Überraschend schnell hat “Ghost” ein London Cast Recording veröffentlicht, das die Highlights der Show dokumentiert – eine recht gelungene Aufnahme, die leider auch die Einfallslosigkeit widerspiegelt, die das ganze Musical ausmacht. Natürlich hat jeder persönliche Gründe warum ihn das ein oder andere vielleicht mehr anspricht oder warum ihm etwas anderes nicht gefällt, aber es ist schon erstaunlich mit welch Pawlowschem Reflex alles was nach “Jukebox-Musical” riecht, in Grund und Boden geschimpft wird, während absolut unspirierte 1:1-Filmadaptionen hochgejubelt werden. Als ob es schwieriger wäre, ein paar 08/15-Nummern aufs Notenblatt zu schmieren als eine halbwegs interessante spannende neue Geschichte zu schreiben und bestehende Musik kunstvoll hineinzuweben.Sei’s drum – “Ghost” bietet ein paar nette Schnulzen, die vermutlich demnächst von jungen Musicalkünstlern bei Auditions und auf Konzerten zu Tode gesungen werden, bei denen vor allem (wie schon im Theater) Caissie Levy mit “With you” und “Nothing stops another day” (mein Favorit) begeistert. Daneben beeindruckt nach wie vor Sharon D. Clarke’s großer Auftritt mit “I’m outta here” und die Uralt-Schnulze “Unchained Melody”, die schon im Film zu hören war und für die man sich glücklicherweise die Rechte sichern konnte.
Dave Stewart und Glen Ballard reihen sich hier musikalisch nahtlos in die Reihe anderer Pop-Komponisten ein, die einzelne wirklich schöne Lieder schreiben können, aber keinen wirklich überzeugenden zusammenhängenden Soundtrack, wie ihn die wirklich guten Pop-Opern ausmachen, von “Jesus Christ Superstar” bis “Spring Awakening”. Wobei diese Stücke natürlich auch den Vorteil haben, eine gewisse Originalität mitzubringen und nicht nur einen Film bis ins Detail wiederzukäuen. Die Schmonzettenfans und Hen Parties in London werden jedoch “Ghost” lieben und das Stück sicher ein Weile laufen lassen. Bei mir werden’s wohl die 3-4 schönsten Songs in die “2011 Musicals Compilation”-Playlist auf dem iPod schaffen und das war’s dann. Wenn ich eine gelungene Herz-Schmerz-Geschichte hören will, greife ich lieber weiterhin zur OLC von "Love Story", jener kleinen bezaubernden Show, die leider im Winter viel zu kurz gelaufen ist und deren Musik wirklich berührt.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen