Dienstag, 30. November 2010

Die "Scottsboro Boys" verabschieden sich vom Broadway

Schade. Das letzte gemeinsame (und vielgepriesende) Werk des legendären Autorenduos Kander/Ebb verabschiedet sich nach schon 49 regulären Vorstellungen und 29 Previews vom Broadway. Davor lief es immerhin schon Off-Broadway und in Minneapolis und gewann u.a. den Lucille Lortel Award und den Outer Critics Circle Musical für Outstanding Musical jenseits des Broadway. Auch die CD bekam in den letzten Wochen viele gute Kritiken und machten auch mich neugierig auf das Stück. Doch nun schaffen die “Scottsboro Boys” es nicht mal bis Januar, wenn traditionell viele Stücke am Broadway schließen – bereits am 12.Dezember ist Schluss. Schade drum, aber mit sovielen neuen Stücken in den Startlöchern – darunter “Spiderman”, wo am Wochenende tatsächlich die erste Vorstellung vor zahlendem Publikum stattfand – sah man wohl keine Chance mehr für das mutige Stück.

Derweil scheint das schon öfter totgesagte “American Idiot” zumindest das große Musicalsterben im Januar überleben zu wollen: Wenn Tony Vincent am 30.Dezember die Show verläßt, steigt Green Day-Frontman Billie Joe Armstrong noch einmal für zwei Monate als St.Jimmy ein. Damit dürfte ein Auskommen für die Show bis Ende Februar gesichert sein – als Armstrong zum ersten Mal für eine Woche einsprang, verdoppelten sich die Auslastungszahlen für American Idiot.

Freitag, 26. November 2010

"Les Filles de Caleb" – CD-Kritik

Nach der Ankündigung der ersten Concept-CD von „Les Filles de Caleb“ vor drei Wochen durfte ich das gute Stück in dieser Woche nun endlich in Empfang nehmen und konnte gleich erfreut konstatieren: Das Warten hat sich gelohnt! Auf 15 Tracks gibt es hier einen ausführlichen Vorgeschmack der „Opéra-Folk“ von Michel Rivard, die auf den im französischsprachigen Kanada sehr beliebten Jugendbüchern von Arlette Cousture basieren. Später darf man hoffentlich mit einer „Intégrale“ und einer DVD rechnen. Der Untertitel Opéra-Folk ist hier auch Programm, denn die 15 Tracks kommen ausgesprochen folkloristisch daher (nur leider manchmal etwas zu synthesizerlastig) mit Akkordeon, Banjo und Mandoline – da fühlt man sich fast wie im Wilden Westen auf der Prärie (und manchmal auch wie beim Heringsfestival an der Nordsee, aber das nur nebenbei).

Das Stück erzählt die Geschichte von Calebs Tochter Émilie Bordeleau (Luce Dufault) die Ende des 19.Jahrhunderts auszieht um Lehrerin zu werden und sich in den Tunichtgut Ovila Pronovost (Daniel Boucher) verliebt. Sie verlobt sich trotzdem zunächst mit dem soliden Douville, der auch ihren Eltern besser gefällt, doch Douville begreift, dass sie einen anderen liebt und bricht die Verlobung. Émilie heiratet ihren Ovila und gibt ihren Beruf auf um sich um die wachsende Kinderschar zu kümmern, doch die Ehe wird nicht glücklich. Ovila flüchtet sich in den Alkohol, Émilie kehrt in den Beruf zurück. Ihre erwachsene Tochter Blanche (Stéphanie Lapointe) will die Fehler der Mutter nicht wiederholen, unabhängig und frei bleiben. Sie verliebt sich in den gutaussehenden Napoléon (Bruno Pelletier), der sich jedoch zum Priester weihen lässt. Als Krankenschwester geht sie nach Abitibi im nördlichen Quebec, wo sie Clovis kennen- und liebenlernt. Mit ihm hat sie eine Tochter, Élise, die dritte Generation von „Calebs Frauen“. Clovis kommt jedoch bei einem Zugunglück ums Leben. In den 60’er Jahren tritt die nun erwachsene Élise ihren Weg in die Zukunft an.

Mit „Les Filles de Caleb“ scheint man auch in Kanada zu Stücken mit starker regionaler Identifikation zurückzukehren, so wie es z.B. „Billy Elliot“ in Großbritannien mit den Chorstücken der Kumpels im Bergbau vorgemacht hat und „Ciske de Rat“ mit typisch niederländischen Klängen. Sehr wohltuend für mich sind auch die realistischen, eher unaufregten Schicksale von Émilie und Blanche – hier geht es um leise Töne, zarte Gefühle und innere Stärke – Zeichnungen mit einem zarten Pinsel und nicht mit der breiten Malerbürste und mit ganz viel Herz. Unter den Liedern ist keines, das negativ aus dem Rahmen fällt – etwas schade finde ich lediglich, dass die Musik stilistisch immer gleich klingt und nicht den Verlauf der Jahrzehnte widerspiegelt indem man bei Blanche in den 40’er Jahren ein wenig Jazz hört oder bei Élise schliesslich die Vorboten des Rock. Aber das wäre wohl auch nicht im Sinne einer „Opéra-folk“.

Anspieltipps sind für mich die schönen Duette „A nous la nuit“ von Émilie und Ovila und „Une lettre à la fois“ von Napoléon und Blanche, das zarte „Dans mon silence“ von Émilies Freundin Berthe (Catherine Sénart), die dem Karmeliterorden beigetreten ist und der Gute Laune-Song „Joue de l’accordéon!“ mit dem Caleb (Yves Lambert) der jungen Émilie erklärt, wie man die Sorgen vertreibt. Für alle Fans von melodiösen kleinen Musicals ein absoluter Tipp!

