Und wieder eine Film-Verwurstung für’s West End, doch diesmal immerhin ein Projekt das vielversprechend klingt: Die Schauspielerin und Sängerin Lily Allen arbeitet gerade angeblich an einer Musical-Version des Bridget Jones-Stoffes. Sowohl die originalen Bücher von Helen Fielding – “Bridges Jones’ Diary” und “The Edge of Reason” – waren weltweite Bestseller, als auch die Verfilmungen mit Renee Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth. Lily Allen wurde zitiert, dass sie bereits einen Song geschrieben habe und noch 11 weitere vor sich habe. Wollen wir doch mal hoffen, dass im fertigen Musical mehr als nur 12 Songs vorkommen. Egal, laut Daily Mail-Kolumnisten Baz Bamigboye stellte Helen Fielding das Musicalprojekt an dem sie selbst mitarbeitet neulich einem kleinen Kreis in London vor, darunter auch Stephen Daldry und Peter Darling, die bereits Billy Elliot erfolgreich auf die Bühne gebracht haben.
Montag, 31. Mai 2010
Bridget Jones Musical in London?
Und wieder eine Film-Verwurstung für’s West End, doch diesmal immerhin ein Projekt das vielversprechend klingt: Die Schauspielerin und Sängerin Lily Allen arbeitet gerade angeblich an einer Musical-Version des Bridget Jones-Stoffes. Sowohl die originalen Bücher von Helen Fielding – “Bridges Jones’ Diary” und “The Edge of Reason” – waren weltweite Bestseller, als auch die Verfilmungen mit Renee Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth. Lily Allen wurde zitiert, dass sie bereits einen Song geschrieben habe und noch 11 weitere vor sich habe. Wollen wir doch mal hoffen, dass im fertigen Musical mehr als nur 12 Songs vorkommen. Egal, laut Daily Mail-Kolumnisten Baz Bamigboye stellte Helen Fielding das Musicalprojekt an dem sie selbst mitarbeitet neulich einem kleinen Kreis in London vor, darunter auch Stephen Daldry und Peter Darling, die bereits Billy Elliot erfolgreich auf die Bühne gebracht haben.
Sonntag, 30. Mai 2010
Buch-Tipp: "Cats & Co - die Geschichte des Musicals im deutschsprachigen Theater" von Wolfgang Jansen
Gut, das Buch von Wolfgang Jansen ist bereits 2008 erschienen, doch für den Originalpreis von 24,95 Euro hatte ich eigentlich kein großes Interesse an noch einem Musicalführer, der alle möglichen Informationen aus anderen Führern und der “musicals” zusammenklaubt. Zumal mir Herr Jansen zwar als sehr gebildeter aber auch sagenhaft dröger Mensch in Erinnerung war, dessen theaterwissenschaftliche Abhandlungen in der "musicals" gewöhnlich den Charme einer Familienpackung Valium versprühen. Doch am Samstag stöberte ich das Buch nun in einem Remittenden-Laden für nur noch 9,95 Euro auf und da dachte ich, nun gut, man kann ja mal zugreifen. Und siehe da, das Buch entpuppte sich als wahrer Glücksgriff mit einer fundierten Informationsflut, für das man Herrn Jansen aufrichtigen Respekt zollen muß. Gerade für all die dummschwätzenden Fans in den Foren, die meinen sie hätten die Musicalweisheit mit dem Silberlöffel gefressen weil sie eine handvoll deutscher Großproduktionen kennen, sollte dieses Buch absolute Pflichtlektüre sein.Relativ trocken aber nie langweilig schildert Jansen die Entwicklung des deutschen Musicals ab den Nachkriegsjahren als auch die Theaterwelt Deutschlands wieder aus Ruinen auferstand. Auch ich alter Hase entdeckte gerade in den Schilderungen der 50’er und 60’er Jahre noch eine Unzahl neuer spannender Informationen. Interessant vor allem, dass das von den Besitzstandwahrern mit Klauen und Zähnen verteidigte Subventionstheater ausgerechnet von den Nazis eingeführt worden war, die damit die Kontrolle darüber, was wo gespielt wurde, erlangen wollten. Soviel zu dem gebetsmühlenartig wiederholten Argument, dass die Subventionen "Unabhängigkeit" sichern. Und dass damit die letzten Reste des privaten Unterhaltungstheaters zerstört wurden, die nach dem Exodus zahlloser Künstler in den 30’er Jahren noch übrig geblieben waren. Beim Gang durch die frühen Jahre wird aber auch deutlich, dass das Musical trotz allem Standesdünkel am Anfang eine viel größere Unterstützung fand und zahlreiche Stars den Weg auf die Musicalbühne fanden (ganz besonders hilfreich sind die vielen Besetzungslisten die Jansen akribisch aufführt).
Die zweite Zäsur nach dem Weltkrieg waren die späten 60’er Jahre und die allgemeinen Brüche in der Gesellschaft, die Deutschland das leidige Regietheater einbrockten und auch am Musical nicht spurlos vorbeigingen. Jansen merkt hier ganz richtig an, dass es eine Zeit war, als sich die aktuell populäre Musik und die für Musicals geschriebene Musik voneinander abkoppelten – etwas, das bis heute so geblieben ist, auch wenn es immer wieder Annährungen gegeben hat. Nach den flauen 70’ern geht es weiter mit dem Musicalboom der 80’er Jahre und den Entwicklungen seitdem, wobei das ganze Theater um Stella, Schwenkow und Stage Holding noch einmal gründlich aufgerollt und erklärt wird. Der Autor vergißt aber auch nicht die wenigen engagierten Stadttheater wie Heilbronn lobend zu erwähnen, sowie die rührigen kleinen Bühnen wie die Neuköllner Oper und die Hamburger Off-Szene und zeichnet natürlich auch die Geschichte in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz nach. Für mich, der die Entwicklung der letzten 20 Jahre selbst miterlebt hat, war es teilweise ein herrlicher "Walk down Memory Lane" und teilweise sehr hilfreiche Zusatzinformationen die mir nun ein besseres Gesamtbild vermitteln.
