Der Musical Dome in Köln macht in letzter Zeit vor, wie eine sinnvolle Bespielung mit Tourneen der deutschen Musicalszene vermutlich besser bekommen würde, als das Beharren auf Sit Down-Produktionen, die sich nur noch ein Jahr bei schlechter Auslastung durch die Spielzeit schleppen. Abgesehen von einigen Ausnahmen, die aber auch bühnentechnisch so aufwändig wären, dass eine Tournee schlecht zu machen wäre und bei denen – der Erfolg vom “Löwenkönig” zeigts – das Publikum auch nach wie vor eine lange Anreise mit Übernachtung in Kauf nimmt. Kurz hintereinander ziehen nun “Elisabeth”, “Die Schöne und das Biest”, “Grease” und “Die Rocky Horror Show” in Köln ein und bleiben alle nur für einige Wochen, was reicht, um den lokalen Markt abzudecken. Würde Stage Entertainment dem Beispiel von BB Promotion und Semmel folgen und ihre weniger aufwändigen Shows und kleinere Produktionen ebenfalls auf Tournee schicken, könnten Theater wie der Musical Dome, das Colosseum und andere Spielorte die sich mühsam dahin schleppen, wunderbar ganzjährig mit kurzen Musicalspielzeiten gefüllt werden. Für Liebhaber könnte es sogar ein Abo mit rabattierten Karten geben…. Doch, ach, ich träume.
Zurück in die Realität: Das Musical “Elisabeth” geistert mittlerweile genauso rastlos und endlos durchs Land wie es seine historische Titelheldin tat und auch wenn ich eigentlich keine Lust hatte, mir das Stück noch einmal anzusehen, konnte ich eine Freikarte dann doch nicht ausschlagen. Immerhin gibt es eine junge frische Besetzung zu bestaunen und ein neues Bühnenbild. Das Bestaunen von letzterem hielt sich jedoch in enge Grenzen. Dass mit Projektionen gearbeitet wurde, störte mich an sich nicht. Dass diese Projektionen aber ausgesprochen billig wirkten, und aus Versatzstücken bestanden, die auch noch das Bühnenlicht reflektierten, war genauso ärgerlich wie die teilweise einfallslosen Projektionen, die aus der Neuen Hofburg am unteren Rand bestanden und ein paar Wolken, Bäumen oder anderen Gebäuden darüber.
Gespart wurde auch am Orchester, das eher als Band daherkam. Bei den poplastigen Songs war dies okay, aber “Ich gehör nur mir” in seinen zahlreichen Varianten verlor ohne üppige Streicher ganz extrem an Wirkung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal sage, aber: Da wäre es mir fast wirklich noch lieber, sie setzen gleich auf ein üppiges Orchester vom Band als auf eine derartige Sparversion live.
Gespart wurde auch am Orchester, das eher als Band daherkam. Bei den poplastigen Songs war dies okay, aber “Ich gehör nur mir” in seinen zahlreichen Varianten verlor ohne üppige Streicher ganz extrem an Wirkung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal sage, aber: Da wäre es mir fast wirklich noch lieber, sie setzen gleich auf ein üppiges Orchester vom Band als auf eine derartige Sparversion live.
Immerhin waren die alten üppigen Kostüme an Bord, wobei Franzls Bademantel für mich der heimliche Star der Show war. Wo bekommt man dieses Teil, ich möchte damit durch die Thermalbäder des Landes flanieren?
Da ansonsten die Originalfassung durchweg recycelt wurde, gab es nichts neues zu entdecken, was bei mir dann doch manchmal für Langeweile sorgte. Eine ganz frische Inszenierung wäre sicher spannender gewesen und hätte einige der seltsamsten Regieeinfälle des Herrn Kupfer ausgemerzt. Obwohl die Pferdchen in “Wir oder sie” wohl mittlerweile Kult sind; jedenfalls sind sie bislang noch in jeder Version aufgetaucht und bringen mich jedesmal zum Lachen.
Da ansonsten die Originalfassung durchweg recycelt wurde, gab es nichts neues zu entdecken, was bei mir dann doch manchmal für Langeweile sorgte. Eine ganz frische Inszenierung wäre sicher spannender gewesen und hätte einige der seltsamsten Regieeinfälle des Herrn Kupfer ausgemerzt. Obwohl die Pferdchen in “Wir oder sie” wohl mittlerweile Kult sind; jedenfalls sind sie bislang noch in jeder Version aufgetaucht und bringen mich jedesmal zum Lachen.