Donnerstag, 25. November 2010

Mambo statt Hexen in Oberhausen

Zeit für den Gähner des Jahres: Stage Entertainment hat mitgeteilt, dass „Wicked“ nur noch bis August 2011 im Metronom Theater Oberhausen spielt – danach kommt „Dirty Dancing“. Wer jetzt noch überrascht ist oder sich ärgert, ist es selbst schuld. Der Standort West ist für diese Produktion noch nicht abgegrast und DD gehört zu den wenigen Stücken der Stage die sich scheinbar in den letzten Jahren rentiert haben. Und was des Musicalfreundes Leid, ist dann auch des Produzenten Freud: Es gibt in NRW nach dem Aus des Colosseum und des Musical Dome keine nennenswerte Konkurrenz mehr. Den Dauerläufer „Starlight Express“ kann man schwerlich mitzählen.
Vielleicht schafft es die Klokowsche Konkurrenz bis dahin ihr nächstes Kaninchen „Meine verrückte türkische Hochzeit“ in Düsseldorf aus dem Hut zu zaubern, aber so vielversprechend das Thema und der Komponist (der von mir sehr geschätzte Martin Lingnau) auch ist, fürchte ich hier das klassische wat der Buur nit kennt...-Szenario. Was man dem Bauern bei den Preisen nicht mal verdenken kann. Und für Frauen dürfte es durchaus eine verlockende Combo sein: Erst Shoppen im Centro und dann Dirty Dancing. Die Herren der Schöpfung können ja derweil in der Veltins-Arena oder beim BVB geparkt werden.

Sei’s drum, der an frischen neuen Musicals interessierte Musicalfan hat wohl ohnehin längst die Flucht über den Kanal oder den Atlantik angetreten – und wer einen vergnüglichen Abend erleben will, bei dem das Gehirn an der Garderobe abgegeben werden darf, der ist mit Dirty Dancing nun auch nicht sooo schlecht bedient.

Mittwoch, 24. November 2010

"Spiderman" - der erste Teaser-Trailer

Jaja, wir reden trotzdem vom Musical und nicht von einem Film. Der nette Appetithappen wurde gestern veröffentlicht und gibt schonmal einen ersten Vorgeschmack auf die Flugstunts der Show:

Montag, 22. November 2010

"Oklahoma!" konzertant in Köln

Nicht nur am Landestheater Detmold in der westfälischen Provinz kann man im kommenden Frühling das viel zu selten gespielte Musical “Oklahoma!” von Rodgers/Hammerstein erleben. Der WDR zeigt mit seinem Rundfunkorchester und –chor eine einmalige konzertante Aufführung im Klaus von Bismarck-Saal im Kölner Funkhaus am Wallrafplatz am 26.02.2011 – mit hochkarätiger Besetzung. Patrick Stanke gibt den Curly, Jana Stelley die Ado Annie und Ethan Freeman ist sich nicht zu schade die Sprechrolle des Ali Hakim zu übernehmen. In den weiteren Hauptrollen sind Regina Lemnitz als Aunt Eller, Patrick Schenk als Will Parker und Wilfried van Brande als Jud Fry zu sehen. Und die klassische Sopranistin Desiree Brodka als Laurey. Wollen wir mal hoffen, dass das gut geht. Die musikalische Leitung liegt bei Rainer Roos, der zuletzt in Magdeburg mit gelungenen Aufführungen von u.a. "Jekyll & Hyde" und "Titanic" Eindruck machte.

Das Konzert ist schon so gut wie ausverkauft, ein paar der erstaunlich billigen Karten sind jedoch noch da (maximal 17 Euro, dazu kommt allerdings die Eventim-Abzocke mit 4,90 Euro-Zwangsgebühren für das Verschicken). Wer nicht live dabei sein kann, kann sich die Ausstrahlung im Radio auf WDR 4 am 12.März geben.

"Crazy for you" am Open Air Theatre Regents Park

Nach dem riesigen Erfolg von "Into the Woods" im vergangenen Sommer, kramt das Open Air Theatre im Regents Park in London für die kommende Saison den Gershwin-Klassiker "Crazy for you" heraus – amüsanterweise parallel zu Tecklenburg in Deutschland. Wer dabei sein wird, steht noch nicht fest – aber wer einen Besuch im Open Air Theatre für die nächste London-Reise einplanen will, kann sich bereits die Spieldaten merken: 28.Juli bis 10.September. Die Choreographie des Tanzmusicals liegt bei Stephen Mear, der bereits einen Olivier für die Choreographie von "Hello Dolly" gewann, dem großen Hit der Saison 2009.

Samstag, 20. November 2010

"Rebecca" ab Frühjahr 2011 in London?

Das jahrelange Drängen der VBW Richtung London und Broadway scheint endlich Früchte zu tragen: Gestern wurde in der österreichischen Presse offiziell verkündet, dass "Rebecca" im Frühling 2011 im Shaftesbury Theatre in London Premiere haben soll. Interessanterweise weiss man beim heutigen Mieter des Shaftesbury, der Bühnenversion von "Flashdance", noch gar nichts von einem bevorstehenden Aus. Allerdings lief der Kartenvorverkauf von Anfang an so schleppend, dass es wenig Sinn macht, die Show über die aktuelle Buchungsperiode bis Ende Februar zu verlängern.

Bleibt abzuwarten, ob die VBW und ihre angloamerikanischen Co-Produzenten nun auch bald überzeugende Darsteller/innen präsentieren, mit denen sie die Werbetrommel rühren können. Lisa O'Hare, Julian Ovenden und Anna Francolini, die im ersten Workshop dabei waren, sind sicher versierte Musicaldarsteller, verlocken aber niemanden zum Ticketkauf. Und ob wenigstens die schlimmsten Peinlichkeiten der Originalfassung ersatzlos gestrichen wurden, das altbackene Herumreiten auf nationalen Klischees in "I'm an American Woman" und "We are British" (hui, das wird den europhoben Briten gerade besonders runtergehen wie Öl).

