Mit anderen Worten: Musikalitis macht eine Woche Urlaub. Feiern auf Malle ist angesagt statt am Computer hocken. Bei 37°C solltet ihr euch auch an den Badesee oder ins Freibad bewegen statt drinnen am PC zu sitzen, also los gehts! Nächste Woche geht es dann bei hoffentlich weniger als 30° weiter hier..
Mittwoch, 30. Juni 2010
Schland goes Sangria
Mit anderen Worten: Musikalitis macht eine Woche Urlaub. Feiern auf Malle ist angesagt statt am Computer hocken. Bei 37°C solltet ihr euch auch an den Badesee oder ins Freibad bewegen statt drinnen am PC zu sitzen, also los gehts! Nächste Woche geht es dann bei hoffentlich weniger als 30° weiter hier..
Dienstag, 29. Juni 2010
Die Goonies als Musical?
Ist denn gar nichts mehr heilig? Ständig gibt es neue Meldungen welche Filme als nächstes für die Bühne verwurstet werden sollen - nun scheint einer der größten Kultfilme der 80'er Jahre an die Reihe zu kommen, die Abenteuerkomödie "The Goonies" die einst von Steven Spielberg produziert wurde. Filmregisseur Richard Donner ließ neulich bei einer Preisverleihung verlauten, dass die Arbeiten an einer Broadway-Version bereits weit fortgeschritten sind. Seine Frau Lauren Shuler Donner arbeitet außerdem an einer Musicalfassung der Präsidentenkomödie "Dave". Meistens finde ich die Meldungen zu all den Filmverwurstungen ausgesprochen öde, aber in diesem Fall muss ich doch sagen - Die Goonies auf der Bühne? Gut gemacht könnte das ein grandioser Spass für die ganze Familie werden. Also abwarten.
Freitag, 25. Juni 2010
Another one bites the dust – Hairspray schliesst in Köln
Dass "Hairspray" in Köln vor leeren Reihen spielt, ist allgemein bekannt. Und wenn schon die große Werbetrommel, die rund um die Premiere gerührt wurde, nichts genutzt hatte, war eigentlich klar, dass auch spätere Aktionen nicht mehr viel bringen würde. Eine Show die sich monatelang schlecht verkauft, mausert sich nicht urplötzlich zum Kassenschlager.Betroffen macht mich das frühe Ende aber dann doch irgendwie. Bei vielen anderen Shows war ein frühes Ende vorauszusehen, oft sogar berechtigt, wie z.B. beim leichtgewichtigen Vorgänger "Spamalot" in Köln, der mit 90-minütiger Spieldauer und ohne jede Starpower die hohen Preise einfach nicht rechtfertigte, zumal der grenzwertige Klamauk von Monty Python noch nie jedermanns Sache war. Aber nach dem Berliner "Schuh des Manitu" ist "Hairspray" nun schon die zweite Produktion, wo eigentlich alles stimmte und trotzdem blieben die Leute weg. Beim "Manitu" mochte man noch räsonieren, dass die Bully-Fans, die in Scharen seine Filme stürmen und vor der Bullyparade auf Pro7 klebten, nicht das richtige Zielpublikum für Live-Theater sind und dass in Berlin einfach zuviel Konkurrenz in Sachen Entertainment herrscht. Aber bei "Hairspray"?
Der grottige Musical Dome in seiner ganzen blauen Scheußlichkeit ist das einzige Musicaltheater im Einzugsbereich Köln-Düsseldorf-Bonn-Aachen, in dem schon einige Musicals beachtliche Laufzeiten erreichten – "Grease" in Düsseldorf, "Saturday Night Fever" und "We will rock you" in Köln und selbst Aachen feierte sich eine Weile als Musical-Metropole mit dem Woolfson-Stück "Gaudi", das in der Alsdorfer Provinz nun länger lebte als "Hairspray" in der Großstadt. Der Kölner an sich, der seine Stadt gerne als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet, geht eigentlich ganz gerne raus – als ich mich am gestrigen Abend gegen 22.00 Uhr per Fahrrad auf den Heimweg machte, waren die Biergärten in der Altstadt, am Ring und im belgischen Viertel noch proppevoll. Wally Bockmayer spielt seit Jahren selbstgestrickte Musicals auf kölsch für eine ganze Saison ensuite und auch bei Millowitsch geht’s weiter wie in den Jahren vom seligen Willy. Auch die "Hochkultur" von Oper, Philharmonie und Schauspielhaus braucht sich nicht über mangelnde Nachfrage zu beklagen, ebenso wenig die kleinen Theater. Und keine noch so miserable Darbietung hindert den masochistisch veranlagten Kölner daran, Jahr für Jahr hunderte Euronen in Karten für den Effzeh im RheinEnergie-Stadion zu investieren, das regelmäßig ausverkauft ist. Nein, an mangelnder Ausgehlust bei den Einheimischen kann es nicht liegen, ebenso wenig an einer schlechten Location – zentraler geht’s eigentlich gar nicht und Touristen kommen ebenso scharenweise in die Stadt wie geschäftliche Besucher und die Provinzler aus dem Umland, die sich einen schönen Tag in der Großstadt mit Shopping, Essen und Musical machen (könnten).