Bei der jüngeren Geschichte ist dann doch auch erstaunlich, dass früher scheinbar viel mutiger Stücke vom Broadway geholt wurden, auch wenn diese drüben gar nicht so erfolgreich waren, während es heute nicht mal Erfolgsstücke schaffen, darunter Stücke wie "The Music Man", "How to succeed in business without really trying", "Carnival", "Show Boat" oder "Company" sowie zahlreiche deutsche Eigengewächse, von denen leider die meisten nicht überlebt haben. Die Gräben zwischen dem achso-anspruchsvollen Stadttheater und dem Pfui-Musical-Unterhaltungstheater haben sich scheinbar in den letzten 10-20 Jahren eher noch vertieft.
Wie dem auch sei, ich habe festgestellt, dass das Buch mittlerweile auch bei Amazon & Co. für nur noch 9,95 Euro erhältlich ist und für diesen Preis sollte es wirklich den Weg ins Bücherregal von JEDEM halbwegs ernsthaft interessierten Musicalfan finden. Vielen Dank für diese feine Arbeit, Wolfgang Jansen!
ESC 2010: Germany 12 points?!
Okay, so richtig gehört der Eurovision Song Contest zwar nicht zum Thema Musical, aber andererseits schon, denn jedes Jahr tauchen dort auch Musicalstars auf oder Komponisten versuchen sich daran, wie im letzten Jahr Andrew Lloyd-Webber, dem es mit "My time" gelang, den notorischen Verlierer Großbritannien nochmal auf die vorderen Plätze zu hieven. In diesem Jahr war der Spanier Daniel Diges der einzige Vertreter der Musicalfraktion (u.a. Galileo in WWRY, Troy im "High School Musical" und zuletzt Sky in "Mamma mia"), der es mit "Algo pequenito" jedoch nur auf Platz 15 schaffte.Seit dem letzten Jahr ist der ESC ohnehin wieder interessanter geworden, denn seit zu 50% wieder eine Jury-Bewertung ins Ergebnis einfliesst, kann das elende Nachbarschafts-Abstimmen vor allem im Ostblock nicht mehr so stark das Ergebnis beinflussen. Und selbst Deutschland verblüffte damit, dass es die 12 Punkte nicht wie sonst üblich an die Türkei vergab, sondern an Belgien. Der belgische Beitrag "Me and my guitar" von Tom Dice war übrigens auch mein Favorit, moderner, schöner Gitarrenpop der an Duncan Sheik oder James Blunt erinnerte. Wobei auch die Türkei diesmal einen Beitrag ablieferte, der durchaus 12 points verdiente – mitreißender, moderner Rock, der wie fast alle hochplatzierten Beiträge auf alberne Gimmicks, Windmaschine und langmähnige Barbiepuppen verzichtete.
Womit wir bei Lena wären, unsererm hochgehypten "Jungstar", der dann verblüffenderweise mit dem mittelmäßigen Popliedchen "Satellite" tatsächlich gewann. Man mag von Lena halten was man will, vom selbstverliebten Auftreten dieser Göre und ihrem grauenhaften Englisch – gestern in Oslo zeigte sich, dass Stefan Raab & Co. ein Gespür für den Wandel der Zeit gehabt haben. "Satellite", ein von Amerikanern verfasstes Poplied, entspricht genau dem was in den Charts rauf und runtergenudelt wird und Lenas unbedarfter Auftritt schien in Europa anzukommen – staksig im schwarzen Kleidchen, zu dick geschminkt wie ein Teenie der sich auf seine erste Party mit den "Großen" wagt, das hatte etwas, das die Herzen gewann, auch meins, dem die Lena-Hype bis dahin schon ordentlich zum Hals raushing.Ob Lena, MaNga oder Tom Dice international Karriere machen, sei dahingestellt. Schön war es jedoch, dass sich der Trend, der sich letztes Jahr schon andeutete, beim ESC fortsetzte: Aktuelle, spannende Musik, die man auch in den Charts hören kann, und nicht mehr der Ethno-Folklore-Trash aus dem Osten, der meist weniger musikalisch überzeugte als durch die hübschen Barbiepuppen die ihn präsentierten. Auch wenn sich Safura aus Aserbaidschan und Eva Rivas aus Armenien noch immer recht weit vorne in der Platzierung tummelten. Mir persönlich tat es ein wenig leid für überzeugende Power-Balladen wie die aus Irland (Niamh Kavanagh "It’s for you") und Norwegen (Didrik Solli-Tangen "My heart is yours") aber auch diese scheinen ein Relikt aus vergangenen ESC-Tagen zu sein.
Sei’s drum, hier in Deutschland wird man sich wohl auf einen Sommer voller “Satellite”-Gedudel einstellen dürfen und ich freue mich darauf, wenn der ganze ESC-Zirkus im nächsten Jahr hier nach Köln kommt.