Es gibt auch in Großbritannien genug Musicalfans die sich eine Rückkehr zur Schmonzettenseligkeit der 90er Jahre wünschen, als auf den West End-Bühnen gelitten, gejammert und gestorben wurde, was die klassische Literatur hergab und "Rebecca" ist sicher nicht der schlechteste Stoff. Das Problem der banalen holprigen Songtexte der Originalfassung könnte Christopher Hampton vermutlich ausbügeln. Ob das Publikum die Musik von Sylvester Levay goutiert, ist eine andere Frage. Alles was vom Kontinent kommt, wird auf der Insel gerne als "Eurotrash" in die Tonne gekloppt. Die Franzosen, deren erfolgreichste Shows "Notre Dame de Paris" und "Romeo & Juliette" in London scheiterten, können ein Lied davon singen. Und auch wenn "Rebecca" kein schlechtes Musical ist, ist es eben auch kein überragend gutes. Ich hatte seinerzeit einen guten Abend im Raimund Theater und fühlte mich gut unterhalten, doch ich hatte seitdem weder das Bedürfnis die Show noch einmal zu sehen noch die CD zu spielen. Und wenn man bedenkt, wieviele wirklich vielversprechende Shows in den letzten Jahren in London gescheitert sind, sehe ich ziemlich schwarz für "Rebecca". Vor allem wenn noch der Fluch des Shaftesbury Theatre hinzukommt, wo keine einzige Show in den letzten zehn Jahren ein echter Hit wurde (Auch "Hairspray" lief nur so lange gut wie Michael Ball dabei war und war keineswegs der Hit, der es am Broadway gewesen war).

Aber wenn die VBW nach dem "Dance of the Vampires"-Debakel eine weitere Lektion darin brauchen, dass am West End und Broadway andere Gesetzmäßigkeiten und Ansprüche herrschen als auf dem Kontinent, sei's drum. Ich kann den Wunsch verstehen mit eigenproduzierten Werken international Kasse zu machen, aber ich kann nicht verstehen, warum seit Jahren wie besessen nach London und New York geschielt wird, statt sich einfach darauf zu konzentrieren, wie man das heimische Publikum mit tollen neuen Produktionen glücklich macht. Das scheint in Frankreich oder Benelux ja auch gut zu funktionieren, vor allem in den Niederlanden, wo Joop van den Ende vor Jahren auch meinte den Broadway stürmen zu müssen und sich mit "Cyrano" ordentlich die Finger verbrannte. Mittlerweile feiert man dort die größten Erfolge mit einheimischen Themen wie "Ciske de Rat" und nun "Soldaat van Oranje" oder "Volendam". Auch jenseits der Habsburger würde es sicher genug interessante Stoffe aus Österreich geben, die man an den VBW entwickeln und zum Erfolg führen könnte, statt immer nur nach London und New York zu schielen als ob nur dort der heilige Gral versteckt liegt, während das heimische Publikum nur noch aufgewärmte Konserven vorgesetzt bekommt.

Mittwoch, 17. November 2010

"Aladdin" nächsten Sommer am Broadway?

Komponist Alan Menken zeigte sich im Vorfeld von "Sister Act" am Broadway ausgesprochen gesprächig. Neben dem Gerücht, dass Angela Lansbury – vor kurzem noch als Mrs Armfeldt in "A Little Night Music" gefeiert – in der Rolle der Mutter Oberin in "Sister Act" wieder am Broadway auf der Bühne stehen könnte, sprach er vor allem von den Vorbereitungen für eine echte Musicalfassung von Disneys "Aladdin".
Eine kurze Fassung in der Regie von Francesca Zambello wird schon seit Jahren im Disneyland Kalifornien gespielt, doch angeblich könnte schon im Sommer 2012 ein echtes Musical am Broadway Premiere feiern. Zusammen mit Chad Beguelin, dessen "Elf" gerade als Weihnachtsmusical in New York Premiere hatte, schreibt Menken an neuen Songs, die die Filmsongs mit den Texten von Howard Ashman und Tim Rice ergänzen werden. Beguelin überarbeitet auch das Buch von "Aladdin". Hoffentlich wird etwas daraus – "Aladdin" erscheint mir als Bühnenstoff ungefähr 1000x geeigneter als z.B. "Dumbo", über das letztes Jahr spekuliert wurde. Auch eine Broadway-Aufführung von Berlins "Glöckner von Notre Dame! wurde wieder mal von Menken ins Gespräch gebracht.

Sonntag, 14. November 2010

"Mutiny!" – London Cast 1985

Mit der Umstellung von Vinyl auf CD Ende der 80er Jahre verschwanden viele ältere Musicals in der Versenkung, wenn Produzenten und Rechteinhaber keinen Sinn darin sahen, sie auf CD neu heraus- zubringen. Das mag oft gerechtfertigt gewesen sein, doch manchmal verschwanden so auch Stücke, die ein Weiterleben verdient hätten. Ein solches Stück ist das Pop-Musical “Mutiny!”, das im Jahr 1985 im Londoner Piccadilly Theatre gespielt wurde und von dem damals gleich zwei LP’s erschienen – zunächst ein Konzeptalbum und später das Castalbum (mit identischer Besetzung). Mit 25 Jahren Verspätung erscheint nun das Castalbum zum ersten Mal auf CD und ist es wert, das Werk einmal vorzustellen:

“Mutiny!” basiert auf einem der berühmtesten Seemannsgarne aller Zeiten, der Meuterei auf der Bounty, die auch schon Grundlage für drei Filme und etliche Bücher war. Dabei las sich die Geschichte in früheren Zeiten etwa so: Der herrische strenge Captain Bligh, der die HMS Bounty nach Tahiti segeln soll, um dort Brotfrüchte einzusammeln und diese in die Karibik zu bringen wo sie als billige Nahrung für die Sklaven auf den Plantagen dienen sollen, terrorisiert seine Crew, die schliesslich unter der Leitung des schönen jungen Offiziers Fletcher Christian meutert. Bligh und einige Getreuen werden in einem kleinen Boot ausgesetzt, Christian und seine Leute flüchten mit ihren Südseeschönheiten vor dem langen Arm der Navy auf das kleine einsame Inselchen Pitcairn, wo bis heute noch ihre Nachfahren leben.
Erst in den letzten 20 Jahren erhielt Captain William Bligh nachträglich Gerechtigkeit, u.a. in der letzten Verfilmung des Stoffes mit Anthony Hopkins und Mel Gibson, in der deutlich wurde, dass Bligh kein herrischer Tyrann war sondern lediglich ein Kapitän, der seine Befehle ausführen und die Bounty in die Karibik bringen wollte, während Christian und seine Männer einfach keinen Bock hatten, das Inselparadies Tahiti und ihre polynesischen Liebhaberinnen zu verlassen. Auch die schier unglaubliche Navigationsleistung von Bligh, der das Boot über tausende Seemeilen durch den Pazifik bis zur niederländischen Kolonie Timor nördlich von Australien brachte und seinen Männern so das Leben rettete (und dafür sorgte, dass die Navy von der Meuterei erfuhr), wurde erst spät anerkannt, während Christians Getreue sich auf der Bounty und später auf Pitcairn bald gegenseitig umbrachten. Doch das alles nur nebenbei.

“Mutiny!”, damals ein Vehikel für Popstar David Essex, der Fletcher Christian spielte, folgt der traditionellen Leseart mit Bligh als Bösewicht und Christian als Helden. Frank Finlay stand als William Bligh auf der Bühne, Popstar Sinitta spielte Christians polynesische Geliebte Maimiti und brachte mit “Tahiti” eine Single-Auskopplung der Show als Pophit in die Charts. Bilder belegen, dass die Aufführung im Piccadilly Theatre sehr beeindruckend gewesen sein muß mit dem Nachbau der Bounty auf der Bühne und hübschen Inselkulissen. Die Musik schwankt zwischen typischer Popmusik der 80’er Jahre und traditionellen Shantys und Volksmusik, die das Leben an Bord der Bounty lebendig machen. Neben dem bereits erwähnten “Tahiti”, das auch heute noch für jede Strandparty taugt, gibt es weitere schöne Songs wie “Friends” und “Fallen Angels Riding”. Mit überarbeiteten Orchestrationen könnte “Mutiny!” auch heute noch ein großartiges Bühnenmusical abgeben – vielleicht wird die neue CD den ein oder anderen Produzenten inspirieren.

Gunilla Backman sjunger Andrew Lloyd Webber

Vor 20 Jahren gehörte es für jeden ambitionierten Musicalstar zum guten Ton ein Album mit den großen Hits von Andrew Lloyd Webber aufzunehmen, der damals als uneingeschränkter König der Musicalszene galt. Seit seinem letzten halbwegs respektablen Hit “Sunset Boulevard” von 1993 konnte der zum Lord geadelte Komponist nie mehr an seine alten Erfolge anknüpfen und heutzutage nimmt kaum noch jemand ein “Best of ALW” auf. Was eigentlich schade ist, denn auch in den neueren Shows gab es doch einige Juwelen zu entdecken und sie krankten in meinen Augen auch nicht an der Musik, sondern entweder an dümmlichen Songtexten (The Beautiful Game), abstrusen Büchern (Love never dies) oder einer völlig danebengegangenen Inszenierung (The Woman in White – viktorianische Schauergeschichte meets Videospielästhetik). So hört man neue schöne Songs von ALW eher selten, während alte Perlen in Vergessenheit gerieten.

Umso erfreulicher ist da die CD der schwedischen Musicalsängerin Gunilla Backman, die als Norma Desmond in “Sunset Boulevard” an der Göteborgsoperan auf der Bühne stand, und hier ein “Best of ALW” auf schwedisch zum besten gibt, opulent begleitet vom Symphonieorchester der Oper in Göteborg. Viele Songs sind zum ersten Mal auf schwedisch zu hören und reizen den Sammler, der in den letzten Jahren bedauerlich wenig Futter bekam. Den Auftakt machen die “großen drei” aus Sunset Boulevard: “Med en blick”, “Vårt bästa år” und “Som om vi aldrig sagt farväl” die Frau Backman ganz hervorragend interpretiert. Dazu gesellen sich einige typische Webber-Klassiker wie “Memory” (Minne) und “Don’t cry for me Argentina” (Sörj inte mig Argentina), sowie unbekanntere Lieder wie “There is more to love” aus “Aspects of Love” (Kärlek kan vara mer). Auch aus “Love never dies” ist schon etwas dabei und zwar der Titelsong, der damit zum ersten Mal in einer anderen Sprache gesungen wird (“Kärlek består”) – wobei dies natürlich eine fragwürdige Aussage ist, denn der Song wurde ja aus “Beautiful Game” recycelt, wo er noch “Our kind of love” hieß und auch in andere Sprachen übersetzt wurde. Und in Gunilla Backmans eher typischer Musicalversion dann auch viel mehr an diese Version erinnert als an die klassische Arie die Sierra Boggess in “Love never dies” zum besten gibt.

Für Fans von Andrew Lloyd Webber (zu denen ich mich fraglos noch immer zähle) ist dieses Album endlich nochmal ein lohnenswerter Neuzugang mit vielen interessanten Songs in einer neuen Sprache, wunderbar gesungen und sattem Orchesterklang – den man auf einer 2.CD sogar nochmal konzertant genießen kann.

