Donnerstag, 30. Juni 2011

"Follies", "Porgy & Bess" und "On a clear day..." unterwegs zum Broadway

In New York nimmt die Planung für die kommende Saison Gestalt an. Während es mit komplett neuen Musicals bis auf "Bonnie & Clyde" derzeit noch mau aussieht, darf man sich wohl auf eine Vielzahl spannender Revivals freuen. Fest steht nun, dass der Gershwin-Klassiker "Porgy and Bess" ab Dezember im Richard Rodgers Theatre zu sehen sein wird. In den Titelrollen darf man sich auf eine Rückkehr von Audra McDonald an den Broadway freuen und auf Norm Lewis, der bis vor kurzem noch als Javert in "Les Misérables" in London auf der Bühne stand.

Ebenfalls fix ist das Revival von "On a clear day you can see forever", ein wenig gespieltes Musical von Lerner & Lane, das sich Harry Connick Jr. als Leading Man gesichert hat. Dabei wird die originale Bühnenfassung um Songs aus der Filmversion von 1970 und aus dem Film "Royal Wedding" ergänzt, so dass es ab Dezember '11 eine komplett neue Version im St.James Theatre zu sehen sein wird.

Vorher transferiert jedoch noch die erfolgreiche "Follies"-Produktion aus Washington für eine begrenzte Spielzeit nach New York: Ab Juli ist das Sondheim-Musical im Marquis Theater zu sehen, wo es die durch den Megaflop "Wonderland" gerissene Lücke im Spielplan füllt. In den Hauptrollen sind u.a. Bernadette Peters, Ron Raines und Elaine Paige zu sehen.

Sonntag, 26. Juni 2011

Der 1.Weltkrieg wird zum Musical

Ja, meine erste Reaktion war auch: "Muss das sein?" - andererseits: Mit "War Horse" und "Birdsong" wurde der 1.Weltkrieg in den letzten Jahren bereits zweimal für die Theaterbühne adaptiert und beide Male ausgesprochen erfolgreich. Beide Werke begannen als Buch, kamen auf die Bühne und schliesslich auch vor die Kamera. Während Steven Spielberg höchstselbst "War Horse" als Spielfilm für die Kinoleinwand adaptierte (Premiere zum Jahresende), verfilmt die BBC Sebastian Faulks' Bestseller "Birdsong" als Miniserie fürs Fernsehen mit Eddie Redmayne und Clemence Poésy in den Hauptrollen. Warum da nicht auch das Thema musikalisch aufgreifen, solange es geschmackvoll geschieht?

In Flandern - in jenem Land wo sich die schreckliche Tragödie des "Großen Krieges" zum großen Teil abspielte - bereitet man sich jetzt schon auf das Jahr 2014 vor, wenn sich der Kriegsausbruch zum hundertsten Mal jährt. Das erfolgreiche Team hinter dem Musical "Daens" - Frank van Laecke, Dirk Brossé und Allard Blom - planen zusammen mit Studio 100 ein Musical herauszubringen, das derzeit noch den Arbeitstitel "14-18" trägt.
Bei Regisseur van Laeckes Beschreibung einer "starken Geschichte um Romantik und bedingungslose Freundschaft" dräut mir ja schon wieder böses in Form einer schmonzettenhaften Dreiecksgeschichte, doch andererseits hat dieses Team mit der Geschichte des streitbaren Pastor Daens ein wirklich hervorragendes Stück ohne überzuckerten Kitsch auf die Bühne gebracht. Und allein der Respekt vor den Millionen Toten des 1.Weltkriegs würde es gebieten, ein seriöses bewegendes Stück vom Kaliber "War Horse" oder "Birdsong" zu verfassen und keine Schmonzette in der ein kleines Fräuchen über ihr Herzeleid flennt, während ihr schöner Soldat bis zur Hüfte im Matsch der Schützengräben steckt und wahrhaftig andere Probleme hat.

Neue ALW-Welle für den Broadway? "Cats" wieder in London?

Der Erfolg von "Love never dies" in Melbourne scheint Andrew Lloyd-Webber frischen Aufwind zu geben: Nun soll die Produktion doch an den Broadway gebracht werden (und vermutlich dann auch irgendwann in London wieder auf die Bühne kommen...). Doch nicht nur die halbgare Phantom-Fortsetzung droht den New Yorkern; auch das in London mäßig erfolgreiche Revival von "The Wizard of Oz" für das ALW neue Songs schrieb, soll über den Atlantik transferieren. Was umso erstaunlicher ist, da es trotz dem riesigen Wirbel mit Casting Show-Suche nach einer neuen Dorothy und des generellen Bekanntheitsgrades des Stoffes, in London nicht wirklich erfolgreich ist und sich die Gerüchte um eine Schließung Ende des Jahres verdichten. Auch ein Revival von "Jesus Christ Superstar" am Broadway scheint möglich und würde damit dem bereits feststehenden Revival von "Evita" mit Elena Roger und Ricky Martin folgen, das im Frühling 2012 öffnet.
Wenn sich dann tatsächlich "Rebecca" noch zu "Love never dies" und Wildhorn's "Bonnie & Clyde" gesellen, dürfte New York das Herz jedes deutschen Schmonzetten-Fans im kommenden Jahr höher schlagen lassen. Wie die New Yorker dies goutieren werden, bleibt abzuwarten. Für mich bleibt "Love never dies" trotz der teilweise wunderschönen Musik ein Rohrkrepierer solange die unsägliche Geschichte nicht entscheidend geändert wird.
Die positive Überraschung ist "Bonnie & Clyde", ein Stück das mich musikalisch sehr an Wildhorns bisher bestes Werk "Civil War" erinnert und wieder stark auf Americana-Klänge setzt. Bleibt zu hoffen, dass es in dieser Form in New York ankommt und nicht wie das ebenfalls erfolgversprechende "Wonderland" bis zur Unkenntlichkeit verwurstet wird. Pluspunkt für B&C: Jack Murphy ist weit und breit nicht zu sehen.


