Schmonzettenfreunde werden vor allem an der Wildhorn-Standard-XXL-Ballade "You love who you love" ihre Freude haben. Schade, dass die wirklich gelungenen Country Songs der früheren Demo hier nicht zu hören sind (mit Ausnahme von "You can do better"), abe das heisst hoffentlich nicht, dass sie am Broadway fehlen würden.
Donnerstag, 28. Juli 2011
"Glee" - schon über den Hai gesprungen?
"Jumping the Shark" heisst es im Hollywood Jargon, wenn eine TV-Serie oder Franchise ihre beste Zeit hinter sich hat und es mit Qualität und Quote rapide abwärts geht. Manche Serien schaffen den Absprung vorher und hören auf, solange sie noch gut sind, andere schleppen sich noch durch eine oder mehrere Staffeln mit stetig sinkenden Zuschauerzahlen. Das Kunststück, bereits in der 2.Staffel über den Hai zu springen, gelingt jedoch nur selten: Ryan Murphy ist es bei "Glee" jedoch grandios gelungen. Zumindest ist dies der Eindruck, den ich bekommen habe.Ein kleiner Rückblick: Als "Glee" Premiere hatte, war die Hype gross, auch in der Musical-Gemeinde. Im Gegensatz zum unsäglich banalen High School Musical, kam "Glee" relativ erwachsen daher und wagte sich auch an Themen wie das Mobbing von hässlichen/dicken/schwulen Schülern, umfasste behinderte Menschen und alternative Lebensstile. Dazu kamen tolle Aufbereitungen von Songs aus unterschiedlichen Genres, einschliesslich vieler Showtunes und für Musicalfans ein wahres Stelldichein an Broadway-Stars von Newcomern wie Lea Michele und Jonathan Groff zu etablierten Stars wie Matthew Morrison, Kristin Chenoweth, Idina Menzel und Cheyenne Jackson. Da konnte man auch darüber hinwegsehen, dass etliche der "Schüler" nur mit Hilfe von Autotuning Songs halbwegs unfallfrei über die Bühne brachten (wobei man sich ansichts der Masse an jungen Musicaldarstellern fragen muss, warum eigentlich?).
Leider wurde jedoch auch bald klar, dass sich die Handlungsstränge von "Glee" nur für Comedy eigneten - sobald man versuchte, die Show halbwegs ernst zu nehmen, war man angesichts von Unsinn wie Terry Schuester's gelogener Schwangerschaft und Sue Sylvester's Intrigen gegen den Glee Club hoffnungslos verloren. Was eigentlich schade war, denn es gab immer wieder wirklich bewegende Momente, die das Potenzial dieser Serie als "Anwalt der Minderheiten" zeigte. Ein unvergessenes Highlight war für mich Amber Riley's Cover von Christina Aguilera's "Beautiful" in einer Episode, die den Schönheits- und Schlankheitswahn der heutigen Zeit thematisierte.
Leider zeigte die 2.Staffel dann eine schreckliche Ideenlosigkeit - das muntere Ringelreihen des Glee Clubs in Sachen Beziehungen ging weiter, bis es wirklich niemanden mehr interessierte, wer nun mit wem zugange war, andere Figuren, die einst spannend anfingen (Kurt's bewegendes Coming Out gegenüber seinem Vater) wurden zu lächerlichen Karikaturen und Figuren, die schon als Karikaturen anfingen (wie die unsäglich dumme Brittany, die immer für einen One-Liner gut war) wurden in keine Richtung weiter entwickelt. Ein Hoffnungsschimmer bot noch die Ankündigung von Ryan Murphy, dass die heutigen Darsteller am Ende der 3.Staffel allesamt ihren Abschluss machen und die High School verlassen würden - ein gründliches "Reboot" der Serie mit frischen Gesichtern hätte eine neue Chance bedeutet. Stattdessen sollen die Stars wie Lea Michele und Cory Monteith nun weiterhin dabei sein - gerade in Lea Michele's Fall eine seltsame Entscheidung ihrerseits, sich auf Jahre an die unsägliche Persona Rachel Berry festzubinden statt ihren "Namen" nun zu nutzen um sich als Broadway Leading Lady zu etablieren.
