jemanden hervorzuheben wäre unfair. Das Orchester brachte das Kunststück fertig souverän, immer in der richtigen Lautstärke zu spielen, ohne die Sänger zu übertönen, habe ich so gut lange nicht mehr gehört.
Das Bühnenbild + Videoprojektion (Mathias Fischer-Dieskau), Hut ab, wie man mit so Wenig so Viel zum Ausdruck bringen kann. Das Gefängnis düster und eng, der Übergang zur Schenke geschah so fließend, dass man es kaum wahrnahm. Klasse
Insgesamt glaube ich, dass aus diesem Stück in St.Gallen das Beste herausgeholt wurde. So eine tolle Inszenierung habe ich an einem Stadttheater noch nicht gesehen und auch wenn es im Foyer grausam zieht, bin ich zu "Avenue Q" sicher wieder in St.Gallen.

Mein besonderer Dank gilt der MIGROS, die die Musicalinszenierungen des Theaters St.Gallen großzügig unterstützt und bei denen ich immer wieder gern Käse einkaufe.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Menier Chocolate Factory bringt "Paradise Found" und "Aspects of Love"

Der Menier Chocolate Factory scheinen die Hits nur so zuzufliegen: Erst letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass das neue Musical “Paradise Found” als eine Art Broadway Tryout im Mai seine Uraufführung erleben wird. Die Regie teilen sich die Broadway-Schwergewichte Hal Prince und Susan Stroman, in der Hauptrolle wird Mandy Patinkin zu sehen. Das Musical basiert auf dem Roman “Die Geschichte der 1002.Nacht” des österreichischen Autoren Joseph Roth, das von Richard Nelson adaptiert wurde. Jonathan Tunick adaptierte die Musik von Johann Strauss Jr mit neuen Texten von Ellen Fitzhugh. Weitere Broadwaystars wie John Cullum, Shuler Hensley, Kate Baldwin und Judy Kaye, die beim ersten Reading in New York dabei waren, verhandeln noch.

Ein weiterer Coup beginnt nun durchzusickern: Im Sommer soll Trevor Nunn eine Neu-Inszenierung von Andrew Lloyd-Webbers Kammerspiel “Aspects of Love” in der Menier Chocolate Factory planen. Bis zum Start von “Paradise Found” steht dann erstmal ein Willy Russell “Double Bill” auf dem Programm mit seinen beiden bekanntesten Theaterstücken “Educating Rita” und “Shirley Valentine”. Wenn ich könnte wie ich wollte, wäre ich in diesem Jahr Dauergast in der Menier.

Dienstag, 16. Februar 2010

Es hat sich ausgebrüllt in Paris: Der König der Löwen schliesst

Für französische Verhältnisse war es ein Rekord: Drei Jahre lang spielte “Le Roi Lion”, die französische Fassung des Löwenkönigs, im Théâtre Mogador, das mit dem Disney-Hit im Jahr 2007 nach ausführlicher Renovierung neu eröffnete. Bis zur letzten Vorstellung am 25.Juli 2010 werden mehr als eine Million Zuschauer das Musical besucht haben, doch zuletzt stimmte die Auslastung nicht mehr: Zuviel Konkurrenz hatte sich in Paris breitgemacht, darunter die firmeninterne Konkurrenz von Zorro in den Folies Bergeres, sowie Spamalot und die großen “Spectacles” wie Cleopâtre und Mozart.

Gar keine Überraschung ist die Ankündigung des Nachfolgers im Théâtre Mogador: Stage Entertainment schickt wie schon vermutet sein erfolgreichstes Schlachtpferd Mamma mia ins Rennen. Premierendatum und Besetzung stehen noch nicht fest.

"Grease" in neuer Inszenierung in Stockholm

Wieder hat man in Schweden ein altes Musical komplett umgekrempelt und wieder war Gast-Bloggerin Emma vor Ort um aus der schönen Hauptstadt Stockholm darüber zu berichten - tack så mycket!

Vor fast 20 Jahren war “Grease” ein riesiger Hit im Chinateatern und für viele der Auftakt einer “Goldenen Zeit” für das Musical in Schweden, die mit der Europapremiere von “Fame – the Musical” weiterging und in der Uraufführung von “Kristina från Duvemåla” ihren Höhepunkt erreichte. Nun ist “Grease” zurück, diesmal im Göta Lejon Teater in Södermalm. Wobei “zurück” relativ ist, denn was nun präsentiert wird, ist eine völlig neue Textfassung von Anders Lundin in der Regie von Hans Marklund, die das Stück ins Schweden von 1959 verlegt haben. Sandy und Danny heißen nun Sanne und Danne und werden von Marie Serneholt, die früher bei den A-Teens sang, und Sebastian Karlsson gespielt. Letzterer wurde 2005 bei “Idols” (der schwedischen Version von DSDS) Zweiter und ist nach Måns Zelmerlöw und Kevin Borg schon der dritte Casting Show-Star, der sich als Musicaldarsteller versucht.

Die Handlung spielt nun in einem Jugendheim im Vorort Hökarängen von Stockholm, wo sich die Vorstadtjugend nach der Schule trifft. Sanne ist das naive Mädchen vom Lande, das es aus dem beschaulichen Hudiksvall in die böse Großstadt Stockholm verschlägt, wo sie sich den “Lux-brudarna” (Pink Ladies) anschliesst, deren Anführerin Rizzo nun Doris heißt (Sara Sommerfeld) und mit Knicken (!) alias Kenickie (Kristofer Hellström) zusammen ist, dessen Wunderauto “Greased Lightnin” nun “Brudfällan” heisst. Als Konzept ist diese neue Version von “Grease” ganz amüsant, vor allem wenn man das Original gut kennt und somit die Vergleiche anstellen kann. Und gerade ältere Besucher werden damit in das “Schweden ihrer Jugend” versetzt mit der entsprechenden Mode, dem Sound und vielen schwedischen Marken die längst verschwunden sind.