In London dagegen setzt man auf eine altvertraute Melkkuh: Laut Variety soll 2013 ein Revival von "Cats" an den Start gehen. Man darf gespannt sein, ob das unglaublich erfolgreiche Schauspiel "War Horse" bis dahin das New London Theatre räumen wird, was eher unwahrscheinlich ist, da die im Herbst startende Filmversion das Interesse an dem Stück noch einmal anheizen wird. Und wenn "Cats" die runde Bühne nicht nutzen kann, wie man das Stück inszenieren wird - einerseits kann ich mir nur schwerlich eine andere Inszenierung von "Cats" als den guten alten Müllplatz vorstellen, andererseits wäre es natürlich eine großartige Chance dem Stück über 30 Jahre nach der Uraufführung einen komplett neuen Anstrich zu verpassen (der dann wiederum schön exportiert werden kann).

Freitag, 24. Juni 2011

"Priscilla" verabschiedet sich aus London

Schade, Jungs! Nach knapp drei Jahren geht die Zeit von "Priscilla - Queen of the Desert" im West End zuende. Obwohl eine offizielle Pressemitteilung noch aussteht, verbreitete sich die Nachricht gestern über Twitter und dann das Internet sehr schnell in der Community. Die letzte Vorstellung findet höchstwahrscheinlich am 31.Dezember 2011 statt, auch der 7.Januar '12 (das Ende der aktuellen Buchungsperiode) ist noch möglich.

Damit wird "Priscilla" zwei Jahre und neun Monate im West End gespielt haben - ein beachtlicher Erfolg für den Underdog-Hit aus Australien, der sich nach der Premiere erstmal schwer tat und vor allem durch Word of Mouth und begeisterte Wiederholungstäter in Fahrt kam. Auch für mich war "Priscilla" das erste und einzige Musical seit langem, dass ich gleich mehrmals gesehen habe. Immerhin ist die (leicht veränderte) Show auch noch am Broadway zu sehen. Bleibt abzuwarten, was 2012 ins Palace Theatre folgt - das Haus in Top-Location am Cambridge Circus ist immer nachgefragt.

Donnerstag, 23. Juni 2011

"Sunday Night Fever" - Holland setzt weiter auf Casting Shows

Im Mutterland scheinen Stage Entertainment immer mehr die Ideen auszugehen. Obwohl sie nun wirklich auf genug Rechten sitzen, halten sich die spannenden Neuproduktionen in den Niederlanden in den Grenzen. Aufregende neue Produktionen, egal ob neu-entwickelte niederländische Musicals wie "Soldaat van Oranje" oder "1953", oder Importe aus London und New York wie "Legally Blonde" und "Avenue Q" lassen sich eher bei der Konkurrenz finden. Die einzigen Ausnahmen sind "Zorro" und bald "Next to Normal", das jedoch nur einen sehr begrenzten Zuschauerkreis ansprechen dürfte.

Bei den großen Produktionen bedient sich Stage Entertainment jedenfalls eher in der eigenen Mottenkiste - nachdem schon "Cats" und "Les Misérables" wieder abgestaubt wurden, ist in diesem Herbst die Vietnam-Schmonzette "Miss Saigon" dran und im nächsten Jahr wird dann "Saturday Night Fever" neu aufgelegt. Dabei bleibt man beim scheinbar erfolgreichen Rezept, das Interesse per TV-Casting Show anzuheizen: Ab 27.November wird auf RTL "Sunday Night Fever" ausgestrahlt, wo sich zehn Aspiranten um die Hauptrolle des Tony Manero balgen dürfen. Präsentiert wird die Show von Chantal Janzen, die seinerzeit bei der ersten Aufführung ihren Durchbruch mit der Rolle der Stephanie Mangano erlebte. Diese Rolle wird in der Neuauflage von "Mary Poppins" Noortje Herlaar gespielt, ebenfalls eine Casting-Show-Gewinnerin. So bleibt wenigstens alles schön in der Familie.

Die Premiere der Neu-Aufführung findet am 28.Januar in Schiedam statt, danach ist "Saturday Night Fever" bis August auf Tournee unterwegs.

Sonntag, 19. Juni 2011

"Avenue Q" in Deutschland und den Niederlanden

Das Puppenmusical ist auch weiterhin europaweit ein Renner. Nun ist auch endlich Deutschland dran, wo es ja meistens etwas länger dauert. Und weil hierzulande jedes Stadttheater sein eigenes Süppchen kocht, kommen auch vorerst nur die Bewohner der Rhein-Neckar-Region auf ihre Kosten, denn die St.Gallener Produktion von “Avenue Q” wird ab April 2012 im Nationaltheater Mannheim gezeigt. Ob BB Promotion die Show dann auch auf Deutschland-Tournee schickt, steht noch nicht fest.

Die Holländer jenseits der Grenze haben es besser: Dort bringt 3 and a Crowd “Avenue Q” in der Saison 2012/2013 definitiv als Tournee auf die Bühne, so dass man landesweit in den Genuss des frechen Off-Broadway-Musicals kommt. Für die Produzenten dürfte das Stück ein Trost sein, nachdem die geplante Uraufführung von “Willem de Zwijger” aus Kostengründen vorerst geplatzt ist.

