Nachdem die Gerüchteküche schon eine Weile brodelte, wurde es nun offiziell bekanntgegeben: "Next to Normal" wird ab Januar 2012 seine niederländische Uraufführung im Amsterdamer De La Mar Theater erleben. Nach einer begrenzten Spielzeit geht das Stück wie in den Niederlanden üblich auf Tournee. Ebenfalls bestätigt wurde das Gerücht, dass Simone Kleinsma die Hauptrolle Diana spielen wird, daneben ist Freek Bartels als Gabe zu sehen. Die Regie liegt in den Händen von Paul Eenens, André Breedland übersetzt das Stück ins niederländische.
Montag, 31. Januar 2011
"Next to Normal" ab Januar 2012 in Amsterdam
Nachdem die Gerüchteküche schon eine Weile brodelte, wurde es nun offiziell bekanntgegeben: "Next to Normal" wird ab Januar 2012 seine niederländische Uraufführung im Amsterdamer De La Mar Theater erleben. Nach einer begrenzten Spielzeit geht das Stück wie in den Niederlanden üblich auf Tournee. Ebenfalls bestätigt wurde das Gerücht, dass Simone Kleinsma die Hauptrolle Diana spielen wird, daneben ist Freek Bartels als Gabe zu sehen. Die Regie liegt in den Händen von Paul Eenens, André Breedland übersetzt das Stück ins niederländische.
Sonntag, 30. Januar 2011
Matthew Morrison Live-Konzert im Internet
Manchmal ist der richtige Zeitpunkt den Geeks und Nerds zu danken, die das Internet entwickelt und zu dem gemacht haben, was es heute ist. Danke! Am gestrigen Samstag sponsorte die amerikanische Hot Dog-Kette Oscar Mayer das erste Solo-Konzert von Broadway- und "Glee"-Star Matthew Morrison in The Grove in Los Angeles. Und nicht nur das - die Würstchenbrater arrangierten einen Livestream im Internet, den man auf der Facebook-Seite von ihnen verfolgen konnte (oder direkt bei Ustream, wenn man kein Fan von Oscar Mayer werden wollte...). Und das auch noch zu einer europafreundlichen Zeit um 12 Uhr Ortszeit. Da lief zwar auch längst nicht alles glatt - das Bild war ruckelig und der Livestream versiegte auf halber Strecke völlig, doch immerhin konnte man einen kurzen Eindruck gewinnen von der bald erscheinenden Solo-CD. U.a. gab Matthew den Swing-Klassiker "Sway" zum besten, sang "Over the rainbow", seinen Auditionsong für "Glee", und stellte das neugeschriebene Lied "My name" vor, das auch auf der CD zu hören sein wird - und wirklich Appetit auf selbige macht.Und der Livestream aus Los Angeles zeigt, was heutzutage alles möglich ist im globalen Dorf, wo man nicht länger auf die unsäglichen nationalen Fernsehanstaltungen angewiesen ist, die ihren eigenen Brei kochen. Auch die Olivier Awards werden wohl wieder per Stream aus London übertragen - ist es da zuviel zu hoffen, dass auch Tony Awards oder einmalige Events wie das jährliche Broadway on Broadway-Konzert im Internet gestreamt werden? Nach den Kino-Übertragungen aus Met, Bolschoi und National Theatre tut sich hier ein weiteres breites Feld der Hoffnung für Musicalliebhaber auf, deren Horizont über die heimischen Großproduktionen hinausgeht.
Achja und Matthew Morrison's Konzert? Ich könnte es hier "embedden", aber auf der Ustream-Seite gibts das ganze in größerem Format. Viel Spass!
Freitag, 28. Januar 2011
Von Andrew Jackson zu Abraham Lincoln: Benjamin Walker wird Filmstar
Einen Gewinner hatte das am Broadway vorzeitig gescheiterte Musical "Bloody Bloody Andrew Jackson" auf jeden Fall: Hauptdarsteller Benjamin Walker, der auch von den größten Kritikern für seine Bühnenpräsenz und sein Charisma gelobt wurde und dem eine große Broadway-Karriere vorausgesagt wurde. Daraus wird nun leider nichts, denn Walker tauscht New York für Hollywood und einen US-Präsidenten für den anderen: Er übernimmt die Titelrolle in der Filmadaption von "Abraham Lincoln: Vampire Hunte"“ nach dem erfolgreichen Fantasy-Roman von Seth Grahame-Smith. Danach war der 16.Präsident der USA auch ein heimlicher Vampirjäger – und sein realer Attentäter John Wilkes Booth auch ein Vampir. Naja, wer’s mag. Vampire sind ja leider Gottes derzeit wieder die absolute Rage und für Herrn Walker werde ich mir das Ding wahrscheinlich sogar angucken.20th Century Fox plant den Film im 3D-Format zu filmen und als großen "Sommer Blockbuster" 2012 in die Kinos zu bringen. Walker dürfte damit eine Hollywood-Karriere sicher sein – und der Broadway um einen vielversprechenden Jungstar ärmer.
Paris lässt die Puppen tanzen
Auch an der Seine geht der Musicalboom weiter: Nach den bereits feststehenden Premieren von "Hairspray" (ab 26.April im Casino de Paris) und dem neuen "Dracula"-Spectacle von Kamel Ouali (ab 30.September im Palais des Sports), haben sich nun auch die frechen Puppen von "Avenue Q" in der französischen Hauptstadt angekündigt. Ein Theater ist noch nicht bekannt, doch die Auditionausschreibung besagt, dass die Künstler ab Dezember 2011 zur Verfügung stehen müssen. Die französische Übersetzung erstellt Bruno Gaccio, Dominique Guillo führt Regie. Für Sammler und ABBA-Fanaten wird es schon im Februar spannend: Dann erscheint die französischsprachige CD von "Mamma mia", ein Live-Mitschnitt aus dem Théâtre Mogador. Auf der Facebook-Seite der Produktion kann die CD für 22 Euro vorbestellt werden.