Freitag, 28. Mai 2010
Noch ein Geburtstagskonzert für Les Misérables
Cameron Mackintosh melkt seine größte Cash Cow weiter: Im Oktober wird es im O2 in Greenwich (wir Oldies kennen ihn noch als Millennium Dome) ein Konzert zum 25.Geburtstag von Les Misérables geben. Zur gleichen Zeit wird dann auch die aktuelle Tournee, die derzeit in Paris gastiert, in London im Barbican Theatre zu sehen sein, wo die Erfolgsstory 1985 begann. Außer in Madrid soll es auch in Italien, Mexiko, Korea, Japan und den USA neue Produktionen geben, vermutlich der Tournee-Version.Casting für das Jubiläumskonzert wurde noch nicht bekannt gegeben, der einzige Name der bislang veröffentlicht wurde, ist Jonas Brother Nick als Marius. Nick Jonas wird die Rolle ab 21.Juni auch für drei Wochen im Queens Theatre übernehmen – wer sich bei Horden von kreischenden Teenies gruselt, sollte das Theater in der Zeit lieber vermeiden. Für Nick Jonas ist es nicht das erste Mal, dass er in Les Miz auf der Bühne steht: 2003 war er bereits als Gavroche am Broadway dabei. Warten wir mal ab, wer wohl sonst noch beim 25th Anniversary Concert dabei sein wird. Susan Boyle, ick hör dir trapsen…
Hair schließt im September in London
Das Broadway Revival von "Hair", das erst Mitte April im Londoner Gielgud Theatre öffnete, wird am 4.September seine letzte Vorstellung erleben. Damit wird es keine neue englische Besetzung geben, wenn die Broadway Cast, die fast komplett von New York nach London wechselte, wieder in die USA zurück kehrt. Trotz viel positivem Feedback scheint "Hair" das Mainstream-Publikum nicht erreicht zu haben - obwohl die Show in Großbritannien nicht mal so zu Tode gespielt ist wie in Deutschland. Nun fragt sich der Autor dieser Zeilen ob er im Sommer doch noch Hair "mitnehmen" soll oder dem hochkarätig besetzten Revival von "All my sons" den Vorzug geben soll. Choices…
Mittwoch, 26. Mai 2010
"Spring Awakening" im English Theatre Frankfurt, deutsche Stadttheater im Tiefschlaf?
Immer wieder werde ich von Besitzstandswahrern angegriffen, weil ich es wage das heilige subventionenfressende System des deutschen Stadttheaterbetriebs zu kritisieren. Wie schon Daniel Kehlmann und etlichen anderen, die es wagen, Kritik zu üben, darf auch ich mir dann regelmäßig anhören "keine Ahnung" zu haben. Dass man sich mit dieser reflexartigen Abwehrhaltung schön selbst den Ast absägt, auf dem man (noch) sitzt und damit auch noch die Ablehnung beim großen Teil der Bevölkerung der längst nicht mehr in die Stadtheater geht verstärkt, scheint nicht in die Betonköpfe des Betriebs durchzudringen. Vor allem zeigt dieser seit Jahren köchelnde Konflikt hübsch, dass es in Deutschland scheinbar nur schwarz und weiß gibt: Kritiker am System haben "Keine Ahnung", und unterhalb des enervierenden Regietheaters folgt direkt RTL II und Reality-Shows. Dass Theater so viel mehr sein kann, als immer nur wieder die gleichen Klassiker durch den Regie-Fleischwolf drehen, scheint einfach nicht akzeptiert zu werden. Sei's drum, außer meiner Zwangsabgabe per Subvention fördere ich das Stadttheatersystem schon lange nur noch selten mit meinem Geld, dafür können sich Londoner Theater über meine regelmäßigen Kartenkäufe, auch fürs Sprechtheater, freuen.
Warum ich nun trotzdem wieder eine Tirade verfasse, die mir vermutlich wieder mal böse Kommentare einbringt? Ganz einfach: Weil das English Theatre of Frankfurt nun angekündigt hat, in der kommenden Saison "Spring Awakening" zu spielen, quasi als deutsche Uraufführung (in der englischen Originalfassung). Ähnlich wie die Kollegen im Stuttgarter Kelly Theatre, wo man ebenfalls am laufenden Band Uraufführungen zeigt, brauchen die Frankfurter sich nicht um die deutschsprachigen Rechte zu scheren, auf denen vermutlich noch der Herr Klokow sitzt. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum dieses zu recht weltweit gefeierte Pop-Musical von Duncan Sheik und Steven Sater zwar von Seoul bis Buenos Aires und von Oslo bis Manila gespielt wird, nicht jedoch in Deutschland. Oder sollte es wirklich möglich sein, dass sich kein einziges Stadttheater an den Stoff dran traut, weil man natürlich viel zu beschäftigt damit ist, "Jekyll & Hyde" im ganzen Land zu klonen oder die 325.Fassung von "Evita" zu spielen?
Wir mögen uns zwar ein weltweit einzigartiges Stadttheatersystem leisten – scheinen aber auch weltweit einzigartig darin zu sein großartige neue Stücke von Broadway und West End links liegen zu lassen, während man sich anderswo an "Spring Awakening", "Next to Normal" (Oslo), "Legally Blonde" (bald in Holland und Paris) oder "Zorro" (Paris, bald Moskau) erfreuen kann, weil es überall kleinere Theater gibt, die nicht unbedingt auf ein kommerzielles Millionenpublikum schielen müssen, und trotzdem ein breites Musicalrepertoire spielen weil das Musical dort kein "Igitt, pfui, leichte Unterhaltung!"-Stiefkind ist.
Lisette Pagler wird Julia in Stockholm
Auch Schweden hat die nächste Casting-Show überstanden: Die 29-jährige Lisette Pagler setzte sich im Finale von "Jakten på Julia" gegen die letzte Konkurrentin Frida Modén Treichl durch und steht nun neben Måns Zetterlöw auf der Bühne des Göta Lejon Teater in Stockholm. Die in Korea geborene Lisette Pagler ist kein Neuling, sie war u.a. in "Cats" und "Jesus Christ Superstar" zu sehen und spielt derzeit in "Singin' in the Rain" in Malmö. Und weil man es mit einem knallharten Profi zu tun hatte und nicht mit einer großäugigen Newcomerin, gab es prompt Ärger: Nach einem Bericht im "Expressen" könnte Lisette Paglers Engagement in "Romeo und Julia" noch an ihren Gehaltsvorstellungen scheitern. In der Zwischenzeit gibts hier einen Clip aus dem Finale:
Dienstag, 25. Mai 2010
Les Miserables wieder in Spanien
Spanien ist das erste Land in Europa, das die neue Version von Les Miserables in der Landessprache zu sehen bekommt. Stage Entertainment Spanien wird die Version, die derzeit anlässlich des 25.Geburtstags durch Großbritannien und Paris tourt, ab 18.November im Tetro Lope de Vega in Madrid zeigen. Man feiert damit gleichzeitig den 10.Geburtstag von Stage Entertainment in Spanien und den 100.Geburtstag der Madrider Prachtstraße Gran Via, so Julia Gomez Cora, die spanische Chefin der Firma. Schön, dass man wenigstens in Spanien etwas gebacken kriegt, wenn man hier zum Kulturhauptstadtjahr schon absolut gar nichts auf die Beine bekam.Wenn die Hauptakteure der europäischen Musical-McDonalds-Kultur Stage Entertainment und Cameron Mackintosh zusammen kommen, kann man wohl getrost davon ausgehen, dass die neue Les Miserables-Version von Laurence Connor und James Powell bald überall in Europa zu sehen sein wird. Vielleicht bekommt das Stück ja auch in Deutschland noch eine Chance, in einer besseren Übersetzung. Doch nun ist erstmal Paris dran, wo Les Miz ab morgen im Théâtre du Châtelet gezeigt wird – auf Englisch. Mon dieu.
Montag, 24. Mai 2010
"Fame the Musical" wieder in Paris
In Paris setzt man scheinbar auf Touristen um die Theater im Sommer zu füllen. Bereits zum dritten Mal wird an der Seine "Fame - the Musical" aufgeführt, diesmal im Casino de Paris, wo am 21.Juli Premiere ist. Das Interessante daran: Diesmal wird das Stück mit englischen Untertiteln gezeigt. Den Produzenten ist scheinbar klar, dass die Einheimischen in den Sommermonaten traditionell aus der Stadt flüchten, während Heerscharen von Touristen in Paris einfallen. Auch für deutsche Musicalfans sicher eine interessante Alternative, zumal die teuersten Karten gerade mal 34,50 Euro kosten. Zum ersten Mal wird "Fame" in einer "Cabaret"-Version gezeigt, d.h. im Parkett sitzt man vorne an Tischen. Was das soll wissen wohl nur die Produzenten, da es bei "Fame", anders als z.B. bei "Cabaret" oder "La Cage aux folles" nun wirklich keinen Zusammenhang mit dem Stück gibt.
Vier Drama Desk Awards für “Memphis”
Das Musical “Memphis” gewann gestern den Drama Desk Award für das beste neue Musical der Saison, Hauptdarstellerin Montego Glover musste sich den Preis für beste Hauptdarstellerin mit Catherine Zeta Jones teilen. Schaut man sich die Nominierungen an, zu denen auch die beiden Off-Broadway-Musicals “The Scottsboro Boys” und “Yank!” gehörten (neben der Addams Family, American Idiot und dem Vehikel von Sherie Rene Scott, “Everyday Rapture”), ist das schon recht erstaunlich, scheint aber der These zu entsprechen, dass man in schlechten Zeiten leichte Unterhaltung sucht. Auch “La Cage aux folles” durfte wieder abräumen; sowohl als bestes Revival als auch bester Hauptdarsteller (Douglas Hodge). Bei den Nebendarstellern wurden Christopher Fitzgerald (Finian’s Rainbow) und Katie Finneran (Promises, Promises) ausgezeichnet, Michael Mayer durfte den Preis als bester Regisseur für “American Idiot” entgegen nehmen. Auch das gelobte Off-Broadway-Stück “Bloody Bloody Andrew Jackson” bekam einen Award, den für das beste Buch (Alex Timbers) während“The Scottsboro Boys” für die besten Songtexte ausgezeichnet wurde (fast logisch, könnte man sagen, stecken hier doch John Kander und Fred Ebb hinter, die schon immer gute Texte geliefert haben statt dem heute üblichen banalen Quark). Den Preis für beste Musik ging dann noch einmal an “Memphis”. Insgesamt also eine sehr ausgeglichene und wenig überraschende Verteilung.
Und persönlich freue ich mich ja doch wieder ein wenig, dass das generische Franchise-Musical “Addams Family” schon wieder in die Röhre guckte. Vielleicht lernen die Produzenten irgendwann mal, dass Musicals mit Liebe gemacht werden müssen und nicht am Reißbrett um irgendeine erfolgreiche Marke weiter zu entwickeln und einen weiteren Vertriebskanal neben Kino, TV und Buch zu eröffnen.
Danielle Hope wird Dorothy
Während Deutschland dem Lena-Wahn nachgeht und eine fragwürdige Hype um den mittelmäßigen Song einer mittelmäßig begabten Göre gemacht wird, hat man in Großbritannien die Dorothy für das große "Wizard of Oz"-Revival gefunden, das ab Frühling 2011 im London Palladium zu sehen sein wird: Glückliche Gewinnerin ist die 18-jährige Danielle Hope aus Manchester, die sich im Finale gegen Sophie Evans und Lauren Samuels durchsetzte. Einen Vorgeschmack gibt es hier mit Danielles Version von "Over the Rainbow":
Mittwoch, 19. Mai 2010
"A little night music" geht, die "Scottsboro Boys" kommen
Für das Broadway-Revival von "A little night music" ist nun doch schon am 20.Juni Schluß, wenn die beiden großen Zugpferde Catherine Zeta-Jones und Angela Lansbury aussteigen. Die Suche nach zugkräftigen Nachfolgerinnen war scheinbar nicht erfolgreich. Damit bringt es die Produktion, die in London in der Menier Chocolate Factory ihre Uraufführung erlebte und übers West End nach New York kam, auf 217 Vorstellung und 20 Previews.Dafür zieht das neue und letzte Musical des Erfolgsteams Kander/Ebb, "The Scottsboro Boys", im Herbst an den Broadway um. Die Premiere soll im Oktober im Lyceum Theatre stattfinden, vorher soll es im Guthrie Theatre in Minneapolis noch ein zweites Tryout während der Sommermonate geben. Bei dem Stück geht es um junge Schwarze die 1931 wegen eines Verbrechens an weißen Frauen verurteilt wurden, obwohl sie unschuldig waren. Der Fall sorgte seinerzeit für viel Aufsehen. Kander/Ebb sind damit ihrer Linie treu geblieben, Musicals mit politischen Untertönen zu schreiben. Ob die anderen beiden Off-Broadway-Hits der Saison, "Bloody Bloody Andrew Jackson" und "Yank!" nach Midtown umziehen, steht noch nicht fest.