Bei den Kritikern stieß die neue Version auf eher durchwachsenes Echo, vor allem das Aftonbladet, eine der beiden meistgelesenen Abendzeitungen, hat die Show gnadenlos abgeschossen. Ingesamt ist diese Version sicher Geschmackssache, aber die meisten Leute haben sich gut unterhalten und die Besetzung alleine dürfte viele Tickets verkaufen. Mir persönlich gefällt das Original zwar besser, aber ich kann verstehen, dass eine Neuinszenierung spannender ist, da “Grease” in der Originalversion schon so oft gespielt wurde.

Photos ©Baldur Bragason

Montag, 15. Februar 2010

Whatsonstage Awards: Priscilla und Oliver! räumen ab

Die Whatsonstage Awards, die am gestrigen Sonntag abend in London vergeben wurden, sind insofern interessant, weil es die einzigen Awards sind, bei denen das Publikum über die Gewiner abstimmt statt einer Jury. Daher lässt sich leicht erkennen, was beim Publikum Anklang fand und was nicht so sehr. Von meiner persönlichen Warte aus sehr erfreulich: Priscilla setzte sich als bestes neues Musical durch, lag mit 31,7% allerdings nur knapp vor Sister Act mit 29,5%. Spring Awakening schaffte trotz kurzer Laufzeit den dritten Platz mit 19,5%. Bei den Revivals gewann Oliver! mit riesigem Vorsprung (43,2%) vor A Light Music Night (18,2%).

Auch bei den Darstellern wenig überraschendes: Bei den Damen setzte sich verdienterweise Patina Miller (Sister Act, 31,2%) gegen Charlotte Wakefield (Spring Awakening, 22,4%), Jane Horrocks (Annie get your gun, 16,3%) und Hannah Waddingham (A little night music, 14,3%), bei den Herren Rowan Atkinson für seinen Fagin in Oliver! Mit 31,6% - überraschend bei den Herrn ist für mich eher, dass sich Jason Donovan mit 20,5% vor seinen Priscilla-Kollegen Tony Sheldon (18,1%) setzte, der für seine Bernadette allseits mit Lob überhäuft wurde. Donovan dürfte wohl über mehr Fans verfügen, die halt für ihre Lieblinge stimmen.
Bei den Nebendarstellern gewann dann die dritte Priscilla-“Dame“ Oliver Thornton (28,7%) vor Burn Gorman (Oliver!, 24,2%), bei den echten Damen (fast logischerweise mag man sagen) Jodie Prenger (Oliver!, 29,1%) vor den beiden Nonnen Sheila Hancock (24,0%) und Julia Sutton (16,1%) aus Sister Act. Dass John Barrowman einen Award für „Beste Neubesetzung einer Rolle“ für La Cage aux folles heimtrug, dürfte auch niemanden überraschen.
Weitere Awards gewann Priscilla für das beste Bühnenbild und die beste Choreografie, Sister Act für das beste Lichtdesign.

Eine kleine Überraschung dann die Abstimmung über die beliebteste Long Run-Show: Hier gewann Wicked mit 18,8% nur ganz knapp vor dem Schauspiel War Horse (18,0%), das sich damit weit vor Dauerbrennern wie Les Miz, Phantom oder We will rock you setzte, die alle noch Hairspray (10,10%) und Billy Elliot und den Jersey Bosys (je 9,20%) Vortritt lassen mußten. Mamma mia landete abgeschlagen auf dem letzten Platz.


Im Bereich Schauspiel gabs auch keine großen Überraschungen: Als bestes neues Drama setzte sich Jerusalem gegen Enron und Punk Rock durch, zur besten neuen Komödie wurde mit großem Abstand Calendar Girls gewählt. Beim besten Revival gewann A streetcar named desire knapp vor Waiting for Godot. Bei den Schauspielern gewannen dann auch wenig überraschend bekannte Stars: Rachel Weisz (A streetcar named desire) und Jude Law (Hamlet) in den Hauptrollen, ebenso Miriam Margolyes (Endgame) und Patrick Stewart (Hamlet) in den Nebenrollen.

Hier gibts die komplette Liste

Colosseum-Schliessung: Der Anfang vom Ende?

