Die Geschichte hätte sich Max Bialystock auch nicht besser ausdenken können: In den Niederlanden steht die von Mark Vijn produzierte Tournee von "The Producers" bereits eine Woche nach der Premiere im Chassé-Theater Breda vor dem Aus. Am Samstag ließ Mark Vijn verlauten, dass der Kartenvorverkauf derartig schlecht liefe, dass er daran denke, das Stück nach der Spielzeit in Breda einzustampfen. Seiner Meinung nach liegt es am "schlechten wirtschaftlichen Klima" und daran, dass sich zuviele Menschen darauf verlassen, sehr kurzfristig rabattierte Karten zu erwerben. Wovon sich ein Musical nunmal nicht bezahlen ließe. Selbst per email wurde ein Aufruf an Musicalliebhaber rundgeschickt, die Show zu retten indem man Karten kaufe. Bitte jetzt sofort. Sollte sich die Situation bis Sonntag Abend nicht bessern, müsse man die Show schließen. Manche dachten daraufhin gleich an einen Publicity Stunt, passend zum Stück und seinen chaotischen Produzenten.
Tatsächlich ist es aber wohl einfach so, dass die "Producers" außer in den USA, wo sie von der maßlosen Hype rund um die Premiere am Broadway und die zahllosen Tonys begleitet wurden, nirgendwo so richtig ein Hit wurden. Joop van den Ende hatte vorausschauend die kontinentaleuropäischen Rechte abgelehnt und das Feld kleineren Produzenten überlassen, die seitdem damit auf die Nase fielen. Das Thema "Hitler" ist auf dem Kontinent vermutlich einfach zu ernst, zu historisch beladen und noch zu frisch um es in einem Musical zu veralbern. Auch die Kartenpreise von 60 Euro für gute Sitze dürften in den Niederlanden, wo sonst nur die jeweilige Top-Tournee von Joop van den Ende diese Preise verlangt, zum mangelnden Kartenabsatz beigetragen haben und die starke Konkurrenz, sowohl auf Tournee (Zorro, Petticoat) als auch in Residenz (Soldaat van Oranje, Miss Saigon, Wicked). Wie der "Telegraaf" am heutigen Montag berichtet, waren in Breda durchschnittlich nur 400 von 1400 Plätzen verkauft worden. Nun will Mark Vijn mit Investoren verhandeln um das Stück und seine Produktionsfirma zu retten. Wie ironisch, dass ausgerechnet die "Producers" einen der größten Produzenten in den Niederlanden zu Fall bringen.
Update: Das definitive Aus wurde am heutigen Nachmittag verkündet. Alles Gute den Darstellern und Produzenten, dass die Firma an sich noch zu retten ist.
Montag, 31. Oktober 2011
Freitag, 28. Oktober 2011
Broadway Bro Down bei South Park
Dass die South Park-Autoren Trey Parker und Matt Stone ein Herz für den Broadway haben, weiß man nicht erst seit "The Book of Mormon". Mit der Folge "Broadway Bro Down", die in dieser Woche in den USA ausgestrahlt wurde, haben sie sich wieder einmal selbst übertroffen. Wer schon immer einmal wissen wollte, was für ein Subtext in den Musicals steckt und ob Stephen Sondheim und Andrew Lloyd Webber als Bros im Titten-Restaurant Hooters rumhängen... der kann sich die Folge zum Glück auch schon in Deutschland über das Internet ansehen, da South Park als einzige Serie bereits die Distributionswege des 21.Jahrhunderts nutzt: Aber aufgepasst: "Wicked" wird nie wieder das gleiche sein...
Elisabeth Tournee 2011 (Köln)
Der Musical Dome in Köln macht in letzter Zeit vor, wie eine sinnvolle Bespielung mit Tourneen der deutschen Musicalszene vermutlich besser bekommen würde, als das Beharren auf Sit Down-Produktionen, die sich nur noch ein Jahr bei schlechter Auslastung durch die Spielzeit schleppen. Abgesehen von einigen Ausnahmen, die aber auch bühnentechnisch so aufwändig wären, dass eine Tournee schlecht zu machen wäre und bei denen – der Erfolg vom “Löwenkönig” zeigts – das Publikum auch nach wie vor eine lange Anreise mit Übernachtung in Kauf nimmt. Kurz hintereinander ziehen nun “Elisabeth”, “Die Schöne und das Biest”, “Grease” und “Die Rocky Horror Show” in Köln ein und bleiben alle nur für einige Wochen, was reicht, um den lokalen Markt abzudecken. Würde Stage Entertainment dem Beispiel von BB Promotion und Semmel folgen und ihre weniger aufwändigen Shows und kleinere Produktionen ebenfalls auf Tournee schicken, könnten Theater wie der Musical Dome, das Colosseum und andere Spielorte die sich mühsam dahin schleppen, wunderbar ganzjährig mit kurzen Musicalspielzeiten gefüllt werden. Für Liebhaber könnte es sogar ein Abo mit rabattierten Karten geben…. Doch, ach, ich träume.