An mangelnder Werbung hat's auch nicht gelegen – Regelmäßig war die Stadt vollplakatiert mit Postern, pinke Busse kurven durch die Straßen und die Zugpferde Ochsenknecht und Kelly wurden regelmäßig ins Fernsehen geschickt. Überhaupt, die Zugpferde. Ich war ja immer überzeugt davon, dass Starnamen mehr Leute anlocken würden, vor allem in Rollen wie Edna Turnblad oder davor King Arthur. Auch da hatte man diesmal wohl alles richtig gemacht mit Klischee-Macho Uwe Ochsenknecht und der außerordentlich sympathischen Maite Kelly. Und die wichtige "word of mouth"-Werbung dürfte ebenfalls funktioniert haben, denn wer "Hairspray" gesehen hatte, war eigentlich immer begeistert.
Ich kann mir die Gründe für diesen Flop – und als solchen muß man "Hairspray" nun einfach bezeichnen – nicht erklären. Nach zwei Flops in Serie werden die Produzenten auch nicht mehr erklären können, warum der Musical Dome so wichtig für die Stadt sein sollte oder warum es unbedingt dieser Standort sein muß. Wenn die Stadt Köln ein bißchen Verstand hat (woran man als Kölner desöfteren zweifeln muß, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt) wird sie den blauen Müllsack nun endlich entfernen und den Umbau des Breslauer Platz vorantreiben. Für Köln ist es irgendwo schade, genauso wie für die Region, wo man dann nach dem Capitol Theater in Düsseldorf und dem Colosseum in Essen das nächste Musicaltheater verliert. Aber scheinbar hat sich das Musical in dieser Forum als Long Run wirklich überlebt und dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die glorreichen Zeiten der 90'er sind ohnehin vorbei als Deutschland mehrmals mit europäischen Uraufführungen und sogar einer Weltpremiere (Disney's "Glöckner von Notre Dame") aufwarten konnte und sich auch Broadwaystars wie Michael Cerveris nicht zu schade waren, eine Weile in Deutschland aufzutreten.
Heute schiebt man die gleichen Shows zum Erbrechen rum und kocht lauwarme Süppchen aus alter Popmusik, während die spannenden Uraufführungen im Ausland stattfinden. Musicals waren hier nur eine Hype, die vielleicht 10 Jahre andauerte und dann wieder vorbei war – die Chance diese Theaterform dauerhaft zu etablieren ist gescheitert. Woran, wer mag es sagen? Am heiligen deutschen Schubladendenken, der Arroganz der Stadttheaterkultur, die immer nur gegen die "Kommerzkultur" polemisierte statt mit ihr zusammen zu arbeiten, am Publikum, das seltenst den Schritt vom "Musicalfan" zum echten "Musicalinteressierten" machte, an den Produzenten, die mit zu hohen Preisen und zu schlechten Shows den Ast auf dem sie saßen selbst absägten? Wahrscheinlich von allem etwas.
Montag, 21. Juni 2010
"Oliver!" schliesst in London
Das große "Oliver!"-Revival im Theatre Royal Drury Lane wird im Januar 2011 aufhören - pünktlich zur sauren Gurken-Zeit nach dem Weihnachtsrummel. Russ Abbott wird damit der letzte Fagin in dieser Produktion sein. Der Londoner Gerüchteküche zufolge soll ab März dann das mittelmäßig erfolgreiche "Shrek" vom Broadway im Drury Lane Premirere feiern. Warum man diese Show, die schon in New York nicht sonderlich zog, nun nochmal in London abnudeln will, bleibt das Geheimnis der Produzenten. Die Gerüchteküche will allerdings auch wissen, dass "Rebecca" nun tatsächlich im kommenden Jahr im West End aufgeführt werden soll - als Nachfolger von "Priscilla" im Palace Theatre. Eine Bühnenversion der erfolgreichen Film-Schmonzette "Ghost" wird im Piccadilly Theatre uraufgeführt. Mal sehen, was davon am Ende wirklich passiert...
Sonntag, 20. Juni 2010
Drei Musketiere in Tecklenburg
Als diesjähriges großes Sommermusical hatte man sich in Tecklenburg die "Drei Musketiere"der Bolland-Brüder ausgesucht, das Eigengewächs der Stage Entertainment. Eine gute Wahl,denn schon "Les Misérables" hatte gezeigt, dass derartige historische Stoffe großartig in die Burgruine der Freilichtbühne passen und durch die Ausmaße der Bühne wurden Ensemble- und Fechtszenen noch größer und rasanter. Dauer-Athos und jetzt auch Regisseur Marc Clear setzt insgesamt auf Tempo und die Show ist immer dann am besten, wenn sie das ist, was Alexandre Dumas damals verfasst hat: Eine mitreißende, spannende und zugleich amüsante Abenteuergeschichte um den jungen D’Artagnan, die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis und eine Intrige die Kardinal Richelieu gegen die Königin eingefädelt hat.Bolland & Bolland schienen bei der Uraufführung ein Musical "am Reißbrett" geschrieben zu haben, das mit viel zu vielen überflüssigen Schmachtballaden und weiblichem Gesülze überfrachtet war, weil sie wohl dachten, das Publikum erwarten diese Art von Songs, ob sie passen oder nicht. Das hatte sich schon in Berlin bei der deutschen Uraufführung gebessert und nun blieben eigentlich nur noch drei überflüssige Damensongs, die den Fluss der Handlung aufhielten: Ein Schmachtsong für Königin Anne im 2.Akt ("Kein geteiltes Leid"), das alberne "Männer" mit dem Milady de Winter als Vamp eingeführt werden soll und das zwar musikalisch schöne, aber ebenfalls überflüssige "Wer kann schon ohne Liebe sein"-Terzett der drei Damen. Auch die albernen "Nicht aus Stein"-Nummer des Richelieu, wo das uralt-Klischee "katholischer zölibatsgeplagter Geistlicher hadert mit Sexualität" aufgewärmt wird, hätte man streichen können.