Vor allem heisst dies wohl auch, dass FOX "Glee" weiterhin melken will, über die 3.Staffel hinaus, auch wenn ich mich angesichts der Ideenlosigkeit der 2.Staffel jetzt schon frage, was denn noch passieren soll, außer weiteren Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen zwischen den Glee Club-Mitgliedern. Aber solange die "Gleeks" weiterhin fleissig jedes noch so belanglose Liedchen von iTunes downloaden und man die Franchise zwischen den Staffeln mit überteuerten Live-Konzerten melken kann (die dann wiederum im Kino ausgestrahlt werden, natürlich in 3D um die Tickets noch ein bisschen teurer machen zu können, und als DVD vertickt werden) und nebenbei noch ein bisschen Plunder verkauft, solange wird man die Kuh auch noch melken. Damit ist "Glee" leider nur noch ein Beispiel für die heutige Verwertungskette einer erfolgreichen Franchise. Qualität spielt dabei keine Rolle mehr.
Mittwoch, 27. Juli 2011
"Ghost" - Original London Cast Recording
Überraschend schnell hat “Ghost” ein London Cast Recording veröffentlicht, das die Highlights der Show dokumentiert – eine recht gelungene Aufnahme, die leider auch die Einfallslosigkeit widerspiegelt, die das ganze Musical ausmacht. Natürlich hat jeder persönliche Gründe warum ihn das ein oder andere vielleicht mehr anspricht oder warum ihm etwas anderes nicht gefällt, aber es ist schon erstaunlich mit welch Pawlowschem Reflex alles was nach “Jukebox-Musical” riecht, in Grund und Boden geschimpft wird, während absolut unspirierte 1:1-Filmadaptionen hochgejubelt werden. Als ob es schwieriger wäre, ein paar 08/15-Nummern aufs Notenblatt zu schmieren als eine halbwegs interessante spannende neue Geschichte zu schreiben und bestehende Musik kunstvoll hineinzuweben.Sei’s drum – “Ghost” bietet ein paar nette Schnulzen, die vermutlich demnächst von jungen Musicalkünstlern bei Auditions und auf Konzerten zu Tode gesungen werden, bei denen vor allem (wie schon im Theater) Caissie Levy mit “With you” und “Nothing stops another day” (mein Favorit) begeistert. Daneben beeindruckt nach wie vor Sharon D. Clarke’s großer Auftritt mit “I’m outta here” und die Uralt-Schnulze “Unchained Melody”, die schon im Film zu hören war und für die man sich glücklicherweise die Rechte sichern konnte.
Dave Stewart und Glen Ballard reihen sich hier musikalisch nahtlos in die Reihe anderer Pop-Komponisten ein, die einzelne wirklich schöne Lieder schreiben können, aber keinen wirklich überzeugenden zusammenhängenden Soundtrack, wie ihn die wirklich guten Pop-Opern ausmachen, von “Jesus Christ Superstar” bis “Spring Awakening”. Wobei diese Stücke natürlich auch den Vorteil haben, eine gewisse Originalität mitzubringen und nicht nur einen Film bis ins Detail wiederzukäuen. Die Schmonzettenfans und Hen Parties in London werden jedoch “Ghost” lieben und das Stück sicher ein Weile laufen lassen. Bei mir werden’s wohl die 3-4 schönsten Songs in die “2011 Musicals Compilation”-Playlist auf dem iPod schaffen und das war’s dann. Wenn ich eine gelungene Herz-Schmerz-Geschichte hören will, greife ich lieber weiterhin zur OLC von "Love Story", jener kleinen bezaubernden Show, die leider im Winter viel zu kurz gelaufen ist und deren Musik wirklich berührt.
Montag, 25. Juli 2011
Buffy - the Musical?
Da sag nochmal einer, dass die Comic Con nichts mit Musicals zu hat. Gut, "Game of Thrones - the Musical" wird wohl ein Wunschtraum bleiben (und ohnehin ca. 10 Stunden dauern müssen), doch dafür hat sich der erklärte Musicalfan Joss Whedon dazu hinreißen lassen zu sagen, dass sein bislang größer Hit "Buffy the Vampire Slayer" seinesachtens an den Broadway gehört. Gleich gegenüber einer Bühnenversion von "Dr Horrible". Und wo wir dann gleich dabei sein, wie wär's mit "Firefly - the Musical"? Naja, okay, vielleicht nicht.Und auch wenn ich persönlich kein großer Fan von "Buffy" bin und sowieso für das ganze Vampirgedöns nie etwas übrig gehabt habe, wäre es doch irgendwie eine schöne Idee, moderne Popkultur mit dem Musicaluniversum zu verbinden, dass sich bis auf wenige Ausnahmen wie "Wicked" und "American Idiot" ziemlich in seine eigene Welt abgekapselt hat mit Adaptionen von alten Filmen, Literaturklassikern und Jukebox-Musicals mit Musik vergangener Dekaden. Das mag dem Geldbeutel der älteren Generationen geschuldet sein, die sich die überteuerten Tickets eher leisten können, doch eine neue Generation junger Musicalfans wird so nicht entstehen. Das haben dann eher "Glee" und das unsägliche "High School Musical" geschafft.
Also los, Joss, zumindest bei "Dr Horrible" bin ich am Broadway sofort dabei, vor allem wenn du Neil & Nathan zusammen auf die Bühne bringst :) "Buffy" überlasse ich dann lieber den Teenies, die bei der Comic Con auch den Twilight-Auftritt zusammengekreischt haben ;)
Freitag, 22. Juli 2011
Les Miz-Verfilmung nimmt Form an
Nach gefühlt zwanzig Jahren hin und her scheint sich die Verfilmung von "Les Misérables" nun wirklich zu realisieren. Regisseur Tom Hooper will ab Februar 2012 in London mit den Dreharbeiten beginnen und Hugh Jackman steht nun tatsächlich als Valjean fest. Für Javert scheinen weiterhin Paul Bettany und Russell Crowe im Gespräch zu sein (und ich könnte mich ehrlich gesagt nicht entscheiden, wem von beiden ich den Vorzug geben würde. Da bleibt es wohl wirklich daran hängen, wer es schafft "Stars" halbwegs stimmgewaltig abzuliefern). Über alle anderen Rollen darf weiter fröhlich spekuliert werden.Eine andere Info, die derzeit eingefleischten Les Miz-Fans zu schaffen macht, sickerte ebenfalls durch: Einige gesungene Passagen sollen wohl durch gesprochene Dialoge ersetzt werden. In meinen Augen macht das sehr viel Sinn: Die komplett durchgesungenen Musicals wie "Phantom", "Rent" und "Sweeney Todd" taten sich an den Kinokassen wesentlich schwerer als Muscials mit gesprochenen Dialogpassagen wie "Hairspray" und "Mamma mia". Das Kino ist nunmal ein ganz anderes Medium an das man anders herangehen muss. Und während "Les Miz" sicher mit mehr grandiosen Songs aufwarten kann als andere anderen Verfilmungen der letzten Jahre, gibt es noch immer etliche kürzere Passagen, die meinesachtens als gesprochener Dialog im Film besser funktionieren werden. Immerhin, die Spannung steigt.
Ansonsten von mir ein kleines "sorry" für die spärlichen Updates der letzten Wochen, aber abgesehen von meiner Englandreise grassiert das Sommerloch in der Musicalwelt und Open Air-Besuche in Deutschland stehen bei mir in diesem Jahr auch keine an, nicht mal im hochgeschätzten Tecklenburg. Außerdem befindet sich Musikalitis derzeit im Geek-Fieber und verfolgt Comic Con in San Diego mit mehr Interesse als die Musicalseiten :) "Game of Thrones - the Musical" anyone?
