Mittwoch, 14. März 2012

Rebecca Hin-und-Her geht weiter

Die Rebecca-Posse am Broadway geht in die nächste Runde: Produzent Ben Sprecher ließ nun verlauten, dass "Rebecca" nun doch im Herbst 2012 an den Broadway kommen soll und dann das Broadhurst Theatre übernimmt, in dem aktuell noch bis 22.Juli das Revival von "A Streetcar named Desire" zu sehen ist. 
Ob zumindest Sierra Boggess und Karen Mason noch dabei sein werden, steht scheinbar nicht fest. Boggess-Gatte Tam Mutu, der ursprünglich als Maxim de Winter gecastet war, übernimmt jedenfalls nun erstmal den Javert bei "Les Misérables" in London. Angeblich wird bereits wieder geprobt und die Lücke bei der Finanzierung wurde gestopft. Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass Rebecca bei meinem New York-Besuch im Herbst schon wieder dicht wäre... wenn ich es jetzt doch im September sehen könnte, würde ich schon lachen. 

Montag, 12. März 2012

Oorlogswinter - Heerlen

Erst das Buch, dann der Film, nun das Musical: Auch das National Jeugd Musical Theater der Niederlande nutzt die aktuell beliebte Verwertungskette von Stoffen. Nach "Kruistocht in Spijkerbroek" setzten sie diesmal auf den Bestseller von Jan Terlouw, der den letzten Kriegswinter 1944/45 in den Niederlanden aus der Sicht des fast 16-jährigen Michiel van Beusekom schildert:
Als sein Freund Dirk nach einem gescheiterten Überfall auf ein Lager der Nazis verhaftet wird, übernimmt Michiel die Versorgung eines abgeschossenen englischen Piloten, den Dirk und seine Freunde in einem Versteck im Wald verpflegten. Michiels Schwester Erica, die als Krankenschwester arbeitet, wird von ihm dazu geholt um den verletzten Piloten Jack zu versorgen und verliebt sich natürlich in ihm. Derweil versucht Mutter van Beusekom zuhause die Familie zusammen zu halten, auch als der Vater von den Nazis mitgenommen und erschossen wird. Nicht genug damit, am Ende stellt sich auch noch der nette Onkel Ben als Verräter heraus.

Das Originalbuch kenne ich nicht, darum kann ich nicht sagen, in wie fern der Film etliches weggelassen hat und in wie fern das Musical (an dem Buchautor Jan Terlouw mitarbeitete) zusätzliche Szenen in die Handlung gestrickt hat, doch während der Film eine lineare spannende Handlung erzählte, in der es vor allem darum ging, Jack hinter dem Rücken der Nazis in die bereits von den Briten befreite Zone zu schmuggeln, wurde das Musical mit etlichen Nebenhandlungen überfrachtet, die das Stück quälend in die Länge zogen.

Da das National Jeugd Musical Theater zu familienfreundlichen Preisen (Paket mit vier Eintrittskarten 85 Euro) vor allem für jüngere Leute spielt, wirkte auf mich etliches nur zu dem Zweck eingeschoben um die heutige Jugend über den 2.Weltkrieg zu belehren. Vor allem deutlich wurde dies in einer Szene, in der sich ein jüdischer Mann mit seinem Sohn zu den van Beusekoms flüchtet und die Jahre der Judenverfolgung von den Anfängen (der gelbe Stern) bis zum bitteren Ende schildert. Auch die ultra-patriotische Baronin, die lieber fahnenschwenkend auf ihrem zerbombten Landgut untergeht als es den Nazis zu überlassen, wirkte eher wie eine Lektion in Patriotismus als eine sinnvolle Handlungsergänzung.

Die Musik von Klaas van Donkersgoed und Marieke van Diepen unterstützte die Handlung (wie man so freundlich sagt, wenn aber auch wirklich gar nichts positiv herausstach) und folgte dem üblichen Raster: Ensemblenummer, Solo für Hauptfigur 1, Solo für Hauptfigur 2, Duett des Liebespaares, große Ensemblenummer zur Pause, usw. Neben Musicalstar Janke Dekker in der Doppelrolle der Mutter und der Baronin glänzten junge frische Talente wie Soy Kroon als Michiel und Timo Descamps als Jack, die sich hier die Bühnenreife für spätere große Produktionen holen. Die Bühnenbilder nutzten vor allem Projektionen auf intelligente (und vermutlich kostensparende) Weise, doch das Stück krankte vor allem an dem schleppenden Buch und den vielen Nebenhandlungen, durch die die eigentliche spannende Handlung vernachlässigt wurde. Auch das bewegende Finale des Filmes, in der Michiel seinen verräterischen Onkel Ben konfrontiert, wurde deutlich entschärft.

