Samstag, 27. August 2011

Treffen Bridget Jones und die Spice Girls nächstes Jahr in London auf die Mormonen?

Das könnte man annehmen, wenn man das Interview mit Julian Bird und Mark Rubinstein in der aktuellen Ausgabe der Variety liest. Die beiden Vorsitzenden der Society of London Theatre sprechen darin über das kommende Jahr in London, die bevorstehende Olympiade und das West End. Zu den Shows, die bis dahin ihre Premiere haben sollen, gehören wohl auch “Book of Mormon”, die Spice Girls-Verwurstung “Viva Forever” und die Bühnenvariante von “Bridget Jones’ Diary” in der vermutlich Sheridan Smith die Titelrolle spielen wird. Auch eine Musicalversion von “The Commitments” ist im Gespräch. Daneben sollen die aktuellen Tourproduktionen von “Top Hat” und “Singin’ in the Rain” ebenfalls nach London kommen.

Fest steht mittlerweile, dass sich die Produktion des Open Air Theatre Regents Park von “Crazy for you” nach dem frühen Aus von “Betty Blue Eyes” das Novello Theatre gesichert hat. Und dass der Dauerbrenner “Chicago” ein weiteres Mal umziehen wird und bald das Garrick Theatre verstopft. Wobei mir “Chicago” natürlich noch lieber ist als so manches sinnlose Jukebox Musical im West End, aber nach der langen respektablen Laufzeit hätte man die Cash Cow langsam auf den Gnadenhof schicken können.


Doch wenn sich die Prophezeihungen von Bird und Rubinstein erfüllen, dürfte es im West End nächstes Jahr doch immerhin einiges an frischem Wind geben.

Donnerstag, 25. August 2011

Schluss für die "Addams Family" am Broadway

Nach zweieinhalb Jahren fällt am 31.Dezember der letzte Vorhang für die "Addams Family" am Broadway. Das ist ein recht respektables Ergebnis für eine Show, die seit der Premiere im Frühling 2009 auf wenig Gegenliebe bei den Fans gestoßen ist. Einzig die Stars der Show, Nathan Lane und Bebe Neuwirth, sowie aktuell Brooke Shields schienen für gute Ticketverkäufe zu sorgen. Vor allem die eher lauwarme Musik von Andrew Lippa konnte nie so richtig begeistern - oder die Tatsache dass das Musical ein typisches Franchise-Projekt war, das nach Filmen, TV-Serie und Büchern noch einmal frisch gemolken werden sollte.

Mich selbst hat die Show von Anfang an jedenfalls nicht interessiert - aber sei's drum, eine Laufzeit von 725 Vorstellungen schafft längst nicht jedes Musical. Zumal eine große US-Tournee schon in den Startlöchern steht und 2012 in über 30 Städten halt macht. Auch internationale Produktionen in Sao Paulo und Sydney stehen bereits fest. "Viele weitere internationale Produktionen" sollen darüber hinaus geplant sein - diese Produzenten-Hype ist nichts neues und zeigt eigentlich nur wieder, wie scharf man darauf ist, die Cash Cow noch eine Weile zu melken. Mal sehen ob es in unseren Breiten auftaucht.


Mittwoch, 24. August 2011

Neues von "1789 - Les Amants de la Bastille" und "Adam et Eve" in Frankreich

In Frankreich geht es aufs Rentrée zu und auch die französischen Musicalproduzenten werden wieder rührig. Zunächst steht im Herbst der Flattermann “Dracula” in Paris auf dem Programm, die schon länger gehypte neue Produktion von Kamel Ouali Am 30.September ist Premiere im Palais des Sports, wo bis zum 4.Dezember gespielt wird, ehe das Stück 2012 auf Tournee geschickt wird.

