Und nochn Familien-Musical? Ich war "Shrek" gegenüber recht feindlich gesinnt, als es am Broadway öffnete, weil es mich in erster Linie nervte, dass diese Franchise nach Büchern, vier Filmen und etlichen anderen Spinoffs nun auch noch als Bühnen-Musical gemolken werden sollte. Und das, obwohl ich den originalen Film eigentlich toll fand. Die CD hörte ich nur einmal kurz durch,dann geriet das Stück für mich in Vergessenheit und auch in London zog mich zunächst nichts hin, vor allem bei den dreisten Preisen. Aber dann schwärmten Leute von dem Stück, deren Meinung ich sehr schätze, so dass ich doch neugierig wurde. Dazu juckte mich die Besetzung: Nigel Lindsay (Shrek) war grandios in einer der Hauptrollen der bitterbösen Satire "Four Lions" und Nigel Harman (Farquaad) lieferte vor einigen Jahren eine fantastische Vorstellung im Schauspiel "Three Days of Rain". Und als Celebrity-Blondine Amanda Holden, die erste Fiona, abdankte, dachte ich, dass es wohl auch möglich sein würde, günstige Karten zu bekommen (auch wenn sie dann durch ein weiteres B-List Blondchen ersetzt wurde, Kimberley Walsh von Girls Aloud).
Shrek hält sich sehr bedeckt, was die Day Seats betrifft, die auch noch mit 30 Pfund zu Buche schlagen, doch da ich für die Matinee einfach nichts besseres zu tun hatte, biss ich in den sauren Apfel. Und hatte Glück, denn mein Day Seat befand sich in der ersten Parkettreihe mittig. Dank Orchestergraben und niedriger Bühne ein ganz hervorragender Platz, der 30 Pfund mehr als wert war.
Shrek ist knallig bunt, fantasievoll und durchaus witzig mit einigen cleveren Texten und genialen Regieeinfällen, von denen vor allem der diminuitive Lord Farquaard profitiert, den Nigel Harman die meiste Zeit auf den Knien spielt (was wiederum Gelegenheit zu herrlichen choreografischen Einfällen bot) und der von den Hauptfiguren am meisten überzeugte. Auch Nigel Lindsay spielte Shrek sehr gut, doch hinter all der grünen Schminke war es schwierig, mehr zu sehen als ein Abziehbild des Filmes, und zusätzlich wurde er von schwachen Mitspielern sehr ausgebremst, so dass er nur in seinem Solo "Who I'd be" einmal richtig glänzen kann.
Denn mit den beiden Nigels endet dann auch mein Lob für die Hauptdarsteller. Girls Aloud-Blondchen Kimberley Walsh war ganz nett als Fiona, doch es war leicht zu ahnen, wieviel mehr eine versierte Schauspielerin und vor allem Komödiantin aus diesem Part machen könnte und aus Nummern wie "This is how a dream comes true". Auch Richard Blackwoods Donkey war größtenteils ein Totalausfall, der die meisten Zeit nur passiv herumstand und aus seinen Songs nicht viel machte. Natürlich ist es schwer, eine so hervorragend animierte Zeichentrickfigur, die noch dazu ganz auf Eddie Murphy zugeschnitten war, als Zweibeiner zum Leben zu erwecken, aber dieser Donkey war einfach nur einschläfernd öde. Daneben gab es zum Glück noch andere witzige Einfälle wie den großartig animierten Drachen oder die ganzen Märchenfiguren, die fantasievoll zum Leben erweckt wurden.
Insgesamt ist Shrek ein knallbuntes Pop-Musical für die ganze Familie, dem der Tiefgang von Matilda fehlt, das aber wohl auch gar nichts anderes will, als einfach nur für spaßige Unterhaltung zu sorgen. Und in dieser Hinsicht überzeugt es durchaus – so sehr, dass ich es mir vielleicht nochmal ansehe, wenn auch für Fiona und Donkey gute Musicaldarsteller gefunden wurden, statt B-List Promis.

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