Als familienfreundliche Produktion zum kleinen Preis war "Oorlogswinter" durchaus gelungen, doch mir persönlich war es zu sehr "Lehrstück" und zu wenig echte Handlung – da hatte mir der Vorgänger "Kruistocht in Spijkerbroek" doch besser gefallen. Aber trotzdem schön, dass es das NJMT überhaupt gibt und sovielen jungen Leuten die Chance gibt, auf der Bühne zu stehen.

Freitag, 9. März 2012

"Shrek" schliesst in London

Oh Gott, der März ist schon über eine Woche alt, und ich stelle fest, dass es aus der Musicalwelt aber auch gar nichts NEUES zu berichten gibt. Nun gut, jetzt ist also bekannt geworden, dass das grüne Monster im Januar 2013 in London schließen wird um anschließend auf Tournee zu gehen, doch bis dahin fließt noch viel Wasser die Themse hinunter. Aber ansonsten? 

Onkel Joop hat in den Niederlanden bekannt gegeben, dass "Ghost" als nächstes ins Beatrixtheater von Utrecht ziehen wird und "Sister Act" ins Circustheater von Scheveningen. Damit scheint man wohl passend zur Location darauf zu setzen, dass in einem Urlaubsort am Meer weiterhin leichte Muse gespielt wird und in der Großstadt Herzschmerz-Geschichten. Der Erfolg dürfte beiden Stücken garantiert sein, wobei "Ghost" immerhin noch ein wenig frischer daher kommt als "Sister Act", das Stage Entertainment mittlerweile in ganz Europa klont. 

Auch der Broadway hüllt sich derzeit in Langeweile, doch immerhin erscheint nun die CD des charmanten Überraschungserfolges "Once". Und das erfolgreiche "Company"-Konzert der New Yorker Philharmoniker wird sogar in deutschen Kinos ausgestrahlt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. rrrrrrrrrrrr

Donnerstag, 1. März 2012

In-Between - A new musical

Dank Internet und vor allem Social Media können heute Künstler jeder Couleur viel leichter auf ihre Arbeit aufmerksam machen als noch vor einigen Jahren. Gerade Musicalkomponisten profitieren davon, ihre Werke relativ günstig im Internet zur Verfügung zu stellen und über Youtube, Facebook und Myspace bekannt zu machen. Gewöhnlich halte ich nicht viel von diesen "Bitte hör dir mein tolles neues Musical an!"-Bettelmails und Forenpostings, die ich von den Beteiligten erhalte, vor allem von jenen, die bereits in Internetforen damit werben, was für ein bahnbrechendes hochwichtiges Werk für die Menschheit sie geschaffen haben. 

Aber manchmal ist zwischen monumentalen Egos und öder Massenware die ein oder andere Perle dabei, bei auch mein altes zynisches Herz noch einmal höher schlägt. Ein solcher Fall ist nun In-Between – A new musical der jungen britischen Komponistin Laura Tisdall, die sieben Songs ihres Musicals mit namhaften West End-Künstlern aufgenommen und im Internet bei Facebook und Youtube veröffentlicht hat. Die Geschichte um die junge Flick, die sich in eine Parallelwelt namens "The In-Between" verirrt und dort einem jungen Mann namens Calicus begegnet, mag auf den ersten Blick nicht viel hergeben, doch die Musik von Laura Tisdall hat mich beeindruckt wie schon lange nichts neues mehr.
Mit dem Knallersong "Someone you'd be proud of", gesungen von Lauren Samuels, hat sie eine Ballade geschrieben, wie ich sie seit den besten Zeiten von Andrew Lloyd Webber nicht mehr gehört habe und auch "Beyond the door" von Hadley Fraser und "Not Alone" von Alexia Khadime und Liam Tamne sind wirklich gelungene moderne Musicalsongs, die sofort ins Ohr gehen und dort kleben bleiben. 

Natürlich kann man sich die sieben Songs bis zum Erbrechen kostenlos auf ReverbnationYoutube oder Facebook anhören, aber ich persönlich habe gerne die 6,93 Euro bezahlt, die sie als Download auf iTunes kosten – denn eine so vielversprechende junge Komponistin sollte man fördern. Hoffentlich erhält sie eine Chance, ihr Werk einmal in London auf die Bühne zu bringen.

Montag, 27. Februar 2012

5 Oscars für "The Artist"

Die französische Hommage an die Stummfilmzeit "The Artist" hat erwartungsgemäß die wichtigsten Oscars abgeräumt – und das völlig zu recht. Positiv überraschend ist vor allem, dass Hollywood über seinen Schatten springen konnte und dem Franzosen Jean Dujardin den Oscar als besten Hauptdarsteller überreichte, den dieser auch wirklich verdient hatte.