Von Ende Januar bis März ziehen dann “Adam et Eve” in die gleiche Veranstaltungshalle ein (Theater kann man das Ding ja nicht nennen), ebenfalls mit anschließend geplanter Tournee. Das neue Werk von Pascal Obispo fährt allmählich das Marketing hoch und hat einen ersten Videoclip lanciert. Die Hauptdarsteller Thierry Amiel (Adam) und Cylia (Eva) sind beide Casting-Show-Absolventen und werden von erfahrenne Musicaldarstellern wie Solal (Starmania, Mozart), Liza Pastor (Zorro) und Nuno Resende (Mozart) unterstützt


Da dürfen auch die “Mozart”-Macher Dove Attia und Albert Cohen nicht zurückstehen, die nun ihr neues Werk “1789 – Les Amants de la Bastille” vorgestellt haben, eine zuckrige Liebesgeschichte zwischen einer jungen Adeligen und einem bürgerlichen Revolutionär, die im September 2012 Premiere haben soll. Eine Besetzung wurde noch nicht bekannt gegeben, doch wie man die Franzosen kennt, dürfte schon Monate im voraus eine Single der Hauptdarsteller lanciert werden. Seit die Schwergewichte Attia und Cohen ihre Pläne für ein Revolutionsmusical bekannt gegeben haben, ist es um ein etwaiges Revival des Boublil-Schönberg Erstlings “La Revolution Francaise” in Paris still geworden.


Doch hier ist erstmal "Rien ne se finit", der ausgesprochen eingängige erste Song aus “Adam et Eve”:



Adam et Eve - Rien ne se finit ( clip officiel) von AdametEveProd

Dienstag, 23. August 2011

"Chicago" wird das am längsten laufende amerikanische Musical am Broadway

Himmel, was für eine umständliche Headline. Aber genauso umständlich ist die Pressemitteilung, die die Produzenten von "Chicago" am Broadway produziert haben um einen leicht fragwürdigen Meilenstein zu feiern: Am 27.August spielt "Chicago" die 6138.Vorstellung und überholt damit "A Chorus Line" als das am längsten gespielte Musical am Broadway - amerikanischer Herkunft. In der Rekordliste ist es damit jedoch erst an vierter Stelle hinter den drei britischen Dauerbrennern Les Misérables (6680), Cats (7485) und Phantom of the Opera, das derzeit 9795 Vorstellungen auf dem Buckel hat aber noch immer im Majestic Theatre spielt und die 10.000.Vorstellung garantiert noch mitnimmt.

Trotzdem ein erstaunlicher Erfolg für ein Revival, das auch in London seit gefühlten Ewigkeiten spielt und ironischerweise am gleichen Tag das Cambridge Theatre für die RSC-Produktion "Matilda" räumen muss. Noch immer wird jedoch über einen Umzug der Cash Cow "Chicago" gemunkelt, statt der endgültigen Schliessung. Am teilweise völlig idiotischen Stunt Casting kann es nicht (nur) liegen, dass "Chicago" sich schon so lange hält - es muss auch am Thema selbst liegen, das den heutigen Nerv noch immer ausgezeichnet trifft. Razzle-dazzle 'em!

Montag, 22. August 2011

"Betty Blue Eyes" schliesst am 24.September

Man wünscht sich doch dass im Sommerloch bessere Nachrichten auftauchen als diese: Aber die charmante Komödie "Betty Blue Eyes" von George Stiles und Anthony Drewe wird am 24.September nach einem knappen halben Jahr Spielzeit schon wieder die Pforten in London schließen. Sicher war "Betty" zu speziell englisch um neben den ganzen Touri-Musicals zu bestehen, aber einen größeren Erfolg hätte die charmante Show ganz sicher verdient. Auch Cameron Mackintosh zeigte sich in der offiziellen Pressemitteilung verwundert über das frühe Aus, das durch den schwächelnden Kartenvorverkauf nötig wurde.

Damit reiht sich "Betty" in die Reihe der Flops in London in diesem Jahr ein, wie vor ihr schon "Umbrellas of Cherbourg" und "Lend me a Tenor" - als einziger neuer Musicalhit in diesem Jahr darf damit wohl ausgerechnet die am Reißbrett entstandene uninspirierte 1:1 Filmadaption von "Ghost" gelten, die nach wie vor gut gebucht ist. Da sollte sich dann auch niemand mehr beschweren, wenn es am West End immer weniger spannende kreative neue Musicals gibt, sondern nur noch Touri-Produktionen die entweder bestehende Filme verwursten ohne etwas neues und kreatives hinzuzufügen oder eben bestehene Musik verwursten. Gerettet wird die Negativserie nur vom aktuellen Hit des National Theatres, "London Road" und der noch bevorstehenden Premiere von "Matilda", einer Produktion der Royal Shakespeare Company - beides subventionierte Gesellschaften.