Zurück in die Realität: Das Musical “Elisabeth” geistert mittlerweile genauso rastlos und endlos durchs Land wie es seine historische Titelheldin tat und auch wenn ich eigentlich keine Lust hatte, mir das Stück noch einmal anzusehen, konnte ich eine Freikarte dann doch nicht ausschlagen. Immerhin gibt es eine junge frische Besetzung zu bestaunen und ein neues Bühnenbild. Das Bestaunen von letzterem hielt sich jedoch in enge Grenzen. Dass mit Projektionen gearbeitet wurde, störte mich an sich nicht. Dass diese Projektionen aber ausgesprochen billig wirkten, und aus Versatzstücken bestanden, die auch noch das Bühnenlicht reflektierten, war genauso ärgerlich wie die teilweise einfallslosen Projektionen, die aus der Neuen Hofburg am unteren Rand bestanden und ein paar Wolken, Bäumen oder anderen Gebäuden darüber.
Gespart wurde auch am Orchester, das eher als Band daherkam. Bei den poplastigen Songs war dies okay, aber “Ich gehör nur mir” in seinen zahlreichen Varianten verlor ohne üppige Streicher ganz extrem an Wirkung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal sage, aber: Da wäre es mir fast wirklich noch lieber, sie setzen gleich auf ein üppiges Orchester vom Band als auf eine derartige Sparversion live.
Gespart wurde auch am Orchester, das eher als Band daherkam. Bei den poplastigen Songs war dies okay, aber “Ich gehör nur mir” in seinen zahlreichen Varianten verlor ohne üppige Streicher ganz extrem an Wirkung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal sage, aber: Da wäre es mir fast wirklich noch lieber, sie setzen gleich auf ein üppiges Orchester vom Band als auf eine derartige Sparversion live.
Immerhin waren die alten üppigen Kostüme an Bord, wobei Franzls Bademantel für mich der heimliche Star der Show war. Wo bekommt man dieses Teil, ich möchte damit durch die Thermalbäder des Landes flanieren?
Da ansonsten die Originalfassung durchweg recycelt wurde, gab es nichts neues zu entdecken, was bei mir dann doch manchmal für Langeweile sorgte. Eine ganz frische Inszenierung wäre sicher spannender gewesen und hätte einige der seltsamsten Regieeinfälle des Herrn Kupfer ausgemerzt. Obwohl die Pferdchen in “Wir oder sie” wohl mittlerweile Kult sind; jedenfalls sind sie bislang noch in jeder Version aufgetaucht und bringen mich jedesmal zum Lachen.
Da ansonsten die Originalfassung durchweg recycelt wurde, gab es nichts neues zu entdecken, was bei mir dann doch manchmal für Langeweile sorgte. Eine ganz frische Inszenierung wäre sicher spannender gewesen und hätte einige der seltsamsten Regieeinfälle des Herrn Kupfer ausgemerzt. Obwohl die Pferdchen in “Wir oder sie” wohl mittlerweile Kult sind; jedenfalls sind sie bislang noch in jeder Version aufgetaucht und bringen mich jedesmal zum Lachen.
Nun also die Besetzung, die überraschenderweise fast vollständig in ihren Erstbesetzungen versammelt war: Seit Jahr und Tag ist die Titelrolle fest in holländischen Händen – warum, mag ein anderer wissen. Nun ist es also Annemieke van Dam, die bereits in ihrer zweiten Tournee als Elisabeth durchs Land zieht. Immerhin gelang es ihr, in mir wieder soviel Mitgefühl für die junge überforderte Elisabeth zu wecken, dass sie mich nicht als egoistische Zicke nervte und auch sonst schien sie mit wesentlich mehr Herzblut bei der Sache, als Pia Douwes, die in Essen ihr Programm nur noch runterzuspulen schien. Und dafür, dass “Ich gehör nur mir” ohne Streicher schrecklich blechern klang, konnte Frau van Dam natürlich auch nichts, zumal sie wohl auch stimmlich nicht ganz auf der Höhe war und ein paarmal krächzte wie ein Wellensittich. Für mich eine gute Elisabeth, die die Show trägt, aber auch nichts wirklich herausragendes. Zumal ihre Landsfrau Betty Vermeulen,die biestige Erzherzogin Sophie derartig grandios und haarscharf an der Grenze zur Satire spielte, dass ich dem alten Besen regelmäßig heimlich anfeuerte, Elisabeth zu zeigen, wo in der Hofburg der Hammer hängt.
Alles neu bei den Herren: Allzweckwaffe Mark Seibert, der wohl bestaussehende Leading Man, den Deutschland je produziert hat, darf sich nun als Tod versuchen und dies gelang ihm auch recht gut (auch wenn für mich Stanley Burleson einst die Meßlatte so hoch gehängt hat, dass seitdem niemand mehr daran gekommen ist). Der Tod hat sich über die Jahre immer weiter weg entwickelt von der androgynen Gestalt mit blonder Wallemähne als der er in Wien begonnen hatte und findet nun Vollendung als rockig-männlicher Tod, bei dem man wenigstens versteht, warum sich Elisabeth so begeistert an seinen Hals wirft. "Die Schatten werden länger" war für mich das Highlight des Abends, wobei auch Rudolf-Understudy Martin Markert trotz seiner etwas unglücklichen Ähnlichkeit mit Dumpfbacke Kenneth aus "30 Rock" ebenfalls durchweg überzeugte.
