Samstag, 28. April 2012

The Duchess of Malfi - Old Vic

Nach einer kleinen Pause und Stärkung im Café Rouge ging es dann abends gleich weiter mit dem Gemetzel – diesmal im Old Vic Theatre südlich der Themse, wo Jamie Lloyd eine neue Produktion von Websters Klassiker "The Duchess of Malfi" inszeniert hatte. In der Titelrolle war die grandiose Eve Best zu sehen, die mich seit drei Jahren als herrlich biestige Dr O'Hara in "Nurse Jackie" begeistert und als ihr durchgeknallter Bruder Fernando, der ihr das Leben zur Hölle macht, Jungstar Harry Lloyd, der schon dem durchgeknallten Viserys in "Game of Thrones" erstaunlich viel Leben einhauchte. Klar, die beiden musste ich live sehen!

Bei der Herzogin von Malfi handelt es sich um um die reale Giovanna d'Aragona, die im 15.Jahrhundert im damals selbständigen Amalfi an der italienischen Küste lebte und deren unglückliche Liebe zu ihrem Haushofmeister Antonio Bologna schon bald Eingang in die italienische Literatur fand, wo sie auch John Webster später fand und adaptierte. In seiner Version sind es ihre Brüder, der regierende Herzog Fernando und der Kardinal, die sie zwingen mit Antonio aus Malfi zu fliehen. Der immer irrer werdende Fernando, dessen Interesse an ihr weit über brüderlicher Zuneigung hinaus geht, setzt zusätzlich den Spion Bosola auf sie an, der schon bald berichtet, dass die Herzogin Kinder von ihrem Paramour bekommen hat. Fernando dreht völlig durch und lässt sie verhaften und später hinrichten, doch Bosola zwackt das schlechte Gewissen und er rächt ihren Mord an den Brüdern.

Ich wurde nicht enttäuscht – wie so üblich gab es in London keinen Regietheater-Unsinn sondern eine solide Inszenierung in einem gotischen Rahmen mit dunklen Bogengängen, Kerzen, Weihrauch und waberndem Nebel, der die unheimliche Atmosphäre am Hof von (A-)Malfi hervorragend widerspiegelt, wo intrigiert und gemeuchelt wird. Leider funktionierte die Besetzung dann nicht so hundertprozentig, weil es schwer war, die 40-jährige Eve Best und den 28-jährigen Harry Lloyd als gleichaltrige Zwillinge zu sehen – sie kann zwar als einige Jahre jünger durchgehen, er jedoch nicht als älter. Trotzdem spielten beide grandios und ihre Konfrontation nachdem Fernando von ihrer Ehe mit Antonio erfährt gehörte zu den besten Szenen, die ich seit langem erleben durfte. Großartige Leistungen auch von Mark Bonnar als Spion in Gewissensnöten Bosola, Tom Bateman als Antonio und vor allem Finbar Lynch als eisiger Kardinal, der nach einem Unfall seit der Premiere mit gebrochenem Arm in einer speziellen Schlinge spielt.

Ein Problem des Stückes ist leider, dass Webster seine Heldin bereits zum Ende des 4.Aktes sterben lässt, so dass sich anschließend noch ein ganzer weiterer Akt recht langwierig hinzieht, bis alle anderen ebenfalls gemeuchelt wurden. Zwei Blutbäder an einem Tag – so kann man sich auch eine schöne Zeit in London machen. Der Doppelpack hat sich auf jeden Fall gelohnt!

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