Samstag, 13. August 2011

"Kein Pardon" - eine Filmkritik

Was tut man nicht alles, wenn einen das Sommerloch zu Tode langweilt und auch das Wetter nicht mitspielt? Man kann sich natürlich mit den DVD-Boxsets von großartigen HBO-Shows auf dem Sofa einquartieren... oder aber ein bisschen Research in Sachen Musical betreiben. Denn auch wenn sich die deutsche Fanhysterie ausschliesslich auf Rebecca in Stuttgart konzentriert, haben schliesslich noch andere Musicals in der kommenden Saison Premiere. Eines davon ist die Bühnenfassung des Kerkeling-Films "Kein Pardon", den der potenzielle Stage Entertainment-Konkurrent "mehr!" in Düsseldorf ins Capitol Theater bringt. Also denkt sich der geneigte Musicalliebhaber, "schaun mer mal" und schiebt die DVD des Filmes in den Laptop.

Bereits nach einer Viertelstunde wird schmerzhaft klar, dass wir es mit einem Dinosaurier zu tun haben, der nach 18 Jahren mit der Realität nichts mehr zu tun hat. "Kein Pardon" erschien 1993 als die Privatsender allmählich begannen sich durchzusetzen und "seriös" wurden. Schon in jenem Jahr musste "Kein Pardon" wirken wie ein nostalgischer Abgesang auf die 70'er und 80'er Jahre, in denen die öffentlich-rechtlichten Platzhirsche ARD und ZDF alleine für die deutsche Unterhaltung sorgten und die Showmaster der großen Samstag Abend-Unterhaltungsshows wie Kulenkampff, Carell und Elstner Superstars waren.
Während sich die Fernsehlandschaft in den 90'er Jahren allmählich fragmentierte, blieb in den 00'ern gar nichts mehr von ihr übrig. Statt den solide-spießigen Showmastern, die in "Kein Pardon" in der Figur des Heinz Wäscher (gespielt vom echten Showmaster Heinz Schenk) parodiert wurden, standen nun geschniegelte Bübchen vor der Kamera die irgendwie alle geklont wirkten, begleitet von genauso austauschbaren Blondinen mit Plastikbusen. Und über allem schwebte mit Dieter Bohlen ein Mann, der es trotz prolliger Sonnenbankbräune und gefärbten Haaren als Ekelpaket zum Superstar gebracht hatte. Auch die Fernsehwelt selbst, die ich selbst mehrere Jahre aus der Nähe betrachten durfte, hat sich in dieser Zeit unglaublich gewandelt vom einst grundsoliden steuerfinanzierten Betrieb der Öffentlich-Rechtlichen zur heutigen Hype, in der sich Heerscharen von Praktikanten darum drängeln "irgendwas mit Medien" zu machen oder sich gleich zum Superstar berufen fühlen.
Und selbst diese Hype hat ihren Zenith längst überschritten und die neue Realität der 10'er-Jahre ist die weitere Fragmentierung des Fernsehkonsums, in dem immer mehr Menschen über das Internet ihre gewünschten Programme beziehen und die Glotze selbst auslassen. Sobald die letzte Hemmschwelle gefallen ist - die mittlerweile unerträgliche Einschränkung der Programme auf nationale Grenzen, die ohnehin über Proxy-Server, Torrents und DVD-Importe längst immer häufiger umgangen wird - dürfte das Fernsehen in seiner jetzigen Form ohnehin Geschichte sein.


So wirkt einfach alles bei "Kein Pardon" altbacken - wenn man beim Casting für "Witzischkeit kennt keine Grenzen" eine Hausfrau jodeln sieht, denkt man unweigerlich an prollige Goldkettchenträger mit gegelten Haaren, die sich zum nächsten Bushido berufen fühlen, wenn man die gepflegte Langeweile von Showtreppe, Glückshase und langbeinigen Tänzerinnen der Show sieht, an das Laser-Licht-Effekte-Brimborium, das heute aus Ossendorf aufs Land losgelassen wird... und wenn man einen lahmen Gag von Heinz Wäscher als "Busengrabscher" auswalzt, denkt man an Dieter Bohlens zahlreiche blondierte Gefährtinnen, die dank Sex, Chuzpe und der BILD-Zeitung selbst zu Pseudo-Sterchen mutiert sind.