Freitag, 17. Juni 2011

Das (fast) offizielle Aus für "Love never dies" in London

Die Gerüchteküche kocht schon lange, die Auslastung ist nach wie vor mies und dann stach der Lord selbst seiner Londoner Produktion das Messer ins Kreuz, als er die neue australische Produktion in Melbourne über den grünen Klee lobte und für wesentlich besser hielt. Trotzdem schien er nicht bereit "Love never dies" im Adelphi Theatre den Gnadenschuss zu geben. Bis jetzt. Daily Mail-Kolumnist Baz Bamigboye ,der gewöhnlich besser informiert ist, als alle anderen, berichtet in seiner neuesten Kolumne, dass die am National Theatre ausgesprochen erfolgreiche Komödie "One Man, Two Guv'nors" (eine Adaptierung des Goldoni-Klassikers "Servant of Two Masters" von Richard Bean) nach dem Spielende ins Adelphi Theatre transferieren soll.

Für das Adelphi Theatre wäre das Stück die ideale Übergangslösung bis im kommenden Jahr dann eines der neuen großen Musicals Premiere haben wird - angeblich sollen sich "Bridget Jones" und "Charlie and the Chocolate Factory" beide für das Theater interessieren. Da ohnehin schon zuviele große Musicaltheater im West End mit lauwarmen Produktionen verstopft sind (und "Shrek" nach den überraschend positiven Kritiken wohl doch 1-2 Jahre in der Drury Lane durchhalten wird), wäre es erfreulich wenn wenigstens das Adelphi frei wird.

Bleibt abzuwarten, ob Lord ALW dann später einen zweiten Versuch unternehmen wird, "Love never dies" in der neuen australischen Version in London unterzubringen. Mag sein, dass diese Version hübscher anzusehen ist - aber solange die brunzdumme Prämisse des Stückes erhalten bleibt, gebe ich der Sache wenig Chancen. Schon Cam Mack musste mit "Martin Guerre" lernen, dass man Erfolg nicht erzwingen kann, nun ist wohl ALW an der Reihe.

UPDATE: Nachdem sich das Gerücht aus der Daily Mail in Windeseile durchs Internet verbreitete, kam dann auch die offizielle Bestätigung: "Love never dies" schliesst am 27.August.

Dienstag, 14. Juni 2011

"mehr!"-Entertainment übernimmt den Admiralspalast

Maik Klokow sammelt weiter fleissig Theater: Nach der Übernahme des Musicaltheaters in Bremen hat sich der CEO von "mehr!" nun auch den Admiralspalast in Berlin übernommen, der schon mehrere Pleiten überstehen musste. Aber ein weiteres Standbein in der Hauptstadt war wohl unwiderstehlich. Nun wird es langsam Zeit, dass zu den Dauerläufern "Starlight Express" und "Cats" und dem lauwarmen "Kein Pardon" in Düsseldorf langsam mal konkrete Pläne vorgestellt werden, was "mehr!" denn eigentlich spielen will. Bis dahin gibts hier immerhin schon die komplette Pressemitteilung zu lesen:

Neuer Betreiber für das Berliner Traditions-Theater: Der Admiralspalast in Berlin wird weiterhin mit außergewöhnlichen Shows, erstklassigen Musicals, Konzerten, Events und Ausstellungen aufwarten, denn ab dem 15. Juni betreibt die Unternehmensgruppe „Mehr! Entertainment“, zu der mehrere renommierte Theater gehören, den Berliner Veranstaltungsstandort.

Nach dem Ausscheiden des letzten Betreibers im Sommer 2010 und einer Zeit des Übergangs beginnt nun für das Haus an der Friedrichstraße ein neuer Abschnitt seiner langen Geschichte: Der in Düsseldorf ansässige Geschäftsführer und Produzent der Unternehmensgruppe „Mehr! Entertainment", Maik Klokow, hat sich entschieden, das Theater in seine Obhut zu nehmen: „Wir freuen uns, den traditionsreichen Berliner Admiralspalast in Zukunft betreiben zu können. Durch den großen Erfolg des Berliner Gastspiels von CATS hat sich unsere Meinung gefestigt, dass ein langfristiges Engagement in Berlin sinnvoll ist und deswegen möchten wir uns in dieser interessanten Kulturlandschaft mit einem Theater fest etablieren. Für uns ist Theater und Entertainment Leidenschaft – wir werden den Zuschauern ein vielfältiges Programm aus Musical-Highlights, Konzerten, Comedy-Abenden, interessanten Ausstellungen und Tanzshows bieten und somit für hochkarätiges Entertainment im Kulturleben der Stadt sorgen.“

Neben ausgesuchten Tourneeproduktionen, die mit bewährten Partnern umgesetzt werden, finden weiterhin außergewöhnliche und unkonventionelle Themen ihren Platz – aber auch innovative Eigeninszenierungen der „Mehr! Entertainment“ werden zur Aufführung gelangen. Das Berliner Publikum kann sich also schon jetzt auf vergnüglich-unterhaltsame Theaterabende freuen.


Mit dem Berliner Admiralspalast betreibt die Firmengruppe, die sich mit Leidenschaft den vielfältigen Facetten des Theaterlebens widmet, nun das sechste Theater in Deutschland – neben dem Bochumer Starlight Express-Theater, dem Kölner Musical Dome, dem Düsseldorfer Capitol Theater, dem Bremer Musical Theater und dem CATS-Theaterzelt, das sich zurzeit auf großer Tournee befindet.