Aber es hielt sich in erträglichem Rahmen, auch wenn der erste Akt wesentlich stärker war, als der kürzere zweite Akt der insgesamt zu sehr in Herzschmerz umkippte, wenn nach zuvielen Sülzballaden dann Constance und Milady de Winter beide ihren Geist aufgeben. Sei’s drum, die "Drei Musketiere" sind in dieser Version nicht der größte Wurf der Musicalgeschichte, aber gutgemachtes Entertainment sind sie allemal und in Tecklenburg ist die Show schon alleine wegen der Darsteller sehenswert.
Die größte positive Überraschung stellte für mich Thomas Hohler als D’Artagnan dar, für mich ein Unbekannter, der auf den Bildern reichlich mickrig wirkte und so gar nicht wie der junge fesche Abenteurer, der ein Musketier werden will. Doch auf der Bühne überzeugte er auf ganzer Linie mit großartiger Stimme, Charisma und comic timing, eine echte Entdeckung, der die Herzen der Zuschauer im Nu gewann. Als Musketiere standen erprobte Veteranen auf der Bühne; neben Marc Clear als Athos Enrico de Pieri als Porthos und Jens Janke als Aramis, der wie immer eine verlässliche Bank war. Yngve Gasoy Romdal war als Richelieu schön diabolisch, aber die Rolle an sich leidet unter einem schwachen Profil. Bei den Damen überzeugte vor allem Lisa Antoni, die mit der gewitzten süßen Constance hier eine marginal bessere Rolle spielen kann als die unsägliche Mary Vetsera in "Rudolf" mit ihrem Breitbandgesülze, doch leider hat Constance nicht sonderlich viel zu singen und so bleibt das Duett "Alles" ihr stärkster Moment. Femke Soetenga als Milady de Winter wirkte zunächst stimmlich und optisch wie ein Pia Douwes-Klon, was vermutlich auch daran lag, dass sie deren Kostüm und Perücke trug. Zumal die Lady mit "Milady ist zurück" und "Männer" zwei schwache Songs singen muß und ihr Leder Sado-Maso-Outfit einfach lächerlich wirkt. Erst als die Handlung richtig in Schwung kommt, und Milady als fechtende Femme fatale auftreten darf, lernt man auch die Soetenga zu schätzen und ihr Abgang geriet zu einem bewegenden Moment. Ich weiß nicht ob Wietske van Tongeren sich die Rollen aussucht oder die Rollen sie aussuchen, aber nach Ich und Stephanie von Belgien spielt sie mit Königin Anne die dritte trutschige Frau, die nur hadert und leidet, stattet Anne aber mit der gleichen Würde aus wie die betrogene Stephanie im Rudolf-Schluchzical. Schön wäre es, diese Darstellerin mal in einer spannenden dreidimensionalen Rolle zu sehen. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Paul Stampehl als Ober-Bösewicht Rochefort und Stefan Poslovski als Kammerdiener, die der Show die wichtige Dosis Humor als Salz in der Suppe verpassten.
Das Wien-Kontigent der Darsteller hatte zur Premiere wohl seine eigenen Fans mitgebracht, die auf Wiener Art blökten und gröhlten, dass dagegen Vuvuzelas wie himmlische Geigen klingen. Abgesehen von diesen Fans und der eisigen Kälte am gestrigen Abend, darf man den Tecklenburger Musicalsommer wieder mal als gelungen betrachten. Aus den "Musketieren" wurde das Optimale herausgeholt und die kurzweilige Show verspricht gute Unterhaltung auf höchsten darstellerischen Niveau - und nun im Gegensatz zur Stage Entertainment-Variante zu zivilen Preisen. Also nichts wie hin!
Samstag, 19. Juni 2010
Viva das Sommerloch

Eine ganze Woche ohne News aus der Musicalwelt – was will man machen? Für den Schreiberling hier ist das kein Problem, er widmet sich derzeit sowieso lieber dem runden Leder das in Südafrika mit vielen positiven (Freude, Völkerverständigung, Spass) und einigen negativen ("tröööööt") Begleiterscheinungen rollt und den Planungen für kommende Reisen. Amüsant ist nur zu verfolgen, auf welche Art das Sommerloch hüben und drüben gestopft wird.
Hier regt man sich über eine angetüterte Intendantin auf, die pampig wurde und die Berufsempörten machen einen Staatsakt daraus (Dear Ms Stone, you should have taken a leaf out of Basil Fawlty’s book on dealing with Ze Germans: Don’t mention the war), am Broadway wird eine beleidigte Facebook-Gruppe gegründet weil Hollywood-Stars es wagten einige der wichtigsten Tony Awards zu gewinnen, darunter Catherine Zeta Jones, Denzel Washington und Scarlett Johansson. Zumindest bei Frau Zeta Jones ist bekannt, dass sie ursprünglich mal als Musicaldarstellerin angefangen hatte und in mehreren West End-Musicals aufgetreten war, da erledigt sich die Aufregung von ganz alleine. Zu Washington und Johansson kann ich nichts sagen.