Wer "Avenue Q" auf deutsch erleben will, darf sich ab Ende Februar auf den Weg in die Schweiz machen, wo das Theater St.Gallen die deutschsprachige Erstaufführung präsentiert. Da Michael Brenner co-produziert, bleibt vielleicht sogar zu hoffen, dass das Stück anschließend ins Entwicklungsland Deutschland transferiert.
Donnerstag, 27. Januar 2011
Zwei Musical-Premieren im National Theatre
Nachdem schon das kommerzielle West End in diesem Jahr aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist und mehrere spannende neue Musicals präsentiert, lässt sich auch das Royal National Theatre nicht lumpen, wo Nicholas Hynter nun den Spielplan für die Saison 2011/2012 präsentierte. Den Auftakt macht "London Road" im Cottesloe Theatre, das am 14.April 2011 Premiere feiert: Das Stück von Alecky Blythe, die bereits mit "The Girlfriend Experience" einen großen Hit landete, verarbeitet Interviews, die mit Bewohnern der Stadt Ipswich geführt wurden, nachdem in ihrer Gegend 2006 fünf Prostituierte vom "Suffolk Strangler" Steve Wright ermordet wurden. Der Fall wurde schon von der BBC im TV-Drama "Five Daughters" verarbeitet. Die Musik von "London Road" stammt von Adam Cork, Regie führt Rufus Norris. Ganz sicher keine leichte Kost, aber ein Wiedersehen mit u.a. Claire Moore und der bezaubernden Rosalie Craig. Im Frühling 2012 soll dann im Lyttleton Theatre die Uraufführung des Musicals "The Light Princess" stattfinden, zu dem die amerikanische Sängerin/Songwriterin Tori Amos die Musik und Texte schreibt. Regie führt Marianne Elliott. Die Besetzung steht natürlich noch nicht fest – aber wer neugierig ist, kann schon einmal die Buchvorlage von George MacDonald lesen, auf der das Musical basiert.
Dienstag, 25. Januar 2011
Neues Maury Yeston-Musical im Sommer
Maury Yeston, dem die Musicalwelt u.a. "Nine", "Titanic" und eine ziemlich gelungene andere Adaption des "Phantom der Oper"-Stoffes zu verdanken hat, bringt im Sommer sein neuestes Musical "Death takes a holiday" im New Yorker Roundabout Theatre auf die Bühne. Das Buch stammt von Peter Stone und Thomas Meehan und basiert auf dem gleichnamigen Schauspiel von Alberto Casella, das 1934 mit Fredric March verfilmt wurde. Bekannter ist heutzutage das Remake "Meet Joe Black" aus dem Jahr 1998 mit Brad Pitt in der Hauptrolle.Im Stück nimmt sich der Tod eine Auszeit von seinem Job und geht als Prinz Sirki unter die Sterblichen, wo sich die junge Grazia in ihn verliebt. Wer in New York dabei sein wird, steht noch nicht fest. Die Premiere findet am 14.Juli im Harold and Miriam Steinberg Center for Theatre statt, Regie führt Doug Hughes. Ein späterer Broadway-Transfer ist nicht ausgeschlossen.
Samstag, 22. Januar 2011
"Memphis" kommt im Frühling in die Kinos
Die New Yorker Met hatte es vorgemacht: In regelmäßigen Abständen werden Opern live aus dem Lincoln Center in hochmoderne Kinosäle weltweit ausgestrahlt, damit auch Opernfreunde in anderen Ländern die New Yorker Produktionen genießen können. Das Konzept war so erfolgreich, dass auch andere Genres auf den Zug aufsprangen – das Moskauer Bolschoi Ballett überträgt einige seiner hochkarätigen Aufführungen nun ebenso in die Kinos wie das Londoner National Theatre seine Sprechtheateraufführungen. Sag noch mal einer, die Hochkultur wäre im Zeitalter von Big Brother und Dschungelcamp zum Sterben verurteilt. Über die NT Live-Serie aus London konnten Musicalfreunde in dieser Woche schon in den Genuss einer Übertragung des Afrobeat-Musicals "Fela!" kommen, das derzeit im National Theatre zu sehen ist und im Sommer nochmal für einige Wochen im Sadlers Wells gastiert. Nun geht man in den USA noch einen Schritt weiter und will auch Musicals regelmäßig ins Kino bringen. Erstes Versuchskaninchen ist der Tony-Gewinner "Memphis", der dieser Tage im Shubert Theatre mitgeschnitten wird und im Frühling dann in amerikanischen und britischen Kinos gezeigt wird. Dahinter steht die Firma Broadway Worldwide, die bereits vor zehn Jahren einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm und damals "Smokey Joe’s Cafe", "Putting it together" und die berüchtige Aufnahme von "Jekyll & Hyde" mit David Hasselhoff in der Titelrolle produzierte, die auch als DVD in den Handel kam. Weitere Verfilmungen scheiterten an zähen Verhandlungen mit den Gewerkschaften und das Projekt geriet erstmal aufs Abstellgleis. Später wurde "Legally Blonde" noch einmal mitgeschnitten und auf MTV ausgestrahlt und die letzte Vorstellung von "Rent" am Broadway wurde auf DVD für die Nachwelt festgehalten.
Nun bleibt abzuwarten, wie Broadway Worldwide diesmal vorgehen wird – die Ausstrahlung im Kino kann wenigstens in gewisser Weise einen Theaterabend simulieren, indem man ausgeht, womöglich vorher oder nachher noch etwas isst und das Stück mit vielen anderen Besuchern genießt. Allerdings muss man dazu natürlich das Glück haben, ein Kino mit entsprechendem Angebot in der Nähe zu haben. In der kulturellen Wüste Deutschland, wo immernoch nach Synchronisation geschrien wird, zeigen z.B. insgesamt nur drei Kinos die NT Live-Aufführungen. Da wäre es natürlich hilfreich, wenn man bequem eine DVD bestellen könnte.