Montag, 13. Juni 2011

Tony Awards 2011

Die voraussehbarsten Tony Awards seit Jahren wurden am vergangenen Abend in New York eigentlich genauso verliehen wie ich es erwartet hatte: Mit "Book of Mormon" als großem Abräumer bei den Musicals mit insgesamt neun Trophäen. Wenn es überhaupt Überraschungen gab, dann bei den Darstellern: Auf der einen Seite gewann Nikki M. James als beste Nebendarstellerin und nicht die haushoch favorisierte Laura Benanti, auf der anderen Seite gingen beide "Mormon"-Hauptdarsteller leer aus. Den Preis als bester Hauptdarsteller nahm Norbert Leo Butz entgegen. Aber das mag letztendlich auch fair sein: Wie wollte man bei dem perfekten Double Act von Andrew Rannells und Josh Gad auch den einen dem anderen vorziehen? Ich persönlich hätte es dann eher Tony Sheldon gegönnt, der seit Jahr und Tag "Priscilla" zusammenhält, aber nach soviel Großzügigkeit gegenüber den Briten im Schauspielbereich konnte man wohl nicht auch noch Australier (bis auf den Pflichtpreis für Lizzy Gardiner und Tim Chappel für die "Priscilla"-Kostüme) auszeichnen.

Erfreulich aber eben diese Großzügigkeit: "War Horse" gewann fünf Tonys, darunter den für bestes neues Schauspiel und beste Regie und Mark Rylance krönte eine atemberaubende Saison mit der Auszeichnung als bester Schauspieler für "Jerusalem".

Hier die komplette Gewinnerliste:


Best Musical
The Book of Mormon
Catch Me If You Can
The Scottsboro Boys
Sister Act

Best Performance by an Actor in a Leading Role in a Musical
Norbert Leo Butz, Catch Me If You Can
Josh Gad, The Book of Mormon
Joshua Henry, The Scottsboro Boys
Andrew Rannells, The Book of Mormon
Tony Sheldon, Priscilla Queen of the Desert

Best Performance by an Actor in a Leading Role in a Play
Brian Bedford, The Importance of Being Earnest
Bobby Cannavale, The Motherf**ker with the Hat
Joe Mantello, The Normal Heart
Al Pacino, The Merchant of Venice
Mark Rylance, Jerusalem

Best Performance by an Actress in a Leading Role in a Musical
Sutton Foster, Anything Goes
Beth Leavel, Baby It's You!
Patina Miller, Sister Act
Donna Murphy, The People in the Picture

Best Performance by an Actress in a Leading Role in a Play
Nina Arianda, Born Yesterday
Frances McDormand, Good People
Lily Rabe, The Merchant of Venice
Vanessa Redgrave, Driving Miss Daisy
Hannah Yelland, Brief Encounter

Best Revival of a Musical
Anything Goes
How to Succeed in Business Without Really Trying

Best Lighting Design of a Play
Paule Constable, War Horse
David Lander, Bengal Tiger at the Baghdad Zoo
Kenneth Posner, The Merchant of Venice
Mimi Jordan Sherin, Jerusalem

Best Lighting Design of a Musical
Ken Billington, The Scottsboro Boys
Howell Binkley, How to Succeed in Business Without Really Trying
Peter Kaczorowski, Anything Goes
Brian MacDevitt, The Book of Mormon

Best Play
Good People Author: David Lindsay-Abaire
Jerusalem Author: Jez Butterworth
The Motherf**ker with the Hat Author: Stephen Adly Guirgis
War Horse Author: Nick Stafford

Best Scenic Design of a Musical
Beowulf Boritt, The Scottsboro Boys
Derek McLane, Anything Goes
Scott Pask, The Book of Mormon
Donyale Werle, Bloody Bloody Andrew Jackson

Best Revival of a Play
Arcadia
The Importance of Being Earnest
The Merchant of Venice
The Normal Heart

Best Book of a Musical
Bloody Bloody Andrew Jackson Alex Timbers
The Book of Mormon Trey Parker, Robert Lopez and Matt Stone
The Scottsboro Boys David Thompson
Sister Act Cheri Steinkellner, Bill Steinkellner and Douglas Carter Beane

Best Scenic Design of a Play
Todd Rosenthal, The Motherf**ker with the Hat
Rae Smith, War Horse
Ultz, Jerusalem
Mark Wendland, The Merchant of Venice

Best Performance by an Actor in a Featured Role in a Musical
Colman Domingo, The Scottsboro Boys
Adam Godley, Anything Goes
John Larroquette, How to Succeed in Business Without Really Trying
Forrest McClendon, The Scottsboro Boys
Rory O'Malley, The Book of Mormon

Best Costume Design of a Musical
Tim Chappel & Lizzy Gardiner, Priscilla Queen of the Desert
Martin Pakledinaz, Anything Goes
Ann Roth, The Book of Mormon
Catherine Zuber, How to Succeed in Business Without Really Trying

Best Performance by an Actress in a Featured Role in a Musical
Laura Benanti, Women on the Verge of a Nervous Breakdown
Tammy Blanchard, How to Succeed in Business Without Really Trying
Victoria Clark, Sister Act
Nikki M. James, The Book of Mormon
Patti LuPone, Women on the Verge of a Nervous Breakdown

Best Costume Design of a Play
Jess Goldstein, The Merchant of Venice
Desmond Heeley, The Importance of Being Earnest
Mark Thompson, La Bête
Catherine Zuber, Born Yesterday

Best Direction of a Play
Marianne Elliott and Tom Morris, War Horse
Joel Grey & George C. Wolfe, The Normal Heart
Anna D. Shapiro, The Motherf**ker with the Hat
Daniel Sullivan, The Merchant of Venice

Best Direction of a Musical
Rob Ashford, How to Succeed in Business Without Really Trying
Kathleen Marshall, Anything Goes
Casey Nicholaw and Trey Parker, The Book of Mormon
Susan Stroman, The Scottsboro Boys

Best Sound Design of a Play
Acme Sound Partners & Cricket S. Myers, Bengal Tiger at the Baghdad Zoo
Simon Baker, Brief Encounter
Ian Dickinson for Autograph, Jerusalem
Christopher Shutt, War Horse