Als Franz-Josef hat Matthias Edenborn, selbst eigentlich rockig und gutaussehend genug für den Tod, die langweiligste Rolle im Stück, die sogar von seinem Bademantel überstrahlt wird, doch irgendwie wirkte er auf mich wie der ideale Franzl mit seinem dichten Haar und seinem buschigen Schnauzbart. Ein Kaiser zum Knuddeln, den man sich ins Regal stellen möchte als Erinnerung an die längst verflossene Monarchie.
Attentär und Che-Klon Lucheni hat sich in den letzten Jahren als Rolle für Newcomer etabliert und Kurosch Abbasi wusste zu begeistern. Der junge Mann, der u.a. schon in “Rent” und “Frühlings- erwachen” zu sehen war, brachte tonnenweise Charisma mit und verdient meinesachtens eine wirklich gute Rolle – ich hoffe die Stage hat ihn im Auge, wenn es bald darum geht, einen Zorro für Deutschland zu finden.
Attentär und Che-Klon Lucheni hat sich in den letzten Jahren als Rolle für Newcomer etabliert und Kurosch Abbasi wusste zu begeistern. Der junge Mann, der u.a. schon in “Rent” und “Frühlings- erwachen” zu sehen war, brachte tonnenweise Charisma mit und verdient meinesachtens eine wirklich gute Rolle – ich hoffe die Stage hat ihn im Auge, wenn es bald darum geht, einen Zorro für Deutschland zu finden.
Insgesamt war es durchaus ein lohnenswerter Abend, aber ich glaube, wenn ich die 84,90 Euro gezahlt hätte, die mein Platz normalerweise kostet, wäre ich doch etwas angesäuert gewesen über die billigen Bühnenbilder und den Sound. Dass einige “Bestplätze” zu diesem Preis verkauft werden, gut, aber die erste Preisklasse füllt fast das ganze Parkett aus und sogar noch die ersten Reihen im Balkon – auf den sich auch nur wenige Menschen verirrt hatten. Überhaupt war der Musical Dome nur zu zwei Dritteln gefüllt. Hier wird es wirklich an der Zeit, sich ein System zu überlegen, Restkarten günstig abzugeben – einen Halbpreis-Kiosk, wie es ihn nicht nur in London und New York gibt, sondern auch in Paris oder Wien, und wo ALLE Häuser ihre Restkarten abgeben können, Day Seats und ähnliches. 50 weitere Zuschauer, die 20 Euro bezahlt haben, sind immerhin noch 1000 Euro Einnahmen, 50 leere Stühle bringen gar nichts.
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Roland Kaiser-Musical soll auf Dresden losgelassen werden
Armes Dresden. Im 2.Weltkrieg vom Feuersturm verwürstet, im Kommunismus durch Bausünden verschandelt, heute von unbelehrbaren Dynamo-Hooligans in Verruf gebracht und nun auch noch das: Wie Semmel Concerts gestern abend mitteilte, soll Dresden ab Herbst 2012 Gastgeber für ein Jukebox-Musical mit den größten Hits von Roland Kaiser werden, das für sechs Wochen in den zum Theater umgebauten Alten Schlachthof einzieht. Da Semmel Concerts vor allem Tourneen veranstaltet, darf damit gerechnet werden, dass das Stück anschließend auch auf zahlreiche Stadthallen in der deutschen Provinz losgelassen wird. Wie gut, dass Herr Kaiser vor kurzem aus dem Vorruhestand zurückkehrte und mit neuer Tournee und neuer CD seine alten Fans wieder aus dem Sessel lockt.
Nichts gegen seine Edelschnulzen. Auch ich habe im fortgeschrittenen Stadium der Alkoholisierung schon “Santa Maria” gegrölt, ein Lied, das zu meiner lang entfleuchten Jugend ein absoluter Mega-Hit war. Aber anders als z.B. bei Udo Jürgens, dessen Texte oft tiefsinnig und voller Aussagekraft waren, kann man bei Roland Kaiser nun wirklich nur von seichten Schlagern um Herzschmerz und Sehnsucht sprechen. Braucht man dazu ein Jukebox-Musical mit einer "Geschichte um Liebe, Sehnsucht und Träume”? Reicht da nicht ein Retro-Abend in der Kellerbar mit alten Schallplatten, Käseigel und sieben Fässern Wein?
PS: Dresden hat bereits zwei geplante Musicalproduktionen auf Nimmerwiedersehen geschluckt (die erste "Elisabeth"-Produktion und das von Friedrich Kurz geplante Michelangelo-Projekt, um das es totenstill geworden ist). Vielleicht besteht Hoffnung, dass aller guten Dinge drei sind?