Samstag, 16. Juli 2011
"Betty Blue Eyes" - Novello Theatre
Schon wieder eine Film-Adaption, mag man denken. Aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass man hier mit mehr Sachverstand für das Genre Musical am Werk war - dafür garantieren wohl schon die Namen George Stiles, Anthony Drewe und Cameron Mackintosh. Jedenfalls zündete das skurrile Musical um Schweinchen Betty bei mir wesentlich mehr als "Ghost" vor zwei Tagen.Basierend auf dem Film "A Private Function" aus dem Jahr 1984 erzählt das Stück einen Schwank aus dem Jahr 1947, dem Jahr der königlichen Hochzeit von Prinzessin Elizabeth, der späteren Queen. Nach dem Krieg war das Essen noch streng rationiert und allerortens hieß es Gürtel enger schnallen. Das hindert die lokalen Schwergewichte nicht daran, ein Schwein heimlich zu mästen um es zu Ehren der königlichen Hochzeit zu schlachten. Blöd nur, dass ihnen das Ehepaar Chilvers auf die Spur kommt, der täppische Gilbert und seine Frau Joyce, die nur eines im Kopf hat: Den sozialen Aufstieg. Während die beiden im Film (gespielt von Maggie Smith und Michael Palin) recht zweidimensional daherkamen, bietet das Musical eine großartige Gelegenheit ihre Charaktere wirklich zu vertiefen (etwas, das ich bei "Ghost" vermisst habe, wie mir dann klar wurde). So entblättert Joyce bei "Nobody" nicht nur ihr Innenleben sondern darf in "Lionheart" auch auf die sie prägenden Kriegsjahre und das Kennenlernen von Gilbert zurückblicken. Auch dieser hat mit "The kind of man I am" einen großartigen Song und Reece Shearsmith und Sarah Lancashire sind beide wirklich hervorragend.Wenn Sarah Lancashire, die quasi die ganze Show trägt und der im Film eher unsympathischen Joyce eine ganz neue Qualität verleiht, in dieser Saison nicht mit dem Olivier nach Hause geht, dann weiß ich es nicht.
Auch die Farce, die im Film eher gemächlich daher kommt, wird live genüsslich und herrlich komisch ausgespielt, vor allem in "Pig No Pig". In den Nebenrollen glänzen Adrian Scarborough als Inspector Wormworld, der das Einhalten der Rationierung überwachen soll und dem versteckten Schwein auf der Spur ist und Ann Emery, die nach der Grandma in "Billy Elliot" schon wieder eine geistig nicht mehr ganz fitte alte Dame spielen muss und dies herrlich komisch tut.
Die Musik ist insgesamt typisch Stiles/Drewe und auf mich wirkte das Musical auch gar nicht darauf angelegt, dem großen Touristen-Mainstream zu gefallen (worauf "Ghost" wohl abzielt) - dafür ist die Geschichte viel zu englisch mit skurril-exzentrischen Charakteren, wie es sie nur in englischen Komödien gibt. Ich vermute daher eher, dass sich das Stück bald nicht nur auf Tournee befinden wird, sondern vor allem von Am Dram-Companies landauf landab nachgespielt werden wird, genau wie der bisher größte Hit von Stiles/Drewe "Honk!". Trotz Samstag Matinee war das Theater nur gut halbvoll; der 2.Rang und Balcony waren geschlossen. Schade, wenn "Betty" kein allzu langes Leben beschieden ist - für mich war es perfekt gelungene Unterhaltung.