Montag, 17. Mai 2010
"Aspects of Love" - Hauptdarsteller bekannt
Die Menier Chocolate Factory in London hat nun die Hauptdarsteller für ihr geplantes Revival von "Aspects of Love" bekanntgegeben. Das Singspiel von Andrew Lloyd-Webber aus dem Jahr 1989, das auf dem gleichnamigen Buch von David Garrett basiert, wird vom 7.Juli bis 26.September gespielt werden. Die Hauptrolle des Alex Dillingham, die '89 Michael Ball zum Star machte, spielt der junge Texaner Michael Arden, seine Leading Lady Rose Vibert, die ältere französische Schauspielerin in die Alex sich verliebt, spielt Katherine Kingsley. In weiteren Hauptrollen sind Louisa Lydell und Martin Ellis zu sehen. Die Handlung von "Aspects of Love" passt auf einen Bierdeckel: Ganz wie der Titel sagt, geht es um verschiedene Aspekte der Liebe und wer sich mit wem in den Laken tummelt. So wie sich der frühere englische Spießbürger die Franzosen halt vorgestellt hat. Mal sehen, was die Menier Chocolate Factory daraus zaubert; eine Eintrittskarte ist schon gesichert.
Samstag, 15. Mai 2010
Stage Entertainment expandiert in Italien
Die McDonaldisierung der Musicalszene geht weiter. Diesmal trifft es Italien, als ob die armen Italiener mit Berlusconi, Wirtschaftsdefiziten und einem bröckelnden Kolosseum nicht schon genug gestraft sind. Stage Entertainment hat nach dem Teatro Nazionale in Mailand nun auch ein Theater in Rom erworben, das Teatro Branacaccio, in dem am 22.Oktober die italienische Version von "Die Schöne und das Biest" (die vorher in Mailand abgenudelt wurde) aufgeführt werden soll. Im Teatro Nazionale feiert am 24.September "Mamma mia" Italien-Premiere, außerdem schickt Stage Entertainment "Flashdance" auf Tournee durchs Land.Andererseits: Die Italiener selbst machens auch nicht viel besser. Die Compania della Rancia, die in der vergangenen Saison noch einen riesigen Erfolg mit "Cats" feierte, hat als nächste Produktion eine Bühnenfassung der in Italien unglaublich beliebten US-Serie Happy Days angekündigt. Happy Days lief von 1974-1984 und machte vor allem die Figur des Fonzie unsterblich. Da die Serie in den 50’ern und frühen 60’ern spielt, kann man sich also auf die x-te Version der "Früher war alles besser"-Nostalgie einstellen mit Elvis & Co.
Bombay Dreams wird verfilmt
Das Bollywood-Musical von AR Rahman, das einst von Andrew Lloyd Webber in London und New York mit mittelmäßigem Erfolg produziert wurde, soll verfilmt werden. Sabrina Dhawan (Monsoon Wedding) wird das Drehbuch schreiben, die Dreharbeiten werden 2011 in Indien stattfinden, berichtet Variety. Casting wurde noch nicht bekannt gegeben – bleibt zu hoffen, dass die Prozenten Marquee Pictures und Really Useful Group den Mut haben werden, einen echten Bollywood-Film daraus zu machen und keine blutleere “westernisierte” Version. Und ob die Hauptdarsteller selbst singen werden oder gar nicht, wie in Bollywood üblich.
Freitag, 14. Mai 2010
Spiderman nimmt wieder Anlauf
Wie Kolumnist Michael Riedel heute in der New York Post zu berichten wusste, sollen die Vorbereitungen für "Spiderman: Turn off the dark" am Broadway wieder in die Gänge gekommen sein. Die Proben sollen im Sommer beginnen, die Premiere ist für November geplant. Patrick Page, der die Hauptrolle in “Dr Seuss’ How the Grinch Stole Christmas” spielte, soll die Rolle des Green Goblin übernehmen, von der Alan Cumming zurückgetreten war. Wer Mary Jane übernimmt, ist noch nicht bekannt; Spiderman selbst, Reeve Carney ist weiterhin an Bord.Die Finanzierung soll mittlerweile gesichert sein, doch Riedel rechnet vor: Pro Woche wird die Show $850.000 kosten (ohne Royalties) – damit Spiderman Gewinn macht, müsste die Show fünf Jahre lang ständig ausverkauft sein und ihre Premium Seats zum vollen Preis verkaufen. Von dieser Fantasie hat man sich wohl schon verabschiedet und plant nach der Broadway-Premiere eine Tournee die statt in normalen Theatern in 10.000-Plätze-Sportarenen laufen soll. Man darf gespannt sein, was diesmal aus den Ankündigungen wird.
Donnerstag, 13. Mai 2010
Kommt das Phantom der Oper nach Paris?
Es ist seit Jahren eine der rosigsten Fantasien der Musicalfans: Webbers Phantom der Oper am Originalschauplatz, dem Palais Garnier in Paris. Doch scheinbar werden sie sich mit dem Théâtre du Châtelet zufrieden geben müssen. Der Kartenvorverkauf für die kommende Saison wurde nun eröffnet, zur Auswahl stehen My Fair Lady, Sweeney Todd und Showboat. Zugleich wurde bekannt gegeben, dass man sich scheinbar in Verhandlungen um die französischen Rechte für das Phantom der Oper befindet.
