Jenseits aller Hype um die Grossproduktionen hat die Musicalabteilung des Theaters für Niedersachsen in diesen Tagen ein wunderschönes Familien-Musical für die festliche Saison erschaffen, das mir eine ganz besonder Freude macht: "Das Letzte Einhorn", nach dem Roman von Peter S.Beagle. Der Stoff war vor allem als Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1982 ein weltweiter Erfolg, dessen Titelsong "The Last Unicorn" der Gruppe America ebenfalls für sich alleine ein Hit war. Ich liebte diesen Film abgöttisch und als ich einige Jahre später die Romanvorlage las, dachte ich sofort, dass dies ein brillianter Stoff für ein Musical war. Während heute die unsinnigsten Stoffe mit halbgaren Songs versehen auf die Bühne geworfen werden, konnte ich beim "Letzten Einhorn" sofort zahlreiche Szenen vor mir sehen und die entsprechenden Lieder hören. Dass nun das TfN mir nach so langer Zeit diesen Herzenswunsch erfüllt, heisst natürlich, dass ich mich am Sonntag auf den Weg nach Hannover machen werde, um mir das Musical anzusehen. Bis dahin gibt es schonmal eine CD, die sich hören lassen kann.
Musik und Texte stammen von Christian Gundlach, der für das TfN bereits "Märchenmond" auf die Bühne gebracht hat, mehrere Musicals von Stephen Schwartz übersetzte und zusammen mit Martin Lingnau "Das Orangenmädchen" schrieb. Die instrumentalen Parts und Reprises nicht mitgezählt, komponierte Gundlach für das "Einhorn" zehn neue Songs, die allesamt gut ins Ohr gehen. Ich hätte mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht und das ein oder andere Mal erwischte ich mich dabei, dass ich enttäuscht war, dass Gundlach nicht den Song geschrieben hatte, den ICH mir an bestimmten Stellen vorstellte, doch an anderen Stellen schien er direkt in meinen Kopf hineingesehen zu haben.
Absolut ohrwurmverdächtig ist das Lied "Auf deinem Weg", das die Erzählerin/Puppenspielerin (Navina Heyne) zunächst komplett singt und dann mehrmals in kurzen Reprises aufgreift, wenn sie das Einhorn auf seiner Suche nach den Artgenossen begleitet, und das einfach wunderschön ist. Mehr noch, es ist eine Rarität geworden, das ein Musicalsong für sich alleine als Lied stehen kann, ohne textlich und inhaltlich komplett in die Erzählung eingebunden zu sein. Ein schöner Einfall ist auch das witzige Duett "Das Herz einer Lady" bei dem Molly (Michaela Linck) dem verliebten Prinz Lir (Jonas Hein) Beziehungstipps gibt. Dass Lir und Amalthea (Annika Dickel) gleich darauf "Mein Herz ist ein Meer" singen, ist dann allerdings ein wenig zu herzig. Auch die "Morität des großen Räuberhäuptlings Captain Cully" und Mommy Fortunas "Kreatur der Nacht" lassen sich hören, wobei ich mir letztere noch böser und verdorbener vorgestellt hätte - aber es handelt sich ja auch um ein Familien-Musical.
Was mir besonders positiv auffällt sind die Texte, die sehr natürlich und locker klingen und nicht so furchtbar gesteltzt wie deutsche Texte es oft sind. Die Reime klingen natürlich und nicht konstruiert und fallen durch viel Sprachwitz auf. So macht zumindest schonmal die CD viel Hoffnung auf einen gelungenen Musicalabend in Hannover am Sonntag. Mehr folgt!

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