Best Performance by an Actor in a Featured Role in a Play
Mackenzie Crook, Jerusalem
Billy Crudup, Arcadia
John Benjamin Hickey, The Normal Heart
Arian Moayed, Bengal Tiger at the Baghdad Zoo
Yul Vázquez, The Motherf**ker with the Hat

Best Sound Design of a Musical
Peter Hylenski, The Scottsboro Boys
Steve Canyon Kennedy, Catch Me If You Can
Brian Ronan, Anything Goes
Brian Ronan, The Book of Mormon

Best Performance by an Actress in a Featured Role in a Play
Ellen Barkin, The Normal Heart
Edie Falco, The House of Blue Leaves
Judith Light, Lombardi
Joanna Lumley, La Bête
Elizabeth Rodriguez, The Motherf**ker with the Hat

Best Choreography
Rob Ashford, How to Succeed in Business Without Really Trying
Kathleen Marshall, Anything Goes
Casey Nicholaw, The Book of Mormon
Susan Stroman, The Scottsboro Boys

Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre

The Book of Mormon
Music & Lyrics: Trey Parker, Robert Lopez and Matt Stone

The Scottsboro Boys
Music & Lyrics: John Kander and Fred Ebb

Sister Act
Music: Alan Menken
Lyrics: Glenn Slater

Women on the Verge of a Nervous Breakdown
Music & Lyrics: David Yazbek

Best Orchestrations
Doug Besterman, How to Succeed in Business Without Really Trying
Larry Hochman, The Scottsboro Boys
Larry Hochman and Stephen Oremus, The Book of Mormon
Marc Shaiman & Larry Blank, Catch Me If You Can

Donnerstag, 9. Juni 2011

Catch me if you can - Broadway Cast Recording

CD-Aufnahmen vom Broadway waren in diesem Jahr wie Busse: Ewig kam nichts, dann kamen mehrere auf einmal. Und sie hatten eine Überraschung dabei, eine fett positive Überraschung in Form von "Catch me if you can", das ich leider nicht live sehen konnte. Und bis dahin auch gar nicht den Wunsch danach verspürte. Es mochte das erfolgserprobte Team von Hairspray dahinter sehen und mit Namen wie Norbert Leo Butz und Shooting-Star Aaron Tveit in den Hauptrollen aufwarten, aber letztendlich blieb es für mich erstmal die x-te uninspirierte Adaption eines mittelmäßig erfolgreichen Hollywood-Films: "Catch me if you can", die Verfilmung der Biographie von Frank Abagnale Jr., einem begnadeten jungen Hochstapler, dem ein FBI-Agent hartnäckig auf der Spur ist.

Kritiker mäkelten am Musical herum, dass es zu "glatt" sei, die Figuren zu wenig sympathisch und die Musik eher mittelmäßig. Aber zumindest die CD macht von der ersten Nummer "Live in living Color" einfach nur verdammt viel Spass und die Musik stellt eine große Verbesserung zur ersten Demo-Version aus Seattle dar. Einen so cleveren Gute Laune-song wie "Butter outta Cream" hat man schon lang nicht mehr gehört, doch auch die Romantik kommt nicht zu kurz mit dem wunderschönen Duett "Seven Wonders". Nur auf das einschläfernde "Christmas is my favorite Time of Year" hätte ich ganz gut verzichten können - und auf die ennervierende Ballade "Fly, Fly Away", die wie die Dutzendware von Frank Wildhorn daherkommt, weil die Leading Lady wohl in jeder Show einen Auf-Teufel-komm-raus-Belten-Song braucht in dem sie ihrem Mann hinterherschluchzen darf und die viel zu lange dauert. Hier wäre weniger mehr gewesen. Sei's drum, Kerry Butler ist wenigstens großartig bei Stimme und ich habe keine Zweifel, dass der Song auf der Bühne wirklich fesseln kann. Letztendlich gehört die Show ohnehin Aaron Tveit und Norbert Leo Butz, die einen Großteil der Lieder singen und mit ihrem Katz-und-Maus-Spiel quer durch die Vereinigten Staaten die Handlung tragen.

Mag sein, dass das Stück etwas zu glatt daherkommt, zu sehr am Reißbrett fabriziert, doch Marc Shaiman und Scott Wittman haben einen mitreißenden Soundtrack abgeliefert, der beim Hören direkt ins Ohr geht und viel Freude bereitet. Mit den richtigen Leuten, vor allem einem Frank der kistenweise Charisma für den schlitzohrigen Schwindler mitbringt, dürfte das Musical auch live einen vergnüglichen Abend versprechen. Bleibt für mich zu hoffen, dass es bis zu meiner nächsten New York-Reise überlebt - oder den Sprung über den Atlantik schafft.

"Spiderman - Turn off the dark" - CD-Kritik

Man kann getrost davon ausgehen, dass "Spider-Man" die mit größter Spannung erwartete CD-Veröffentlichung der Saison ist - schliesslich gibt es überall auf der Welt tausende Fans von U2, die ebenfalls am ersten Musical von Sankt Bono und The Edge interessiert sind und nicht wie meistens nur eine überschaubare Anzahl an Musicalfreaks. Das mag auch der Grund gewesen sein, nun eine Art "Concept Album" zu veröffentlichen, das nicht allzuviel mit der aktuellen Bühnenshow gemeinsam hat. So sind die beiden U2-Bandmitglieder selbst zu hören, die Songs sind anderes orchestriert und in völlig anderer Reihenfolge arrangiert. Aber das muss für mich nichts schlechtes sein, denn schon öfter wurden auf der Bühne recht belanglose Liedchen durch eine Pop-Orchestrierung so verbessert, dass etwas völlig neues daraus wurde.