Aber den Kopf schütteln kann ich schon über soviel Kleinlichkeit – würde Hollywood genauso reagieren, wenn es jemand mit Theaterhintergrund es wagen würde einen Oscar zu gewinnen? Ist es nicht auch den Hollywoodstars zu verdanken, wenn der Broadway wieder mehr Aufmerksamkeit beim Mainstream erhält, was wiederum zu mehr Ticketverkäufen führt? What next? Aufregung wenn – ganz theoretisch – Lea Michele einen Tony für Fanny Brice im "Funny Girl"-Revival gewinnt, weil sie jetzt ein TV-Star ist und kein Broadwaystar mehr?
Die schöne Welt des Web 2.0 ist sicher nützlich und oft auch spannend, schliesslich gibt sie auch mir die Chance, mein Geschreibsel auf die Welt loszulassen. Aber leider lässt sich auch nicht leugnen, dass das Web 2.0 immer mehr Leute dazu verleitet, vom bequemen Schreibtisch aus irgendwelche beleidigten Kampagnen zu starten, gegen Hollywood, gegen böse Intendantinnen, gegen Musicals die einem quer liegen… als ob es in der Welt nicht soviel wichtigere Dinge gäbe, für die man sich engagieren könnte. Sorry, aber jetzt muß ich mich hier verabschieden und die Kampagne "Alberto Undiano gehört geteert und gefedert, er ist an allem Schuld" bei Facebook lostreten.
Montag, 14. Juni 2010
Tony Awards 2010: Memphis gewinnt
Eine ausgesprochen öde Saison am Broadway endet mit den erwartungsgemäß öden Ergebnissen - und das Schöne ist: Nach dem großartigen 4-0 der deutschen Elf gegen Australien am gestrigen Abend gehen mir die Tonys links am A*** vorbei. Das krisengeplagte Amerika übt sich weiterhin in schönster "Früher war alles besser"-Nostalgia und kürt "Memphis" zum besten neuen Musical.Das Stück erhielt ebenfalls die Tonys für beste Musik (Joe DiPietro und David Bryan) und für das beste Buch (Joe DiPietro), während "La Cage aux folles" zum besten Revival gewählt wurde.
Auch bei den Darstellern keinerlei Überraschungen: Douglas Hodge und Catherine Zeta-Jones geben den Briten wieder mal Grund sich als Shakespeares Erben gegenüber den Dümmlingen in der Ex-Kolonie überlegen zu fühlen, Levi Kreis und Katie Finneran wurden als beste Nebendarsteller geehrt.
Klar bin ich enttäuscht dass "American Idiot" den "Best Musical"-Award nicht erhalten hat, doch ich bin auch bei Stücken die ich mag, realistisch genug zu wissen, dass "American Idiot" an einem schlechten bis nicht-vorhandenen Buch krankt und daher vielleicht zu Unrecht belohnt worden wäre. "Memphis" mag ja tatsächlich besser sein, aber das macht die Show für mich nicht attraktiver, im Gegenteil, es lässt mich nur noch dankbarer sein, dass es Shows wie "American Idiot" gibt, die sich mit dem Hier und Heute auseinandersetzen, statt in Nostalgia zu schwelgen. Sei's drum, herzlichen Glückwunsch "Memphis", meine US-Reise werde ich wohl nun aufs kommende Jahr verschieben, wenn immerhin einige neue spannende Premieren anstehen. Trister als diese Saison kann Broadway nun wirklich nicht mehr werden.
Sonntag, 13. Juni 2010
Phan-Freaks toppen sogar TDV-Freaks
Ich dachte immer die hysterischen Bühneneingangs-Steher an deutschen und österreichischen Musicalhäusern wären in ihrem Fanatismus nicht mehr zu toppen. Das es immer noch schlimmer geht, beweist das kanadische Paar Jeff und Rebecca Timmons, das der britische "Telegraph" in Toronto aufgestöbert hat. Diese beiden Der Absatz der eigentlich alles sagt: "The couple spent last weekend handing out flyers outside a Phantom production in Michigan, warning about the "travesty" of the new show which opened in March. Moreover, the Timmons have never seen Love Never Dies. "You don't need to see Love Never Dies to feel this way. If I were to see the show, not only would I be wasting my time and my money, but it would make me so angry," said Mr Timmons, 29."
Oookay. Den ganzen Artikel zum Kopfschütteln und Schmunzeln kann man hier lesen.
"The Fantasticks" schließt in London nach 2 Wochen
In London echauffierte man sich neulich furchtbar darüber, dass das Erfolgsstück "Enron" am Broadway schon nach zwei Wochen schließen mußte. Nun kam die Retourkutsche. Das am längsten laufende Musical in New York aller Zeiten, das charmante Off-Broadway-Stück "The Fantasticks" schließt in London nach nur zwei Wochen und ist damit der größte Musical-Flop in diesem Jahr. Ich habe diese Londoner Version nun natürlich nicht gesehen und weiß darum nicht, wie schlecht die Inszenierung war, aber die Schließung macht mich traurig. Der größte Charme von "The Fantasticks" war in meinen Augen die Art wie es ohne Bühnenbild und mit nur zwei Musikern auskommt und sich ganz auf die Fantasie der Zuschauer verlässt und die ausdrucksstarken Texte. Es scheint, dass ein Musical, das ganz ohne Brimborium auskommt, üppige Bühnenbilder, Stunt-Casting oder recycelte Rockmusik, keine Chance mehr hat heutzutage. Schade!
Freitag, 11. Juni 2010
"Hair" geht, "Annie" kommt
Das "Hair"-Revival, das bereits seine Schließung in London angekündigt hatte, wird nun auch am Broadway schließen; und zwar am 27.Juni. Dafür wurde ein weiteres großes Revival angekündigt: Nach "Funny Girl", "Zorba" mit Antonio Banderas, "How to succeed in business without really trying" mit Daniel Radcliffe und "Evita" mit Elena Roger und Ricky Martin kehrt nun auch "Annie" an den Broadway zurück. Zum 35.Geburtstag der Show im Herbst 2012 soll ein großes Revival stattfinden, dass die Show behutsam modernisiert. Autor Thomas Meehan soll dazu seinen Script von 1977 nochmal überarbeiten, nachdem das letzte Revival von 1997 negative Kritiken eingefahren hatte. Das Original lief sechs Jahre von 1977 bis 1983, zu den vielen Annies die damals auf der Bühne standen, gehörten Andrea McArdle und Sarah Jessica Parker.
Donnerstag, 10. Juni 2010
Macht" Love Never Dies" Pause?
Erst kürzlich hatte Lord ALW und sein Team an der Phantom-Sequel im Adelphi Theatre herumgeschraubt, das Finale verkürzt und den Song "Heaven by the Sea" gestrichen, doch scheinbar reichen ihm die Änderungen noch nicht. Whatsonstage.com berichtet von kursierenden Gerüchten, dass "Love Never Dies" am Ende der aktuellen Booking Period (23.Oktober) einige Wochen Pause einlegen will um weitere Veränderungen vorzunehmen, in Vorbereitung der Broadway Premiere im kommenden Jahr.
"Funny Girl" wieder am Broadway
Das Musical "Funny Girl", das 1964 der jungen Barbra Streisand zum Durchbruch verhalf, soll endlich ein Revival erleben, schreibt die New York Times. Bartlett Sher, Regisseur von "Light in the Piazza" und "South Pacific" soll Regie führen. Das Musical von Jule Styne und Bob Merrill erzählt die Jugendjahre von Fanny Brice, die Anfang des 20.Jahrhunderts eine erfolgreiche Sängerin und Tänzerin am Broadway war, u.a. in den Ziegfeld Follies, in Hollywood Filme drehte und Schallplatten aufnahm. Zu den bekanntesten Songs des Musicals gehören "People", "I’m the greatest star" und natürlich "Don’t rain on my parade". Das Revival soll 2011 erstmal ein Try-Out erleben um dann 2012 an den Broadway zu gehen. Für die Hauptrolle der Fanny Brice ist scheinbar "Glee"-Star Lea Michele eine heiße Kandidaten – sie sang "Don’t rain on my parade" schon recht überzeugend in einer Episode von "Glee" und passt auch altersmäßig optimal.
Mittwoch, 9. Juni 2010
Die Drei Musketiere kommen nach London
Es wurde auch Zeit: die "Three Musketeers"-Version von George Stiles, Paul Leigh und Peter Raby, die bereits 2001 im amerikanischen San Jose aufgeführt wurde und später auch in St.Gallen, kommt endlich nach London. Zunächst jedoch "nur" ins Rose Theatre in Kingston, wo es vom 3.Dezember bis 2.Januar als Weihnachts-Musical gespielt wird. Produzent Bud Martin hofft jedoch auf einen anschließenden Transfer ins West End. George Stiles hätte es in jedem Fall endlich verdient."Dracula" und "Adam & Eva" in Frankreich
Gähn. Als ob der müde alte Beißer von Bram Stoker nicht schon oft genug durch den Musical-Fleischwolf gedreht wurde, muss nun auch noch Frankreichs Musical-Macher Nr.1, Kamel Ouali, ein "Dracula"- Musical aufziehen. Sorry Kamel, aber so spaßig "Cleopatre" auch war, mit dem ausgelutschten Obervampir brauchst du mir nicht kommen. Marginal spannender ist die Ankündigung von Pascal Obispo, ein Musical über Adam und Eva zu verfassen. Obispo hatte bereits mit Les Dix Commandement einen beachtlichen Musical-Hit geliefert und sein letztes Album "Welcome to the magic world of Captain Samourai Flower" war ebenfalls eine Rockoper mit durchgängigem Handlungsfaden. Dracula soll im September 2011 im Palais des Sports in Paris Premiere feiern, Adam & Eva irgendwann 2012.Stage Entertainment hat derweil die Hauptdarsteller für die Pariser Produktion von Mamma mia bekannt gegeben: Mit dabei sind u.a. Sophie Delmas als Donna und Jerome Pradon als Sam, sowie Karen Gluck (Rosie), Marion Posta (Tanya), Patrick Mazet (Harry), Gaelle Gauthier (Sophie) und Dan Menasche (Sky).
Dienstag, 8. Juni 2010
"Charlie and the Chocolate Factory" als Musical im West End?
Nach "Bridget Jones" steht dem West End die nächste Musical-Adaption eines Filmes für 2011 ins Haus. Naja, nicht ganz. "Charlie and the Chocolate Factory" war zwar erst 2005 in einer Version von Tim Burton mit Johnny Depp als Willy Wonka im Kino zu sehen, doch ursprünglich war der Stoff ja mal ein Roman von Roald Dahl, der schon zweimal verfilmt wurde. Nun ist also als die Bühne dran. Musik & Lyrics sollen vom "Hairspray"-Team Marc Shaiman und Scott Wittman kommen, das Buch von David Greig. Niemand geringerer als Sam Mendes will Regie führen. Produzent Neal Street Productions plant – natürlich – nach dem West End auch eine Broadway-Produktion.
Niederländische Musical Awards verliehen
Bei den niederländischen Musical Awards am gestrigen Abend war "Mary Poppins" erwartungsgemäß der große Gewinner. Willem Spaaij (beste männliche Hauptrolle Großproduktion), Maike Boerdam (beste weibliche Nebenrolle Großproduktion) und natürlich Noortje Herlaar als beste Newcomerin (für Mary Poppins und für Urinetown) gewannen bei den Darstellern, dazu kamen Awards für das beste Bühnenbild und die Kostüme (beides Bob Crowley). Das niederländische Eigengewächs "Dromen zijn bedrog" konnte sich ebenfalls freuen, denn es gewann so wichtige Preise wie die für beste Regie (Frank Lammers), bestes Buch (Dick van den Heuvel & Sjoerd Kuyper) und beste Musik/Arrangements (Jan Tekstra), sowie für Jelka van Houten als beste weibliche Nebenrolle bei den Kleinproduktionen. Ein weiterer Gewinner war "Urinetown" mit Awards für die beste Choreografie (Dan Wijnands), beste Übersetzung (Jurrian van Dongen) und beste weibliche Hauptrolle Kleinproduktionen (Suzan Seegers). Publikumspreise gab es für "Joseph" als beste Großproduktion und "Ja Zuster, Nee Zuster" für beste Kleinproduktion. Simone Kleinsma wurde für ihr Soloprogramm "Songs from the Heart" ausgezeichnet. Alle Gewinner:
Vrouwelijk Hoofdrol Grote Productie
Brigitte Heitzer All Shook Up – Love Me Tender
Mariska van Kolck – Chicago
Lone van Roosendaal – Mamma Mia!
Sophia Wezer – Amandla! Mandela
Vrouwelijk Hoofdrol Kleine Productie
Annick Boer – Ja Zuster, Nee Zuster
Heddy Lester – Dromen zijn bedrog
Vera Mann – Dromen zijn bedrog
Suzan Seegers – Urinetown
Mannelijke Hoofdrol Grote Productie
Peter Bolhuis – Amandla! Mandela
René van Kooten – All Shook Up – Love Me Tender
Rutger Le Poole – Mamma Mia!
William Spaaij – Mary Poppins
Mannelijke Hoofdrol Kleine Productie
René van Kooten – Urinetown
Jamai Loman – Urinetown
Zjon Smaal – The Full Monty
Remko Vrijdag – Dromen zijn bedrog
Vrouwelijk Bijrol Grote Productie
Cindy Bell – Hairspray
Maike Boerdam – Mary Poppins
Anouk van Nes – Mamma Mia!
Marjolijn Touw – Mary Poppins
Vrouwelijke Bijrol Kleine Productie
Ellen Evers – The Full Monty
Bettina Berger – The Full Monty
Dorien Haan – Ja Zuster, Nee Zuster
Jelka van Houten – Dromen zijn bedrog
Mannelijk Bijrol Grote Productie
Hugo Haenen – Mary Poppins
Peter Lusse – Chicago
Joey Schalker – All Shook Up – Love Me Tender
Marcel Visscher – Hairspray
Mannelijk Bijrol Kleine Productie
Vincent de Lusenet -The Full Monty
Han Oldigs -The Full Monty
Han Oldigs – Urinetown
Zjon Smaal – Urinetown
Aanstormend Talent
Noortje Herlaar – Mary Poppins
Noortje Herlaar – Urinetown
Esmee van Kampen – Hairspray
Joël de Tombe – Dromen zijn bedrog
Beste Regie
Carline Brouwer – All Shook Up – Love Me Tender
Paul van Ewijk – The Full Monty
Richard Eyre & James Powell – Mary Poppins
Frank Lammers – Dromen zijn bedrog
Beste choreografie
Matthew Bourne & Stephan Maer – Mary Poppins
Anthony van Laast – All Shook Up – Love Me Tender
Daan Wijnands – Urinetown
Beste Decorontwerp
Bob Crowley – Mary Poppins
Carla Janssen Höfelt – All Shook Up – Love Me Tender
Niels Mathot – The Full Monty
Kostuum / pruiken / make-up
Bob Crowley -Mary Poppins
Harold Mertens & Arno Bremers – Hairspray
Sjoerd Didden – All Shook Up – Love Me Tender
Maya Schröder – Amandla! Mandela
Beste Lichtontwerp
Howard Harrison – Mary Poppins
Coen van der Hoeven – Amandla! Mandela
Uri Rapaport – Dromen zijn bedrog
Andrew Völler – All Shook Up – Love Me Tender
Beste Geluidsontwerp
Marc Bayens – Dromen zijn bedrog
Jeroen ten Brinke – All Shook Up – Love Me Tender
Paul Groothuis – Mary Poppins
Beste Script
Fred Ebb & Bob Fosse - Chicago
Julian Fellowes – Mary Poppins
Dick van den Heuvel & Sjoerd Kuyper – Dromen zijn bedrog
Beste Liedteksten
Marc Shaiman & Scott Wittman – Hairspray
Fred Ebb – Chicago
“Richard M. Sherman, Robert B. Sherman, George Stiles en Anthony Drewe” – Mary Poppins
Beste Muziek / arrangementen
Richard M. Sherman, Robert B. Sherman, George Stiles en Anthony Drewe -
Mary Poppins
Jeroen Sleyfer – All Shook Up – Love Me Tender
Jan Tekstra -Dromen zijn bedrog
Beste Vertaling / bewerking
Martine Bijl – Mary Poppins
Allard Blom – The Full Monty
Jurrian van Dongen – Urinetown
De ANWB Publieksprijs voor beste grote musical:
Ciske de Rat
Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat
Mamma Mia!
De ANWB Publieksprijs voor beste kleine musical:
The Full Monty
Ja Zuster, Nee Zuster
Urinetown
De Oeuvre Award
Henk van der Meyden
Speciale Theater Award
Simone Kleinsma – Songs From the Heart
Montag, 7. Juni 2010
"A little night music" nun doch verlängert
Besser spät als nie: Das aus London importierte Revival von "A little night music" wird nun doch am Broadway verlängert. Nach zweiwöchiger Probenpause wird es wie schon gemunkelt weitergehen mit Bernadette Peters als Desiree und Elaine Stritch als Madame Armfeldt. Wie ihre Vorgängerin Angela Lansbury ist Elaine Stritch mittlerweile auch 85 Jahre alt. Klasse!
Donnerstag, 3. Juni 2010
Holland: Viel Neues in der Saison 2010-2011
Bevor ganz Holland den Koffer packt und mit Campingwagen die deutschen Autobahnen verstopft, wurden in der letzten Woche noch mehrere neue Musicals für die kommende Saison vorgestellt. Auffällig ist dabei der Trend zu holländischen Stoffen, weg von Importen und amerikanischen Themen. Die erste Premiere der Saison mutet jedoch noch ziemlich amerikanisch an: Bei “Crazy Shopping”, produziert von Stardust, geht es um mehrere Shopaholics (natürlich alle weiblich, so will es das Klischee), die in der ersten niederländischen Niederlassung der amerikanischen “Stop the Shopping”-Kirche (die es wirklich gibt!) von ihrem Shopping-Fimmel loskommen wollen. “Sex and the City” lässt grüßen. Die Hauptrollen spielen Antje Monteiro, Carolina Mout, Casey Francisco, Miranda van Kralingen und Tony Neef als Pater Bob, der die Damen kurieren soll. Premiere ist am 29.Juli im Theater Carré in Amsterdam, danach geht die Show auf Tournee. Mehr zu Crazy Shopping hier.
Onkel Joop macht derweil in Retro: Produziert von Stage Holding schrieben Henny Vrienten und André Breedland ein Musical für Chantal Janzen mit dem Titel “Petticoat”, das am 3.Oktober im Carré Premiere hat. Janzen spielt dabei das Landei Pattie aus Groningen, das in den 50’er Jahren aufbricht in die große Stadt Amsterdam um berühmt zu werden. Es gibt sowohl Shows die die seligen 50’er-Jahre aufwärmen als auch Shows in denen das “Mädel vom Land in der Stadt ihr Glück sucht” zur Genüge, aber die ältere Generation wird die Zeitreise ganz sicher genießen. Neben Chantal Janzen spielen Freek Bartels, Hajo Bruins, Marjolijn Touw, Kees Boot, Mike Weerts und Roon Staal. Nach der Premiere in Amsterdam geht das Stück auf Tournee. Mehr hier:
Der Film “Soldaat van Oraanje” nach dem Buch von Erik Hazelhoff Roelfzema bescherte Paul Verhoeven, Rutger Hauer und Jeroen Krabbé 1977 den internationalen Durchbruch und gehört heute zu den großen Filmklassikern der Niederlande. Edwin de Vries (Buch), Tom Harriman (Musik) und Pamela Phillips Oland (Songtexte) haben aus dem Stoff nun ein Musical gemacht, das ab 10.Oktober in einem umgebauten Flugzeughangar auf dem Militärflugplatz Valkenburg bei Leiden zu sehen sein wird. Das Gebäude trägt nun den sinnigen Namen De TheaterHangaar und bietet neben 1100 Plätzen auch eine Brasserie und ein Restaurant, sowie Parkplätze auf der ehemaligen Landebahn. Das Musical spielt im 2.Weltkrieg und verknüpft die Geschichte von Königin Wilhelmina, die nach dem Einmarsch der Deutschen nach England flüchtet mit der einer Gruppe junger Studenten in Leiden, deren feucht-fröhliches Studentenleben nach dem Ausbruch des Krieges zuende geht. Erik schließt sich der Widerstandsbewegung an und muß nach England flüchten, wo er auf Königin Wilhelmina trifft, die ihn ermutigt mit seinen Freunden ein geheimes Radionetz aufzubauen, das das besetzte Holland mit Nachrichten versorgen soll. Catherine ten Bruggencate spielt Königin Wilhelmina, Erik und seine Freunde werden von Oren Schrijver, Tijn Doctor, Boy Ooteman, Jorrit Ruijs, Kes Blans und Ad-Just Bouwman gespielt. Man könnte annehmen, dass ein derartiges Projekt schweineteuer sein würde, doch die Preise halten sich mit 65-70 Euro für die besten Plätze dann doch in Grenzen. Mehr über das Stück hier.
Mit “Kruimeltje”, basierend auf dem Buch von Chris van Abkoude, kommt ein urholländischer Stoff auf die die Bühne, der “Ciske de Rat” in nichts nachsteht. Kruimeltje ist ein Waisenjunge, der sich Anfang des 20.Jahrhunderts mit anderen Straßenkindern in einer Großstadt herumtreibt. Seine Mutter ließ ihn im Stich, sein Vaster ging vor zehn Jahren nach Amerika um Gold zu suchen. Kruimeltjes Leben verändert sich schlagartig als er den gutherzigen Händler Wilkes kennenlernt, den früheren besten Freund seines Vaters. Zusammen wollen sie sich auf die Suche nach ihm in Amerika machen. Den Wilkes spielt Jeroen Phaff, die Besetzung für Kruimeltje selbst wird derzeit noch publikumswirksam bei der AVRO im Fernsehen gesucht und soll kommende Woche bei der Musical Awards Gala präsentiert werden. Premiere ist am 7.November im Theader de Efteling. Mehr Info hier.
Volendam ist ein hübsches Fischerdorf am Ijsselmeer, das sich seit dem Wegbrechen der Fischerei als Touristenfalle etabliert hat. Produzent Ruud de Graaf setzt dem Dorf und seiner musikalischen Tradition nun mit “Volendam – de Musical” ein Denkmal, einem Stück das vor allem die Hits bekannter Volendammer Künstler wie Jan Smit und BZN verwendet. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Mary, die nach 20 Jahren in Kanada mit ihrer Tochter Rose in ihr Heimatdorf Volendam zurückkommt. Hier trifft sie nicht nur auf ihre alte Freundin Lea, sondern auch auf ihre Jugendliebe Simon. Dessen Sohn Tom singt in der Volendammer Boyband ZILT und bandelt – natürlich! – mit Rose an. Auf der Kirmes kommt es zum Showdown, komplett mit Jan Smits großem Hit “Als de morgen is gekomen”. In den Hauptrollen sind u.a. Maaike Widdershoven als Mary, Jasper Kerkhof als Simon, Job Bovelander als Tom und Hilke Bierman als Lea zu sehen. Premiere ist am 6.November in Beverwijk, anschließend natürlich Tournee. Auf der Website gibt es schon einen netten Clip der Nummer “Volendam” von der fiktiven Boyband ZILT, der einen schon nach Klompen, Käse und Heineken greifen lässt. Nach Volendam geht's hier.
Dramatischer wird es bei “1953 – de Musical”, das Van Hoorne Theaterproducties auf die Beine gestellt hat. Hier geht es um die große Flut, die in der Nacht vom 31.Januar zum 1.Februar einen großen Teil der Niederlande unter Wasser setzte. Dabei kamen 1800 Menschen ums Leben und über 100.000 Menschen wurden obdachlos. In Holland zählt die Flutkatastrophe heute zu den “50 wichtigsten Ereignissen der niederländischen Geschichte”. Wollen wir hoffen, dass die Macher nicht das ganze Theater dabei unter Wasser setzen. Regie führt Bas Groenenberg, die Musik stammt von Floris de Haan und Bas van den Heuvel. Im Ensemble finden sich hochkarätige Darsteller wie Ben Cramer, Joke de Kruijf, Marleen van der Loo, Filip Bolluyt, Marcel Smid und Dick Schaar. Bei der ersten Präsentation stellte Ben Cramer das Lied “Vijand of Vriend” vor. Die erste Aufführung ist am 15.Januar 2011 in Vlaardingen, die offizielle Premiere am 1.Februar in Middelburg. Mehr Info hier. Daneben gibt es natürlich noch die Großproduktionen "Mary Poppins" und "We will rock you", sowie kleinere Produktionen in Amsterdam, u.a. "La Cage aux folles" im De la Mar Theater und die neue Saison im M-Lab. Interessanter finde ich da jedoch allemal diese Eigengewächse mit holländischen Themen mit ihrer Kreativität und Originalität. Man sieht sich an der Nordsee...
Mittwoch, 2. Juni 2010
Les Misérables at the O2 – Overkill in London
Meinetwegen kann Cameron Mackintosh die Kuh melken bis sie umfällt, aber mittlerweile nimmt es doch groteske Züge an: Gleich drei “Produktionen” (wenn man so will) werden Anfang Oktober in London laufen: Die eigentliche Produktion im Queens Theatre an der Shaftesbury Avenue, die derzeitige UK-Tournee und Neuinszenierung im Barbican Theatre und am 3.Oktober nun auch noch das große Konzert zum 25.Geburtstag im Millennium Dome, der heute einfach nur noch O2 heißt.Heute stellte Mackintosh den größten Teil der Cast für das Konzert vor: Wie bereits vorher angekündigt werden Nick Jonas von den Jonas Brothers als Marius und “Little Britain”-Star Matt Lucas als Thenardier sein. Als Fantine wird Lea Salonga dabei sein und nicht wie oft befürchtet (oder gehofft, je nachdem) Susan Boyle. Der englische Tenor Alfie Boe, der seinen Durchbruch als Rodolfo in Baz Luhrmann’s Inszenierung von “La Boheme” am Broadway feierte und seitdem mehrere CDs eingesungen hat, wird den Valjean spielen. Norm Lewis kommt vom Broadway um seinen Gegenspieler Javert zu spielen und Jenny Galloway wird, wie schon so oft als Madame Thenardier dabei sein. Weitere Namen wurden noch nicht bekannt gegeben, als Enjolras ist angeblich Rhydian Roberts im Gespräch.
Insgesamt werden sich über 300 Darsteller und Musiker auf der Bühne des O2 tummeln, darunter auch Mitglieder der Premierenbesetzung 1985 und der aktuellen Besetzung in London.