Samstag, 13. November 2010

"Sunset Boulevard" feiert in Magdeburg Premiere

Wenn sich einmal ein staatlich subventioniertes Theater dazu aufrafft, ein neues Musical auf die Bühne zu bringen, ist mir dies eine Meldung wert – auch wenn ich selbst nicht hinfahren werde. In diesem Fall ist es das Opernhaus in Magdeburg, das Andrew Lloyd-Webbers "Sunset Boulevard" als erstes Stadttheater in Deutschland zur Aufführung bringt. In den Hauptrollen sind Marianne Larsen als Stummfilm-Diva Norma Desmond und Nikolaj Alexander Bruckner als junger Drehbuchautor Joe Gillis, der sich auf sie einläßt, zu sehen, die Regie stammt von Stefan Huber, dem wohl emigsten deutschsprachigen Musicalregisseur neben Matthias Davids. Die Fotogalerie auf der Website des Opernhauses lässt auf eine typische Stadttheater-Inszenierung schließen, hübsch, zweckdienlich und vermutlich auch völlig ausreichend. Schon die niederländische Tournee hatte schliesslich bewiesen, dass "Sunset Boulevard" auch ohne das opulente Brimborium der Originalfassung auskommt (so hübsch diese auch anzusehen war) und teilweise sogar noch viel intensiver ist, wenn wirklich die Charaktere und ihre Emotionen im Mittelpunkt stehen.
Gratulation an die Magdeburger Intendantin Karen Stone für ihren Mut – ja, genau jene Karen Stone, die sich im letzten Jahr einen schriftlichen Schlagabtausch im Netz mit dem beleidigten Carsten Lepper ausgesetzt sah und anschließend durch einen alkoholgetränkten verbalen Schlagabtausch mit der Magdeburger Polizei auffiel. Liebe Frau Stone, trinken Sie soviel Sie wollen, wenn Sie dafür weiterhin soviel Mut bei der Spielplangestaltung zeigen, es ist mir hundertmal lieber als die biederen Bürokraten in den anderen Stadttheatern und ihre strunzöden ewig gleichen Repertoires. Von Ihrem Landsmann Lloyd-Webber warten ja noch "Whistle down the wind" oder "The Woman in White" auf ihre deutschsprachige Uraufführung. Bei letzterem würde man mich dann wohl auch mal in Magdeburg sehen. Aber jetzt erstmal toi, toi, toi für "Sunset Boulevard".

Donnerstag, 11. November 2010

"Next to Normal" geht, "Catch me if you can" kommt

Eine Überraschung ist es nicht mehr: Wie schon oft gemunkelt wird "Next to Normal" am 16.Januar 2011 die Pforten am Broadway schließen. Damit wird das Stück 21 Previews und 733 offizielle Vorstellungen gespielt haben, drei Tony Awards und den renommierten Pulitzer Preis gewonnen haben und weiterhin mit Original-Diana Alice Ripley auf US-Tournee sein. Die Autoren Tom Kitt und Brian Yorkey können stolz sein auf diesen kleinen Überraschungshit – endlich einmal wieder ein komplett neues Stück mit neuer Musik und selbst geschriebenem Buch, das noch dazu ein aktuelles Thema sehr intelligent und bewegend anpackte.

Immerhin: Dafür gab einer der zu erwartenden großen Hits der kommenden Saison endlich die Besetzung bekannt. In "Catch me if you can", das am 10.April im Neil Simon Theatre Premiere feiert, wird Ex-Next to Normal-Star Aaron Tveit als Frank Abagnale Jr auf der Bühne stehen, der in der Filmversion von Leo diCaprio verkörpert wurde. Sein Gegenspieler vom FBI, Carl Hanratty, wird von Norbert Leo Butz gespielt, für den diese Rolle ein Trost sein dürfte, nachdem die geplante TV-Serie "The Miraculous Year" über einen Broadway-Komponisten, von HBO doch nicht produziert wird. In weiteren Hauptrollen sind Tom Wopat als Abagnale Sr und Kerry Butler als Brenda Strong dabei. Musik und Texte stammen vom Hairspray-Team Marc Shaiman und Scott Wittmann und versprechen eine sehr unterhaltsame, wenna uch nicht sehr originelle, Show.

Mittwoch, 10. November 2010

Neuer "Carrie"-Workshop in New York

Die Vorbereitungen für die Off-Broadway-Premiere des legendären Flops "Carrie" gehen weiter. Am gestrigen Dienstag fand ein weiteres Reading statt, bei dem wieder Marin Mazzie als Margaret White und Molly Ranson als Carrie dabei waren. Dazu kamen eine ganze Reihe weiterer illustrer Broadwy Namen wie Aaron Tveit, Annaleigh Ashford und Jenn Gambatese. "Carrie" soll in der Saison 2011/12 am Lucille Lortel Theatre in der Regie von Stafford Arima aufgeführt werden. Das Creative Team Michael Gore (Musik), Dean Pitchford (Songtexte) und Lawrence D. Cohen (Buch) haben das Stück noch einmal gründlich überarbeitet.
Ich vermute ja fast, dass die Spielzeit von "Carrie" ein Selbstläufer wird – aus undefinierbaren Gründen wurde "Carrie" in den letzten 20 Jahren zu DEM Flop schlechthin hochstilisiert, was genügend Leute neugierig auf das Stück gemacht hat und die Demos, die seither in Fankreisen in Umlauf waren, dürften genug Fans davon überzeugt haben, dass "Carrie" wirklich nicht so schlecht ist, wie damals getan wurde. Vielleicht lag’s auch einfach am Thema: Stephen Kings blutrünstiger Bestseller, der in den 80’er Jahren zusammen mit "Sie" und "Es" in keinem Buchregal fehlen durfte, scheint nach wie vor ein seltsamer Stoff für ein Musical zu sein.

Dienstag, 9. November 2010

"Dorothy of Oz" kommt 2012 ins Kino

Während Musicalfans auf eine Verfilmung von "Wicked" warten, kommt erstmal eine Fortsetzung des Originals "The Wizard of Oz" ins Kino – als Animationsfilm in 3D. Summertime Entertainment hat nun die ersten Bilder aus dem Film veröffentlicht und die Website www.dorothyofoz.com in Betrieb genommen (auf der allerdings noch nicht viel los ist). Wie schon das Original soll auch die animierte Fortsetzung ein Filmmusical werden, für das u.a. Bryan Adams neue Musik verfasst. Playboybunny Glee-Star Lea Michele wird Dorothy sprechen und singen, daneben sind die Comedy-Schwergewichte Kelsey Grammer (Tin Man), Dan Aykroyd (Scarecrow) und James Belushi (Cowardly Lion) dabei, sowie etliche neue Figuren, darunter Wiser the Owl (Oliver Platt), Tugg (Parick Stewart), Marshall Mallow (Hugh Dancy), die China Doll Princess (Megan Hilty) und als Fiesling des Stückes der Jester (Martin Short).