Dienstag, 25. Oktober 2011
"Masada - the Musical" - ein Rückblick
Vor vielen Jahren, als die Schluchzopern mit ihren vielen Herzschmerz-Balladen, überlebensgroßen Gefühlen und üppigen Bühnenbildern ihre größte Zeit erlebten (eine Zeit, die gerade im deutschsprachigen Raum bis heute die Erwartungen der Musicalfans prägt), brachte der von mir sehr geschätzte Andreas Luketa, damals noch Hauptrezensent von Musical-CDs für die “musicals”, eine Lobeshymne auf die israelische Produktion “Masada”, die als Doppel-CD auf englisch mit namhaften Broadwaysdarstellern erschienen war. Da ich zu jenem Zeitpunkt die Herzschmerz-Stücke schon reichlich über hatte und mich die Thematik damals gar nicht interessierte (Kurzfassung: Knapp tausend jüdische Rebellen begehen in der Bergfestung Masada lieber kollektiv Selbstmord als sich den bösen Römern zu ergeben, die die Festung stürmen), ließ ich “Masada” vollständig an mir vorübergehen.
Aus der geplanten Broadwayaufführung wurde ohnehin nichts und das Stück verschwand jahrelang in der Versenkung, bis es 2008 unter dem Titel “Imagine This” auf einmal in London auftauchte und im New London Theatre ganze sechs Wochen zu sehen war. Vom originalen Thema – der Masada-Legende – war da jedodch schon nicht mehr viel übrig geblieben. Die Handlung war ins Warschauer Ghetto im 2.Weltkrieg verlegt worden, wo sich nun eine Gruppe Juden daran macht, die Masada-Legende als Stück im Stück aufzuführen und daraus Hoffnung zu schöpfen. Wie ein Stück, das mit dem kollektiven Selbstmord der Helden endet, den Juden im Ghetto Hoffnung geben soll, ist mir ebenso rätselhaft wie der neue Titel, unter dem man sich leider gar nichts vorstellen kann. Titel, Thema und Umsetzung stießen dann auch auf entsprechend wenig Gegenliebe und das Stück floppte heftig.
Wer heutzutage als Tourist nach Israel reist und sich nicht nur auf religiöse Stätten fixiert um z.B. in den Spuren von Jesus durchs heilige Land zu ziehen, kommt an einer Besichtigung von Masada kaum vorbei. Die Bergfestung liegt am südwestlichen Ufer des Toten Meeres, so dass sich eine Tagestour dorthin sehr gut mit einem Stopp an einem der Strände verbinden lässt, wo man sich wie ein Schwein im gesunden Schlamm des Toten Meeres suhlen kann. Masada wurde erst 1963-65 vom israelischen Archäologen Yigael Yadin ausgegraben und vom jungen israelischen Staat schnell als Mythos verklärt. Dabei ist heute ziemlich sicher, dass sich der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Josephus Flavius, der als einziger die Belagerung der Römer dokumentierte, die Geschichte vom kollektiven Selbstmord fröhlich aus den Fingern gesogen hat. Trotzdem wurde Masada schnell zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Israels und für viele Jahre wurden junge israelische Soldaten den Berg hinaufgescheucht um oben ihren Eid zu leisten, zu dem auch gehörte, dass “Masada nie wieder fallen dürfe”. Heute nehmen die unzähligen Touristen lieber die bequeme Seilbahn hinauf, oder nutzen die römische Rampe auf der anderen Seite. Doch der traditionelle Aufstieg über den Snake Path, der sich am Berg entlang hochwindet, ist ein spannendes Erlebnis mit traumhaften Aussichten.
Soweit die Geschichte.
Ich hatte fest erwartet, dass sich das mittlerweile sehr rare “Masada”-Doppelalbum im Souvenirshop finden würde, doch dem war nicht so. Sound of Music bietet es als Collectors Item für 149 Euro an, was es mir nun wirklich nicht wert war. Doch zum Glück bot es jemand bei Amazon gebraucht für ganze 10 Dollar an, so dass ich nun zwanzig Jahre nach der Hype doch noch glücklicher Besitzer der Originalfassung wurde. Glücklich? Naja.
Komponist Shuki Levy, der in den 80’er Jahren u.a. die unglaublich eingängigen Titelmelodien der Seifenopern “Dallas” und “Denver” schrieb, hat in der Tat zahlreiche schöne Melodien erschaffen, die oft an Les Mis erinnern, aber auch als mitreißende Filmmusik gut funktionieren (und auf der CD vom Symphonieorchester Moskau schön üppig intoniert werden). Leider fallen die banalen Songtexte und das Buch der US-Soap-Darstellerin Shell Danielson stark ab und machen das Anhören der CDs zu einem zwiespältigen Vergnügen.