"Cannibal! The Musical!" in London abgesagt
Das für diesen Sommer mit Leicester Square Theatre angekündigte Musical wurde nun abgesagt. Die Schuld dafür sucht Produzent Frazer Brown bei Jason McHugh, dem amerikanischen Rechteinhaber von Cannibal!. Der South Park-Erfinder McHugh hatte urplötzlich seine Zustimmung zu der Aufführung in London zurückgezogen, scheinbar ohne konkrete Gründe zu nennen. Cannibal! Ist die Geschichte von Alfred Parker, dem einzigen Mann, der in den USA je wegen Kannibalismus verurteilt wurde. Das Musical, basierend auf einer Filmadaption von Trey Parker, wurde 2001 am Off-Broadway uraufgeführt.
Dienstag, 11. Mai 2010
"Fela!" auf Europa-Tournee
Könnte dies ein neues Erfolgsmodell für Broadwaymusicals in Europa werden? Die Produzenten des Afrobeat-Musicals "Fela!" gaben heute bekannt, dass nicht nur die übliche US-Tournee des Stückes bald anlaufen soll, sondern auch eine weltweite Tournee. Als Stationen wurden Toronto, Sydney, Melbourne, Paris, Amsterdam und Rotterdam genannt. Dabei handelte es sich um eine zusätzliche Aufführung und nicht um eine Fortsetzung der Produktion in London, die nur zeitlich begrenzt im National Theatre zu sehen sein wird. Warum Holland gleich zweimal vertreten ist und andere Länder gar nicht, scheint mir momentan etwas mysteriös, aber weitere Tournee-Orte werden sicher noch hinzu kommen.Schön wäre es, wenn auf diese Art weitere Stücke vom Broadway nach Europa kommen, die für die kommerziellen Produzenten zu riskant sind und für die die Stadttheater wie so oft zu desinteressiert sind (wobei man im Fall von "Fela!" fairerweise sagen muss, dass das auch am Stadttheater keinen Sinn hätte und die Tournee wohl am ehesten noch auf afrikanische Communities in Europa und Australien abzielt)
Niederländische Musical Awards: Mary Poppins räumt bei Nominierungen ab
Keine Überraschungen als nun die Nominierungen für die diesjährigen Musical Awards im platten Nachbarland verkündet wurden: "Mary Poppins" räumte insgesamt 15 Nominierungen ab, gefolgt von "All shook up – Love me tender" und "Dromen zijn bedrog" mit jeweils 10 Nominierungen. "The Full Monty" und "Urinetown" erhielten je 8 Nominierungen, "Hairspray" brachte es auf nur 5. Die hohe Anzahl der Nominierungen ergibt sich daraus, dass bei Darstellern zwischen "großen" und "kleinen" Produktionen unterschieden wird, so dass z.B. ein Willem Spaaij als bester Hauptdarsteller in "Mary Poppins" unter "große" Produktionen fällt, ein René van Kooten in "Urinetown" unter "kleine" Produktionen fällt – und Noortje Herlaar ironischerweise gleich zweimal als "bester Newcomer" nominiert wurde – sowohl für "Mary Poppins" als auch für "Urinetown". So richtig logisch ist das alles nicht mehr, aber solange wir es nicht mal gebacken kriegen überhaupt irgendwelche Awards zu verleihen, werde ich auch nicht über den Käse aus Holland lästern.
Montag, 10. Mai 2010
All-Star Cast für "Rent" in der Hollywood Bowl
Mittlerweile steht fast die gesamte Cast von "Rent" fest, dem Regiedebüt von Alleskönner Neil Patrick Harris am 6.-8.August in der Hollywood Bowl in Los Angeles. Neben TV-Star Wayne Brady, der in "How I met your mother" als Bruder von NPH's Barney zu sehen war und "High School Musical"-Star Vanessa Hudgens als Mimi ist nun "Next to Normal"-Star Aaron Tveit als Roger verpflichtet worden. Den Mark gibt Skylar Astin, der zur Original Cast von "Spring Awakening" am Broadway gehörte, als Benny ist Collins Pennie zu sehen, der zuletzt als Malik in der neuen "Fame"-Verfilmung beeindruckte. Mit Tracie Thoms als Joanne und Telly Leung als Angel sind auch zwei "Rent"-Veteranen dabei. Ein Fragezeichen steht momentan noch hinter Maureen. Gemunkelt wird über Lea Michele, deren Bekanntschaft NPH neulich erst bei seinem Gastauftritt in "Glee" gemacht haben dürfte. Lea stand schonmal in der Hollywood Bowl auf der Bühne, als sie Eponine in "Les Miserables" sang. Bei derartig geballter Starpower dürfen wir vielleicht auf eine DVD hoffen.
"Hinterm Horizont" - Premiere auf Januar verschoben
Ach, da gibt mir die gute alte Stage Entertainment doch eine Steilvorlage mit der Pressemitteilung, dass die Premiere des Lindenberg-Recyclings "Hinterm Horizont" auf Mitte Januar 2011 verschoben wird. Soviel zum "geschichtsträchtigen" Premierendatum 9.11. Der Grund? Es wird mehr "Vorbereitungszeit" benötigt. Sorry Leute, das klingt wieder mal – um bei den Fussball-Metaphern zu bleiben – nach einem klassischen Eigentor. Ähnlich wie beim Schnellschuss "Ich will Spass" wurde Lindenberg quasi von heut auf morgen angekündigt, während Stücke die angeblich seit Jahren geplant sind, in der Schublade versauern, wie z.B. das eigentlich recht verheißungsvolle Projekt "Die unendliche Geschichte" (Ein Schelm wer böses bei dem Titel denkt). Lieber Onkel Joop: Du scheinst mir ja nun ein Theatermensch mit Leib und Seele zu sein mit einem guten Gespür fürs Geschäft, der in den Niederlanden in den letzten 20 Jahren erstaunliches bewegt hat. Und wenn man deine Expansion europaweit ansieht, so mag man vielleicht deine McDonalds-Monokultur als todlangweilig ablehnen, aber man muss dem Erreichten doch Respekt zollen. Wer hätte gedacht, dass in Paris, bis dahin der Friedhof für anglo-amerikanische Musicals schlechthin, ein Löwenkönig so lange so gut laufen würde? Wer hätte gedacht, dass man von Spanien bis Russland erfolgreich die gleichen Musicals aufziehen könnte? In der Hinsicht hast du dein Vorbild Cameron Mackintosh, dem Erfinder der globalisierten Musical-Monokultur, schon übertroffen.