Alternativ wäre es auch eine Lösung wenn der Veranstalter , egal ob es die Met ist, das National Theatre oder Broadway Worldwide, einen kostenpflichtigen Livestream zur Verfügung stellt, in den sich jeder vom eigenen Rechner aus einklinken kann. Ich würde jedenfalls lieber für fünf Euro einmalig das Livestreaming sehen als gleich in die DVD zu investieren, die dann eh nur Staub ansammelt. Für fünf Euro hätte ich mir vermutlich auch "Fela!" Angesehen, während ich mich dafür nicht zum Kinobesuch aufraffen konnte. Mein erster Versuchsballon in Sachen Livetheater auf der Leinwand wird stattdessen "Frankenstein" im März sein, in der Regie von Danny Boyle. Und dann hoffen, dass "Memphis" es auch in die Kinosäle auf dem Kontinent schafft.
Freitag, 21. Januar 2011
Fuck you, God! – "Book of Mormon" startet PR
Während jeder Schluckauf bei "Spiderman" seit Monaten genüsslich seziert wird und von anderen bald startenden Broadway-Shows wie "Wonderland" und "Catch me if you can" schon lange offizielle CDs oder inoffizielle Demos der Tryouts bekannt sind, hielten sich die Macher von "The Book of Mormon" bislang sehr bedeckt. Klar, man weiß in etwa, was man erwarten kann, wenn sich die "South Park"-Autoren Trey Parker und Matt Stone mit dem "Avenue Q"-Autoren Robert Lopez zusammen tun, aber trotzdem war es um die anstehende Show erstaunlich still. Nun scheint die PR-Maschine endlich anzulaufen mit einem größeren Artikel in der US-Vogue, in dem die drei Autoren die Show vorstellen.Im Mittelpunkt der Handlung stehen die beiden naiven Jung-Mormonen Elder Price (Andrew Rannells) und Elder Cunningham (Josh Gad), die aus ihrer Seifenblasen-Existenz in Utah ins afrikanische Uganda geschickt werden um Gutes zu tun und dort feststellen, dass Afrika so ganz anders ist als im König der Löwen.
Der Artikel macht jedenfalls schon riesige Lust auf diese Show, die sich wohltuend von der seichten Unterhaltung abhebt, die in diesem Jahr ansonsten am Broadway dräut. Einen gewissen entspannten Umgang mit Religon und einen ordentlichen Sinn für Humor sollte man allerdings schon mitbringen.
Mittwoch, 19. Januar 2011
Alfie Boe - "Bring him home"
Alle Jubeljahre passiert es (zumindest mir), dass ich auf eine neue Stimme aufmerksam werde, die mich komplett in ihren Bann zieht – auch wenn ich den Künstler bis dahin gar nicht kenne. So ein Fall ist für mich der englische Operntenor Alfie Boe, der von Cameron Mackintosh ziemlich überraschend verpflichtet wurde um im 25th Anniversary Concert von „Les Miserables“ den Valjean zu singen. Während einige Puristen in das übliche Wehklagen ausbrachen, das einsetzt, sobald sich ein „Fachfremder“ am Musical vergreift, gab es mindestens genausoviele, die von seiner Leistung beeindruckt waren. Darunter auch ich. Boe hauchte nicht nur dem ausgelutschten „Bring him home“ neues Leben ein, er präsentierte den Song so ergreifend schön, dass selbst ich mit hängender Kinnlade vor der Glotze hockte. Und danach zweierlei tat: Eine Karte für Les Miz im Queens Theatre in London besorgen, wo Alfie Boe im Sommer als Valjean auf der Bühne steht um ihn live zu erleben und seine neueste CD „Bring him home“ zu bestellen. Und mich ärgern, dass er genau an jenem Samstag bei Dress Circle die CD signierte, als ich zweihundert Meter weiter mit Freunden im Pub saß und für ihn noch keinerlei Interesse aufbrachte. Naja, sei’s drum, immerhin hatte Dress Circle noch ein paar signierte CDs auf Lager.Nun ist das gute Stück also eingetroffen und weiß insgesamt wirklich zu überzeugen. Natürlich gibt es immer wieder das gleiche Problem wenn sich Opernsänger an Musicalsongs vergreifen und diese dann zu getragen und schwülstig daherkommen. Aber in diesem Fall stößt mir das eigentlich nur bei „On the street where you live“ und „If I loved you“ ein wenig sauer auf. Manche Songs sind so weit von ihren Originalen entfernt, dass sie auf ganz eigenen Füßen stehen und überzeugen, z.B. der Finalsong „Tell me it’s not true“ aus „Blood Brothers“ der normalerweise von einer Frau und dem Ensemble gesungen und von einer kleinen Band gespielt wird und hier als große Orchesternummer bombastisch daherkommt. Das gleiche gilt für „Come what may“, im Original von den eher schwachbrüstigen Schauspielern Ewan McGregor und Nicole Kidman gesungen während Boe hier mit Duettpartnerin Kerry Ellis die Sterne vom Himmel singt. Dazu kommen interessante Versionen von noch nicht abgenudelten Songs wie „Pure Imagination“ aus dem originalen Willy Wonka-Film oder „We have all the time in the world“, ein James Bond-Klassiker. Die beste Figur macht Boe jedoch nach wie vor in den Songs die schon vom Komponisten auf Pathos getrimmt wurden wie „The Impossible Dream“ (mit Matt Lucas), „Some Enchanted Evening“ und natürlich „Bring him home“.
Wer schöne Stimmen mag, wird an den 12 Tracks sicher seine helle Freude haben. Als Soundtrack, der an kalten Wintertagen das Herz erwärmt, ist „Bring him home“ genau das Richtige, doch nach zweimaligem Hören muß ich dann doch gleich wieder nach etwas leichterem, Rockigen greifen.