Doch nun zur CD selbst. Vierzehn Tracks, wobei "Rise Above" in zwei Versionen vorhanden ist, einer Single-Version in der Bono und The Edge selbst mitmischen und einer Bühnenversion der Broadway Cast. Dafür fehlen ein paar Songs, was aber nicht weiter tragisch ist, da sie auf der Bühne belanglos daher kamen und hier schon genug belangloses Material zu hören ist. Richtig positiv fallen eigentlich nur das schon erwähnte "Rise Above" und "Boy falls from the sky" auf - tolle Popsongs, wie man sie zu den besten Zeiten von U2 erwarten konnte. Auch Arachnes letzte große Nummer "Turn off the dark" und das rockige "Bouncing off the walls" klingen hier sehr gut, während das nette Duett "If the world should end" leider zu einem Solo für Mary Jane geworden ist - aber mit "No more" und "I just can't walk away" gibt es ja noch zwei weitere gelungene Duette.

Reeve Carney, live der große Sympathieträger, kommt hier etwas schwachbrüstig daher, was aber auch daran liegen mag, dass bei so stark nach U2 klingenden Songs ganz einfach Bonos Stimme erwartet. Ich finde es irgendwie passend, dass Peter Parker so jugendlich-leicht daher kommt. Jennifer Damiano und T.V.Carpio überzeugen ebenso wie Patrick Page, dessen "Freak like me" auf der CD richtig nett klingt und nicht wie im Theater nur sagenhaft nervt.

Man muss sich natürlich darüber im Klaren sein, dass dieses Concept Album keine authentische Wiedergabe des Musicals ist. Dann aber bringt es die besten Momente des Stücks wieder zurück und wer rockige Scores mag, ist hier eigentlich genau richtig. Und doch ahnt man, um wieviel besser die Musik sein könnte, wenn sich Bono & The Edge die Mühe gemacht hätten, mehr Songs von Kaliber "Rise Above" abzuliefern. Da sollen sie dieses Genre, mit dem sie nach eigenen Angaben ohnehin nichts anfangen können, doch lieber in Ruhe lassen und sich weiterhin mit ihren eigenen Konzerten und der Rettung der Welt beschäftigen.

Mittwoch, 8. Juni 2011

"Spring Awakening" in Paris

Duncan Sheiks und Steven Saters erfolgreiche Pop-Adaption des Wedekind-Klassikers "Frühlingserwachen" war am vergangenen Montag zum ersten Mal in Frankreich zu sehen. Dabei handelte es sich um das erste von insgesamt sieben neuen Musicals, die im Rahmen des "Découvertes Diva 2011"-Programmes im Théâtre Petit Saint Martin vorgestellt werden - und zwar kostenlos. Interessant an der französischen Variante "L'Éveil du printemps" war vor allem die starke Besetzung, für die man sich wünscht, dass das Stück eine reguläre Spielzeit in Paris bekommt:
Als Wendla war die originale Juliette Cécilia Cara, die damals erst 16 Jahre war, nun aber so gerade an der Altersgrenze für Wendla vorbeischrammt. Später synchronisierte sie Christine in der französischen Fassung des "Phantom"-Films und war als Sandy in "Grease", Bonnie in "Bonnie & Clyde" und zuletzt in "Il était un fois Joe Dassin" zu sehen. Als Melchior steht ihr Jungstar Yoann Pigny zur Seite, der in der französischen DSDS-Variante "Nouvelle Star" den Durchbruch erlebte und nebenbei als Model tätig ist. Auch Moritz-Darsteller Nyco kommt aus dem Pop-Bereich und hat sich vor allem mit Italo-Pop à la Eros Ramazotti einen Namen gemacht. Wenig erstaunlich also, dass der einmaligen Aufführung von "Spring Awakening" am Montag sehr viel Aufmerksamkeit zuteil wurde. Die Kollegen in Paris zeigten sich begeistert von Stück und Darstellern. Nun also hoffen, dass sich diese Besetzung für eine längere Spielzeit und eine französische CD-Einspielung nach dem Rentrée wieder zusammenfindet.

"Million Dollar Quartet" schliesst am Broadway

Na endlich - eines der überflüssigsten Jukebox-Musicals der letzten Jahre, das ein Broadway-Theater verstopfte obwohl es seit Wochen nur noch miserabel ausgelastet war, verabschiedet sich am Wochenende aus dem Nederlander Theatre. Das "Million Dollar Quartet", in dem die Hits von Elvis, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins verwurstet wurden, hat dann 489 Vorstellungen gespielt. Allerdings will man die Touristen-Kuh wohl weiterhin melken - interessanterweise im "New World Stages"-Komplex Off-Broadway, der der Stage Entertainment gehört.

Hier, wo man vor einigen Jahren noch kreative neue Produktionen entwickelte, scheint man den gleichen Kurs der europäischen Abteilung eingeschlagen zu haben und recycelt lieber abgelaufene Broadway-Ware wie "Avenue Q" und "Rent" neben Kiddie Shows wie der "Gazillion Bubble Show" und "Imagine Ocean. Nichts gegen "Avenue Q" oder "Rent" natürlich - auch ich freue mich, dass "Rent" wieder in New York zu sehen sein wird. Aber für die New World Stages, die anders als die meisten Off-Broadway-Spielstätten direkt im Times Square-Theaterviertel liegen und über fünf Theater verfügen, ist es letztendlich ein Armutszeugnis, das man schon seit Jahren keinen erfolgreichen Transfer AN den Broadway herausgebracht hat.