Das Stück ist mit schmalzigen Liebesgeschichten überfrachtet und einer entsprechenden Vielzahl von Duetten, von denen sich einige später in “Imagine This” hinüber gerettet haben, darunter das schöne “If Tomorrow never comes” und “Somewhere in the Night”. Interessant ist jedoch nur die Geschichte der Überläuferin Tamar, die die jüdischen Rebellen von Masada verlässt um mit dem römischen General Silva anzubandeln, der entsprechend als Weichei präsentiert wird. Der Handlungsstrang um die hach so glücklichen jungen Liebenden Shem und Ruth wirkt gequält als Tearjerker konstruiert, da man als Zuhörer/Zuschauer ja weiß, dass sie das Stück nicht überleben. "The Wedding" und das implizierte "jetzt schlafen wir einmal miteinander und bringen uns dann um" ist eher peinlich als bewegend. Richtig toll wird “Masada” vor allem in den großen Ensemble-Nummern wie dem Act One Finale “My Jerusalem”, das mit “One day more” locker mithalten kann, und in Eleazars Solo "I never asked", das an Jesus' ähnlichen Monolog in "Gethsemane" erinnert.
Trotzdem glaube ich, dass “Masada” auf den Musicalbühnen eine weitaus bessere Chance gehabt hätte, wäre Levy seiner Erzählung treu geblieben, ohne sie mit dem Ghetto-Stoff zu verbinden. Eine Legende aus dem Jahr 70 n.Chr. ist für die meisten Zuschauer nunmal leichter zu verdauen als die Tragödie des 2.Weltkrieges und des Holocaust, die noch immer sehr frisch in der Erinnerung ist und die man nicht als Musical trivialisiert sehen will.
Dass die Legende einen hervorragenden Stoff abgibt, bewies die großartige Miniserie von 1981, die sich vor allem auf den Konflikt zwischen dem römischen General Flavius Silva (Peter O’Toole) und dem jüdischen Rebellenführer Eleazar ben Yair (Peter Strauss) konzentrierte, mit als einziger Liebesgeschichte der wesentlich weniger schmalzigen Nebenhandlung um die Jüdin Sheva (Barbara Carrera), die Silvas Zelt teilt. Vielleicht unternimmt Levy ja noch einmal einen Anlauf, sein Originalwerk gründlich überarbeitet auf die Bühne zu bringen, vielleicht sogar vor Ort in Masada, wo immer wieder Open Air-Vorstellungen gegeben werden. Die damalige Hype im Fahrwasser von Les Mis und Co kann ich weiterhin nicht nachvollziehen und ich würde auch niemandem raten, die unsinnigen Collector’s Item-Preise im Internet zu bezahlen, aber jenseits von “Imagine This” ist das Stück durchaus eine Entdeckung wert.
Freitag, 21. Oktober 2011
"The Sound of Music" kehrt heim nach Salzburg
Während sich die Fan-Aufmerksamkeit scheinbar komplett auf die Schweizer Premiere von “Rebecca” an diesem Wochenende richtet, findet in Salzburg eine weitaus interessantere Premiere statt: Die Musical-Legende “The Sound of Music” kehrt heim. Sozusagen. Obwohl das Stück, das vor allem in der Filmfassung mit Julie Andrews ein absoluter Klassiker im anglo-amerikanischen Raum ist, weltweit ständig zu sehen ist, war es ausgerechnet in Salzburg, dem Handlungsort des Musicals, noch nie zu sehen. Stattdessen erging man sich an der Salzach in einer seltsamen Schizophrenie: Man gibt sich gerne als Mozart-Stadt und als Stadt der Festspiele, doch mit “The Sound of Music”, der (halbwegs wahren) Geschichte der Klosternovizin Maria, die als Governante beim verwitweten Baron von Trapp eingestellt wird und nicht nur seine siebenköpfige Kinder lieben lernt, sondern auch den Mann selbst, wollte man nichts zu tun haben. Vor allem die Erinnerung daran, dass es durchaus stramme Nazis in Salzburg gab, die den Anschluss begrüßt haben, passte den Salzburgern wenig in den Kram. Zugleich profitierte man jedoch gerne vom nimmermüden Strom der amerikanische, britischen und japanischen “Sound of Music”-Touristen, die sich gerne zu den Drehorten der Filmversion fahren lassen und auf den Spuren der von Trapps wandern.
Nun hat sich also Carl Philip von Maldeghem, der neue Intendant des Landestheaters, an den Stoff gewagt, angeblich, weil die Generation, die sich mit Händen und Füßen gegen “The Sound of Music” wehrte, mittlerweile weggestorben ist. Vermutlich aber, weil Salzburg mittlerweile offener dazu steht, den Touristendollar zu brauchen: Das Musical wird mit englischen “Übertiteln” gespielt und steht bis mindestens nächstes Jahr im Juni auf dem Spielplan. Für die Vorstellungen bis Januar sind schon 90% der Karten verkauft. Und die meisten wird es wohl nicht stören, dass man sich für die Hauptrollen zwei kapitale Fehlbesetzungen erlaubt hat, mit denen man vermutlich die österreichischen Musicalfans locken will: Uwe Kröger, der immer mehr zum dauergebräunten Dieter Bohlen des Musicals mutiert, gibt den Kapitän von Trapp, die Holländerin Wietske van Tongeren, die aus undefinierbaren Gründen mittlerweile ein Abo auf Hauptrollen in Österreich zu haben scheint, gibt die Maria. Sei’s drum, die amerikanischen “Sound of Music”-Touristen wird es freuen, das Stück am Handlungsort sehen zu können.
