Während sich die Fan-Aufmerksamkeit scheinbar komplett auf die Schweizer Premiere von “Rebecca” an diesem Wochenende richtet, findet in Salzburg eine weitaus interessantere Premiere statt: Die Musical-Legende “The Sound of Music” kehrt heim. Sozusagen. Obwohl das Stück, das vor allem in der Filmfassung mit Julie Andrews ein absoluter Klassiker im anglo-amerikanischen Raum ist, weltweit ständig zu sehen ist, war es ausgerechnet in Salzburg, dem Handlungsort des Musicals, noch nie zu sehen. Stattdessen erging man sich an der Salzach in einer seltsamen Schizophrenie: Man gibt sich gerne als Mozart-Stadt und als Stadt der Festspiele, doch mit “The Sound of Music”, der (halbwegs wahren) Geschichte der Klosternovizin Maria, die als Governante beim verwitweten Baron von Trapp eingestellt wird und nicht nur seine siebenköpfige Kinder lieben lernt, sondern auch den Mann selbst, wollte man nichts zu tun haben. Vor allem die Erinnerung daran, dass es durchaus stramme Nazis in Salzburg gab, die den Anschluss begrüßt haben, passte den Salzburgern wenig in den Kram. Zugleich profitierte man jedoch gerne vom nimmermüden Strom der amerikanische, britischen und japanischen “Sound of Music”-Touristen, die sich gerne zu den Drehorten der Filmversion fahren lassen und auf den Spuren der von Trapps wandern.
Nun hat sich also Carl Philip von Maldeghem, der neue Intendant des Landestheaters, an den Stoff gewagt, angeblich, weil die Generation, die sich mit Händen und Füßen gegen “The Sound of Music” wehrte, mittlerweile weggestorben ist. Vermutlich aber, weil Salzburg mittlerweile offener dazu steht, den Touristendollar zu brauchen: Das Musical wird mit englischen “Übertiteln” gespielt und steht bis mindestens nächstes Jahr im Juni auf dem Spielplan. Für die Vorstellungen bis Januar sind schon 90% der Karten verkauft. Und die meisten wird es wohl nicht stören, dass man sich für die Hauptrollen zwei kapitale Fehlbesetzungen erlaubt hat, mit denen man vermutlich die österreichischen Musicalfans locken will: Uwe Kröger, der immer mehr zum dauergebräunten Dieter Bohlen des Musicals mutiert, gibt den Kapitän von Trapp, die Holländerin Wietske van Tongeren, die aus undefinierbaren Gründen mittlerweile ein Abo auf Hauptrollen in Österreich zu haben scheint, gibt die Maria. Sei’s drum, die amerikanischen “Sound of Music”-Touristen wird es freuen, das Stück am Handlungsort sehen zu können.

Wenn ich den sonnenbank-gebräunten mit moderner gel-frisur ausgestatteten Uwe Kröger sehe vergeht mir schon die Lust auf das Stück. Wie kann man nur einen Deutschen als Von Trapp besetzen!
AntwortenLöschenAnscheinend hat man nicht umsonst nach St.Gallen geschaut...
AntwortenLöschenMit Sound of Music in Salzburg und dem anstehenden neuen Elisabeth-Revival in Wien kann man Österreich in dieser Saison wohl getrost aus dem Blickfeld streichen. Einzige Lichtblicke im Moment: Kristina från Duvemåla in Helsinki und Bruno und Garou in Notre-Dame de Paris en concert im Bercy (aus Nostalgiegründen...)
AntwortenLöschenWas ist das denn bitte für ein Vorurteil? Hier spricht der Autor von einer Fehlbesetzung, obwohl er die Show nicht einmal selbst gesehen hat (denn der Eintrag ist vom 21.10. und die Premiere war am 23.10.). Ich bin gerade erst von einer "Sound of Music"-Pressereise aus Salzburg zurückgekehrt und durfte am 22.10. der Vorpremiere beiwohnen und in einem Pressegespräch Mitglieder der echten Trapp-Familie kennen lernen. Und ich kann sagen: In Salzburg haben sie ein wundervolles Musical mit wundervoller Besetzung auf die Bühne gebracht. Selbst Herr Kröger, der in jüngster Zeit immer wieder kritisiert wurde, hat seine Sache recht ordentlich gemacht. Die Inszenierung hat mich sehr an das London-Revival von 2006 erinnert. Übrigens wurde auf der Pressekonferenz am vergangenen Samstag gesagt, dass bislang 75% der 30 Vorstellungen in der Spielzeit 2011/2012 ausverkauft seien und von den Zuschauern nur 6% aus Österreiche und 10% aus Deutschland kommen, der Rest kommt aus dem Ausland. Dem "Sound of Music" in Salzburg dürfte ein Erfolg garantiert sein. Und ich finde, obwohl das Stück schon 52 Jahre auf dem Buckel hat, ist es weitaus sehenswerter als so manche Uraufführung der x-ten Compilationshow oder Filmadaption. Übrigens verstehe ich nicht, was der Autor dieses Beitrags generell gegen niederländische Musicaldarsteller hat (genauso wie ich es nicht verstehe, wie hier ein anonymer Kommentator etwas gegen einen deutschen Musicaldarsteller hat).
AntwortenLöschengez. Dominik Lapp, Chefredakteur thatsMusical.de
Ich kann mich dem nur anschließen. Wir haben das Musical gesehen und waren begeistert, eben und gerade auch von den Hauptdarstellern. Mehr kann ich dazu nicht anmerken. Reingehen, anschauen, es ist rundum gelungen und wird noch viel Erfolg haben.
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