Montag, 6. Juni 2011

"Once" nun doch erst Off-Broadway

Die Bühnenadaption des erfolgreichen Indie-Films "Once" kommt nun doch nicht wie geplant direkt am Broadway heraus sondern wird erst Off-Broadway am New York Theatre Workshop gespielt. Ein Premierendatum steht noch nicht fest - doch es ist erfreulich, dass die Erwartungen des Creative Teams auf ein realistisches Maß heruntegestuft wurden. Während der Film, in dem sich ein irischer Straßenmusiker und eine tschechiche Einwanderin, die Geige spielt, in einander verlieben, ganz nett daherkommt und mit "Falling Slowly" einen großartigen Song bietet, der zurecht den Oscar gewann, bleibt es letztendlich doch eine sehr kleine, gemächliche Geschichte, die in einem großen Broadway-Theater zu Broadway-Preisen vermutlich schnell eingehen würde. In einem kleinen Off-Broadway-Theater dürfte sie wesentlich besser funktionieren.

Interessant an diesem Projekt ist auch, dass es sich nicht um eine typische Franchise-Cash Cow handelt, sondern dass die Hauptdarsteller des Filmes, Glen Hansard und Marketa Irglova, die auch die Lieder für den Film verfassten, selbst an der Musicalfassung mitarbeiten. Auf der Bühne werden jedoch nicht sie stehen, sondern vermutlich Cristin Milioti und Steve Kazee, die beim Workshop am American Repertory Theatre zu sehen waren. Regie führt John Tiffany, Enda Walsh adaptiert das Filmdrehbuch für die Bühne. Hansard und Irglova waren seit ihrem Durchbruch mit "Once" zusammen auf Welttournee und veröffentlichten nach dem Filmsoundtrack ein weiteres Album zusammen, "Swell Season".

Man darf gespannt sein, was sie für die Bühne schreiben werden. Und ob das kleine Stück dann acuh den Sprung an den großen Broadway oder über den Teich nach Dublin und London schafft. Hier nochmal zur Erinnerung das wunderschöne "Falling Slowly":


Freitag, 3. Juni 2011

“Rocky” als Musical von der Reeperbahn zum Broadway?

Gibt es eine Chance, dass Deutschland noch einmal zu den glorreichen Zeiten der 90’er Jahre zurückkehrt, als die Musicalszene noch nicht zu einer Melange aus herumgeschobenen McDonalds-Produktionen und ewig gleichem Brei verkommen war und auch internationale Musicalliebhaber auf das Land schauten in dem Europa- und Weltpremieren stattfanden wie Disneys “Glöckner von Notre Dame”? Stage Entertainment macht es vielleicht möglich – mit der Uraufführung der Musicalversion des legendären Box-Films “Rocky”, der Sylvester Stallone vor mittlerweile 35 Jahren (!) zum Superstar machte.

Stallone selbst, dessen Karriere nach den Haudrauf-Epen “Rocky” und “Rambo” in den 80er Jahren langsam im Sand verlief, arbeitet seit einigen Jahren höchstselbst an einer Bühnenfassung und folgt damit in den Fußstapfen von Whoopi Goldberg, die ebenfalls einen ihrer größten Kinoerfolge versilbert, seit es mit der Filmkarriere nicht mehr so klappt. Die Musik und Texte stammen von Lynn Ahrens und Stephen Flaherty, das vielfach unterschätzte Autorenduo aus Pittsburgh, das mit “Ragtime” ihren größten Erfolg hatte und seitdem ebenfalls keinen echten Hit mehr landen konnte (was angesichts der Qualität von Shows wie “The Glorious Ones” wirklich schade ist). Das Buch schreibt Thomas Meehan, der schon die “Producers” und “Hairspray” erfolgreich von der Leinwand auf die Bühne übertrug.

Wie die New York Times wissen will, soll die Premiere im Herbst 2012 in Hamburg stattfinden mit einem geplanten Broadway-Transfer im Frühling 2013. Schön wäre es, wenn es klappen würde – noch schöner wäre es, wenn ein wirklich gelungenes Musical dabei herauskommen würde. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Abgesehen von den talentierten Autoren eignet sich auch der Stoff für die Bühne: Boxkämpfe können durchaus gut tänzerisch umgesetzt werden und die Geschichte vom Underdog der sich gegen alle Widerstände durchsetzt macht sich in jeder Version gut.

Donnerstag, 2. Juni 2011

“Women on the verge of a nervous breakdown” – Original Broadway Cast Recording

Eine der größten Enttäuschungen der gerade zuende gehenden Broadway-Saison war wohl die Uraufführung der Musicalversion des Almodovar-Films “Frauen am Rande des Nerven- zusammenbruchs” von David Yatzbek und Jeffrey Lane im Winter. Trotz der hervorragenden Vorlage und einem hochkarätigen Ensemble, das u.a. mit Sherie Rene Scott, Patti LuPone, Laura Benanti und Brian Stokes Mitchell aufwartete, wollte sich der Erfolg im Belasco Theater nicht wirklich einstellen und auch die Kritiken fielen eher lauwarm aus. Immerhin hat man das Stück auf CD für die Nachwelt festgehalten, so dass sich auch Menschen die es nicht rechtzeitig nach New York geschafft haben und keinen illegalen Bootlegs nachrennen, ein Bild der Show machen können. Und da kommen negative und positive Eindrücke schnell zusammen.
Zunächst beginnt das Musical recht positiv mit dem von Danny Burstein als Taxifahrer gesungenen Opener “Madrid is my Mama” der mit spanischen Rhythmen daherkommt, so wie man sie seit 30 Jahren Ballermann kennt (und solange Spanien sowas wie Lucia Perez auf den ESC loslässt, wird sich das Klischee auch weiter halten). Egal, hier passt es ganz gut zum sommerlich-heißen Madrid der 80’er Jahre. Weiter geht es mit dem köstlich schwarzhumorigen “Lie to me” von Pepa (Sherie Rene Scott) und ihrer großen Liebe, dem hoffnungslosen Frauenhelden Iván (Brian Stokes Mitchell) über dessen Lügnerei sie sich durchaus im Klaren ist. Auch ihr folgendes Solo “Lovesick” kommt in der gleichen sarkatischen Färbung daher und mit “Model Behaviour” von Laura Benanti’s Candela folgt schon bald der große und überall gelobte Showstopper, der ihr zurecht eine Tony-Nominierung als beste Nebendarstellerin eingebracht hat. Zumal die naiv-überdrehte Candela, deren neuester Lover sich als international gesuchter Terrorist entpuppt, ohnehin die wohl liebenswerteste Figur des Stückes ist. Auch Iván bekommt ein köstliches Solo mit “The Microphone” in dem er als klischeehaft überzeichneter mediterraner Schleimbeutel Söhnchen Carlos erklärt, wie er allein mit seiner Stimme die Frauen verführt.