Dienstag, 18. Oktober 2011
Traumbesetzung für "Pippin" in London
So richtig spannende Updates gab es ja nun keine während meiner Abwesenheit. Macht aber auch nichts. Immerhin hat die Menier Chocolate Factory nun die Besetzung für ihr diesjähriges Wintermusical "Pippin" von Stephen Schwartz bekanntgegeben und wartet dabei mit großen Namen auf: So kehrt Frances Ruffelle auf die Musicalbühne zurück, um die es seit ihrer großen Zeit Ende der 80'er Jahre eher still geworden ist, während ihre Tochter unter dem albernen Künstlernamen Eliza Doolittle als Popsternchen Erfolge feiert. Sie wird in "Pippin" als Fastrada auf der Bühne stehen - für mich ein Grund, nun doch ein Ticket für das Stück zu ordern.
Montag, 10. Oktober 2011
Freitag, 7. Oktober 2011
"Droomvlucht"-Premiere am Sonntag in De Efteling
Bislang war es meistens so, dass Joop van den Ende seine niederländischen Kreativen nach Deutschland schickte um uns mit Meisterwerken wie “Ich will Spass” zu beglücken, doch diesmal ist es andersrum: Komponist Martin Lingnau, dem der ganz große Erfolg in Deutschland bislang leider verwehrt blieb und der mit dem Blaubär-Musical bereits sein Talent für familienfreundliche eingängige Lieder bewies, schrieb in den Niederlanden die Musik zu “Droomvlucht”, einer Co-Produktion von Joop van den Ende mit dem Freizeitpark De Efteling.
Der größte und beliebteste Freizeitpark der Niederlande, der auch gerne von Deutschen besucht wird, eröffnete 2002 ein Theater auf seinem Gelände, in dem zunächst typische Freizeitparkshows und Märchen für die ganze Familie gezeigt wurden. In den Wintermonaten gibt es traditionell ein größeres Musical, das unabhängig von den Öffnungszeiten des Parks gespielt wird. Nach Märchen wie Dornröschen und Aschenputtel wurde im letzten Winter erfolgreich das Musical “Kruimeltje” aufgeführt, das auf dem beliebten gleichnamigen Buch basierte und nach der Spielzeit in De Efteling auf Tournee ging. In diesem Jahr hat sich De Efteling nun etwas ganz neues ausgedacht: Das Musical “Droomvlucht” basiert auf dem gleichnamigen Fahrtgeschäft des Parks, die seit jeher zu den beliebtesten und meistbesuchten Attraktionen des Parks gehört. Im Musical begibt sich nun die kleine Lila auf eine fantasievolle Reise voller Abenteuer mit Märchengestalten. Zu den Darstellern gehören Hugo Haenen und Rosalie de Jong als Oberon und Titania (mit bestem Gruß an Shakespeare), sowie Doris Baaten als Lilas Oma.
Der nun veröffentliche Trailer gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die fantasievolle Inszenierung von Eric Goossens (Bühnenbild), Cocky van Huijkelom (Kostüme) und Sjoerd Didden (Maske). Die niederländischen Texte zu Martin Lingnaus Musik stammen von Jurrian van Dogen und Koen van Dijk. Die beiden Lieder “Elfenstof” und “Ik ben er niet”, die im Rahmen der Pressevorstellung im August präsentiert wurden, lassen sich nach wie vor auf Youtube abrufen.
Da ich mir nicht vorstellen kann, dass man De Efteling und die “Droomvlucht”-Fahrt unbedingt mitgemacht haben muß, um das Stück zu genießen, hoffe ich, dass wir das Werk auch einmal auf dieser Seite der Grenze sehen werden.
Dienstag, 4. Oktober 2011
Musical Awards 2011 in den Niederlanden
Die holländischen Musical Awards haben in diesem Jahr mal wieder schön die Verschwörungstheorie genährt, wonach die von Joop van den Ende gesponsorte Veranstaltung letztendlich immer eine Werbesendung für Stage Entertainment ist. Besonders auffällig wurde es dadurch, dass das 50er-Jahre-Vehikel “Petticoat”, das für Chantal Janzen gestrickt wurde, den Preis als bestes Musical des Jahres einheimste, der mit Fug und Recht dem Meisterwerk der Konkurrenz, “Soldaat van Oranje” gehört hätte. Auch dessen Hauptdarsteller Matteo van der Grijn ging leer aus – als bester männlicher Hauptdarsteller wurde mit Jon van Eerd in “La Cage aux Folles” ein Künstler aus dem Stage Entertainment-Stall gekürt (der es jedoch vielleicht/wahrscheinlich sogar verdient hatte; ich habe seinen Albin nicht gesehen).