In der Fortsetzung kehrt Dorothy wieder nach Oz zurück, als sie hört dass ihre drei Freunde verschwunden sind um sie und ihr geliebtes Land aus den Klauen des bösen Jester zu befreien. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Roger Stanton Baum, dem Urenkel von L.Frank Baum, der einst "The Wizard if Oz" geschrieben hatte. Die Animationsentwürfe stammen von Seth Engstrom, der bereits bei den visuell mehr als beeindruckenden 3D-Filmen Avatar und Alice in Wonderland dabei war. Man darf gespannt sein.

Sonntag, 7. November 2010

Eine trubelige Woche am Broadway

Es war was los rund um den Times Square. Zuerst schossen die Kritiker die eigentlich vielversprechende Musicalversion von Almodovars "Women on the verge of a nervous breakdown" mit vernichtenden Kommentaren ab. Vor allem das Buch von Jeffrey Lane, die Musik von David Yazbek und die Regie von Bartlett Sher kamen unter die Räder. Ben Brantley von der NY Times bezeichnte das fahrige Regiekonzept als "coitus interruptus, ad infinitum" während das Wall Street Journal wohl die beste Zusammenfassung lieferte: "Instead of breaking new creative ground, Mr. Lane's book tracks Mr. Almodóvar's setting and plot slavishly, salting his script with unfunny one- and two-liners that serve only to dilute the crisp, elliptical dialogue of the screenplay. As for Mr. Yazbek's songs, they're as forgettable as Muzak in a noisy restaurant, with dull music and even duller lyrics" – Schade um die vergebene Chance, einen Film der sich wirklich mal für eine Bühnenadaption eignet, angemessen zu verwursten.

Derweil kommt Spiderman noch immer nicht in die Gänge. Die Premiere wurde schon wieder verschoben – diesmal auf Januar. Immerhin: Anders als bei vielen Musicals wo noch verzweifelt versucht wird, ein schlechtes Buch oder lauwarme Musik irgendwie zu verbessern, sind die Probleme bei Spidy technischer Natur. Der Spinnenmann fliegt noch nicht so richtig durchs Theater wie Julie Taymor es sich gedacht hat. Das kann man verzeihen. Denn auch wenn viele Musicalfans Spidy wohl als aufgeblasenes hirnloses Spektakel niedermachen werden, finde ich es nach wie vor begrüßenswert, dass endlich noch einmal etwas ganz neues versucht wird – ähnlich wie es in den 80’er Jahren ALW getan hatte mit seinen tanzenden Katzen und rollschuhfahrenden Zügen und danach Les Mis & Co die opulent ausgestattete Schluchzoper einführten. Wenn es Julie Taymor mit Spiderman gelingt, wieder einmal etwas völlig neues zu erschaffen – in diesem Fall wohl die "Luftakrobatik" mit der Spidy und Co durch das Foxwoods Theater fliegen sollen, bin ich stark dafür. Und bis ich die Show Ende Mai sehen kann, ist noch genug Zeit um die Premiere meinetwegen noch zweimal zu verschieben :)

Was es schon lange nicht mehr gegeben hatte am Broadway, trat ebenfalls in dieser Woche ein: Demonstranten die gegen eine Show protestierten. In diesem Fall ging es um "The Scottsboro Boys" von Kander/Ebb, das den Fall einer Gruppe junger Schwarzer aufgreift, die in den 30’er Jahren verdächtigt wurde, zwei weiße Frauen vergewaltigt zu haben und vom durchweg weißen Justizsystem keine Chance bekamen ihre Unschuld zu beweisen. Der Fall schlug hohe Wellen und begründete schließlich auch das Civil Rights Movement. Das Musical bettet die Geschichte in eine sogenannte Minstrel Show ein, die damals sehr popular und unglaublich rassistisch waren – weiße Darsteller, die sich Schwarz anmalten und Schwarze als minderwertige Menschen darstellten. Und das brachte nun eine Gruppe Demonstranten, die sich Freedom Party nannten, in Rage. Mit Schildern bauten sie sich vor dem Theater auf und beschimpften die Musicalbesucher als Rassisten. Wie in solchen Fällen üblich hatte die Freedom Party ihre Hausaufgaben nicht gemacht: Im Musical werden die Rollen von Schwarzen gespielt und die "Minstrel Show" dient vor allem als Vehikel um eben den Rassismus von damals aufs Korn zu nehmen. John Kander dürfte sich freuen – mit seinem 2004 verstorbenen Partner Fred Ebb hatte er schon immer ein Händchen für kontroverse politische Themen, die nicht nur unterhielten sondern auch zum Nachdenken anregten, u.a. mit "Cabaret", "Chicago" und "Kiss of the Spiderwoman". Nun gelang es ihnen – der eine mittlerweile 83 Jahre alt, der andere im Grab – wieder eine neue Kontroverse am Broadway zu entzünden, während soviele wesentlich jüngere Autoren nur leichtgewichtigen Fluff zusammenkriegen. Respekt, meine Herren!

"Bright Lights, Big City" endlich in London

Mit einiger Verspätung feiert das Off-Broadway-Musical “Bright Lights, Big City” morgen in London Premiere in der kleinen Hoxton Hall. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jay McInerney aus dem Jahr 1984, das damals treffend den aufkommenden Yuppie-Lifestyle der 80er Jahre in New York beschrieb und vier Jahre später mit Michael J. Fox in der Hauptrolle auch erfolgreich verfilmt wurde. Der bis dahin namenlose Held aus dem Buch hieß nun Jamie, der sich mit Koks und Alkohol und seinem besten Freund Tad durch die New Yorker Nächte feiert um seine Exfrau Amanda zu vergessen und den verdrängten Tod seiner Mutter.

