Sonntag, 27. Februar 2011

"Oklahoma!" beim WDR in Köln

Eines der andauerndsten ärgerlichsten Probleme der deutschen Musicalszene ist die Abwesenheit fast aller großer Broadwayklassiker. Für die kommerziellen Produzenten sind diese Stücke nicht aussichtsreich genug und die Stadttheater, die hier eigentlich gefordert wären, sind bekanntlich viel zu beschäftigt damit, die ewig gleichen 10-15 Stücke durchzunudeln. Da freut mich dann schon, wenn Rodgers/Hammersteins Klassiker “Oklahoma!” zumindest einmal konzertant den Weg nach Deutschland findet und zwar am gestrigen Samstag beim WDR in Köln. Neben dem WDR-Rundfunkorchester und –chor unter Leitung von Rainer Roos machten auch einige bekannte Musicaldarsteller ihre Aufwartung, darunter ein großartig aufgelegter Patrick Stanke als Curly, Ethan Freeman mit einem roten Fes aus dem Türkeiurlaub als Ali Hakim und Jana Stelley als Ado Annie. Ergänzt wurden sie von Désirée Brodka als Laurey mit wunderschöner Stimme, Regina Lemnitz als Aunt Eller, Patrick Schenk als Will Parker und Wilfried van den Brande als Jud Fry. Letzterer war zumindest live der einzige Fehlgriff, der sein Solo “Lonely Room” viel zu übertrieben interpretierte, aber im Radio wird man das ohnehin nicht sehen. Christian Brückner, dessen größter Ruhm scheinbar ist, seit 1976 als deutsche Stimme von Robert deNiro zu fungieren (und mir als Synchronisationsverweigerer daher völlig unbekannt), fasste als Erzähler die Dialogpassagen zwischen den Songs zusammen, die auf deutsch gesungen wurden.

Wenn man sieht mit wieviel Spass Darsteller wie Patrick Stanke und Ethan Freeman hier agieren, kann man sich wieder mal nur ärgern, dass diese Leute sowenig Gelegenheit haben, ihr Können auch mal mit diesen unterhaltsamen, lockeren Musical Comedys unter Beweis zu stellen – die gesamte gestrige Konzertbesetzung könnte ich mir auch hervorragend bei einer echten Inszenierung vorstellen und meine Gedanken wanderten immer wieder nach Kassel, wo man bereits den anderen Rodgers/ Hammerstein-Klassiker “South Pacific” so wunderbar inszeniert hatte oder nach Tecklenburg, wo die Freilichtbühne sogar die Möglichkeit böte, echte Pferde und Kutschen auf die Bühne zu bringen wie beim großen Vorbild im Discoveryland bei Tulsa, wo “Oklahoma!” seit über 50 Jahren jeden Sommer aufgeführt wird (und seinerzeit meine erste Begegnung mit dem Musicaltheater überhaupt war, aber das nur nebenbei…)


Das Konzert wird auf WDR 4 am 12.März ab 20.05 Uhr gesendet – unbedingt reinhören!

Donnerstag, 24. Februar 2011

Besetzung für "Producers" in den Niederlanden bekannt gegeben

Mark Vijn Theaterproducties hat nun die Besetzung der Hauptrollen für die niederländische Tournee von Mel Brooks’ “The Producers” bekannt gegeben: Als Max Bialystock wird Johnny Kraaijkamp Jr seine erste große Musicalrolle übernehmen; ihm zur Seite stehen Joey Schalker als Leo Bloom und Mary Poppins Noortje Herlaar als Ulla. In weiteren Rollen sind Marcel Jonker als Franz Liebkind und Dick van der Toorn als Roger De Bris zu sehen. Die Premiere findet am 23.Oktober im Chassé Theater in Breda statt (Previews ab 13.10.), danach geht das Musical bis 6.02.2012 auf Tournee.

Johnny Kraaijkamp Jr ist in den Niederlanden vor allem durch TV-Comedies wie “Het Zonnetje in Huis” bekannt, in der er zusammen mit seinem Vater Johnny Kraaijkamp Sr. zu sehen war (nach dem Onkel Joop die niederländischen Musical Awards benannt hat) und stand zuletzt in “Pietje Bell – de Musical” auf einer Musicalbühne.

Mittwoch, 23. Februar 2011

"Les Misérables" in London ab Juni mit Boe & Lucas

Cameron Mackintosh lud am heutigen Mittwoch die Presse ins Queens Theatre in London um offiziell bekannt zu geben was ohnehin schon lange feststand, bzw. schon länger gemunkelt wurde: Alfie Boe wird vom 23.Juni bis 26.November als Jean Valjean auf der Bühne stehen – und Kumpel Matt Lucas vom 23.Juni bis 10.September als Thenardier. Während Matt Lucas alle acht Vorstellungen pro Woche spielen will, wird Alfie Boe nur sechsmal pro Woche zu sehen sein. Montags abends und Mittwochs nachmittags springt Jonathan Williams für ihn ein. Ein weiterer prominenter Neuzugang ist Hadley Fraser als Javert.
Weitere Infos zum Ensemblewechsel wurden noch nicht bekannt gegeben – allerdings sickerte auch schon durch, dass das Orchester um drei Musiker erweitert und die verhasste Sinfonia wieder abgeschafft wird, und auch in London die neuen Orchestrierungen der Tournee zu hören sein werden. Das Ganze werde ich mir dann im Sommer aus der 1.Reihe ansehen. Und auch wenn ich Matt Lucas beim 25th Anniversary Concert zum Gruseln fand, freut sich der Little Britain-Fan in mir dann doch darüber, den guten Mann live auf der Bühne zu sehen.

"Tanz der Vampire" mit Jubiläumsfeier in Stuttgart

Reisewarnung: Musicalliebhaber sollten am 31.März einen großen Bogen um das Stuttgarter SI-Centrum machen, denn mit einer Invasion der TDV-Groupies muss gerechnet werden. Stage Entertainment gab heute bekannt, dass das elfjährige Jubiläum der Vampire in Deutschland mit einigem Brimborium gefeiert werden wird. Warum nicht das Zehnjährige? Das mögen sie selbst wissen. Neben den üblichen B-Prominenten, die zu solchen Feiern kommen um kostenlosen Schampus und BUNTE-Rummel abzugreifen, gibt es jedoch ein besonderes Schmankerl, weswegen ich der Sache auch eine Meldung im Blog widme: Die Premierenbesetzungen aller Standorte werden in Stuttgart erwartet "um gemeinsam den Erfolg dieses Ausnahmemusicals zu feiern". Da hat man wohl bei Cam Mack gelernt. Sei’s drum, vielleicht gelingt es ihnen ja wirklich, einen ganz großen Moment zu feiern. Und ob ich die Show nun mag oder nicht ist da auch wurscht – den großen Erfolg der Vampirklamotte kann niemand abstreiten. Herzlichen Glückwunsch!

Wer keine Karten für den 31.März bekommt, kann am 2.April zum „Making of a Musical“-Event zum Theater kommen, wenn der musikalische Leiter Klaus Wilhelm erklärt, wie sich ein Musical entwickelt. Natürlich am Beispiel Tanz der Vampire. Und für Kinder gibt es eine neue Backstage-Führung, bei der Anfassen der Utensilien aus Technik, Kostüm, Maske und Requisite ausdrücklich erwünscht sind. Vermutlich solange bis genug gemopst wurde. Weiterhin ist ein „Grusel-Leseabend“ mit Darstellern des Musicals in der Stuttgarter Innenstadt geplant – der Termin steht noch nicht fest.

Dienstag, 22. Februar 2011

"Avenue Q" startet in St.Gallen

Das Stadttheater St.Gallen in der Schweiz wartet in den letzten Jahren mit einer Musicalprogrammierung auf, die jeden Musicaliebhaber nördlich der Grenze vor Neid erblassen lässt. Nach der Welturaufführung der Wildhorn-Schmonzette "Monte Cristo" im letzten Jahr bringen die Eidgenossen nun die deutschsprachige Uraufführung des Broadway-Hits "Avenue Q" von Robert Lopez und Jeff Marx auf die Bühne. Die deutsche Übersetzung stammt von Roman Riklin und Dominik Flaschka, der auch Regie führt. Der einzige Wermutstropfen sind die Eintrittspreise von 95 Schweizer Franken (rund 70 Euro) für die beste Preisklasse – auch wenn in der Schweiz bekanntlich alles ein bißchen teurer sind, hat das schon fast Kommerztheater-Niveau.

Da es sich um eine Co-Produktion des Theaters mit Michael Brenner und dem Freddy Burger Management handelt, bleibt zu hoffen, dass die frechen Puppen aus der Avenue Q danach auch irgendwann ein Gastspiel in Deutschland geben. In St.Gallen setzt man dagegen weiterhin auf Innovation: Als nächstes steht eine Aufführung des Wiener Erfolgsmusicals "Rebecca" mit u.a. Thomas Borchert im Herbst 2011 auf dem Programm.