Ich persönlich hätte den Oscar für den "besten Film" vielleicht noch eher bei Martin Scorseses zauberhaftem Kino-Märchen "Hugo Cabret" gesehen, das mich auf einem tieferen Level berührte als "The Artist", doch erstaunlich ist letztendlich wie ähnlich sich die beiden Filme sind. Beide beschäftigen sich mit den frühen Tagen des Kinos und zollen Künstlern jener Tage Respekt: "The Artist" den Stummfilmstars wie dem fiktiven George Valentin, die von den "Talkies" überrollt und obsolet gemacht wurden, "Hugo Cabret" dem realen George Méliès, einem der ersten Filmemacher überhaupt, dessen Karriere durch den ersten Weltkrieg abrupt beendet wurde und der tatsächlich – wie in "Hugo" geschildert – später als Spielwarenverkäufer im Gare Montparnasse endete. Und auch wenn der Name Méliès in Vergessenheit geriet, kennt doch jeder das berühmte Bild des Mondes, in dessen "Gesicht" eine Rakete gelandet ist. Vielleicht ist es sinnvoll, dass Hollywood einmal Rückschau auf diese Anfangstage hält und die Magie, die einst von der "Traumfabrik" ausging, die sich heute so häufig nur noch in technisch aufgeblasenen Blockbustern und banalen Adaptionen von zweitklassigen Büchern wie den Twilight-Schmonzetten ergeht.
 
Beachtenswert ist darüber hinaus, dass Spielberg keinen einzigen Oscar für "War Horse" mit nach Hause nehmen durfte. So sehr ich das originale Buch von Michael Morpugo und die geniale Bühnen-Adaption mag, so sehr ist diese Entscheidung wohl richtig. "War Horse" war ein wunderschöner Film, aber Spielberg drückte zu häufig ganz bewusst auf die Kitschdrüse um den Film wirklich ernst nehmen zu können – neben "Hugo Cabret" und "The Artist" mit ihrer leisen Magie konnte er da nur verlieren. Mit leichtem Neid daher ein "Herzlichen Glückwunsch" und "Félicitations" ins Nachbarland, wo eine grandiose Filmindustrie von leichten Komödien über üppige Kostümfilme bis zu ernsten Dramen eine Vielfalt herausbringt, von der man in Deutschland mit seinen ewig gleichen kopflastigen Sozialdramoletten nur träumen kann.

Freitag, 24. Februar 2012

"Moses - Die zehn Gebote" 2013 in St.Gallen

Das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" von Michael Kunze und Dieter Falk soll zum Bühnen-Musical umgearbeitet am 23.Februar 2013 im Theater St.Gallen Premiere haben. Dies gab Theaterdirektor Werner Signer am gestrigen Donnerstag vor versammelter Presse bekannt. Die eigentliche Uraufführung war ein Auftragswerk der evangelischen Kirche in Deutschland zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010, bei der tausende Chorsänger die "10 Gebote" in der Dortmunder Westfalenhalle zur Aufführung brachten. Das Musical soll zwar darauf aufbauen, wurde jedoch zu einem ganz neuen eigenständigen Werk mit dem Titel "Moses - Die zehn Gebote" umgearbeitet. 

Kunze wäre nicht Kunze, wenn er aus dem biblischen Moses nicht wieder eine historische Figur in modernem Rahmen machen würde, der voller Zweifel und Zerrissenheit "auf Suche nach innerer Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit" ist. Hatten wir die "innere Freiheit" nicht schon bei der zweifelden Sissi und dem zerrissenen Mozart? Vielleicht gibt ja hier Gott höchstpersönlich das Gimmick ab, das bei den Vorgängerwerken der übersinnliche Tod und das Porzellankind Amadé darstellten. Moses' Frau Sephora als "emanzipierte Frau und Mentorin, die Moses moralisch unterstütze" soll wohl die weibliche Hauptfigur abgeben. Da dürfte eine "Ich steh zu dir, mein lieber Mann!"-Ballade vorprogrammiert sein.

Sei's drum, interessant ist das Projekt auf jeden Fall und macht Lust auf eine Reise in die schöne Schweiz, wo das Theater St.Gallen seit einigen Jahren eine wirklich beeindruckende Serie an aktuellen frischen Musicals präsentiert.