Ich saß gemütlich beim Kaffee in einem Londoner Café, öffnete nichtsahnend mein Webmail-Postfach… und fand gleich zwei Pressemitteilungen vor: Der Starlight Express begrüßte seinen 13-Millionsten Besucher. Und das Colosseum Theater wird als Ensuite-Spielstätte aufgegeben. Peng, das saß. Vor allem in dieser Kombination. Wie kann es sein, fragt man sich, das das eine Musical seit nunmal 22 Jahren am Stück gespielt wird und quasi nebenan muss ein Theater mangels verkaufter Tickets schließen?
Stage Entertainment gibt zu, dass es nicht gelungen war, ein erfolgreiches Konzept für das Colosseum Theater zu finden - das alles von dramatischen Musicals bis zu Spass-Shows gefloppt ist. Die Location mag durchaus ein Grund sein: In Bochum liegt das Theater bequem gleich neben der Autobahn, in Oberhausen ist das Theater perfekt in den Centro-Komplex mit Shopping Mall, Multiplex-Kino, Innen- und Außengastronomie und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten eingebunden. Ideal für einen Tagesausflug der mit dem abendlichen Musical endet. Aber war die Stückauswahl nun soviel besser in Oberhausen? Schliesslich liefen (und laufen) dort auch keine Uraufführungen, sondern Stücke die schon woanders durchgenudelt wurden, wie die “Blue Man Group”, “Tanz der Vampire” und nun “Wicked”. Da kann man schlecht sagen, der “Tanz”, der schon jahrelang in Stuttgart, Hamburg und Berlin zu sehen war, war frischer als beispielsweise “Mamma mia”. Und Essen hatte sogar eine Uraufführung, Elton Johns “Aida”, das nun wirklich kein schlechtes Stück ist. Als ärgerlich empfinde ich da eher, dass man das Steuer in Essen dann ausgerechnet mit gruselig-platten Spass-Shows rumreißen wollte. Den “Ich will Spass!”-Schnellschuss konnte wohl niemand wirklich nachvollziehen oder dass dann auf einmal “Buddy” ausgemottet wurde. Da helfen dann auch keine großen Marketing-Aktionen.

Doch ums Musical scheint es ohnehin schlecht bestellt zu sein: “Hairspray” in Köln macht eigentlich alles richtig: Jedemenge Marketing, Top-Stars in den Hauptrollen, ein wirklich gutes Stück, eine tolle Location mitten in der Stadt und halbwegs moderate Preise – und doch wird der Musical Dome nicht voll.
Im Capitol Theater in Düsseldorf wartet man seit Jahren vergebens auf ein neues Ensuite-Stück, die Musicaltheater in Duisburg und Bremen werden endgültig aufgegeben. Da beschleicht einen das ungute Gefühl: Der Anfang vom Ende ist da. Den Musical Dome wird man ohne Gesichtsverlust aufgeben können, schliesslich war das hässliche blaue Zelt schon immer nur ein Provisorium. Das nächste Opfer dürfte das Theater des Westens in Berlin sein, das seit Jahren vor sich hin dümpelt und wo man ähnlich wie in Essen alles von dramatischen Schluchzshows (Les Mis) bis platter Comedy (Manitu) probiert hat. Ein weiteres Opfer wird es wohl früher oder später in Stuttgart geben.
Und Hamburg? Die Nordlichter scheinen bislang noch am besten durch die Krise zu kommen, was natürlich auch daran liegt, dass dort Renner wie der “Löwenkönig”, “Mamma mia” und “Tarzan” für volle Kassen sorgen und man sich einen Flop eher mal leisten kann, sowie an der tatkräftigen Unterstützung des Hamburger Tourismusverbandes, der immer wieder große Marketing-Aktionen in ganz Deutschland fährt, die Hamburg als Städtetourismus-Ziel verkaufen – gerne inclusive Musicalbesuch.

Aber vielleicht liegt in der aktuellen Krise auch eine große Chance zum Neubeginn: Soll die Stage sich doch auf ihre Sahnestücke konzentrieren – die Hamburger Theater, das Theater am Potsdamer Platz in Berlin und das Metronom in Oberhausen und dort Ensuite spielen und in den anderen Theatern echte Tourneen unterbringen, die durch Deutschland reisen. Mit ihrer Rotationstechnik waren sie eh schon auf dem Weg dahin. Es gehört schliesslich zu den allerersten Regeln die jeder BWL-Student lernt: Wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, sollte das Angebot verringt werden. Braucht die Stage nur noch 1-2 große Premieren zu stemmen (wie in den Niederlanden), braucht man auch keine fragwürdigen Lückenfüller wie “Ich will Spass” um überhaupt irgendwas zu haben. Der große Musicalboom von damals ist schon länger unwiderruflich vorbei, das Musical hat sich hier nie so dauerhaft etablieren können wie beispielsweise in den Niederlanden, wo es sich bequem eingefügt hat, wo Musicalstars zu TV-Stars werden, Popstars zu Musicalstars werden, Casting-Shows im Fernsehen Quotenhits werden, jährlich Awards vergeben werden und jedes Jahr eine neue gesunde Mischung aus Ensuite, großen und kleinen Tourneen geboten werden.

Da mag man der Stage Entertainment in Deutschland so einiges vorwerfen – aber auch sie können nichts dafür, dass hier nunmal dem Schubladendenken und dem Standesdünkel der subventionierten Kultur gehuldigt wird, so dass Musical seit jeher mit einem schlechten Ruf kämpfte und für viele eher “guilty pleasure” war. Dass dann ab und zu mal ein Stadttheater vorprescht mit mutigen Premieren wie nun Magdeburg mit “Titanic” oder “Sunset Boulevard” ist unterm Strich einfach zu wenig. Die privaten Musicalhäuser hatten nie eine Lobby in der deutschen Kulturlandschaft. Das nun darauf mit Theaterschliessungen reagiert wird, ist ein überfälliger Schritt, so leid es einem auch für die Angestellten und die Theater selbst tut.

Teil 1: Sister Act im London Palladium

Mit dem Wissen darum, dass die Show im Herbst in Hamburg einzieht, geht man wahrscheinlich etwas kritischer ins Palladium und fragt sich, ob Sister Act hierzulande eine Chance hat. Die kurze knappe Antwort: Unwahrscheinlich. "Sister Act" hat schon in London Schwierigkeiten die Sitze zu füllen und in der besuchten Vorstellung war der zweite Rang geschlossen, an den Seiten von 1.Rang und Parkett einiges frei (alle anderen von mir besuchten Shows waren ausverkauft). Woran mag es liegen? An der Cast sicher nicht, die spielt wirklich grandios. Patina Miller ist eine große, wunderschöne junge Frau mit einer großartigen Ausstrahlung und die Nonnen um sie herum waren köstlich, allen voran Sheila Hancock als Mother Superior, Katie Rowley Jones als Mary Robert und die beiden Understudies Allison Harding als Mary Lazarus und Amy Booth Steel als Mary Patrick. Auch die Herren machen aus dem Material was sie können, Ako Mitchell als Eddie, der schüchterne Cop der in Deloris verknallt ist, avancierte schnell zum Publikumsliebling.
Kommen wir also zu den Schwachpunkten der Show: Buch und Musik. Alan Menken scheint für jede Show ca. 3-4 wirklich gute Songs zu schreiben und eine Menge belanglosen Quark. Das reicht für die Disney-Filme, zu denen er oft die Musik geliefert hat, aber für ein Musical ist es einfach zu wenig. In diesem Fall gab's eigentlich nur zwei wirklich gelungene Nummer, "Raise your voice" und "Take me to heaven" die herausstachen. Und danndas Buch: Was seinerzeit als 90-minütiger Film ganz amüsant war, ist als zweieinhalbstündiges Musical einfach zu dünn. Andere Film-Adaptionen ist es gelungen, die zusätzliche Zeit mit guten Tanznummern zu füllen oder mit witzigen Nebenhandlungen, aber Sister Act wurde um die Männerseite erweitert – der verliebte Eddie einerseits, Bösewicht Shank und seine Goons andererseits – die jedoch größtenteils nur langweilen. Und die glitzernden Nonnenhabits waren geschmacklich auch nicht immer ganz sicher – schliesslich war es einer der erwärmendsten Punkte des Films zu sehen wie aus den scheinbar gleichen Nonnen in ihren Einheitsgewändern Individuen wurden und wieviel Leben in ihnen steckt. Sei's drum - für die knapp 40 Euro, die ich nun dank Get into London Theatre gezahlt habe, wars ein netter Abend, den man sich ruhig mal geben kann. Aber es gibt derzeit wesentlich bessere Shows in London und die horrenden Preise die Stage Entertainment in Hamburg dafür verlangen wird, ist es einfach nicht wert.

Teil 2: Priscilla Queen of the Desert im Palace Theatre

Erstaunlich für mich: das Verlangen eine Show schnell noch einmal zu sehen, gerade in London wo es immer soviel neues gibt. Doch "Legally Blonde" machte bei der Discount Aktion noch nicht mit und ich wusste bei der Reiseplanung noch nicht wie brilliant Jez Butterworth's neues Stück "Jerusalem" ist – da lockten dann doch die schrillen Australier im Palace Theatre, wo Discounts sonst schwer zu finden sind und man nun für 35 Pfund die besten Plätze im 1.Rang bekommen konnte.
Anders als das Palladium war das Palace Theatre auch ausverkauft und die Stimmung vom ersten Song an wieder genauso aufgekratzt partymäßig wie letztes Jahr. Alle Erstbesetzungen waren wieder dabei, zum Glück auch Tony Sheldon, der im kommenden Monat nach Australien zurückkehrt und riesige Fussstapfen für jede folgende Bernadette hinterlässt. Ansonsten gibt es nicht viel zu schreiben – Priscilla macht einfach riesigen Spass mit den schrillen Kostümen, flotten Sprüchen und den Disco-Hits der 70'er. Und anders als bei den Recyclings die nur auf den Katalog einer einzigen Gruppe zurückgreifen können, kann man hier aus dem Vollen schöpfen und schafft wirklich bewegende Momente wie "Both Sides Now" und "Always on my mind" die nicht konstruiert oder reingewürgt wirken. Ich bin froh, dass sich die Show nach anfänglichen Startschwierigkeiten so positiv entwickelt hat und kann mir durchaus vorstellen noch ein drittes Mal reinzugehen. Übrigens: Dass Priscilla so schnell ins nicht-englischsprachige Ausland geht, bezweifle ich mittlerweile. Die Songs sind teilweise so gut in die Handlung integriert, dass man keinen deutsch-englischen Mischmasch aus deutschen Dialogen und englischen Songs erschaffen kann. Und die Mamma mia-Lösung alle Songs einzudeutschen lässt mich jetzt schon gruseln. Wer will Disco-Klassiker wie "Go West" und "I will survive" bei denen gestern das ganze Theater mitsang, schon in einer anderen Sprache hören? Und eine komplett englische Version mit Untertiteln bei den synchronisationssüchtigen Deutschen? Das Geschrei möchte ich hören.