Montag, 21. Februar 2011

London: Whatsonstage Awards verliehen

Die beliebte britische Theater- website Whatsonstage.com hat am gestrigen Sonntag ihre alljährlichen Awards verliehen, die sie als "Theatregoer’s Choice" verstehen: Hier stimmen die Zuschauer über ihre Favoriten ab und nicht wie bei den Olivier Awards eine Jury. Die Preise wurden bei einer großen Gala im Prince of Wales Theatre vergeben – und Überraschungen gab es kaum.

Verdienter Sieger in der Kategorie Best Musical wurde "Legally Blonde" samt seiner Leading Lady Sheridan Smith als Beste Hauptdarstellerin. "Pauline" Jill Halfpenny wurde als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Auf der Herrenseite räumten dann die beiden Stars von "Love never dies" ebenso verdient ab: Ramin Karimloo als Bester Hauptdarsteller und Joseph Millson als bester Nebendarsteller.

"Wicked" erwies sich als das Musical mit den meisten Fans und gewann den Award für beste Long Run-Show in London, die aktuelle Elphaba Rachel Tucker wurde mit dem Preis für „Best Takeover in a role“ ausgezeichnet. Broadway-Jungstar Jonathan Groff erhielt den Award für "London Newcomer of the Year" für sein West End-Debüt im Thriller "Deathtrap".

Auch Dauerbrenner "Les Miserables" durfte sich über Preise freuen: Etwas fragwürdig in meinen Augen die Entscheidung die aktuelle Tournee, die auch im Barbican Theatre gastierte, als Bestes Revival auszuzeichnen, da die Originalversion immer noch läuft und dies nur eine anders inszenierte Tournee war. Völlig verdient hingehen die Auszeichnung für das 25th Anniversary Concert im O2 als "Theatre Event of the Year" und für die beste Ensemble-Leistung.

Timothy Shearer wurde zum besten Regisseur gekürt, u.a. für seine kreative Inszenierung von "Into the woods" im Open Air Theatre Regents Park. Im Bereich Schauspiel gewannen David Suchet und Zoë Wanamaker verdient die Besten Hauptdarsteller-Awards für "All my Sons", als bestes Revival gewann jedoch "Cat on a hot tin roof". Beste Nebendarsteller wurden Tamsin Greig (The Little Dog Laughed) und der zukünftige Shrek Nigel Lindsay (Broken Glass) . Zum besten neuen Schauspiel wurde "Anne Boleyn" von Howard Brenton gekürt.

Holland hat seinen Zorro

Die erfolgreiche Casting-Show "Op zoek naar Zorro" bei der AVRO fand beim Finale am Samstag ihren Abschluss: Als Zorro in der niederländischen Version des Musicals wird Tommie Christiaan zu sehen sein, der sich in der letzten Runde gegen Roman van der Werff durchsetzte. Die Premiere von "Zorro" wird am 2.April in Dronten stattfinden. Neben Tommie Christiaan sind u.a. René van Kooten als Ramon und Lone van Roosendal als Inez dabei. Berlins Uschi Michelle Splietelhof ist als Luisa zu sehen. Die erste Single "Fiesta" ist jetzt schon bei iTunes erhältlich.

Für den 25-jährigen Tommie Christiaan dürfte "Zorro" der große Durchbruch werden, nachdem er bislang im Jukebox-Musical "Love me Tender – All Shook Up", in der niederländischen Fassung von "Dirty Dancing" und als Troy im "High School Musical" zu sehen war. Für letzteres wurde er für einen Musical Award als bester Newcomer nominiert. Auch beim großen TV-Casting für Joseph war Tommie schon dabei gewesen, die Rolle ging jedoch an Freek Bartels. Nun hat es also geklappt. Glückwunsch!

Donnerstag, 17. Februar 2011

Michael Ball nun definitiv als Sweeney Todd

Nachdem die Gerüchteküche eine gefühlte Ewigkeit vor sich hin köchelte, gab das Chichester Festival Theatre nun endlich das Programm für dieses Jahr bekannt und wie erwartet, wird Michael Ball tatsächlich die Titelrolle in Sondheims „Sweeney Todd“ übernehmen. Ihm zur Seite steht TV- und Filmstar Imelda Staunton als Mrs Lovett, Regie führt Jonathan Kent. Es wird die dritte und letzte Musicalaufführung in Chichester in diesem Jahr sein, vom 24.September bis 5.November.