Aber bitte, lieber Onkel Joop: Räum endlich mal deine Chefetage in Deutschland auf und ersetze die Manager, in deren Brust ein Taschenrechner schlägt und kein Herz, mit Leuten in deren Adern echtes Theaterblut fließt. Was hierzulande abgeht ist nur noch ein Trauerspiel. Noch kannst du dich auf deinen Megasellern wie dem Löwenkönig und den Vampiren ausruhen, doch es ist allgemein bekannt, dass der Nachschub schwächelt. Aus dem ehemaligen Exporteur Wien ist nun ein Importeur geworden, wann das letzte neue britische Musical in London ein Kassenküller wurde, ist im Nebel der Zeit verloren und am Broadway konzentriert man sich immer mehr auf amerikanische Themen, die in Deutschland ganz sicher nicht Ensuite laufen würden – egal ob es die munteren Latinos von "In the Heights" sind oder die pillenschluckende Mutti aus "Next to Normal". Und was wird dann wenn der Nachschub versiegt? Wenn neue Produkte wie "Sister Act" und "Zorro" schon bei ihren ersten Testläufen schwächeln statt sich zu verkaufen wie warme Semmeln? Dann, lieber Onkel Joop, wird das Colosseum nicht das einzige Theater bleiben, das geschlossen werden muß.
Es grüßt dich, in tiefster Sorge, ein langjähriger Musicalliebhaber, der mittlerweile fast ausschliesslich in London (und ab und zu in New York) Musicals besucht und der sich nach frischen neuen Shows "made in Germany" sehnt.
PS: Damit wir uns nicht mißverstehen: "frisch und neu" heißt für mich nicht, dass uralte Lindenberg-Songs neu orchestriert auf die Bühne gehievt werden. "Frisch und neu" heißt für mich, lasst mal einen fähigen Komponisten wie Herrn Lingnau an ein spannendes Thema mit einem originalen Buch ran.
Samstag, 8. Mai 2010
Sister Act schliesst schon am 30.Oktober
Das Aus für Sister Act kommt nun schon früher als erwartet: Am 30.Oktober ist Schluss im London Palladium – vorgeblich, weil die Show nun doch in ein anderes Theater in London umzieht. Auch eine Broadway-Premiere wurde für Frühling 2011 angekündigt, sowie eine Tournee in Großbritannien und “diverse internationale Produktionen”. Von all den rosigen Plänen steht bislang nur Hamburg fest, by the way. Aber wir haben es hier ja mit Stage Entertainment und ihrem Marketing zu tun, wo immer schwammige, vollmundige Lobpreisungen verkündet werden, hinter denen letztendlich nicht viel steht. Nein, ich wünsche Sister Act nichts böses, so schlecht war die Show ja gar nicht. Aber mir geht dieses aufgeblasene Marketing-Geschwafel mittlerweile unsäglich auf die Nerven. Endlose Ankündigungen von neuen Musicals, die vielleicht, eventuell, irgendwann mal an den Broadway gehen könnten und das ewige Schönreden von mittelmäßig erfolgreichen Stücken. In jeder anderen Branche würde man so längst seine Glaubwürdigkeit verloren haben.
Freitag, 7. Mai 2010
Buchtipp: Marc Acito - Attack of the Theater People
Die Musicalwelt gähnt derzeit vor sich hin als ob schon das Sommerloch ausgebrochen wäre. Am Broadway diskutiert man noch über die Tony-Nominierungen, in London schmollt man weil der englische Theater-Hit "Enron" in New York floppte und an "Neuigkeiten" gibt es nur die x-ten Ankündigungen wessen alte Hits für ein "Musical" verwurstet werden sollen (von John Denver bis Kylie Minogue ist alles dabei) und welche Filme verwurstet werden sollen (Dances with Wolves? Devil's Advocate?). Da verkriecht man sich doch lieber mit einem guten Buch aufs Sofa, wo es bei dem Wetter eh am schönsten ist. Marc Acito hatte bereits mit seinem Erstling "How I paid for college – A tale of Sex, Theft, Friendship and Musical Theatre" einen Hit gelandet. Darin schildert sein Ich-Erzähler Edward Zanni eine haarsträubend komische Geschichte über das Erwachsenwerden in den frühen 80er Jahren in New Jersey und seine Träume ein Broadway-Star zu werden. Im Nachfolger "Attack of the Theater People" legt Acito nun nach und für Musicalfans wird es gleich noch spannender, denn das Buch ist gespickt mit Anekdoten vom Broadway in den späten 80er Jahren. Edward und seine verrückte Clique geraten diesmal in Manhattan in absurde und zum Brüllen komische Verwicklungen und dabei wirken die Figuren trotz der dick aufgetragenen Comedy ausgesprochen real: Edward, der ewige Loser, sein ständig halbseidene Pläne ausbrütender Kumpel Nathan Nudelman ("Sure, blame it on the Jew"), die arrogant-schöne Perserin Ziba, die ständig leicht abgehobene Willow und der humorlos-ehrgeizige linksradikal angehauchte Marcus dessen "Music Man"-Konzept man wahrscheinlich im deutschen Regietheater mit offenen Armen empfangen würde. Köstlich auch das große Finale, bei dem Edward auf völlig unerwartete Art sein Broadway-Debüt gibt – im "Starlight Express" im Gershwin Theatre. Für Musicalfans sollte dieses Buch Pflichtlektüre sein.