Montag, 17. Januar 2011
Keine Überraschungen bei den Golden Globes
Die Golden Globes wurden am gestrigen Sonntag wenig überraschend vergeben – die meisten Preise heimste der Facebook-Film „The Social Network“ ein, die Preise für die Hauptdarsteller gingen hochverdient an Colin Firth („The King’s Speech“) und Natalie Portman („Black Swan“). Diane Warren gewann ebenso verdient den Golden Globe für den besten Song für „You haven’t seen the last of me“, den Cher in „Burlesque“ zum Besten gibt. Auch „Glee“, das am vergangenen Wochenende in Deutschland auch im Fernsehen startete, konnte wieder mal den Golden Globe für beste TV-Serie im Bereich Musical/Comedy heimtragen, ebenso Jane Lynch und Chris Colfer für beste Nebendarsteller. Im Bereich Drama wurden „Boardwalk Empire“ und Hauptdarsteller Steve Buscemi verdient ausgezeichnet.
Freitag, 14. Januar 2011
"The Umbrellas of Cherbourg" in London
Französische Musicals habens schwer in London. Weder spéctacles wie "Notre Dame de Paris" noch eher klassisch gestrickte Musicals wie "Marguerite" sind im West End auf viel Gegenliebe gestoßen. Trotzdem wagt man sich nun daran, den französischen Musicalklassiker "Les parapluies de Cherbourg" von Michel Legrand ins Gielgud Theatre zu bringen. Regie führt Emma Rice von der Kneehigh Theatre Company, zum Ensemble gehören u.a. Joanna Riding als Madame Emery, die Mutter der Hauptfigur Genevieve, deren Liebesgeschichte mit dem jungen Guy im Mittelpunkt des Stückes steht. Wer Guy und Genevieve spielen wird, ist noch nicht klar. Im Februar wird es zunächst ein Tryout in Leicester geben.
In der preisgekrönten Filmversion von 1964 spielte eine junge Catherine Deneuve die Genevieve, der große Hit des Filmes "I will wait for you" war für einen Oscar nominiert. Bleibt zu hoffen, dass diesem Stück ein größerer Erfolg beschieden ist, als seinen Vorgängern.
Obwohl die Gerüchteküche auf Hochtouren kocht, steht eine offizielle Bestätigung für den Umzug der Sheffield-Produktion von "Me and My Girl" ins freigewordene Shaftesbury Theatre weiterhin aus. Sierra Boggess dagegen kann die Absage von "Rebecca" scheinbar leicht verkraften: Sie ist für die Rolle der Amalia in "She Loves Me" beim Chichester Festival im Gespräch.
Mittwoch, 12. Januar 2011
Paul de Leeuw in den Fußstapfen von Udo Jürgens
Auch in den Niederlanden ist die Welle von Recycling-Musicals noch nicht abgeebbt. Nach "Volendam" in dieser Saison steht nun ein Musical mit den Songs von Paul de Leeuw ins Haus, das den Titel "Vlieg met me mee" tragen soll. Musicalfans ist Paul de Leeuw vielleicht noch als Thénardier in der grandiosen Amsterdamer Produktion von Les Miserables 1991 in Erinnerung geblieben – seitdem hat er vor allem als Sänger, Kabarettist und TV-Moderator Karriere gemacht. Die Geschichte, die um seine Lieder herum gestrickt wird, ist derzeit noch in der Mache, aber deutsche Musicalfans dürften ein Deja-Vu haben: Im Mittelpunkt steht eine erfolgreiche TV-Moderatorin, die ihrer Mutter an Bord eines Kreuzfahrtschiffes folgt und dort auf einen "Abenteurer mit Bindungsangst" trifft, der ebenfalls seinem Vater an Bord gefolgt ist. Mutti und Vati finden zusammen – und der Nachwuchs vermutlich auch. So wie Deutschland einen lauen Aufguß des Doe maar-Musicals in Form von "Ich will Spass" bekam, bekommen unsere westlichen Nachbarn nun wohl einen lauen Aufguß von "Ich war noch niemals in New York" - der arme Paul de Leeuw hätte besseres verdient.
Dienstag, 11. Januar 2011
"Les Misérables" - 25th Anniversary Concert DVD
Nachdem das neue "Les Misérables"-Konzert mittlerweile zum fairen Preis von £10 in London erhältlich ist, dachte ich mir, ich nehme es mal mit. Während es für viele jüngere Musicalfans sicher ein aufregendes, einmaliges Konzert sein mag, erschien es mir Oldie einfach nur als Aufguss des 10th Anniversary Concert in der Royal Albert Hall vor 15 Jahren. Nur nochmal viel größer im riesigen O2 in Greenwich, dem ehemaligen Millennium Dome, aufgezogen. "Les Misérables" gehört wie das "Phantom" in London und "Starlight Express" in Bochum zu den Dinosauriern des Musicals, den letzten Überlebenden der Mega-Musicals der 80’er Jahre, die selbst zur touristischen Sehenswürdigkeit geworden sind und vermutlich ewig laufen. Doch gerade Les Miz erlebte in den letzten zwei Jahren wieder einen enormen Aufwind – durch einen glücklichen Zufall. Hätte Susan Boyle in jener denkwürdigen Audition von "Britain’s got talent" "Memory" statt "I dreamed a dream" gesungen, hätte Cameron Mackintosh sicher etliche tausend Tickets weniger verkauft. Zu diesem glücklichen Marketing Coup kam die 25th Anniversary Tournee in Großbritannien, die nicht nur ein Gastspiel in Paris gab sondern auch ins Barbican Theatre in London einzog – genau 25 Jahre nachdem Les Miz dort seinen beispiellosen Siegeszug begann. Und nach 25 Jahren Einheitsbrei weltweit (bis auf neuere freie Inszenierungen auch in deutschen Stadttheatern) gingen die Karten für die frische Inszenierung der Tournee natürlich weg wie warme Semmeln. Als krönenden Abschluss des Jubiläumsjahr folgte schliesslich das 25th Anniversary Concert im O2, das sogar in Kinos weltweit ausgestrahlt wurde und natürlich auf DVD, BluRay und CD erschien.