Freitag, 15. Juli 2011
"Ghost" im Piccadilly Theatre
Oft gehen mir schon im Theater Sätze durch den Kopf, die ich später in einer Besprechung schreiben will. Bei "Ghost" weiss ich jedoch auch am nächsten Morgen noch nicht, was ich von der Show halten soll. Die Hype eines neuen großen Hits erfüllt sie für mich jedenfalls nicht. Schlecht ist sie dagegen auch nicht. Das größte Problem liegt in meinen Augen darin, dass es sich um eine selten uninspirierte 1:1-Adaption des Filmes handelt. Die zahllosen Filmverwurstungen sind an sich schon relativ ärgerlich, da die 1:1-Übertragung hier viel leichter ist als z.B. von einem Literaturklassiker. Aber immerhin bieten Tanzfilm-Adaptionen mit den live dargebotenen Tänzen eine neue Dimension; andere Stücke bemühen sich wenigstens darum, das Thema zu modifizieren, so wie "Sister Act" die Geschichte in ein anderes Jahrzehnt verlegt und die männlichen Figuren stark ausbaut. Bei "Ghost" jedoch bekommt man NUR den Film - angereichert durch eine Handvoll netter Songs, von denen mich keiner wirklich umgehauen hat und durch zahlreiche gelungene magische "Tricks". Vor allem die finale Konfrontation in Carls Büro in der der unsichtbare Sam Möbel rückt war gelungen. Aber brauchen wir letztendlich noch eine Show, die von irgendwelchen Effekten lebt?Klar, die Geschichte ist nach wie vor gut, vor allem Caissie Levy ist eine wirklich berührende Molly mit großartiger Stimme, die mit "With you" und "Nothing stops another day" zwei wirklich schöne Songs singen darf. Hier rutscht das Stück zum Glück auch nicht in Pathos und Kitsch ab, sondern bleibt einfach ein anrührender Moment, in dem eine junge Witwe damit ringt, das ihr eigenes Leben auch ohne den geliebten Partner weitergehen muss. Vielleicht ist es ihr Äußeres, mit langen wuscheligen blonden Haaren, das ihr hilft, sich von Demi Moore (einst mit kurzem Bubikopf) abzuheben, während Richard Fleeshman (Sam) und vor allem Sharon D. Clarke (Oda Mae) Mühe haben sich von ihren Filmvorbildern zu lösen. Gerade letztere hat es nicht leicht, da ihre Oda Mae so 100% auf Whoopi Goldberg zugeschnitten war und letztendlich auch nie mehr war als das Klischee der kaltschnäuzigen coolen schwarzen "Big Mama", das bis heute in Hollywood fortlebt. Mit "I'm Outta Here" hat sie immerhin eine wirklich gelungene 11 o'clock-Nummer bekommen.
Insgesamt fand ich die Musik von Dave Stewart und Glen Ballard eher zweckdienlich (vor allem wenn im Hinterkopf noch der Soundtrack von "Les Miz" nach dem Besuch letzte Woche rotiert). Die Bühnenbilder bedienen sich bei den Animationen von "We Will rock you", wobei weniger manchmal entschieden mehr gewesen wäre. Ein extra Lob gibt es für den Licht-Designer Hugh Vanstone, dem es immer gelang, Sam in einem besonders weißen Licht zu halten, während die Lebenden in wärmere Töne gehüllt wurden.
Lohnt sich "Ghost" also? Ja, angucken kann und sollte man es sich durchaus, allein für die trickreiche Inszenierung und vor allem für die wunderbare Caissie Levy. Aber der große Wurf, auf den das West End nun schon so lange wartet, ist die Show nun wirklich nicht geworden, dafür ist es einfach eine viel zu zahme 1:1 Adaption. Da ist es billiger und nicht weniger berührend mit Popcorn und DVD zuhause zu bleiben.