Das heisst natürlich nicht, dass die heutige Fernsehlandschaft nicht genauso eine hervorragende Vorlage für beißende Persiflagen abgibt - im Gegenteil, manches schreit sogar danach. Aber um "Kein Pardon" auch nur annährend relevant zu machen, müsste soviel umgeschrieben werden, das von der Filmvorlage nichts mehr übrig bleibt. Da muss man sich doch fragen - was soll das eigentlich? Wer hatte die glorreiche Idee, einen 18 Jahre alten Film, der links und rechts von der Wirklichkeit überholt wurde, für ein Musical auszumotten? Selbst das in den 60'er Jahren angesiedelte "Hairspray" wirkt da noch relevanter als "Kein Pardon". Ich lasse mich gerne eines anderen belehren, aber im Moment kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass das Musical irgendwie funktionieren könnte.

Mittwoch, 10. August 2011

"Catch me if you can" schliesst am 4.September

Im Sommerloch scheinen nur schlechte Nachrichten aufzutauchen. Nachdem vor einigen Tagen schon das recht belanglose "Baby, it's you", eine der gefühlt 147 Shows, die die 50'er und 60'er Jahre hochkochen, nach dem Sommer seine Pforten schliesst, hat es nun "Catch me if you can" erwischt, das eigentlich ganz gelungene Musical der Hairspray-Macher Marc Shaiman und Scott Wittman, mit einem Buch von Terrence McNally. Das Stück wird am 4.September nach 170 Vorstellungen im Neil Simon Theatre seine Pforten schliessen - aber immerhin 2012 auf US-Tournee gehen.

Schade vor allem deswegen, weil "Catch me if you can" mit einer überraschend frischen Score daher kommt, die mich auf CD direkt begeistert hat und die mich dann doch nach anfänglichem Desinteresse neugierig auf die Live Show gemacht hat. Aber da war es vermutlich schon zu spät: Insgesamt schien sich einfach kaum jemand für diesen Stoff zu interessieren, der schon als Film weidlich ausgeschlachtet wurde und mit dem Kleinkriminellen Frank Abagnale Jr., der ständig der Polizei entwischt, auch nicht wirklich einen Sympathieträger zum Helden hat.


In gewisser Weise ist es enttäuschend, dass sich ein neues frisches Musical nicht durchsetzen kann, während Stücke wie "Lion King" und "Wicked" noch immer höchste Auslastungen verzeichnen, aber wer kann es den Touristen aus der Provinz und aus Übersee verdenken, dass sie lieber in diese bekannten Stücke stürmen oder - wenn es was neues sein soll - dann lieber dem skandalumwitterten Spiderman eine Chance geben oder sich um Karten für "Book of Mormon" schlagen? Mach's gut "Catch me...", wir sehen uns nächstes Jahr auf Tournee!

Freitag, 5. August 2011

Marie Antoinette und Hairspray 2012 in Tecklenburg

Schon lustig. Da freut sich eine aufstrebende Musicalseite in Deutschland über einen bevorstehenden “Coup” mit einer Exklusivveröffentlichung, kündigt diese freudig über Facebook an um mehr Freunde und Followers zu gewinnen… da muss ihnen eine andere Musicalseite natürlich fix in die Suppe spucken um den Coup für sich zu sichern. Naja, da mag man drüber denken was man will… jetzt ist die Katze also aus dem Sack und die Musicals der Freilichtspiele Tecklenburg für 2012 bekannt.
Und nach einer eher lauen Saison mit dem zu Tode genudelten “Jesus Christ Superstar” und dem zwar nicht ganz so totgespielten “Crazy for you” kann man sich für 2012 wieder auf zwei exclusive Freilichtpremieren in der westfälischen Provinz freuen: “Hairspray”, das ja bislang nur in Köln zu sehen war und “Marie Antoinette”, das in Bremen völlig unverständlich floppte.