Dienstag, 21. Februar 2012

Adam et Eve, la seconde chance - Palais des Sports

Der Kontrast hätte nicht größer sein können - erst das uralte kleine Théâtre Déjazet mit einem Musical, das an alte Musical Comedies anknüpft, dann der riesige hochmoderne Palais des Sports mit dem neuesten knallbunten Spectacle - "Adam et Eve, la seconde chance".  Es handelt sich erst um das zweite Musical von Pascal Obispo nach "Les Dix Commandements" und anders als Kollegen wie Kamel Ouali, die irgendeine historische oder literarische Figur nehmen und einen hauchdünnen Handlungsfaden um knallige Tanznummern und laute Popmusik stricken, legte Obispo immerhin noch Wert darauf, eine frische Geschichte zu erzählen. Dass der große Mann höchstselbst vor mir Platz nahm, war ein weiteres Schmankerl, mit dem ich nicht gerechnet hätte.

Sein Musical mischt "Romeo & Julia", "Metropolis" und "Aida" zu einer Geschichte, bei der "Eden City" eine typische moderne High Tech-Stadt ist, in der Solus mit harter Hand regiert. Adam, einer seiner Getreuen, soll seine Tochter Lilith heiraten, doch eine Gruppe Rebellen "von der anderen Seite" (L'autre côte), angeführt von "Snake" torpediert die Festlichkeiten mit Krawall. Im Chaos findet sich Adam Eve gegenüber, einer der Rebellinnen. Er folgt ihr auf die andere Seite, wo die einfachen Menschen hart arbeiten müssen, aber trotzdem viel glücklicher leben und schliesst sich ihnen an. Als Lilith und Solus Eve kidnappen lassen, starten die Rebellen einen Großangriff um sie zu befreien, Solus' Herrschaft zu beenden und Eden City selbst zu führen. Die "zweite Chance" für Adam und Eve. 

Das ist alles nicht sonderlich tiefgründig, aber wie so üblich bei den Spectacles, macht das auch nichts aus. Es geht schliesslich um die Show, die grandiosen Choreographien eines jungen Mannes, der auf den Namen "Tokyo" hört und von denen mir die große Bollywood-Nummer "Time to see the light" am besten gefallen hat, die vielen vom Cirque du Soleil inspirierten Luftakrobatik-Nummern und die flotte Musik, eine typische Franko-Pop-Mischung aus vielen schnellen Songs und einigen Balladen, sowie einer aus dem Rahmen fallenden altmodischen Akkordeon-Nummer, die Strawberry als Püppchen auf einer Music Box singt.

Leider bleibt gerade Adam ausgesprochen langweilig und blass, auch wenn Thierry Amiel durchaus eine angenehme Stimme besitzt, die er zu selten zeigen darf. Was eine Frau wie Eva an diesem steifen blassen Typen findet, bleibt ein Rätsel. Radames hatte wenigstens einen braungebrannten Six Pack mit dem er Aida beeindrucken konnte, aber Adam bleibt zuknöpft. Als Rebell mit hochtopierten Haaren erinnerte er im zweiten Akt vor allem an die irischen Chaos-Zwillinge von Jedward, was nicht gerade dabei half, ihn ernst zu nehmen. Cylia als Eve hatte es da schon besser, da sie immerhin mit "Je te jure" noch ein schönes Solo singen durfte, aber insgesamt blieb das eigentliche Hauptpaar der Show uninteressant.

Viel beeindrucker dagegen die zweite Reihe: Nuno Resende als "Snake" lieferte eine mitreißende Show mit tollem Tanz, Gesang und kübelweise Charisma ab und begeisterte in jeder Sekunde. Hinreißend auch Liza Pastor als böse Lilith mit einer beeindruckenden Pole Dancing-Nummer, die jede öde Nutten-Szene aus den historischen Musicals um Längen schlägt, und mit einer Luftkampf-Nummer mit Resende. Als Solus gibt es ein wiedersehen mit Leopold Mozart Solal, der wieder den gestrengen Papa geben darf, aber nicht weiter auffällt, ebenso wie Noemie Garcia als Eves beste Freundin Strawberry und Sam Stoner (!) als Mynt, ein Erzähler mit Gitarre, der vor allem an Gringoire aus "Notre Dame de Paris" erinnert.

Wer die französischen Spectacles hasst, würde auch dieses hassen, wer sie aber liebt, hat hier ein weiteres wirklich gelungenes Werk mit einer tollen Videoclip-Ästhethik und vielen mitreißenden Nummern. Dass der große Hit "Rien ne se finit" erst nach dem Finale kam, spielte da auch keine Rolle mehr. Es ist jedes Mal wieder beeindruckend, wie Dutzende junge Leute schon zum Finale nach vorne an die Bühne stürmen und den Palais des Sports in eine Konzerthalle verwandeln. Ich hatte jedenfalls jede Menge Spass und die Kombi modernem Spectacle und altmodischer Comedie machte die Theaterbesuche in Paris zu einem wirklichen Vergnügen.