Teil 3: Sweet Charity in der Menier Chocolate Factory

Das Musical von Cy Coleman, Neil Simon und Bob Fosse wird selten gespielt und so ist es erstmal erfreulich, dass sich die Menier Chocolate Factory daran gewagt hat. Mit Tamzin Outhwaite haben sie ausserdem eine grandiose Besetzung gefunden, der man die eigentlich unerträglich dumme, naive Charity nicht nur abkauft, sondern die man auch in sein Herz schließt. Andererseits: Es hat schon seinen Grund warum das Stück so selten gespielt wird: Die hauchdünne Handlung gibt nicht viel her und ist dabei nicht mal sonderlich witzig. Die Handvoll Hits liegen alle im 1.Akt, was den 2.Akt seltsam lang(-weilig) erscheinen lässt. Zumal Charity's Begegnung mit dem schnöseligen italienschen Filmstar Vittorio Vitale noch wirklich komische Momente birgt und den wunderbaren Song "If my friends could see me now", während im 2.Akt die Beziehung von Charity und Oscar nur so vor sich hinplätschert bis zum unvermeidlichen Ende. In der Menier-Version werden alle Männer in Charity's Leben vom gleichen Darsteller – dem grandiosen Mark Umbers – gespielt. Ob das nun ein dramaturgischer Kniff war um zu sagen, dass Charity immer auf den gleichen Typ Mann reinfällt oder Sparen am Ensemble, sei dahingestellt, für mich funktionierte es. In den Nebenrollenn seien noch Josefina Gabrielle und Tiffany Graves erwähnt, die mit den Evergeens "Big Spender" und "There's gotta be something better than this" brillierten. Sweet Charity wird wohl verdienerweise ins West End umziehen, doch für mich persönlich gehört es zu den schwächeren Musicals, die man halt mal gesehen haben sollte, aber mehr nicht.

Teil 4: Sprechtheater in London

Im Musical-Blog haben Schauspiele zwar strenggenommen nichts zu suchen, aber meine anderen beiden Theaterbesuche in London möchte ich auch nicht unterschlagen. Martin Crimps modernisierte Fassung von Molieres "Menschenfeind", die er ins London von heute verlegte (ohne dafür in Regietheater-Blödsinn zu versinken), machte vor allem durch die Besetzung Schlagzeilen: Hollywood-Star Keira Knightley gab ihr Bühnendebüt als Jennifer (bei Moliere hieß sie noch Celimene), einer jungen amerikanischen Schauspielerin, in die der ansonsten bärbeißige Grantler Alceste (der seinen Namen seltsamerweise behalten durfte) verschossen ist. Die Tatsache, dass der von mir hochgeschätzte Damian Lewis den Alceste spielen würde, ließ mich dann auch Karten kaufen – die Knightley war für mich eher schmückendes Beiwerk. Sie zog sich dann auch ganz redlich aus der Affäre, zumal die Rolle optimal zu ihr passte, doch der Abend gehörte ganz eindeutig Damian Lewis, der die ganze Show mit einer beeindruckenden Leistung trug. Weiterempfehlen kann ich das Stück leider nicht, da die komplette kurze Spielzeit (natürlich) ausverkauft ist.

Dafür kann ich War Horse nur weiterempfehlen, die hochgelobte Produktion des National Theatre, die nun im New London Theatre zuhause ist. Basierend auf dem Jugendbuch von Michael Morpurgo erzählt War Horse die Geschichte von Albert, einem Bauernjungen aus Devon, dessen geliebtes Pferd Joey von seinem verschuldeten Vater im 1.Weltkrieg an die Armee verkauft wird und in die Schützengräben von Nordfrankreich gerät. Das Besondere an Morpurgos Buch war, dass es aus Joeys Sicht erzählt wird und durch die naive Sichtweise eines Pferdes so klar verdeutlicht, dass es keine gute und böse Seite im Krieg gibt, sondern nur Menschen. Auf der Bühne wird Joey als animierte Puppe von drei Puppenspielern so brilliant animiert, dass man wirklich vergisst, dass kein echtes Pferd auf der Bühne steht. Joey bleibt hier jedoch völlig stumm und anders als im Buch wird auch parallel Alberts Schicksal gezeigt, der sich, sobald er alt genug ist, freiwillig zur Armee meldet um in Frankreich nach Joey zu suchen. Ein sehr schönes, zutiefst bewegendes Stück, das mit Handlung, Schauspiel und den animierten Pferden unglaublich beeindruckt. SO muss gutes Sprechtheater sein.

Nicht geschafft habe ich die beiden aktuellen Hits des Royal Court Theatre, Jerusalem von Jez Butterworth und Enron von Lucy Prebble, die ich mir daher nur als Texthefte zu Gemüte führen konnte. Auch diese beiden Stücke sind absolut lohnenswert – Lucy Prebble schafft es den größten Wirtschaftsskandal der letzten Jahrzehnte leicht verständlich zu präsentieren und als faszinierendes Porträt von menschlicher Gier, Arroganz und Dummheit, spannend wie ein Krimi. Jez Butterworth dagegen hat mit seinem Anti-Helden Johnny Rooster Byron (gespielt von Mark Rylance) eine der besten Rollen der letzten Jahre geschaffen und erzählt eine eindrucksvolle Geschichte aus dem heutigen England. Es ist wieder mal schade, dass es in London mehr Stücke gibt, als man menschenmöglich in einigen Tagen sehen kann, während man hier einfach nicht ins Sprechtheater gehen kann.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Sweet Charity & I go West End

Es sieht danach aus als ob die Menier Chocolate Factory es schon wieder geschafft hat: Auch ihre neueste Musicalproduktion, “Sweet Charity” mit Tamzin Outhwaite, soll ins West End umziehen. Als neues Heim ist das Haymarket Theatre im Gespräch, in dem “Waiting for Godot” am 3.April schließt.
Ob diese “Charity” so toll ist, wie alle sagen, wird der Blog-Schreiberling am Samstag in Erfahrung bringen, wenn er zum ersten Mal seit “Tick, Tick, Boom” wieder in die Menier Chocolate Factory in Southwark einkehrt. Allerdings geht’s schon heute los nach London – ob ich live von der Themse aus blogge weiß ich noch nicht, hängt von Wetter und Laune ab. Ansonsten gibt es die neuesten Berichte aus dem West End am Montag.