Man darf gespannt sein, ob diese beiden Stücke in Tecklenburg nun besser angenommen werden – denn dann liegt die Vermutung wirklich nahe, dass das deutsche Musicalpublikum nicht per se diese beiden Shows ablehnte, sondern die exorbitanten Preise der privaten Veranstalter. Nachträglich zig Discounts raushauen bringt halt auch nicht mehr viel, wenn die interessierten Besucher nach einem Blick online oder auf einen Flyer von den Normalpreisen abgeschreckt wurden. Auch auf die Besetzungen darf man gespannt sein. Mich wird man dann wohl bei “Marie Antoinette” sehen – “Hairspray” würde ich mir nur bei einer Besetzung geben, die mich wirklich interessiert, aber auf ein Wiedersehen mit der unglücklichen französischen Königin freue ich mich jetzt schon.

Donnerstag, 4. August 2011

"Lysistrata Jones" kommt an den Broadway

Im Frühling war "Lysistrata Jones" von Lewis Flinn und Douglas Carter Beane ein kleiner Hit am Off-Broadway: Nun erhält das Musical seine Chance am Broadway und wird ab 14.Dezember im Walter Kerr Theater zu sehen sein. Das Stück verlegt die klassische griechische Vorlage "Lysistrata" von Aristophanes an ein modernes College: Wo einst die Athenerinnen beschlossen ihren Ehemännern Sex zu verweigern bis sie den unsinnigen Krieg gegen Sparta beenden, sind es hier die Freundinnen der Basketballspieler an der "Athens University", die in den Sexstreik treten wollen, bis die Jungs endlich nochmal ein Spiel gewinnen.

Ob die amüsante Komödie, die in einem 99-Plätze-Theaterchen in Greenwich Village auch am Broadway erfolgreich ist, oder den Weg der Scottsboro Boys und von Andrew Jackson gehen, die beide nach dem Transfer uptown elendiglich scheiterten, bleibt abzuwarten. Immerhin scheint Lyistrata Jones weniger Konkurrenz in der kommenden Saison zu haben und die Vorlage ist ebenso bekannt wie der erfolgreiche Autor Douglas Carter Beane, der immerhin schon dreimal für den Tony nominiert war. Ich persönlich habe eher das Gefühl, dass "Lysistrata Jones" eines jener Stücke sein wird, die kommerziell floppen werden, aber dafür später von High Schools und Colleges mit großer Begeisterung gespielt werden. Aber vielleicht mausert es sich ja auch zum Überraschungshit à la "In the Heights" oder "Next to Normal".

Dienstag, 2. August 2011

Die Beatles im West End

Es war nie eine Frage OB irgendwann ein Beatles-Recyclical ins West End kommt, sondern WANN. Diese Frage wurde nun beantwortet: Am 11.Oktober erlebt "Backbeat" seine West End-Premiere im Duke of York Theatre. Doch wer jetzt in einem Pawlowschen Reflex stöhnt "Noch ein Jukebox Musical!" kann zumindest erleichtert sein: Es handelt sich nicht um eine uninspirierte Greatest Hits-Verwurstung wie das am Broadway laufende "Rain" sondern um eine Bühnenadaption des gleichnamigen Films von Ian Softley aus dem Jahr 1994, die letztes Jahr erfolgreich in Glasgow uraufgeführt wurde.

Softleys Film spielt in den frühen 60'er Jahren in Hamburg, als die Beatles noch ganz am Anfang ihres Erfolgs standen und der erste Bassist Stuart Sutcliffe, und John Lennon beide in die deutsche Fotografin Astrid Kirchherr verliebt waren. Sutcliffe entschied sich für Astrid, die Beatles machten mit einem neuen Bassisten weiter - der Rest ist Geschichte. Der unglückliche Sutcliffe verstarb nur wenig später an einer Hirnblutung, was ihm immerhin ersparte den kometenhaften Aufstieg der Beatles zu beobachten.

Insofern dann wenigstens eine interessante Geschichte, bei der wie in Glasgow wohl Alex Robertson (Sutcliffe), Isabella Calthorpe (Kirchherr), Andrew Knott (Lennon), Daniel Healy (McCartney), Jamie Blackley (Harrison) und Oliver Bennett (Best) auf der Bühne stehen werden. Und wer würde dagegen wetten, dass dieses Musical - sollte es auch nur halbwegs erfolgreich sein - dann auch in Hamburg auftaucht? Für Stage Entertainment wäre es doch einfach ideal damit das Operettenhaus zu füllen.