Vorher stehen zwei weitere Revivals im Programm: Den Auftakt macht das zauberhafte Stück „She loves me“ von Sheldon Harnick und Jerry Bock mit Joe McFadden und Dianne Pilkington in den Hauptrollen Georg und Amalia. Das Stück wurde bereits 1940 von Hollywood als „Shop around the corner“ mit James Stewart und Margaret Sullivan adaptiert und war zuletzt 1994 im West End mit Ruthie Henshall und John Gordon Sinclair zu sehen. Im Minerva Studio in Chichester wird es vom 9.Mai bis 18.Juni gespielt, Regie und Choreographie von Stephen Mear. Anschließend folgt eine weitere Hollywood-Adaption in Form des Gene Kelly-Klassikers „Singin‘ in the rain“ mit Daniel Crossley, Scarlett Strallen und Adam Cooper vom 27.Juni bis 01.September.

Das letztere beiden Musicals nach London transferieren ist jedoch eher unwahrscheinlich, aber vielleicht verschlägts ja auch mal jemanden in das hübsche Städtchen bei Portsmouth an der Südküste Englands. Zumindest für Michael Balls „Sweeney Todd“dagegen gilt der Transfer ins West End bereits als sicher.

Mittwoch, 16. Februar 2011

"Newsies" ab September im Papermill Playhouse, New Jersey

Für Alan Menken entwickelt sich 2011 zu einem großartigen Jahr: “Sister Act” mit seiner Musik steht am Broadway in den Startlöchern, die lang erwartete Bühnenadaption von Disneys erfolgreichem Film “Aladdin” wird im Juli in Seattle uraufgeführt und sein Song „I see the light“ aus dem neuesten Disney-Film „Tangled“ ist für einen Oscar nominiert. Dazu kommt nun noch die ebenfalls schon länger in Vorbereitung befindliche Bühnenversion von „Newsies“, die im September im Papermill Playhouse in Milburn, New Jersey, uraufgeführt wird.

„Newsies“ ist ein mäßig erfolgreicher Film aus den frühen 90’ern, der von den Zeitungsjungen in New York um die Jahrhundertwende erzählt, die in Streik treten als der Preis für eine Zeitung erhöht werden soll und sie um ihre Arbeit fürchten. In der Hauptrolle war der heutige Batman und großartige Charakterdarsteller Christian Bale zu sehen. Unter deutschen Musicalfans wurde „Newsies“ vor allem deswegen bekannt, weil Uwe Kröger und Andreas Bieber die Synchronisation einsprachen und –sangen. Sie befanden sich damals nach der „Elisabeth“-Premiere in Wien auf dem Höhepunkt des Fankiddie-Rummels.

Viele der Songs aus dem Film wie „Seize the Day“ und „King of New York“ werden auch in der Bühnenversion zu hören sein, nicht jedoch „High Times, Hard Times“ für den Alan Menken mit dem berüchtigen Razzie Award für den schlechtesten Song des Jahres ausgezeichnet wurde. Neben Menkens Texter Jack Feldman, der schon beim Film dabei war, wurde Harvey Fierstein für das Buch dazu geholt.

Von einem Broadway-Transfer für “Aladdin” kann man getrost ausgehen; bei “Newsies” bleibt wohl abzuwarten, wie es sich im Papermill Playhouse schlägt.

Dienstag, 15. Februar 2011

"Dirty Dancing" schließt in London

Es ist nie schön, wenn Menschen ihren Job verlieren und doch kann ich mir ein erleichtertes Aufatmen nicht verkneifen. Nach fünfjähriger Spielzeit wird "Dirty Dancing" in London am 9.Juli die letzte Vorstellung im Aldwych Theatre spielen. Damit verabschiedet sich wenigstens eines der vielen Touristenstücke, die auf recycelte Musik setzen und die derzeit in zu großer Anzahl das West End verstopfen. Zumal "Dirty Dancing" nicht wie andere Jukebox-Musicals zumindest eine neue Geschichte erzählt oder wie andere Film-Adaptionen frische Musik zur bekannten Handlung bietet, sondern wirklich nur 1:1 und ausgesprochen unoriginell den Film auf die Bühne klatscht.