“Soldaat van Oranje” durfte lediglich Trostpreise fürs beste Bühnenbild Sound und Licht mit nach Hause nehmen, sowie einen geteilten Regiepreis für Theu Boermans (zusammen mit Paul Eenens für “Petticoat”). Ironisch dann, dass Chantal Janzen nicht als beste Hauptdarstellerin für ihr Vehikel "Petticoat" gekürt wurde – dieser Preis ging an Lone van Roosendaal für ihre Inez in “Zorro”.
Bei den kleinen Musicals durfte “Spring Awakening” einige Awards in Empfang nehmen, aber letztendlich war es in diesem Jahr so enttäuschend, dass ich nicht viel Lust habe, noch mehr darüber zu schreiben.
Immerhin gab es in den Werbeblöcken für die kommende Saison einen netten Vorschmack auf die Tournee von “Next to Normal” mit Simone Kleinsma, Wim van den Driessche, Freek Bartels und Michelle van de Ven:
Montag, 3. Oktober 2011
Phantom 25th Anniversary Concert, Royal Albert Hall / Cinedom
Armer ALW. Es scheint, was immer er mit seinem Phantom plant – Cam Mack war mit Les Mis ein bißchen schneller und ein bißchen besser. Diesen Eindruck den ich schon bei den Ankündigung des Konzertes bekam, hatte ich auch noch beim Sehen. “Die Royal Albert Hall? Ach, das hatten wir schon vor 15 Jahren, nehmen wir lieber das O2!” “Ein paar Stars, um der Show die entsprechende Publicity zu garantieren? Klar, da hätten wir den bekannten Tenor Alfie Boe, der schon einige Solo-CDs veröffentlicht hat, und Comedy Star Matt Lucas, der den Thénardier geben könnte…” Und wo selbst das schwache 80’er Jahre-Pflänzchen “Chess” vor einiger Zeit in der Royal Albert Hall mit sehenswerten Gaststars wie Josh Groban als Anatoly aufwartete, versammelte ALW für den 25.Geburtstag des Phantoms eine Cast, die als aktuelle Besetzung im Her Majesty’s Theatre sicher ein Zuckerschlecken wäre, aber für ein solches Event und den damit verbundenen horrenden Ticketpreisen ein wenig mau war. Wenn man schon die Hauptrollen in den versierten Händen von Ramin Karimloo, Sierra Boggess und Hadley Fraser lassen wollte, hätten sich doch kleinere anspruchslosere Parts wie die Operndirektoren angeboten, um die Veranstaltung mit ein paar bekannten Namen aufzupeppen.
Aber gut, auch mit anderen Namen hätte sich mein Interesse an diesem Konzert in Grenzen gehalten. Natürlich habe ich das “Phantom” im Laufe der Jahre immer mal wieder gesehen, aber so richtig eines meiner Lieblingsmusicals wurde es nie. Und als ich nach dem so verschwenderisch schön ausgestatteten Film noch einmal die Bühnenversion sah, erschien sie mir auf einmal altbacken, öde und im Mief der 80’er festgefahren, wo sich heute ganz andere Möglichkeiten ergeben würden (was man dann auch an der prächtigen Ausstattung von “Love never dies” sah).
Doch nachdem das Les Miz-Konzert aus dem O2 nur sehr eingeschränkt im Kino zu sehen war, schaffte es das Phantom-Konzert dann in erstaunlich viele Kinosäle der Welt und für 19 Euro war ich dann doch bereit, mir die Sache anzusehen. Da schließlich sogar der Cinedom in Köln an Bord war, brauchte ich meine Pläne fürs Wochenende nicht umwerfen, sondern konnte zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Kölns Multiplex betreten, in dem sonst nur synchronisationsverseuchte Blockbuster gegeben werden. Zwar gab’s numerierte Plätze, aber sinnigerweise ließ man die Leute erst um 19.20 Uhr in den Saal, als schon Werbung für FathomEvents lief und das Licht stark gedimmt war, so dass es erstmal ein großes Herumtapsen auf der Suche nach dem richtigen Platz gab. Immerhin: Schön, dass es ausverkauft war. Fürs Kinopublikum gab es zunächst eine Doku über die Geschichte des Phantoms in zum Teil grauenhafter Qualität aus den 80’er Jahren (wobei Sarah Brightmans Sturmfrisur als Christine tatsächlich für Lacher im Publikum sorgte), die jedoch eine schöne Einstimmung war, bis es endlich los ging.