Montag, 8. Februar 2010

Nominierungen für die Olivier Awards 2010

Die Award-Saison ist in vollem Gange, nicht nur in der Filmbranche wo heuer blaue Figuren goldene Statuen kübelweise nach Pandora schleppen werden, sondern auch in der Theaterbranche, wo es scheinbar alle größeren Länder außer Deutschland schaffen, ihre Musicalschaffenden mit Preisen auszuzeichnen. So natürlich auch in London, wo nun die Nominierungen für den größten Theaterpreis, den Olivier Award, bekanntgegeben wurden. Auch hier wenig überraschendes: Die meisten Nominierungen erhielten "Spring Awakening" und "A little night music", die sich damit von den neuen Entertainment-Shows wie "Sister Act" und "Priscilla" absetzten. Letztere dürfte wohl nur den Preis für "beste Kostüme" sicher haben, sowie - hoffentlich - den "Best Actor" für Tony Sheldon. Als bestes Revival dürfte "A little night music" oder "Hello Dolly" gekürt werden, als bestes neues Musical "Spring Awakening". Die Konkurrenz ist nicht sonderlich beeindruckend. Für den Publikums-Award für "beliebteste Show" wurden interessanterweise Billy Elliot, Wicked, War Horse und We will rock you nominiert, sowie der Uralt-Dauerbrenner Phantom. Da fragt man sich dann doch, wo ist der andere Uralt-Dauerbrenner Les Miserables?

Die vollständige Liste für den Bereich Musical:


BEST MUSICAL REVIVAL
Irving Berlins ANNIE GET YOUR GUN music and lyrics by Irving Berlin, book by Herbert and Dorothy Fields at the Young Vic
HELLO DOLLY!
book by Michael Stewart, music and lyrics by Jerry Herman, based on the play The Matchmaker by Thornton Wilder at the Open Air
A LITTLE NIGHT MUSIC music and lyrics by Stephen Sondheim, book by Hugh Wheeler, suggested by a film by Ingmar Bergman, originally produced and directed on Broadway by Harold Prince at the Garrick Lionel Barts
OLIVER!
based on the original production by Sam Mendes at the Theatre Royal, Drury Lane

BEST NEW MUSICAL

DREAMBOATS AND PETTICOATS book by Laurence Marks and Maurice Gran at the Savoy
PRISCILLA QUEEN OF THE DESERT THE MUSICAL
book by Stephan Elliott and Allan Scott, based on the Latent Image/Specific Films motion picture distributed by Metro-Goldwyn-Mayer Inc. at the Palace
SPRING AWAKENING music by Duncan Sheik, book and lyrics by Steven Sater, based on the play by Frank Wedekind at the Novello
SISTER ACT
music by Alan Menken, lyrics by Glenn Slater, book by Cheri Steinkellner and Bill Steinkellner at The London Palladium

BEST ACTRESS IN A MUSICAL OR ENTERTAINMENT

Melanie C
for BLOOD BROTHERS at the Phoenix
Patina Miller
for SISTER ACT at the London Palladium
Samantha Spiro
for HELLO DOLLY! at the Open Air
Hannah Waddingham
for A LITTLE NIGHT MUSIC at the Garrick
Charlotte Wakefield
for SPRING AWAKENING at the Novello

BEST ACTOR IN A MUSICAL OR ENTERTAINMENT

Rowan Atkinson
for OLIVER! at the Theatre Royal, Drury Lane
Aneurin Barnard
for SPRING AWAKENING at the Novello
Bob Golding
for MORECAMBE at the Duchess
Alexander Hanson
for A LITTLE NIGHT MUSIC at the Garrick
Tony Sheldon for PRISCILLA QUEEN OF THE DESERT THE MUSICAL at the Palace

BEST SUPPORTING PERFORMANCE IN A MUSICAL OR ENTERTAINMENT
Sheila Hancock
for SISTER ACT at the London Palladium
Maureen Lipman for A LITTLE NIGHT MUSIC at the Garrick
Kelly Price
for A LITTLE NIGHT MUSIC at the Garrick
Iwan Rheon for SPRING AWAKENING at the Novello

BEST THEATRE CHOREOGRAPHER

Matthew Bourne for OLIVER! at the Theatre Royal, Drury Lane

Bill T Jones for SPRING AWAKENING at the Novello

Anthony Van Laast for SISTER ACT at the London Palladium

Stephen Mear for HELLY DOLLY! at the Open Air


BEST LIGHTING DESIGN

BURNT BY THE SUN designed by Mark Henderson at the Lyttelton

ENRON designed by Mark Henderson the Jerwood Theatre Downstairs at the Royal Court and now at the Noel Coward

SPRING AWAKENING designed by Kevin Adams at the Novello

THREE DAYS OF RAIN designed by Jon Clark at the Apollo


BEST COSTUME DESIGN
HELLO DOLLY! designed by Peter McKintosh at the Open Air
MADAME DE SADE designed by Christopher Oram, Donmar at Wyndhams

THE MISANTHROPE designed by Amy Roberts at the Comedy
PRISCILLA, QUEEN OF THE DESERT- THE MUSICAL designed by Tim Chappel and Lizzy Gardiner at the Palace


BEST SOUND DESIGN

EVERY GOOD BOY DESERVES FAVOUR designed by Christopher Shutt at the Olivier

JERUSALEM designed by Ian Dickinson for Autograph at the Jerwood Theatre Upstairs at the Royal Court and now at the Apollo

MOTHER COURAGE AND HER CHILDREN designed by Andrew Bruce and Nick Lidster for Autograph at the Olivier

SPRING AWAKENING designed by Brian Ronan at the Novello


THE AUDIENCE AWARD FOR MOST POPULAR SHOW

BILLY ELLIOT music by Elton John, books and lyrics by Lee Hall at the Victoria Palace

THE PHANTOM OF THE OPERA music and book by Andrew Lloyd Webber, lyrics by Charles Hart, book and additional lyrics by Richard Stilgoe at His Majestys
WAR HORSE based on the novel by Michael Morpurgo, adapted by Nick Stafford at the New London

WE WILL ROCK YOU based on the songs of Queen, by Ben Elton in collaboration with Brian May and Roger Taylor at the Dominion
WICKED music and lyrics by Stephen Schwartz, book by Winnie Holzman at the Apollo Victoria

Samstag, 6. Februar 2010

21 Guns bei den Grammys

Ich habe an diesem Wochenende leider nicht viel Zeit um lange Texte zu verfassen. Als Trost gibt's das Video von den Grammys, die am letzten Wochenende in den USA verliehen wurde - Green Day singt mit dem Ensemble des kommenden "American Idiot"-Musicals den Hit "21 Guns" aus dem Album "21st Century Breakdown", das als bestes Rock Album des Jahres ausgezeichnet wurde.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Roméo et Juliette kehren nach Paris zurück

Zehn Jahre nach der Uraufführung kehrte das Musical von Gérard Presgurvic in dieser Woche an seinen Ursprungsort zurück, den Palais des Congrès in Paris. Seinerzeit war es nach dem sensationellen Erfolg von "Notre Dame de Paris" der erste vergleichbare Hit eines französischen Eigenwerks, ehe allmählich die Flaute einsetzte und sich nachfolgende Werke wie "Gladiateur", "Autant en emporte le vent" und "Les enfants de soleil" eher schwer taten.
"Roméo et Juliette" dagegen wurde nicht nur in Frankreich ein riesiger Erfolg, sondern verkaufte sich auch im Ausland gut, darunter eine deutschsprachige Aufführung im Wiener Raimund Theater und eine englischsprachige Version im West End, die jedoch im Heimatland von Shakespeare mit Hohn und Spott überzogen wurde – was angesichts der schrecklichen Übersetzung nicht ganz unberechtigt war. Zu gering war außerdem die britische Bereitschaft sich auf den völlig anderen Stil der französischen "spectacles" einzulassen, die schon immer eher Popkonzert mit dünnem roten Faden waren als dramaturgische Erzählungen.

Erfolgreich war auch eine kurze Tournee in Südkorea und Taiwan im Frühling 2007 in der französischen Originalversion; ein Großteil der Darsteller dieser Tournee ist nun auch wieder in Paris dabei, in einer völlig neuen Inszenierung mit neuen Kostümen, Bühnenbildern und Choreografien. Von der Originalbesetzung sind nur noch zwei bekannte Gesichter dabei, Tom Ross als Tybalt und ein deutlich gereifter Damien Sargue in seiner Paraderolle Roméo. Seinerzeit galten er und seine Julia Cecilia Cara als sensationelle Talente mit 19 bzw. 16 Jahren, doch während Cecilia Cara immerhin in anderen Musicals unterkam, zuletzt als Sandy in der Pariser Fassung von "Grease", war Damien Sargue weniger Glück beschieden. Seine Solo-CD wurde nie veröffentlicht und außer dem Roméo waren dem einstigen Wunderkind auch keine weiteren großen Rollen beschieden. Immerhin durfte er in der französischen Fassung der "Phantom der Oper"-Verfilmung den Raoul synchronisieren. Mit der 25-jährigen Joy Esther, die ebenfalls in Asien schon dabei war, steht ihm nun auch eine wesentlich reifere Julia zur Seite. Weitere bekannte Gesichter sind Ida Gordon, die im erfolgreichen französischen Revival von "Anatevka" dabei war, als Amme und Cyril Niccolai, der u.a. als Gringoire in der Tournee von "Notre Dame de Paris" und als Ashley Wilkes in "Autant en emporte le vent" zu sehen war, als Benvolio.

Insgesamt 12 neue Songs hat Gérard Presgurvic für die neue Version geschrieben, von denen es allerdings nur knapp die Hälfte in die Show geschafft haben. Die anderen werden zumindest auf der neuen CD zu hören sein, die bald erscheinen soll. Derzeit arbeitet er an einem neuen futuristischen Musical mit dem Titel "9999, Une deuxième chance", das von der ins Welt ausgewanderten Menschheit handelt, die im Jahr 9999 nach 7000 Jahren auf die Erde zurückkehrt um einen Neubeginn zu wagen. "Roméo et Juliette" ist noch bis zum 4.April in Paris zu sehen, eine anschließende Tournee in Frankreich ist geplant.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Duncan Sheik schreibt “American Psycho”-Musical

Neues von einer der größten Nachwuchshoffnungen am Broadway: Songwriter-Singer Duncan Sheik (“Spring Awakening”) soll zusammen mit Autor Roberto Aguirre-Sacasa ein Musical schreiben, das auf dem “Skandal”-roman “American Psycho” von Bret Easton Ellis basiert. In dem Buch meuchelt der aalglatte stinkreiche Wall Street-Banker Patrick Bateman heimlich auf brutale Weise all diejenigen die ihm irgendwie unsympathisch sind. Aufgrund der grafischen Beschreibungen landete “American Psycho” in Deutschland zunächst sogar auf dem Index, wurde aber später freigegeben. Auch eine Verfilmung mit Christian Bale gab es.