Nun also die Besetzung, die überraschenderweise fast vollständig in ihren Erstbesetzungen versammelt war: Seit Jahr und Tag ist die Titelrolle fest in holländischen Händen – warum, mag ein anderer wissen. Nun ist es also Annemieke van Dam, die bereits in ihrer zweiten Tournee als Elisabeth durchs Land zieht. Immerhin gelang es ihr, in mir wieder soviel Mitgefühl für die junge überforderte Elisabeth zu wecken, dass sie mich nicht als egoistische Zicke nervte und auch sonst schien sie mit wesentlich mehr Herzblut bei der Sache, als Pia Douwes, die in Essen ihr Programm nur noch runterzuspulen schien. Und dafür, dass “Ich gehör nur mir” ohne Streicher schrecklich blechern klang, konnte Frau van Dam natürlich auch nichts, zumal sie wohl auch stimmlich nicht ganz auf der Höhe war und ein paarmal krächzte wie ein Wellensittich. Für mich eine gute Elisabeth, die die Show trägt, aber auch nichts wirklich herausragendes. Zumal ihre Landsfrau Betty Vermeulen,die biestige Erzherzogin Sophie derartig grandios und haarscharf an der Grenze zur Satire spielte, dass ich dem alten Besen regelmäßig heimlich anfeuerte, Elisabeth zu zeigen, wo in der Hofburg der Hammer hängt.
Alles neu bei den Herren: Allzweckwaffe Mark Seibert, der wohl bestaussehende Leading Man, den Deutschland je produziert hat, darf sich nun als Tod versuchen und dies gelang ihm auch recht gut (auch wenn für mich Stanley Burleson einst die Meßlatte so hoch gehängt hat, dass seitdem niemand mehr daran gekommen ist). Der Tod hat sich über die Jahre immer weiter weg entwickelt von der androgynen Gestalt mit blonder Wallemähne als der er in Wien begonnen hatte und findet nun Vollendung als rockig-männlicher Tod, bei dem man wenigstens versteht, warum sich Elisabeth so begeistert an seinen Hals wirft. "Die Schatten werden länger" war für mich das Highlight des Abends, wobei auch Rudolf-Understudy Martin Markert trotz seiner etwas unglücklichen Ähnlichkeit mit Dumpfbacke Kenneth aus "30 Rock" ebenfalls durchweg überzeugte.
Als Franz-Josef hat Matthias Edenborn, selbst eigentlich rockig und gutaussehend genug für den Tod, die langweiligste Rolle im Stück, die sogar von seinem Bademantel überstrahlt wird, doch irgendwie wirkte er auf mich wie der ideale Franzl mit seinem dichten Haar und seinem buschigen Schnauzbart. Ein Kaiser zum Knuddeln, den man sich ins Regal stellen möchte als Erinnerung an die längst verflossene Monarchie.
Attentär und Che-Klon Lucheni hat sich in den letzten Jahren als Rolle für Newcomer etabliert und Kurosch Abbasi wusste zu begeistern. Der junge Mann, der u.a. schon in “Rent” und “Frühlings- erwachen” zu sehen war, brachte tonnenweise Charisma mit und verdient meinesachtens eine wirklich gute Rolle – ich hoffe die Stage hat ihn im Auge, wenn es bald darum geht, einen Zorro für Deutschland zu finden.
Attentär und Che-Klon Lucheni hat sich in den letzten Jahren als Rolle für Newcomer etabliert und Kurosch Abbasi wusste zu begeistern. Der junge Mann, der u.a. schon in “Rent” und “Frühlings- erwachen” zu sehen war, brachte tonnenweise Charisma mit und verdient meinesachtens eine wirklich gute Rolle – ich hoffe die Stage hat ihn im Auge, wenn es bald darum geht, einen Zorro für Deutschland zu finden.
Insgesamt war es durchaus ein lohnenswerter Abend, aber ich glaube, wenn ich die 84,90 Euro gezahlt hätte, die mein Platz normalerweise kostet, wäre ich doch etwas angesäuert gewesen über die billigen Bühnenbilder und den Sound. Dass einige “Bestplätze” zu diesem Preis verkauft werden, gut, aber die erste Preisklasse füllt fast das ganze Parkett aus und sogar noch die ersten Reihen im Balkon – auf den sich auch nur wenige Menschen verirrt hatten. Überhaupt war der Musical Dome nur zu zwei Dritteln gefüllt. Hier wird es wirklich an der Zeit, sich ein System zu überlegen, Restkarten günstig abzugeben – einen Halbpreis-Kiosk, wie es ihn nicht nur in London und New York gibt, sondern auch in Paris oder Wien, und wo ALLE Häuser ihre Restkarten abgeben können, Day Seats und ähnliches. 50 weitere Zuschauer, die 20 Euro bezahlt haben, sind immerhin noch 1000 Euro Einnahmen, 50 leere Stühle bringen gar nichts.





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