Es könnten sich durchaus noch ein paar dieser Stücke verabschieden, aber wenigstens wird nun schonmal ein Theater frei für ein echtes neues Musical – ein Kandidat für das Aldwych ist das erfolgreiche Musical "Matilda" der Royal Shakespeare Company das in Stratford großen Anklang fand und ein Heim in London sucht.

"Shrek - El Musical" in Madrd

Der mäßige Erfolg von “Shrek” am Broadway scheint die Produzenten nicht davon abzuhalten, das Stück weltweit zu vermarkten. Dazu ist die Franchise vermutlich zu wertvoll. Während in London schon die Premiere im Theatre Royal Drury Lane am 7.Juni feststeht, wird nun auch Madrid mit der Bühnenversion von “Shrek” beglückt. Der spanische Produzent Theatre Properties, der u.a. schon Jekyll & Hyde, Man of La Mancha und Blood Brothers nach Madrid holte, wird die Show im Herbst zusammen mit DreamWorks Theatricals im Teatro Nuevo Apolo auf die Bühne bringen. Anfang März finden dort auch die Auditions statt. Auch eine Website gibt es schon: www.shrekelmusical.es

Montag, 14. Februar 2011

Judi Dench – And furthermore

Dame Judi gehört zu den großen Ikonen der Londoner Theaterwelt und legt mit “And furthermore” bereits die dritte Autobiographie vor. Der auf Großproduktionen fixierte Musicalpurist mag nun meckern, dass eine Schauspielerin nichts in einem Musicalblog zu suchen hat, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch für ihre Desiree in Sondheims “A little night music” hochgelobt wurde – und ursprünglich Grizabella in “Cats” werden sollte, wenn ihr eine kaputte Achillessehne nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.
Wie auch immer, für alle Theaterliebhaber mit erweitertem Horizont, bietet “And furthermore” einen guten, wenn auch atemlosen Streifzug durch eine fünfzigjährige Karriere an, die einst am Old Vic Theatre in London begann und sich erst in späteren Jahren von gefeierter Shakespeare-Interpretin zu weltweitem Filmstar entwickelte. Dies steht in angenehmem Gegensatz zu den zahlreichen Hollywood-Darstellerinnen die sich (zurecht) darüber beklagen, dass ihre Karriere mit 40 Jahren zwangsbeendet wurde und die sich mit Botox, Schönheits-Ops und anderem Unsinn gegen den Jugendwahn stemmen.

Auch fällt das typisch britische Understatement in ihrem Ton angenehme auf – wer das Buch liest, kommt nicht auf den Gedanken dass hier eine Dame Commander of the Order of the British Empire schreibt, die mit zahllosen Awards überhäuft wurde und als National Treasure jetzt schon unsterblich ist, sondern eine bescheidene ältere Dame, die einfach nur Spass an der Arbeit hat und sich noch lange nicht zur Ruhe setzen will. Nur manchmal kann man zwischen den Zeilen gut erkennen, dass auch Dame Judi schonmal ordentlich rumzicken kann. Doch insgesamt unterscheidet sich ihr Ton gewaltig von den dramatischen Erinnerungen die uns Patti LuPone in ihren Memoiren auftischte.

Lesenswert vor allem für Fans, die einfach mal einen Überblick über die Arbeit von Judi Dench gewinnen wollen, aber insgesamt eher harmlos.

Grammy für "American Idiot"

Totgesagte leben länger: Das von etlichen Naysayern schon mehrfach totgesagte Musical "American Idiot" von Green Day spielt nicht nur immer noch am Broadway (bis 27.Februar mit Billie Joe Armstrong als St.Jimmy), sondern gewann am gestrigen Abend auch den Grammy für das beste Musical Show Album, aka Cast Recording. Die anderen nominierten Alben waren "Promises, Promises", "Fela!", "A little night music" und "Sondheim on Sondheim".

"American Idiot" wird auch weiterleben: Wenn Billie Joe Armstrong die Show im St.James Theatre am 27.02. wieder verlässt, übernimmt Davey Havok seine Rolle. Weitere Neuzugänge sind Justin Guarini als Will und Libby Winters als Extraordinary Girl, außerdem erhält Van Hughes eine Beförderung zur First Cast Johnny.


Weiterhin befindet sich die erste National Tour derzeit in Vorbereitung - dass eine Tournee, die Green Day-Fans landesweit anspricht, ein Erfolg wird, steht für mich außer Frage. Bleibt zu hoffen, dass auch Europa bald in den Genuß dieses großartigen Musicals kommt.