Wieder eine konzertante Inszenierung, wieder ein riesiges Orchester und ein noch größerer Chor. Bleibt an Neuheiten also die Besetzung, ein Querbeet-Mix aus aktuellen Darstellern der Tournee, der Londoner Inszenierung und Gaststars. Ironischerweise sind es diese Gaststars die dann auch negativ herausstechen. Da ist zunächst "Little Britain"-Star Matt Lucas, dem man aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Thénardier anvertraut hat. Gut, der Mann ist ein begnadeter Komiker und auch stimmlich gibt es nichts zu meckern, aber er wirkt ganz einfach 20-30 Jahre zu jung für den verschlagenen alten Fuchs, der bereits auf dem Schlachtfeld von Waterloo sein Unwesen getrieben hat.Doch immerhin bringt Lucas das nötige Talent mit – was man leider nicht von Nick Jonas behaupten kann, einem der zahllosen US-Teenie-Stars, die drüben vom Disney Channel in irgendwelchen geheimen Laboren in Anaheim geklont und für leicht zu beeindruckende kleine Mädchen weltwelt vermarktet werden. Disney ließ insgesamt drei dieser Klone als Jonas Brothers auf die Welt los, von denen der 18-jährige Nick der Jüngste ist. Warum man diesem Kerlchen die so wichtige Rolle des Marius anvertraut hat, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Der Junge trägt in den gesamten drei Konzertstunden nur einen einzigen Gesichtsausdruck Marke "schmollender Teenie" zur Schau und fällt stimmlich deutlich gegen seine Mitstudenten ab. "Empty chairs at empty tables", normalerweise eines der bewegendsten Lieder und Höhepunkte der Show schlechthin, verpufft somit hier total. Auch fällt es einfach negativ auf, dass er mindestens zehn Jahre jünger und zwanzig Kilo leichter wirkt, als alle anderen Studenten.Ansonsten gibt es wenig zu bemängeln – gut, ich persönlich kann mich mit "farbenblindem" Casting einfach nicht anfreunden und so konnte ich mich auch nicht über ein Wiedersehen mit der noch immer ausgesprochen jung aussehenden und großartig singenden Lea Salonga als Fantine freuen oder mich restlos für den hervorragend spielenden und singenden schwarzen Javert Norm Lewis begeistern. Richtig warm wurde ich auch nicht mit Eponine Samantha Banks, die einfach viel zu stark geschminkt war für ein schmuddeliges Straßenmädchen und die trotz aller Bemühungen auch nichts neues mehr aus dem furchtbar ausgelutschten "On my own" herausholen konnte. Positiver fiel mir da doch Katie Hall als Cosette auf, eine dralle Blondine mit einer herzlichen lebhaften Ausstrahlung und wunderschöner Stimme, die sich angenehm von den früheren faden Cosettes abhob, als diese Rolle (die bei Victor Hugo letztendlich die zentrale Figur neben Valjean darstellt) immer nur zur langweiligen Nebenfigur degradiert wurde. Eine Bank war natürlich Dauer-Phantom Ramin Karimloo, der hier noch einmal den Studentenführer Enjolras mit großartiger Stimme geben durfte.
Und schliesslich der Mann, der im Alleingang den Kauf der DVD rechtfertigte: Alfie Boe als Valjean. Die Vergabe der Hauptrolle an ihn hatte seinerzeit für einiges Erstaunen gesorgt, da er aus der klassischen Ecke kommt und schon mehrere CDs veröffentlicht hat, die man eher bei der leichten Kost von Bocelli, Groban & Co. einordnen kann, während er im Musical ein unbeschriebenes Blatt war. Und auch wenn er noch ein wenig jung wirkt für Valjean, überzeugte er von der ersten bis zur letzten Minute mit großartiger Stimme und Schauspiel. Seine einmalig schöne Version von "Bring him home" ließ nicht nur mich dahinschmelzen wie Butter in der Sonne – zu recht bekam er dafür mitten im Konzert eine Standing Ovation. Ja, ich gebe zu: Sollte Boe wie angekündigt im kommenden Sommer noch einmal den Valjean im Queens Theatre spielen, würde ich für ihn reingehen allein um sein "Bring him home" live zu erleben. Wow! Dagegen konnte mich das hochgelobte und als Single vermarktete "Bring him home"-Quartett der vier Valjeans (Boe, Wilkinson, Bowman und Owen-Jones) dann weniger beeindrucken, das als Zugabe präsentiert wurde. Viel gelungener dagegen war der Auftritt der Original-Darsteller von 1985 – neben Colm Wilkinson u.a. Michael Ball, Rebecca Caine, Frances Ruffelle, Alun Armstrong, Susan Jane Tanner und Roger Allam (mit einem fragwürdigen Santa-Rauschebart), die noch einmal mit den aktuellen Darstellern "One day more" zum Besten geben. Damit wurde ein so einmaliger Moment geschaffen, dass man Cameron Mackintosh prompt mal wieder verzeiht, wie sehr er diese gute alte Cash Cow Les Mis noch immer melkt.
Muß man diese DVD haben? Nunja. Wer die 10th Anniversary Concert-DVD hat, mag auf die Neue verzichten und erspart sich die Totalausfälle Nick Jonas und Matt Lucas. Wer aber (unvorstellbar für uns Oldies) mit Les Miserables bislang noch keine nähere Bekanntschaft gemacht hat, sollte ruhig zugreifen um sich ein gutes visuelles Bild der Show zu machen.
Montag, 10. Januar 2011
"Cats" im Herbst nach Zürich und Wien
Nach der erfolgreichen Premiere der neuen "Cats"-Tournee in Hamburg in der letzten Woche, wurden nun auch weitere Termine bekannt-gegeben. Nach Berlin, Hannover, Mannheim und Luxemburg werden die Katzen im Herbst dann auch die südlichen Nachbarländer ansteuern: Vom 8.09.-16.10. gastiert die Tournee in Zürich um sich dann von 22.10. bis 15.01.12 in Wien niederzulassen und den VBW Konkurrenz zu machen.Zwischen dem bisher letzten bekannten Gastspiel in Luxemburg, das am 3.07. zuende geht und dem nächsten Termin in Zürich ist noch soviel Platz, das vielleicht mit einem weiteren Standort zu rechnen ist. Auffällig ist schließlich dass NRW nach wie vor in der Planung fehlt, obwohl Klokows neue Firma „mehr!-Entertainment dort ihren Sitz hat. Und im Musical Dome derzeit viel Platz ist...
Sonntag, 9. Januar 2011
"Flashdance" in London und mehr
Da ich am ersten Tag meiner London-Reise nach massiver Verspätung erst um 21.00 Uhr in der Stadt war (vielen Dank Lufthansa!!), musste ich leider auf einen geplanten Theaterbesuch verzichten. Und weil mir die Adaption von Sebastian Faulks' Buch "Birdsong", die an diesem ersten Abend auf dem Programm stand, letztendlich wichtiger war als die als Film reichlich banale Schmonzette "Love Story" blieb das gleichnamige Musical dann trotz der positiven Kommentare in diversen Foren auf der Strecke. Richtig neu war letztendlich nur ein einziges Musical: "Flashdance", basierend auf dem gleichnamigen Film von 1983 mit Jennifer Beals.
"Flashdance" war der letzte der Tanzfilme aus den 80'ern, der noch auf eine Bühnenverwurstung gewartet hatte, nachdem "Fame", "Footloose" und "Dirty Dancing" schon dran glauben mußten. Und so geht es dem Stück wohl wie einem Gast der zu spät zur Party kommt: Zu diesem Zeitpunkt will ihn niemand mehr sehen, auch wenn man ihn eigentlich mag. Denn das Traurige ist: Verglichen mit "Footloose" oder gar der unkreativen öden Bühnenversion von "Dirty Dancing" ist "Flashdance" um Längen besser. Tom Hedley, der schon das Drehbuch verfasst hatte, hat sein eigenes Buch noch einmal überarbeitet und vor allem die Nebenfiguren vertieft, während Robbie Roth und Robert Cary zu den berühmten Filmsongs wie "Maniac", "Manhunt" und natürlich dem Titelsong etliche neue peppige Songs geschrieben haben. Arlene Phillips hat dazu mitreißende Tanzszenen choreographiert mit viel modernem Streetdance, die vom Ensemble absolut mitreißend dargeboten werden. In der von uns besuchten Samstag Matinee spielte Alternate Twinnielee Moore die Hauptrolle Alex - anscheinend war es ihre Abschiedsvorstellung, da Erstbesetzung Victoria Hamilton Barrit die letzte Woche komplett spielt. Twinnielee war großartig und vor allem das Finale - die berühmt gewordene Audition an der Shipley Dance Academy für die Film-Alex Jennifer Beals von nicht weniger als sechs Tänzerinnen gedoubelt wurde - war absolut mitreißend.
Sicher ist "Flashdance" nichts für Leute, bei denen Musicals entweder mindestens Sondheim-mäßigen Anspruch haben müssen oder nicht unter zehn schmalzigen Balladen daherkommen dürfen, doch als gutgemachte Unterhaltung mit mitreißenden Tanzszenen ist "Flashdance" das beste neue Musical, das ich seit langem erlebt habe. Es ist eine Schande, dass das Stück nach knapp vier Monaten schon wieder schließen muß - ob da nun der berühmte Fluch des Shaftesbury Theatre zugeschlagen hat oder das Stück einfach nicht die Chance bekam "word of mouth" zu verbreiten weiß der Himmel. Ich würde mich freuen, wenn es vielleicht irgendwann eine zweite Chance erhält, z.B. nach einer erneuten Tournee oder mit einem Transfer in ein anderes West End-Theater.
In Sachen Entertainment ist "Priscilla" nach wie vor die beste Show in der Stadt und so war's nicht mal sonderlich überraschend für mich, dass ich nun schon zum dritten Mal im Palace Theatre vorstellig wurde um mich ein weiteres Mal an den drei wunderbaren Ladies, den herrlichen Kostümen und dem abgefahrenen Aussie-Humor zu erfreuen (gut, und weil ich unbedingt wollte, dass meine von zuhause mitgeschleifte Begleitung dieses köstliche Stück auch mal sieht). Mittlerweile gabs auch einen Ensemble-Wechsel und einiges frische Blut. Während Don Gallagher nicht ganz an den einmaligen Tony Sheldon herankommt, gibt er doch eine sehr sympathische Bernadette ab und TV-Cop Ben Richards ist als Tick/Mitzi mit Sicherheit eine große Verbesserung gegenüber dem dann doch eher hölzernen Jason Donovan. Als Dritte im Bunde ist noch immer Oliver Thornton als Felicia mit von der Partie. Herrlich auch, dass die Atmosphäre im ausverkauften Palace Theatre noch immer so richtig fröhlich partymäßig ist - und hier geht das Publikum auch gerne freiwillig und ohne gequälte Animationsversuche mit.
Einen weiteren sehr bewegenden Abend hatte ich dann bei Rachel Wagstaffs Schauspieladaption von Sebastian Faulks' Bestseller "Birdsong", bei dem das auch im Musicalbereich bekannte Team Trevor Nunn (Regie) und John Napier (Bühnenbilder) wieder einmal vorzüglich zusammengearbeitet haben. "Birdsong" würde vielleicht auch als Musical ganz gut funktionieren, aber letztendlich fände ich Geschwurbel voller Pathos in den Schützengräben des 1.Weltkrieges dann doch nicht so wirklich passend. Als Schauspiel dagegen funktionierte die Geschichte gant wunderbar mit einem überragenden Ben Barnes in der Hauptrolle des jungen Engländers Stephen Wraysford und dem grandiosen Lee Ross als Jack Firebrace - den beiden sollte man in dieser Saison ein paar Awards nachwerfen, sie haben's verdient.