Aus dem Stoff machte der Schotte Paul Scott Goodman ein Musical, das 1999 am New York Theatre Workshop uraufgeführt wurde und dort den Erfolg von “Rent” wiederholen sollte. Daraus wurde nichts, denn die hemmungslos egoistische Yuppieszene der 80’er hat nunmal nicht das Herz und die Wärme, die “Rent” ausmachte. Immerhin brachte Sh-K-Boom-Records mit fünfjähriger Verspätung noch eine CD heraus, die die durchaus hörenswerte Popmusik von Goodman festhielt. In den Hauptrollen waren u.a. Patrick Wilson als Jamie, Jesse L. Martin als Tad, Christine Ebersole als Clara und Sherie Rene Scott als Vicky zu hören. Fans von Popmusicals wie “Rent” und “Spring Awakening” sei die CD durchaus empfohlen.

In London werden u.a. Paul Ayres als Jamie und Rachael Wooding als Amanda zu sehen sein. Gespielt wird von 8.-25.November.

Freitag, 5. November 2010

"Rent" wieder in New York

Obwohl Jonathan Larsons “Rent” erst 2008 nach insgesamt 14 Jahren in New York und 5124 Vorstellungen am Broadway schloß, soll es schon im kommenden Jahr ein Revival geben. Diesmal jedoch wieder Off-Broadway in den New World Stages Theatern. Regie führt wie schon beim Original wieder Michael Greif, der jedoch eine neue Regie, neue Bühnenbilder und neue junge Darsteller versprochen hat. Die „Nobodies“ der Uraufführung 1994 wurden dank „Rent“ fast alle zu Stars, darunter Taye Diggs, Adam Pascal und Idina Menzel.

Angeblich wurde das Interesse an „Rent“ frisch geweckt durch die konzertante Aufführung in der Hollywood Bowl in der Regie von Neil Patrick Harris letzten Sommer. Die Premiere ist für Juni vorgesehen – eine kuriose Wahl, denn dann schließen viele Shows wenn sie keine oder nicht genug Tonys gewonnen haben um durch den auslastungsschwachen Sommer zu kommen. Andererseits dürfte „Rent“ die zahllosen Schüler und Studenten anziehen, die dann Ferien haben.

Donnerstag, 4. November 2010

"Houdini" mit Hugh Jackman 2012 am Broadway?

Das Gerücht eines Musicals über den legendären Zauberer Houdini hält sich schon länger. Es soll speziell für Megastar Hugh Jackman geschrieben werden, der damit an den Broadway zurückkehren will. Nach einem neuen Bericht in EW.com kann es schon 2012 soweit sein. Neben Regisseur Jack O’Brien, der derzeit noch an “Catch me if you can” arbeitet und Komponist Danny Elfman wurden nun zwei weitere Creatives an Bord geholt. Autor Aaron Sorkin, der vor allem als Drehbuchautor für erfolgreiche Serien wie “The West Wing” bekannt wurde, soll das Buch schreiben und Glenn Slater die Songtexte. Letzterer hat zuletzt die, nunja, nicht so besonders beeindruckenden Texte in “Love never dies” verfasst und sticht aus dem Erfolgsteam etwas heraus. Hoffen wir mal, dass er mit besserem Material und ohne ALW im Nacken, mehr kann. Für Danny Elfman und Aaron Sorkin ist es das erste große Musicalprojekt.

Mittwoch, 3. November 2010

"Sister Act" kommt auch nach Wien

Nun ist die Katze also aus dem Sack: „Sister Act“ wird auch in Wien gespielt werden. Das mag nicht gerade grandios originell sein, doch man kann nicht nur Elisabeth und die Vampire zum Erbrechen aufwärmen. Dass sich vorerst nicht mehr an Uraufführungen gewagt wird, dürfte anbetracht der jüngeren Flops – neben der verdient gefloppten Schmonzette „Rudolf“ immerhin auch die preisgekrönten Broadway-Importe „The Producers“ und „Spring Awakening“ – keinen wirklich erstaunen. So schade es auch ist. Denn mit „Ich war noch niemals in New York“ und „Sister Act“ verkommen die VBW endgültig zur südlichsten Abspielstätte der Stage Entertainment-Rotationen. Erstaunlich ist die Entscheidung für „Sister Act“ insofern als dass das Stück in Hamburg noch gar nicht gestartet ist und niemand sagen kann, wie es angenommen wird. In London war es nun nicht gerade der Renner. Doch was blieb sonst noch übrig? In Deutschland gibt es schliesslich seit Jahren auch kaum noch frische originelle Stücke – die anderen halbwegs erfolgreichen Stage-Produktionen „Tarzan“ und „Wicked“ dürften bühnentechnisch kaum machbar sein, im Ronacher schon gar nicht. Und in London oder New York gibt es auch nichts, dass sich zur internationalen Verwurstung derzeit gut anbietet. Die Namen Kunze und Levay hätten wie schon bei „Rebecca“ wohl auch bei „Marie Antoinette“ so einige Leute angelockt, aber nach „Rudolf“ ist verständlich dass man nicht NOCH eine Adelsschmonzette auf die Bühne bringen will, so gelungen die olle Marie auch in großen Teilen war.

Nun wird wahrscheinlich wieder lang und breit auf die Vereinigten Bühnen Wien geschimpft, doch auch wenn die Enttäuschung der Wiener Musicalfans nachvollziehbar ist: In meinen Augen hatten sie keine andere Wahl. Seit Jahren wird das Musical in Wien stiefmütterlich behandelt, die Budgets gekürzt, das schönste Theater weggenommen und schliesslich strafte auch noch das Publikum die mutigen Uraufführungen mit Fernbleiben. Wenn sich jetzt wieder Fans damit brüsten 50x Tanz der Vampire und 40x Rebecca gesehen zu haben, sollte man diese vielleicht mal fragen wo sie waren, als die Producers oder Spring Awakening vor halbleeren Rängen spielen mussten.