Freitag, 11. Februar 2011

South Pacific doch ab August in London?

Um die britische Aufführung des erfolgreichen Broadway Revivals von “South Pacific” gibt es fast soviel Hin- und Her wie um die englisch- sprachige Uraufführung von “Rebecca” (die nun angeblich am Broadway und nicht in London stattfinden soll). Zwar stehen seit längerem zwei Tournee-Stops in Manchester und Bristol im Oktober/November fest, aber was die geplante Aufführung im Londoner Barbican betraf, hielt man sich bedeckt.
Nun ist jedoch laut Baz Bamigboye wieder Bewegung in die Sache gekommen: Als Nellie Forbush wurde Soapstar Samantha Womack engagiert, die noch bis Mai ihre Rolle in „Eastenders“ spielen wird und dann frei ist. Bevor wieder jemand „Stunt Casting“ schreit: Ehe sie bei „Eastenders“ einstieg, war Samantha Womack bereits in mehreren West End-Musicals zu sehen, darunter als Sandy in „Grease“ und als Miss Adelaide in „Guys and Dolls“
.

Auch die Verhandlungen um das Gastspiel im Barbican Theatre dauern an – vermutlich soll am 15.August Premiere sein und dann eine sechswöchige Laufzeit, ehe das Stück weiterzieht nach Milton Keynes um 2012 zum Abschluß der Tournee noch einmal in London zu gastieren. Regie führt wieder Bartlett Sher, der schon das erfolgreiche Revival am Broadway inszenierte (und dann mit „Women on the verge of a nervous breakdown“ eine Bauchlandung hinlegte)

Donnerstag, 10. Februar 2011

Neuauflage von "Gypsy" mit Barbra Streisand

Mama Rose in "Gypsy" gehört zu den besten Parts für Musicaldarsteller- innen im fortgeschrittenen Alter und so ist es wenig verwunderlich, dass sich die meisten darum reißen. Dazu gehört auch Barbra Streisand, die nun in der LA Times angekündigt hat, in einer Neuverfilmung des Musicals von Arthur Laurents, Stephen Sondheim und Jule Styne die Hauptrolle zu spielen. Allerdings wird sie nicht, wie vorher gemunkelt wurde, auch Regie führen oder als Produzentin fungieren. Den Herbie soll Tom Hanks spielen; wer die beiden Töchter der ehrgeizigen Bühnenmutti Rose spielen soll, steht noch nicht fest.

"Gypsy" basiert auf den Erinnerungen der Stripperin Gypsy Rose Lee und wurde bereits zweimal verfilmt – 1962 mit Rosalind Russell und 1993 – für das Fernsehen – mit Bette Midler. Erst kürzlich war "Gypsy" auch wieder am Broadway zu sehen und bescherte Patti LuPone ihren zweiten Tony. Die Streisand geht mittlerweile stramm auf die 70 zu und erscheint mir ein klein wenig zu alt für die Rolle (vor allem mit dem 14 Jahre jüngeren Tom Hanks als Partner), aber natürlich kann man verstehen, dass sie sich noch einmal auf der Leinwand verewigen will. Schlimmer als die Wachsfigur namens Cher in "Burlesque" kanns wohl nicht werden.

Mittwoch, 9. Februar 2011

"Oklahoma" ab Freitag in Detmold

Wenn sich ab und zu mal ein Stadttheater aufrafft, ein Musical zu spielen, das nicht schon 156 Mal auf anderen deutschen Stadttheater- bühnen zu sehen war, ist dies natürlich eine Meldung wert. In diesem Fall ist es das Landestheater Detmold, das die westfälische Provinz mit einer Aufführung von Rodgers/Hammersteins Klassiker "Oklahoma!" beglückt – ein Stück, das im anglo-amerikanischen Raum jedes Kind kennt, aber hierzulande genau wie die anderen Rodgers/Hammerstein-Werke viel zu selten gezeigt wird.

Interessant dabei ist auch, dass das Landestheater nach der Premiere am 11.02. in Detmold mit dem Musical auch in anderen Orten wie Gütersloh, Iserlohn und Recklinghausen gastiert und somit auch Musicalfreunde in anderen Städten in den Genuß des Stückes kommen können. Die Inszenierung und Choreografie in Detmold stammt von Richard Lowe, die musikalische Leitung liegt bei Jörg Pitschmann. In den Hauptrollen sind u.a. Bryan Boyce als Curly, Catalina Bertucci als Laurey, Stefan Stara als Will, Ester Mertel als Ado Annie und Andreas Jören als Jud Fry zu sehen. Mehr Info hier.