"Flashdance" war der letzte der Tanzfilme aus den 80'ern, der noch auf eine Bühnenverwurstung gewartet hatte, nachdem "Fame", "Footloose" und "Dirty Dancing" schon dran glauben mußten. Und so geht es dem Stück wohl wie einem Gast der zu spät zur Party kommt: Zu diesem Zeitpunkt will ihn niemand mehr sehen, auch wenn man ihn eigentlich mag. Denn das Traurige ist: Verglichen mit "Footloose" oder gar der unkreativen öden Bühnenversion von "Dirty Dancing" ist "Flashdance" um Längen besser. Tom Hedley, der schon das Drehbuch verfasst hatte, hat sein eigenes Buch noch einmal überarbeitet und vor allem die Nebenfiguren vertieft, während Robbie Roth und Robert Cary zu den berühmten Filmsongs wie "Maniac", "Manhunt" und natürlich dem Titelsong etliche neue peppige Songs geschrieben haben. Arlene Phillips hat dazu mitreißende Tanzszenen choreographiert mit viel modernem Streetdance, die vom Ensemble absolut mitreißend dargeboten werden. In der von uns besuchten Samstag Matinee spielte Alternate Twinnielee Moore die Hauptrolle Alex - anscheinend war es ihre Abschiedsvorstellung, da Erstbesetzung Victoria Hamilton Barrit die letzte Woche komplett spielt. Twinnielee war großartig und vor allem das Finale - die berühmt gewordene Audition an der Shipley Dance Academy für die Film-Alex Jennifer Beals von nicht weniger als sechs Tänzerinnen gedoubelt wurde - war absolut mitreißend. Sicher ist "Flashdance" nichts für Leute, bei denen Musicals entweder mindestens Sondheim-mäßigen Anspruch haben müssen oder nicht unter zehn schmalzigen Balladen daherkommen dürfen, doch als gutgemachte Unterhaltung mit mitreißenden Tanzszenen ist "Flashdance" das beste neue Musical, das ich seit langem erlebt habe. Es ist eine Schande, dass das Stück nach knapp vier Monaten schon wieder schließen muß - ob da nun der berühmte Fluch des Shaftesbury Theatre zugeschlagen hat oder das Stück einfach nicht die Chance bekam "word of mouth" zu verbreiten weiß der Himmel. Ich würde mich freuen, wenn es vielleicht irgendwann eine zweite Chance erhält, z.B. nach einer erneuten Tournee oder mit einem Transfer in ein anderes West End-Theater.
In Sachen Entertainment ist "Priscilla" nach wie vor die beste Show in der Stadt und so war's nicht mal sonderlich überraschend für mich, dass ich nun schon zum dritten Mal im Palace Theatre vorstellig wurde um mich ein weiteres Mal an den drei wunderbaren Ladies, den herrlichen Kostümen und dem abgefahrenen Aussie-Humor zu erfreuen (gut, und weil ich unbedingt wollte, dass meine von zuhause mitgeschleifte Begleitung dieses köstliche Stück auch mal sieht). Mittlerweile gabs auch einen Ensemble-Wechsel und einiges frische Blut. Während Don Gallagher nicht ganz an den einmaligen Tony Sheldon herankommt, gibt er doch eine sehr sympathische Bernadette ab und TV-Cop Ben Richards ist als Tick/Mitzi mit Sicherheit eine große Verbesserung gegenüber dem dann doch eher hölzernen Jason Donovan. Als Dritte im Bunde ist noch immer Oliver Thornton als Felicia mit von der Partie. Herrlich auch, dass die Atmosphäre im ausverkauften Palace Theatre noch immer so richtig fröhlich partymäßig ist - und hier geht das Publikum auch gerne freiwillig und ohne gequälte Animationsversuche mit. Einen weiteren sehr bewegenden Abend hatte ich dann bei Rachel Wagstaffs Schauspieladaption von Sebastian Faulks' Bestseller "Birdsong", bei dem das auch im Musicalbereich bekannte Team Trevor Nunn (Regie) und John Napier (Bühnenbilder) wieder einmal vorzüglich zusammengearbeitet haben. "Birdsong" würde vielleicht auch als Musical ganz gut funktionieren, aber letztendlich fände ich Geschwurbel voller Pathos in den Schützengräben des 1.Weltkrieges dann doch nicht so wirklich passend. Als Schauspiel dagegen funktionierte die Geschichte gant wunderbar mit einem überragenden Ben Barnes in der Hauptrolle des jungen Engländers Stephen Wraysford und dem grandiosen Lee Ross als Jack Firebrace - den beiden sollte man in dieser Saison ein paar Awards nachwerfen, sie haben's verdient.
Mittwoch, 5. Januar 2011
"Chicago" in Schweden abgesagt
Zugegeben, wir regen uns ja alle gerne mal über Stage Entertainment und die fragwürdigen Entscheidungen der Chefetage auf. Doch im Vergleich zum Wirtschaftskrimi, der gerade in Schweden um den Musicalproduzenten 3 Sagas abgelaufen ist, sind die Damen und Herren in Hamburg ja regelrechte Klosterschüler.Seit Monaten kochte in Stockholm die Gerüchteküche um 3 Sagas und den isländischen Geschäftsführer Kristjan Kristjansson, der in der Heimat auch schonmal vor Gericht gelandet war. Nach den Flops von „Grease“ und „Buddy“ geriet 3 Sagas finanziell ins Trudeln und die geplanten Produktionen in Stockholm der Firma standen auf einmal auf der Kippe. Aufgrund ungezahlter Löhne drohten die Stars mit dem Ausstieg aus der schwedischen Produktion von „Chicago“, die im Februar im Cirkusteatern Premiere haben sollten. Nun platzte die Bombe endlich: „Chicago“ wurde abgesagt, die Darsteller und andere Theatermitarbeiter stehen auf der Straße. Auch die Tourneeproduktion „Alice im Wunderland“ mit Popstar Amy Diamonds wurde abgeblasen. 3 Sagas selbst steht mit 51,2 Mio schwedischen Kronen (6 Mio. Euro) in den Miesen. Da für beide Musicals nur insgesamt 7500 Karten verkauft wurden, dürfte immerhin die Rückerstattung kein großes Problem sein. Tragisch ist es nur für die Darsteller – und für die Stadt Stockholm, die sich seit Jahren als Musicalhauptstadt im Norden etabliert hatte.
Doch es ist nicht alles schlecht in der schwedischen Hauptstadt: Die Musicalfassung von „Romeo und Julia“, die im letzten Jahr mit viel Rummel im Fernsehen eine Julia für Hauptdarsteller Måns Zelmerlöv gesucht hatte (und in Lisette Pagler fand), erhielt durchweg gute Kritiken. Die Hauptdarsteller wurden ebenso gelobt wie die Choreographien und das Konzept, bei dem vor allem bekannte Hard Rock-Nummern verwurstet werden – von Oldies wie Tom Jones bis zum Gassenhauer „Seven Nation Army“ von den White Stripes. Ironischerweise wird auch „Romeo und Julia“ von 3 Sagas produziert – mit einem Hit gelingt es Kristjansson vielleicht, seine Firma zu retten und wieder in ruhigere Gewässer zu führen. Sein Ruf dürfte jedoch im Eimer sein.
Montag, 3. Januar 2011
"Musical Rocks" im Musical Dome Köln
Unsere alpenländischen Nachbarn schicken uns in dieser Woche die Konfektion „Musical Rocks!“ an den Rhein - da muss man doch mal gucken gehen, denkt sich der Blogger, wenn er schon großzügigerweise eingeladen wird. Immerhin hat man eine vielversprechende Truppe von Solisten angeheuert: Auf der Damenseite die geschätzte Anke Fiedler zusammen mit den Newcomern Nadine Schreier und Franziska Schuster und auf der Herrenseite Eye Candy Matthias Edenborn sowie Michael Eisenburger und Cedric Lee Bradley. Das Konzept von „Musical Rocks!“ ist auf den Mist von Martin Böhm und Ludwig Coss gewachsen, die auch hinter MG Sounds und Hitsquad Records in Wien stehen und etliche Castaufnahmen der VBW veröffentlicht haben und soll (Eigenwerbung) eine „Rock Musical Multimedia Sensation“ bieten.Sensationell war zum Auftakt vor allem der Sound – nämlich selbst für den Musical Dome in Köln sensationell schlecht. Da gingen die Anheizernummern „Time Warp“ aus der Rocky Horror Show und „Let the sunshine in“ aus Hair völlig unter. Unter „Multimedia“ verstand man eine Handvoll ganz netter Projektionen und richtig gerockt wurde eher selten. Erst bei „Grease“ und „Dirty Dancing“ kam langsam Schwung in den Laden und im 2.Akt zeigte sich dann, dass irgendwo in der belanglosen Melange aus recycelter Popmusik und den üblichen Rockmusical-Verdächtigen, tatsächlich ein spannendes Konzept versteckt liegt, das – richtig entwickelt – einen wirklich interessanten Abend abgeben könnte. Das seltsame Mash Up von „Phantom of the Opera“ und „Der letzte Tanz“ bei dem sich Edenborn und Eisenburger um die Gunst von Nadine Schreier zu duellieren schienen, war eher noch zum Schmunzeln, die Boyband-Version von „The Impossible Dream“ dagegen schon richtig erfrischend neu und interessant (schade nur, dass man hier, wie überhaupt viel zu oft während des Konzertes, penetrant die Zuschauer zum Mitklatschen und Winken animierte – wann kapieren Regisseure endlich, dass ein gutgelauntes Publikum von selbst mitmacht und ansonsten eben NICHT animiert werden will wie beim Karaoke-Saufabend im Robinson Club?). Auch die rockige Interpretation von „Don’t cry for me Argentina“, bei der Anke Fiedler endlich mal ihre tolle Stimme unter Beweis stellen konnte, gefiel mir gut. Eine echte Entdeckung war für mich auch Franziska Schuster, die seinerzeit in der Sat1-Katastrophe „Ich Tarzan, du Jane“ als Drittplatzierte endete und die mit einer grundsympathischen herzlichen Ausstrahlung und toller Stimme daherkam und u.a. „Total Eclipse oft he Heart“ sang. Die Dame möchte ich gerne mal in einer guten Rolle erleben.
Nach gut zwei Stunden und den unvermeidlichen Blöcken aus „We will rock you“ und „Mamma mia“ verabschiedete man sich mit einer peppigen Version des Klassikers „There’s no business like showbusiness“ der zwar nicht zum Rest passte, aber als Rausschmeißer seit 60 Jahren zuverlässig Dienst tut.
Lohnt sich der Besuch? Nunja. Die Solisten sind allesamt sehenswert, das Tanzensemble absolut mitreißend wenn es zeigen darf, was in ihnen steckt, und wer kurzweilige Unterhaltung mag, wird hier bestens bedient. Aber als neuartiges Konzept Musicals zu verrocken, enttäuscht die Show. Hier sollte man wirklich den Mut haben, mehr Klassiker wie „The Impossible Dream“ neu zu arrangieren und frisch zu präsentieren und auf Popmusik, die nur im weiteren Sinne etwas mit Musicals zu tun haben, zu verzichten.
PS: Liebe Leute, wenn ihr schon ein Programmheft druckt und für 6 Euro verkauft, druckt wenigstens die Set List ab, damit der geneigte Zuschauer weiß was ihm dräut (und um die bis zur Unkenntlichkeit verwursteten Nummern zu identifizieren).
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