Montag, 11. Juli 2011
"Les Misérables" - Queens Theatre London
Meistens tritt einen das Universum ja mit ngroßer Begeisterung ins Gesicht - aber dann gibt es wieder jene raren Momente, in denen alles irgendwie zusammenpasst. Und so bescherte mir das Universum einen großartigen Theaterabend. Aber erstmal ein bisschen Vorgeschichte:Les Miz gehörte zu jener Portion Einstiegsdrogen die viele junge Leute Ende der 80'er zum Musical führte. Mein erster Live-Besuch war die Derniere in Wien 1990 (damals noch ganz ohne Gekreische und Teddybärwerfer), gefolgt von Amsterdam und etlichen anderen Besuchen. Leider zog Les Miz einerseits eine selten bornierte Art von Fan an (vergleichbares erlebte ich später nur noch mal mit Tanz der Vampire) und andererseits eine scheinbar endlose Welle an lauwarmen Kopien, in denen so ziemlich jeder englische und französische Literaturklassiker verwurstet wurde, bis man die Schmonzetten und das ewige Geschluchze gründlich satt hatte. Und letztendlich sah das "McMusical" von CamMack ja ohnehin immer gleich aus, so dass ich Les Miz später nur noch 2x sah, die erste freie Inszenierung in Bonn und die erste Open Air-Inszenierung in Tecklenburg.
Aber das "Original" plätscherte jahrelang weiter unter meinem Radar dahin und auch wenn sich in den letzten Jahren schonmal der Gedanke einschlich, die Show doch nochmal zu sehen, fehlte mir immer der Antrieb. Bis das Universum nun eingriff. Zunächst indem eine amerikanische Bekannte, die ich einst bei eBay (!) über den Verkauf einer Les Miz-CD kennengelernt hatte (!) woraus sich eine andauernde Freundschaft entwickelte (!), nach London zog und als erste meinte, dass es doch etwas schön symbolisches hätte, wenn wir einmal zusammen Les Miz anschauen würden. Dann griff ich bei der letzten Londonreise eher lustlos nach der DVD vom 25th Anniversary Concert, fühlte eher eine Verpflichtung das Ding vollständigkeitshalber in der Sammlung zu haben. Und wurde dann von Alfie Boe's Valjean, insbesondere seinem "Bring him home" völlig aus den Socken gehauen. Kurz darauf kündigte Alfie an, ein halbes Jahr den Valjean im West End zu spielen und ich wusste: Jetzt oder nie. Nach und nach versammelte sich um ihn eine 1A-Cast von Little Britain-Star Matt Lucas bis zu Musical-Veteran Hadley Fraser, der trotz allem Talent bislang ein Händchen dafür hatte, in Flops mitzuspielen.
Das Universum half noch ein weiteres Mal nach: Discounts gibts für Les Miz keine, Vollpreis bezahlten wollten wir nicht, also nahmen wir die billigen 20 Pfund-Sitze ganz vorne im Parkett, Reihe BB. Und ein paar Wochen später wurden wir umgebucht auf Reihe A, wo die Karten eigentlich 45 Pfund kosten, aber wir nichts zuzahlen brauchten. Der Grund: Der Orchestergraben wurde ausgeweitet, die BB-Sitze fielen weg.
Mit den neuen Orchestrierungen und der Star-Cast um Boe und Lucas war es definitiv die beste Zeit Les Miz noch einmal zu besuchen. Unglaublich wie alles zusammenspielte und so waren wir natürlich bester Laune, als wir am gestrigen Abend im Queens Theatre ankamen. Die Plätze am Rand waren ideal um trotz der Nähe zur Bühne alles im Blickfeld zu haben (ohne störenden Dirigenten) und die Nähe zu den Darstellern gaben dem Stück noch eine zusätzliche Intensität. Vielleicht liegts auch nur dran, dass ich nach 15 Jahren Pause vieles wieder vergessen hatte, aber mir fielen Kleinigkeiten auf, die ich nie vorher bemerkt hatte.