Dienstag, 8. Februar 2011

Spinnen-Metzgerei am Broadway

Die internationalen Kritiker wollten sich nach der mehrfach verschobenen Premiere von Spiderman einfach nicht mehr vertrösten lassen: Statt auf die neue Premiere am 15.03. zu warten, zogen sie gestern schon ins New Yorker Foxwoods Theatre, dem Tag an dem die Premiere eigentlich stattfinden sollte. Das Ergebnis war voraussehbar: Sie ließen kein gutes Haar am Spinnenmann und vor allem an Julie Taymor.
Der wohl wichtigste Kritiker, Ben Brantley von der New York Times sprach von „sheer ineptitude“, während Richard Ouzounian vom Toronto Star wohl das vernichtendste Urteil fällte: „The only truly amazing thing about Spider-Man: Turn Off the Dark, is how unequivocally awful it is”. Und Peter Marks von der Washington Post schaffte immerhin einen Anflug von sprachlichem Humor: „To be sure, Taymor has found a way to send her superhero soaring above the audience. And yet, the creature that most often spreads its wings in the Foxwoods is a turkey."


Nun bleibt abzuwarten, ob die zweite Premiere im März freundlichere Kritiken liefert und ob Spiderman so “critic-proof” ist, wie es derzeit angesichts der ausverkauften Previews den Anschein hat. Aber zumindest ersteres dürfte eine Illusion sein – auch andere Shows, die am Anfang wenig überzeugend daherkamen, wurden durch mehrfache Überarbeitungen nicht wesentlich verbessert. Vielleicht sollte ich mir für meinen New York-Kurztrip im Mai schonmal einen "Plan B" überlegen :)

Mittwoch, 2. Februar 2011

Magdeburger Musicaltage über Ostern

Ab und zu verirrt sich ein Musicalliebhaber beruflich an ein Stadttheater und als Result gibt es irgendwo einen kleinen Musicalboom. In diesen Jahren gehört Magdeburg zu den glücklichen Orten, wo sich Intendanz und Dramaturgie gegen den allgegenwärtigen Snobismus gegenüber dem Genre Musical gestellt haben und u.a. mit beeindruckenden Produktionen von „Titanic“, „Sunset Boulevard“ und bald Disneys „Schöne und das Biest“ aufwartet – zu ausgesprochen zuschauer- freundlichen Preisen.
Ob dies nun soviele Touristen anlockt wie Dramaturg Michael Otto im sehr lesenswerten Interview in der neuen „musicals“ meint, sei dahingestellt, aber über mangelnde Kartennachfrage braucht man sich nicht zu beklagen.

Nun setzen die Magdeburger noch einen drauf – mit den 1.Magdeburger Musicaltagen über das lange Osterwochenende. Dann werden die vier aktuellen Produktionen „My Fair Lady“, „Jekyll & Hyde“, „West Side Story“ und „Sunset Boulevard“ sowie eine „Musical in Concert“-Gala an fünf Abenden hintereinander gespielt. Gerade hiermit hofft man die Touristen zu locken und das Angebot an sich ist auch eine wirklich prima Idee.

Doch ob Musicalliebhaber wirklich fünf Tage bleiben um neben der in Deutschland einmaligen Produktion von „Sunset Boulevard“ und dem Fanliebling „Jekyll & Hyde“ auch noch die zu Tode genudelten Stücke „My Fair Lady“ und „West Side Story“ zu sehen, wage ich zu bezweifeln. Zumal dann ausgerechnest das interessanteste Stück – „Sunset Boulevard“ – erst am Ostermontag gespielt wird, wenn die meisten Osterurlauber schon wieder auf der Heimreise sind.

Schade um den nicht so richtig durchdachten Ansatz, aber wir wollen ja nicht meckern – eine gute Initiative ist es allemal. Wer mehr als ein Musical und die Gala bucht, erhält sogar nochmal Rabatt auf den Eintrittspreis – bei zwei Musicals gibt’s 10%, bei allen vier Musicals sogar 20%.

Schön wäre es, wenn das Magdeburger Beispiel Schule macht – vielleicht sogar über mehrere Theater hinweg, die sich zusammenschließen um ihre Musicalproduktionen als eine Art Festival gemeinsam zu präsentieren. Bis dahin ein herzliches Dankeschön an Frau Stone und Herrn Otto für diese spannende Initiative – möge der Erfolg Ihnen recht geben.
Alles weitere zu den Musicaltagen in Magdeburg hier.