Anders als bei den konzertanten Aufführungen von Les Miz und Chess hatte man sich hier für eine volle Aufführung mit Bühnenbildern entschieden, die sich stark an der Originalversion anlehnte und doch einige nette frische Impulse mitbrachte. Und schon nach wenigen Minuten hatten sich meine Vorbehalte gegen die uninspirierte Besetzung der Hauptrollen gelegt. Denn obwohl ich das Gespann Karimloo/Boggess in “Love never dies” gesehen hatte, kannte ich sie eben noch nicht in den Originalrollen und vor allem Sierra Boggess spielte sich von der ersten Minute an mit fantastischer Interpretation in mein Herz. Sie sah wesentlich jünger aus als ihre 29 Lenze und passte viel besser in diese junge Christine. Ihre große Arie “Wishing you were somehow here again” im 2.Akt war dann auch das Lied, das mit dem stärksten Applaus belohnt wurde. Ramin Karimloo gab ein starkes Phantom, doch für mich wäre es vermessen, ihn jetzt in den Himmel zu loben – dafür gab es im Laufe der Jahre zuviele Darsteller, die in dieser Rolle eine großartige Leistung geboten haben. Mit seinem Sheytoons-Kumpel Hadley Fraser stand ein ausgesprochen fescher Raoul auf der Bühne, der die beiden hervorragend ergänzte. Bei den Nebenrollen wurde US-Sopranistin Kiera Duffy als Carlotta aufgrund einer Erkrankung kurzfristig durch Wendy Ferguson ersetzt, die mit dem walisischen Tenor Wynne Evans (der in Großbritannien als übertrieben knödeliger Operntenor aus der Fernsehwerbung bekannt ist) als Piangi ein nettes Gespann abgab. Ansonsten standen West End-Veteranen wie Barry James (Firmin), Gareth Snook (André) und die wunderbare Liz Robertson als Madame Giry auf der Bühne, sowie Newcomer Daisy Maywood als Meg.
Der Vorteil des Kinobesuchers waren natürlich die zahlreichen Close Ups, die mir teilweise eine ganz neue Perspektive auf die Show ermöglichten und das Erkennen vieler Details, die mir im Theater nie so aufgefallen waren. Und nachdem was ich über die schlechte Sicht auf den billigen Plätzen in der RAH gelesen habe, war ich dann umso froher, dass ich mir einen Besuch in London gespart habe. Ein ausverkaufter Kinosaal war schliesslich auch eine schöne Atmosphäre im Vergleich zur heimischen Couch und dem DVD-Player. Zur Show selbst kann ich auch gar nicht soviel sagen, sie war hervorragend gespielt und gesungen, was man bei den Preisen und der Wichtigkeit dieses Events aber nun auch erwarten konnte. Besonders schön war der Maskenball mit viel mehr Tänzern als in der normalen Version, Christines Arien und das mitreißende Finale – was aber auch an den Close Ups der Kamera gelegen haben könnte, die den Schmerz und die großen Gefühle in den Gesichtern von Christine und dem Phantom besser transportierten als ein Theatersaal aus der 20.Reihe.
Schließlich das große Finale um das 25.Jubiläum zu feiern – nach einer kurzen Rede des sichtlich gerührten Andrew Lloyd Webber sorgte ein völlig aufgelöster Michael Crawford für Schmunzeln, ehe Sarah Brightman den Schock des Abends auslöste: Die Plastikpuppe in der Höhle des Phantoms sieht mittlerweile lebendiger aus als diese Dame, die dem Botox wohl zu oft zugesprochen hat. Auch ihre grauenhafte exaltierte Gestik, die ich schon in den Jahren ihrer Solokarriere nervig und gekünstelt fand, zerstörte für mich jede Freude am Reprise von “Phantom of the Opera”, bei dem sie von dreieinhalb Phantomen unterstützt wurde: Mit Anthony Warlow, John Owen Jones und Colm Wilkinson standen drei versierte Veteranen mit großartigen Stimmen auf der Bühne, “verstärkt” durch Schweden-Popper Peter Jöback, der zwar stimmlich absolut nicht mithalten konnte, aber die schönste Fönfrisur des Abends trug. Hoffen wir, dass der gute Mann sich noch steigert, bis er im kommenden Jahr das Phantom im West End übernimmt. Die vier Phantome trugen dann noch “The Music of the Night” vor, was einen leichten Hauch von Les Miz-Abklatsch und dem “Bring him home”-Quartett hatte, aber in einem schönen Finale endete.
Mein Fazit des Konzertes: Ein schöner Abend, der dem “Phantom” würdig war, mit einer fantastischen Vorstellung des Musicals selbst und einem eher mauen Finale, dem der letzte Pfiff leider fehlte. Schade, dass sie statt des überforderten Peter Jöback nicht Film-Phantom Gerald Butler in das illustre Quartett geholt hatten. Mein Fazit des Kinobesuchs: Gerne jederzeit wieder – Bequeme Bestuhlung, ungestrafter Popcorn-Genuss, kurze Heimwege und faire Preise: So lässt sich ein schöner Abend mit Gleichgesinnten verbringen ohne dafür große Kosten und Anstrengungen zu haben. Da bei der Werbung für die “Love never dies”-Aufnahme im Trailer “On BluRay, DVD & Cinemas” zu lesen war, könnte dies ja als nächster Leinwandauftritt anstehen.
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