Doch leider verliert das Stück hier allmählich an Fahrt und kann schon gar nicht mit dem atemberaubenden Tempo des Films mithalten. So wird auch klar, dass sich manche Stoffe vielleicht einfach nicht so wirklich als Musical eignen, vor allem, wenn man den Hauptfiguren zuviele nicht enden wollende Solonummern schreibt, die den Handlungsfluss dann nur aufhalten statt voranzutreiben. Vor allem die Hauptfigur Pepa wird mit zuvielen sentimentalen Nummern wie “Island” und “Mother’s Day” überfrachtet, die ihr den neurotisch-überdrehten Zahn ziehen, den Carmen Maura im Film so wunderbar rüberbrachte. Es mag dem amerikanischen Hang zur “Rootability” geschuldet sein – dem Gefühl, dass Figuren psychologisch unterfüttert werden müssen um sie liebenswert zu machen, aber hier funktioniert es einfach nicht. Und vielleicht spürte auch Sherie Rene Scott das, die in mehreren Kritiken für ihre “uninspirierte Darstellung” abgewatscht wurde. Das gleiche Problem hat auch Patti LuPone mit ihrer Lucía, die im Film einfach nur verrückt ist und hier ein viel zu langes Solo namens “Invisible” bekommt, in dem sie ausführlich ihre Vergangenheit ausbreitet um die Figur sympathischer zu machen. Der zweite Akt, in dem sich die turbulenten Verwicklungen zuspitzen, funktioniert zumindest auf der CD gar nicht bei mir – bei insgesamt drei Durchgängen der CD verlor ich jedesmal nach “The Microphone” den Faden.

Schlecht ist das Musical deswegen jedoch noch lange nicht – mit dem Mut einige Songs ordentlich zu kürzen und/oder flottere Nummern zu schreiben und mehr auf das Tempo zu drücken, könnte sich hier durchaus eine köstliche Komödie ergeben. Schliesslich gibt es genug hörenswerte Lieder mit cleveren Texten und – was selten genug ist – viele starke Frauenrollen. Bleibt zu hoffen, dass sich vielleicht in London oder sogar in Madrid jemand des Stoffes annimmt und ein wenig europäisiert – dann hat das Stück meinesachtens eine gute Chance auf ein Weiterleben auf dieser Seite des Atlantiks.

“Aladdin” in Seattle und eine zweite Chance für die Meerjungfrau

Um die Musicalproduktionen von Disney ist es in den letzten Jahren ruhiger geworden – seit “Mary Poppins” wollte sich kein echter Hit mehr einstellen, schon gar nicht vom Kaliber des noch immer weltweit erfolgreichen “Lion King”. Neu angekündigte Projekte wie “Dumbo” und “Newsies” scheinen auf wenig Medienecho zu stoßen und kommen nicht wirklich voran. Doch nun naht Besserung: In Seattle hat die Bühnenversion von “Aladdin” am 7.Juli im 5th Avenue Theatre-Premiere – für mich genau die Adaption auf die ich seit Jahren warte, weil ich “Aladdin” nicht nur für einen der gelungensten Disneyfilme der “goldenen 90’er” halt sondern auch glaube, dass die exotischen Kulissen aus 1001 Nacht, der fliegende Teppich und die Rolle des “Genie” allesamt hervorragend auf der Musicalbühne funktionieren können. Mittlerweile steht auch die Besetzung fest: Neben Jonathan Freeman als Jafar (der die Rolle bereits für den Film einsprach) wurden Adam Jacobs und Courtney Reed als Aladdin und Jasmine besetzt, zwei Newcomer die bereits in mehreren Broadway-Produktionen zu sehen waren und nun ihre große Chance erhalten. Als Genie wird James Monroe Inglehart (“Memphis”) zu sehen sein. Zu den bekannten Filmhits wie “A whole new world” haben Alan Menken und Howard Ashman auch einige gestrichene Songs der Filmversion neu belebt und neue Songs hinzugefügt. Da müsste jetzt schon einiges skandalös schief gehen, um einen Broadwaytransfer des Musicals zu verhindern.

Andererseits: Dass auch Disney nicht vor gründlichen Mißgriffen gefeit ist, bewies die reichlich versemmelte Bühnenversion von “A little Mermaid”, die eigentlich auch das Potenzial zu einem riesigen Hit hatte und doch am Broadway floppte. Doch auch die Meerjungfrau bekommt eine zweite Chance: Wie niederländische Zeitungen berichten, hat Joop van den Ende, der die Disney-Werke seit Jahren in Kontinentaleuropa ausschlachtet, einen Deal mit Disney vereinbart, der ihm eine Überarbeitung und Neuinszenierung des Stückes erlaubt. Diese neue Version, die vermutlich in zwei Jahren “Wicked” ins Circustheater Scheveningen nachfolgen wird, soll dann auch in Stage Entertainment-üblicher Art auf die anderen Standorte der Firma losgelassen werden, darunter Hamburg, Mailand und Paris.