Dienstag, 1. Februar 2011

"Love Story" schließt im West End

Wenig überraschend wurde nun das Aus für "Love Story" im West End verkündet. Am 26.Februar wird das Kammerspiel seine letzte Vorstellung im Duchess Theatre erleben, wo es erst am 6.Dezember Premiere feierte. Schade drum? Ganz sicher. Ich selbst konnte es dank Lufthansa nicht erleben, aber die durchweg positiven Kommentare in den Musicalforen versprachen einen unterhaltsamen Abend mit guter, neukomponierter Musik von Howard Goodall und großartigem Spiel von Emma Williams und Michael Xavier in den Hauptrollen.
Trotzdem bin ich weder überrascht noch enttäuscht, dass Love Story kein längeres Leben beschieden war. Ein Kammermusical mit kleinem Ensemble und noch kleinerem Orchester mit gerade mal 90 Minuten Laufzeit ohne Pause kann man nicht für den gleichen Preis (oder knapp darunter) anbieten wie die großen Shows. Ähnliche Erfahrungen machten auch die erfolgreichen Transfers der Menier Chocolate Factory, wo Musicals wie „Sweet Charity“ und „A little night music“ für £30 restlos ausverkauft waren um dann im West End zu höheren Preisen in größeren Theatern vor halbleeren Rängen zu spielen.

Leider geht auch am West End der Trend immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: Auf der einen Seite plattes Entertainment für Touristen, die keine großen Ansprüche stellen und am liebsten etwas sehen möchten was schon irgendwie vertraut ist - recycelte Popmusik von Abba, Queen oder den Four Seasons, einen bekannten Filmhit oder zumindest einen Fernseh/Filmstar, der letztendlich auch auf der Bühne das Telefonbuch vorlesen könnte. Auf der anderen Seite neue spannende Werke oder liebevolle Revivals, die sich jedoch in erster Linie in den Fringe-Theatern und in subventionierten Theatern abspielen, wo sich neben dem National Theatre in den letzten Jahren vor allem das Royal Court Theatre unter Dominic Cooke’s Intendanz zum absoluten Marktführer bei neuen Schauspielen entwickelt hat und sich im Bereich Musical das Donmar Warehouse und die Menier Chocolate Factory hervorgetan haben (auch wenn der Glanz der letzteren langsam verblasst).

Natürlich ist es nicht immer so schwarz/weiß – auch im kommerziellen West End gibt es immer wieder Highlights zu erleben und in den kleinen Häusern immer wieder Mist.
Aber während das Schauspiel in London gerade ein neues goldenes Zeitalter erlebt, in dem sich einerseits neue frische Schauspiele wie „Jerusalem“, „Enron“ und „Clybourne Park“ auch im West End zu Hits entwickeln und andererseits Film- und TV-Stars auf der Bühne zu Höchstform auflaufen, wo man es oft gar nicht erwartet hat, haben es besonders kleinere neue Musicals schwer. Bei den Touristen ist die Konkurrenz der Jukebox-Musicals zu erdrückend, bei den Theaterliebhabern die Konkurrenz der preisgünstigen Fringe-Produktionen. Diese Erfahrung musste vor „Love Story“ auch schon „Spring Awakening“ machen, das in Hammersmith bei wesentlich niedrigeren Preisen ein ausverkaufter Hit war und dann am West End (im gleichen Theater) kläglich scheiterte, weil die Preise einfach zu hoch waren.

Nun stehen wiederum mehrere Musicalpremieren ins Haus, die mit neuer Musik und ohne große Starnamen daher kommen – man darf gespannt sein, ob sich die „Umbrellas of Cherbourg“, „Ghost“ und vor allem „Betty Blue Eyes“ durchsetzen können gegen die Übermacht der Jukebox-Musicals (zu dem ohnehin schon zu großen Angebot gesellt sich nun noch das Million Dollar Quartet aus New York hinzu) und der neuen großen „Familienmusicals“, die mit Starnamen und einer auch beim dümmsten Touristen bekannten Franchise aufwarten können (Shrek) oder schon seit Monaten im TV die Werbetrommel gerührt haben (The Wizard of Oz). Bei den Preisen von um die £60 sehe ich da leider eher schwarz. Und so wird Love Story wohl nicht das letzte kleinere Musical sein, das aufgrund der starren Preispolitik im West End scheitert.