Was soll ich sagen zur Vorstellung? Die Besetzung war in jeder Hinsicht absolut brilliant. Zu den erwartet guten Leistungen der Herren Boe und Fraser gesellten sich mit Liam Tamne (Enjolras) und Craig Mather (Marius) zwei wirklich tolle Neuentdeckungen von denen wir hoffentlich noch viel hören werden. Auch die Damenriege überzeugte durchweg, vor allem Caroline Sheens Fantine. Als ausgesprochener Feind von "farbenblindem" Casting in historischen Shows konnte ich mit Alexia Khadimes Eponine nicht viel anfangen, aber die Rolle geht mir sowieso auf die Nerven, insofern war es mir auch egal. Zuletzt die Überraschung des Abends: Matt Lucas. Auf der Konzert-DVD fand ich ihn viel zu jung für Thenardier und insgesamt nur nervig, doch live war der Mann absolut brilliant. Natürlich war es leicht für ihn, da das Publikum ihn kannte und viele wohl wegem ihm da waren, trotzdem reicherte er einen völlig ausgelutschten Charakter um einige persönliche Pointen und Ad-Libs an und machte jeden Auftritt zum Highlight. Das einzige was mich störte war das Tempo: Bei einigen Liedern wurde so sehr aufs Tempo gedrückt, dass sie hektisch runtergesungen klangen und sich die Atmosphäre nicht wirklich einstellen wollte, so vor allem bei "Stars" und "Red and Black".
Noch etwas wurde mir klar: Ich war damals nicht traurig, dass die Zeit der Schmonzetten vorbei ging und würde mir auch keine Rückkehr dahin wünschen - auch wenn ich mir ab und zu nochmal eine Show in diesem Stil wünschen würde. Aber Les Miz hat damals die Latte so unglaublich hoch gelegt (zusammen mit dem "Phantom"), dass man hier von einem echten Einzelfall reden muss, der seitdem nicht mehr erreicht wurde. Nicht von den Autoren, die sich mit ihrem sexistischen Steinzeit-Schmonzes zum Glück selbst ins Aus befördert haben und nicht von Möchtegern-Nachfolgern wie Frank Wildhorn. Aber man fragt sich schon wie es sein kann, dass eine einzige Show so randvoll von unglaublich tollen Songs ist und von bewegenden Momenten die einem die Tränen auch noch im fortgeschrittenen Alter in die Augen treiben, während soviele andere Shows nicht mal EINEN wirklich herausragenden Song zustandebringen? So muss man Les Miz wohl wirklich als Glücksfall der Musicalgeschichte bezeichnen, der unerreicht bleiben wird. Und der in London im 25.Jahr noch immer so mitreißend und frisch ist, dass er uns sicher noch weitere 25 Jahre erhalten bleibt.
Montag, 4. Juli 2011
Vorverkauf für das 25th anniversary concert des Phantoms startet heute
Phans aufgepasst: Am heutigen Montag um 10.00 Uhr englischer Zeit beginnt der Vorverkauf für die drei 25th Anniversary Concerts des Phantoms in der Royal Albert Hall am 1. + 2.Oktober. Praktisch für deutsche Fans, dass der 3.Oktober nicht nur Feiertag ist sondern auch noch auf einen Montag fällt - da bietet sich das lange Wochenende ja perfekt für eine Londonreise an. Bei Ticketpreisen von £45 - £250 wird es kein billiger Spass, aber das wird den echten Phan nicht schrecken. Angeführt wird das Ensemble von den beiden "Love never dies"-Stars Ramin Karimloo und Sierra Boggess. Angekündigt wurden außerdem "Special Guest Appearances" - zu erwarten sind da wohl das Ur-Phantom Michael Crawford und die Ur-Christine Sarah Brightman, aber vielleicht gibt es ja auch noch die ein oder andere originelle Überraschung.
Wer lange genug in England bleibt, kann sich anschließend noch "A Night with the Phantom" gönnen, wenn Karimloo seine ersten Solo-Konzerte gibt: Am 13.Oktober steht er in Bristol auf der Bühne, am 22.Oktober in Manchester und am 29.Oktober in Birmingham. Zu zivilen Preisen von bis zu £37.50 übrigens...
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