Insgesamt gesehen ist es wohl einfach nur wieder ein Zeichen dafür, dass der Musicalboom vorbei ist. Anders als in anderen Länden, wo man die kreativen Kräfte, die der erste Boom freisetzte, in die Förderung eigenes Talentes steckte und nun die Früchte mit zahlreichen frischen Eigenproduktionen erntet (ja, ich rede von der niederländischen Szene und den zig neuen Musicals dieser Saison wie „Soldaat van Oranje“, „Volendam“ und „1953“), verließ man sich im deutschsprachigen Raum auf die nun ausgetrockneten Importe aus London und New York und einige wenige schon etablierte Macher wie Michael Kunze. Und talentierte Komponisten wie Martin Lingnau dürfen nun für unsägliche Sat1-Soaps komponieren, während für die Musicalbühnen lieber alte Popmusik von Udo & Udo recycelt wird. Man darf gespannt sein, wie „Sister Act“ in Wien aufgenommen wird, da es anders als IWNNINY auch nicht auf die Popularität eines einheimischen Stars setzen kann.

Moonfleet & Other Stories – Chris de Burgh

Nanu, Irlands oberster Schnulzensänger in einem Musicalblog? Nunja. Während ich auf etliche neue Musical-CDs warte, die wohl pünktlich zum weihnachtlichen Kommerzrausch erscheinen werden, vergnüge ich mich mit De Burghs neuer CD, die einen idealen Soundtrack zum Herbst bietet. Noch dazu hat er dieses Mal einen Songzyklus geschrieben, den man sich gut weiter entwickelt auf einer Musicalbühne vorstellen kann, sollte der gute Mann in den Fußstapfen seiner Sangeskollegen Elton John und Phil Collins wandeln wollen. Da lohnt sich eine kleine Besprechung durchaus.

“Moonfleet” basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von J.Meade Falkner, das 1898 erstmals erschien und seitdem populär geblieben ist, wenn auch nicht so berühmt wie andere englische Jugendbuchklassiker. Es erzählt die Geschichte von John, der im 18.Jahrhundert im Küstendorf Moonfleet lebt und mit dem Schmuggler Elzevir auf die Suche nach dem Diamanten des legendären Piraten Blackbeard geht. Er lässt seine Jugendliebe Grace zurück, erfährt in Holland, dass der gefundene Diamant nur Glas ist und landet mit Elzevir in einem holländischen Gefängnis. Die beiden sollen in die holländische Strafkolonie Java verfrachtet werden, doch das Schiff sinkt vor der englischen Küste. Natürlich genau dort wo Moonfleet ist und wo die treu wartende Grace jede Nacht eine brennende Kerze ins Fenster stellt, die dem Schiffbrüchigen nun den Weg nach Hause zeigt. Später erfährt John, dass der holländische Diamantenhändler ihn betrogen hat und später von Gewissensbissen geplagt, sein Vermögen an John vererbt hat. Er stiftet das Geld seinem Heimatort Moonfleet und heiratet natürllch Grace. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Ganz sicher ein spannender Stoff für ein Musical, zu dem Chris de Burgh hier schon einen sehr traditionell irisch geprägten Soundtrack liefert mit einigen seiner typischen Balladen wie “Go where your heart believes” und “My heart’s surrender”. Ein gelungener Stoff für dunkle Herbstabende. Und damit nicht genug, de Burgh hängt noch sechs weitere schöne Songs mit intelligenten Texten dran, darunter das bewegende “One life, one love” und die Schlussnummer “People of the world” die den für Freiheit kämpfenden Frauen im Iran und anderswo gewidmet ist.

Montag, 1. November 2010

Soldaat van Oranje – DER neue Hit in den Niederlanden?

In Anwesenheit von Königin Beatrix fand am Samstag die Uraufführung von “Soldaat van Oranje” im TheaterHangar auf dem ehemaligen Fliegerhorst Valkenburg bei Katwijk statt, das große Drama aus dem 2.Weltkrieg, das auf den Erinnerungen von Erik Hazelhoff Roelfzema basiert und bereits als Buch, sowie 1977 als Film mit Rutger Hauer ein riesiger Hit war. Für die Musicalversion wurde nun nicht gekleckert sondern ordentlich geklotzt: 7,5 Mio. Euro brachten die Produzenten Robin de Levita und Fred Boot zusammen um einen ehemaligen Flugzeughangar zum Theater umzugestalten und mit einigen verblüffenden Effekten aufzuwarten: Wenn Widerstandskämpfer Erik (Matteo van der Grijn) am Strand von Scheveningen wieder holländischen Boden betritt, wird die Nordsee mit echtem Sand und 300.000 Litern Wasser (!) samt Wellen lebendig gemacht. Und die Rückkehr von Königin Wilhelmina aus dem englischen Exil geschieht in einem echten Flugzeug, das dazu auf die Bühne rollt und eine Leihgabe aus einem Museum ist. Auch für das Publikum hat man sich etwas ganz neues ausgedacht: Das sitzt nämlich auf einer Drehbühne, die für Szenenwechsel einfach weitergedreht wird.

So ganz vorstellen kann ich mir die ganze Sache noch nicht und wenn das Musical verlängert wird, werde ich mich wohl im Frühing auch auf den Weg nach Katwijk machen um es mir live anzusehen. Derzeit werden Tickets nur bis zum Jahresende verkauft, doch man darf von Verlängerungen ausgehen wenn die Produzenten ihre 7,5 Mio. Euro wiedersehen wollen. Und nach den hervorragenden Kritiken der niederländischen Presse am heutigen Montag dürfte auch das Publikum nicht auf sich warten lassen. Die Metro vergab zum erstenmal überhaupt die Wertung “Fünf Sterne plus” und für Kritiker und Fans ist jetzt schon klar, dass das Stück auch bei den Awards im kommenden Frühling abräumen wird. Neben den überwältigenden Kulissen erhielten auch Regisseur Theu Boermans und die bislang noch unentdeckten jungen Musicaldarsteller, die Erik und seine Studentenfreunde spielen, viel Lob.

Onkel Joop, der am Samstag Abend ebenfalls anwesend war, dürfte heimlich mit den Zähnen geknirscht haben. Im Vergleich mit seinen lauwarmen London/Broadway-Aufgüssen von “Mary Poppins” und “We will rock you” die derzeit in den großen Ensuite-Theatern laufen, dürfte “Soldaat van Oranje” das weitaus spanenndere Musical sein und hoffentlich den Erfolg bekommen, den dieses mutige Projekt verdient.