Donnerstag, 24. November 2011

Henk Poort + Danny de Munk - Jeugdherinneringen

Am gestrigen Abend erlebte ich einen wirklich ganz besonderen Abend mit den beiden holländischen Musicalstars, an dessen Ende ich sogar von ihnen zu einem Bier eingeladen wurde. Wie kam's?  Henk Poort und Danny de Munk gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Stars der holländischen Szene, die seit 20 Jahren kontinuierlich in großen und kleinen Musicals zu sehen waren.  Beide sah ich bei ihrem jeweiligen Musicaldebüt in "Les Misérables" in Amsterdam 1991 - bis heute einer der besten Musicalabende meines Lebens. Henk Poort (Valjean) kam aus dem Opernfach, Danny de Munk (Marius) war im Land dank "Ciske de Rat" als Kinderstar und Heintje-Verschnitt bekannt und bekam von Joop van den Ende die Chance zum Comeback als Erwachsener.  Poort begegnete mir anschliessend noch als Phantom, als Tevje in "Anatevka" und als Captain Haddock in "Tintin", de Munk war u.a. in "Cyrano" und "Copacabana" dabei, und zuletzt in der erfolgreichen Bühnenfassung von "Ciske de Rat".  Wenn diese beiden Showgrößen, die auch privat gut befreundet sind, mit einem Konzert auf Tournee gehen, erwartet man eine Reihe ihrer größen Musicalsongs, von Poort vielleicht ein paar Opernarien und von de Munk einige seiner großen Pophits. Falsch gedacht.

Schon der Auftakt von "Jeugdherinneringen" macht klar, dass die beiden vor allem Spaß haben wollen: In Fatsuits stolpern sie als alte Männer mit Stock und Rollator auf die Bühne - und strippen erstmal komplett. Nackte Fatsuits sind kein schöner Anblick, die Herren :)  Und dann legen sie los - und zwar mit ihren eigenen Jugenderinnerungen, nicht mit einem "Best Of" von schon hundertmal gehörten Musicalstandards.  Mit dem "Johnny Jordaan Medley" lassen sie den Jordaan in Amsterdam aufleben, mit Medleys von Manke Nelis und Andre Hazes weitere berühmte niederländische Sänger von Anno Dunnemals. Die Texte werden erfreulicherweise auf einer Tafel eingeblendet, so dass alle ohne Stottern mitsingen können .

Dazu kommen niederländische und englische Schlager und sogar Edelschnulzen wie "Please Release Me" klingen bei Henk Poort so richtig gut. Im Neapolitanischen Medley darf er mit "O Sole Mio" einmal kurz seine fantastische Stimme zeigen, ehe mit "Marina" und "Volare" das Publikum tanzend in die Pause geschickt wird. Bei "Que Sera Sera" darf die ganze Halle schunkeln. Und was ansonsten oft peinlich und gezwungen wirkt, kommt hier unglaublich natürlich rüber, da man einfach merkt, wieviel Spass die beiden auf der Bühne haben - da springt der Funke schnell über.  Kurz vor Ende lassen sie mit "Als ik toch eens rijk was" und "Copacabana" kurz ihre Musicalkarriere anklingen, ehe der Abend mit dem "Kroegenmedley" aus bekannten Kneipensongs so richtig in Party versackt und die ersten Reihen zur Polonaise durchs Theater und auf die Bühne aufbrechen. Eine Bedienung bringt mehrmals ein Tablett mit Bechern voll frisch gezapftem Bier auf die Bühne, die von Danny und Henk im Publikum verteilt werden. Auch ich bekam eins ab (Dank je wel, Danny).

Nein,  einen solchen Abend hatte ich beileibe nicht erwartet und schon lange hatte ich nicht mehr soviel Spass an einem Konzertabend.  Ein wirklich frisches Konzept voller herrlicher Ideen, das die beiden Sänger von ihrer sympathischsten Seite zeigte und zugleich eine wunderbar nostalgische Reise durch die Schlagerjahrzehnte darstellte.  Noch ein erfreulicher Aspekt: Eine CD gab es auch schon zu kaufen, und zwar für kontofreundliche 10 Euro (ein Live-Mitschnitt von der Vorstellung in Gouda). Wer Zeit hatte, konnte sie nach der Vorstellung sogar von Danny und Henk signieren lassen.

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