Ob “American Psycho” nun dummer Trash à la Tarantino ist oder eine brilliante Satire auf die Haifische der Wall Street, mag jeder für sich selbst entscheiden. In der aktuellen Stimmung im Volk dürfte alles, was gegen Banker geht, gut ankommen. Doch laut Sheik soll das Musical in den 80er Jahren spielen, in denen der Roman spielt, das Lebensgefühl der Yuppie-Ära wiedergeben und auch die Musik der Zeit.

Wann “American Psycho” auf die Bühne kommt, steht noch nicht fest. Derzeit erlebt Duncan Sheik’s “Whisper House” seine Uraufführung im Old Globe Theatre in San Diego.

Dienstag, 2. Februar 2010

Joop van den Endes Pläne für die Niederlande vorgestellt

Onkel Joop hat am gestrigen Montag in der Theaterfabrik Amsterdam einen “Mehrjahresplan” vorgestellt mit den Musicals die er in den kommenden drei Jahren in den Niederlanden präsentieren will. So richtig große Überraschungen gibt es nicht. Die Planung für die kommende Saison 2010/2011 ist bereits bekannt: "Mary Poppins" in Scheveningen, "We will rock you" in Utrecht und "La Cage aux Folles" in Amsterdam stehen schon länger fest, dazu kommt eine Tournee von “Urinetown” mit u.a. Rene van Kooten, Suzan Seegers und Jamai Loman. Auch “Petticoat”, das extra für Chantal Janzen konzipierte Musical, wird auf Tourne gehen und Simone Kleinsma mit einer neuen Solo-Show. Auch “Zorro” soll noch in der kommenden Saison eine Tournee in den Niederlanden starten.

Für das Circustheater in Scheveningen sind als Nachfolger von "Mary Poppins" bereits "Wicked" und "Billy Elliot" auserkoren. Da die “Long-Runs” dort gewöhnlich zwei Jahre spielen, bedeutet das wohl, dass "Billy Elliot" 2014 starten wird. Fürs Beatrix Theater sind "Sister Act" und "Jersey Boys" als Nachfolgeproduktionen von "We Will Rock You" angedacht – scheint, als ob die Den Haager die “guten” Stücke bekommen und die Utrechter das leichte Entertainment.

Als Tourneeproduktionen erwägt Onkel Joop Revivals von “Singin’ in the rain” und “Miss Saigon”, sowie eine eigene Version von Disneys “Glöckner von Notre Dame” – das könnte dann auch für deutsche Fans interessant werden, die die ehemaligen Stella-Produktionen noch einmal wiedersehen möchten, vielleicht sogar in verbesserten Versionen (wobei ich nicht mehr zu hoffen wage, dass man das unsägliche Ende der Vietnam-Schmonzette so grundlegend ändert, dass die Show endlich Sinn macht). Außerdem plant die gute Frau Douwes wohl eine Soloshow u.a. mit Sondheim-Songs.

Sondheim steht auch bem M-lab in Amsterdam anlässlich seines 80.Geburtstag in diesem Jahr groß auf dem Programm, Außer einem Sondheim-Konzert und “Sunday in the park with George” noch zwei komplette Soundheim-Musicals präsentiert werden. Außerdem plant man für die nahe Zukunft Aufführungen von “Spring Awakening”, “Next to Normal” und “Gypsy”. Dann lohnt sich wohl auch endlich wieder ein Trip an die Amstel .


PS: 3 Gummipunkte für denjenigen der merkt, welcher erwartete große Hit der nächsten Jahre hier fehlt.

Montag, 1. Februar 2010

Love never dies bei den South Bank Show Awards

ALW hatte ordentlich die Werbetrommel gerührt für die "Weltpremiere" des Titelsongs von "Love never dies", den er am letzten Dienstag mit seiner neuen Christine Sierra Borggess bei den South Bank Show Awards vorstellte. Am gestrigen Abend war nun die Ausstrahlung bei ITV und Ernüchterung machte sich schnell breit. Von wegen Weltpremiere. Eine Weltpremiere ist es vielleicht, dass ein Komponist einen Song zum DRITTEN Mal recycelt. Was nun "Love never dies" heißt, war schon vor über zehn Jahren zu hören und zwar damals von Dame Kiri te Kanawa unter dem Titel "The heart is slow to learn" - und sollte schon damals für "Phantom 2" verwendet werden. Dann tauchte der Song jedoch unter dem Titel "Our kind of love" im Musical "The Beautiful Game" auf, gesungen von Hannah Waddingham und auch als CD veröffentlicht. In seiner dritten Inkarnation kehrt er nun wieder zum Phantom zurück.

Okay, Andrew, es ist ein schöner Song, aber neu ist er nun wirklich nicht. Was ist aus dem Mann geworden, der früher neue Musicals schrieb in denen fast jeder einzelne Song ein Hit war oder Hitpotenzial hatte?
Hier ist der Clip von den South Bank Show Awards: