Armes Dresden. Im 2.Weltkrieg vom Feuersturm verwürstet, im Kommunismus durch Bausünden verschandelt, heute von unbelehrbaren Dynamo-Hooligans in Verruf gebracht und nun auch noch das: Wie Semmel Concerts gestern abend mitteilte, soll Dresden ab Herbst 2012 Gastgeber für ein Jukebox-Musical mit den größten Hits von Roland Kaiser werden, das für sechs Wochen in den zum Theater umgebauten Alten Schlachthof einzieht. Da Semmel Concerts vor allem Tourneen veranstaltet, darf damit gerechnet werden, dass das Stück anschließend auch auf zahlreiche Stadthallen in der deutschen Provinz losgelassen wird. Wie gut, dass Herr Kaiser vor kurzem aus dem Vorruhestand zurückkehrte und mit neuer Tournee und neuer CD seine alten Fans wieder aus dem Sessel lockt.
Nichts gegen seine Edelschnulzen. Auch ich habe im fortgeschrittenen Stadium der Alkoholisierung schon “Santa Maria” gegrölt, ein Lied, das zu meiner lang entfleuchten Jugend ein absoluter Mega-Hit war. Aber anders als z.B. bei Udo Jürgens, dessen Texte oft tiefsinnig und voller Aussagekraft waren, kann man bei Roland Kaiser nun wirklich nur von seichten Schlagern um Herzschmerz und Sehnsucht sprechen. Braucht man dazu ein Jukebox-Musical mit einer "Geschichte um Liebe, Sehnsucht und Träume”? Reicht da nicht ein Retro-Abend in der Kellerbar mit alten Schallplatten, Käseigel und sieben Fässern Wein?
PS: Dresden hat bereits zwei geplante Musicalproduktionen auf Nimmerwiedersehen geschluckt (die erste "Elisabeth"-Produktion und das von Friedrich Kurz geplante Michelangelo-Projekt, um das es totenstill geworden ist). Vielleicht besteht Hoffnung, dass aller guten Dinge drei sind?

Zieht in Dresden nicht auch die Staatsoperette schon seit Jahren ins Zentrum? Zu gönnen wäre es ihnen allemal, die Produktionen haben mich noch nie enttäuscht, aber die Realität hinkt der Vision doch ziemlich hinterher, daher besteht in anderen Fällen ganz bestimmt Hoffnung ...
AntwortenLöschenDas dauert noch was:
AntwortenLöschenhttp://www.staatsoperette-dresden.de/neubau/
Die Staatsoperette bringt in der Tat manchmal hervorragende Premieren zu günstigen Preisen und ist mit den fragwürdigen Kommerzproduktionen, die dort geplant waren und und sind nicht zu vergleichen!