Dienstag, 4. Mai 2010
Tony Award Nominierungen 2010
Da sind sie nun die Tony-Nominierungen. Als Verlierer darf sich wohl die Addams Family fühlen: Eine einzige Nominierung für die beste Musik war drin, nicht mal die Zugpferde Nathan Lane und Bebe Neuwirth wurden nominiert. Wobei die "beste Musik"-Kategorie deutlich widerspiegelt, wie mau diese Saison war: Mit "Enron" und "Fences" wurden hier sogar zwei Nicht-Musicals nominiert! Gut weggekommen ist wie erwartet "Fela!" mit 11 Nominierungen, ebenso wie das Menier-Revival von "La Cage aux folles". Hier ist die Liste aus dem Musical-Bereich:
Best Musical
American Idiot
Fela!
Memphis
Million Dollar Quartet
Best Book of a Musical
Everyday Rapture
Dick Scanlan and Sherie Rene Scott
Fela!
Jim Lewis & Bill T. Jones
Memphis
Joe DiPietro
Million Dollar Quartet
Colin Escott and Floyd Mutrux
Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre
The Addams Family
Music & Lyrics: Andrew Lippa
Enron
Music: Adam Cork
Lyrics: Lucy Prebble
Fences
Music: Branford Marsalis
Memphis
Music: David Bryan
Lyrics: Joe DiPietro, David Bryan
Best Revival of a Musical
Finian's Rainbow
La Cage aux Folles
A Little Night Music
Ragtime
Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Kelsey Grammer, La Cage aux Folles
Sean Hayes, Promises, Promises
Douglas Hodge, La Cage aux Folles
Chad Kimball, Memphis
Sahr Ngaujah, Fela!
Best Performance by a Leading Actress in a Musical
Kate Baldwin, Finian's Rainbow
Montego Glover, Memphis
Christiane Noll, Ragtime
Sherie Rene Scott, Everyday Rapture
Catherine Zeta-Jones, A Little Night Music
Best Performance by a Featured Actor in a Musical
Kevin Chamberlin, The Addams Family
Robin De Jesús, La Cage aux Folles
Christopher Fitzgerald, Finian's Rainbow
Levi Kreis, Million Dollar Quartet
Bobby Steggert, Ragtime
Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Barbara Cook, Sondheim on Sondheim
Katie Finneran, Promises, Promises
Angela Lansbury, A Little Night Music
Karine Plantadit, Come Fly Away
Lillias White, Fela!
Best Scenic Design of a Musical
Marina Draghici, Fela!
Christine Jones, American Idiot
Derek McLane, Ragtime
Tim Shortall, La Cage aux Folles
Best Costume Design of a Musical
Marina Draghici, Fela!
Santo Loquasto, Ragtime
Paul Tazewell, Memphis
Matthew Wright, La Cage aux Folles
Best Lighting Design of a Musical
Kevin Adams, American Idiot
Donald Holder, Ragtime
Nick Richings, La Cage aux Folles
Robert Wierzel, Fela!
Best Sound Design of a Musical
Jonathan Deans, La Cage aux Folles
Robert Kaplowitz, Fela!
Dan Moses Schreier and Gareth Owen, A Little Night Music
Dan Moses Schreier, Sondheim on Sondheim
Best Direction of a Musical
Christopher Ashley, Memphis
Marcia Milgrom Dodge, Ragtime
Terry Johnson, La Cage aux Folles
Bill T. Jones, Fela!
Best Choreography
Rob Ashford, Promises, Promises
Bill T. Jones, Fela!
Lynne Page, La Cage aux Folles
Twyla Tharp, Come Fly Away
Best Orchestrations
Jason Carr, La Cage aux Folles
Aaron Johnson, Fela!
Jonathan Tunick, Promises, Promises
Daryl Waters & David Bryan, Memphis
Award Saison am Broadway
Am heutigen 4.Mai werden in New York die Tony-Nominierungen bekannt gegeben. "Glee"-Star Lea Michele und Jeff Daniels werden ab 14:30 Uhr deutscher Zeit die Nominierungen verkünden - netterweise können wir nicht nur dank der günstigen Zeit dabei sein, sondern auch weil die Zeremonie live bei www.tonyawards.com übertragen wird. Das letzte Musical von Kander/Ebb, "The Scottsboro Boys" hat derweil den Lucille Lortel-Award für das beste neue Off-Broadway-Musical der Saison gewonnen. Das Stück gehört mit neun Nominierungen auch zu den großen Favoriten der Drama Desk Awards, die am Wochenende ebenfalls ihre Nominierungen verkündet haben. Die Kategorie bestes neues Musical zeigt, wie einfallslos diese Saison war, denn hier ist wie Kraut und Rüben wirklich alles versammelt: American Idiot, Everyday Rapture, Memphis, The Addams Family, The Scottsboro Boys und Yank!
Sonntag, 2. Mai 2010
Rock me Amadeus – Mozart goes Brüssel
Ich habe ja das diffuse Gefühl, dass die französischen "spectacles" in den letzten Jahren an Qualität nachgelassen haben. Besonders deutlich wurde dies, als ich im Februar endlich nochmal "Notre Dame de Paris" sehen konnte mit seinen zahllosen grandiosen Songs und der unaufgeregten Inszenierung, die nicht mit viel Brimborium und Spektakel von belangloser Musik und seichter Story ablenken braucht. Der gestrige Besuch des aktuellen spectacles "Mozart – L’Opera Rock" im Forest National in Brüssel bestätigte dieses Gefühl leider mal wieder. Da half es auch nichts, dass Olivier Dahan Regie führte, der u.a. auch den großartigen Edith Piaf-Film "La Môme" mit Marion Cotillard gedreht hat. Immerhin, besser und vor allem unterhaltsamer als ein gewisses Musical mit gleichem Titel war’s allemal.
Der erste Akt geht wie im Flug vorbei, es geht um Mozarts Anfängerjahre, die ihn von Salzburg über München und Mannheim nach Paris führen, wo er mit seinem großen Hit "Tatoue-Moi" losrocken darf und das Publikum so richtig wach wird. Es wird sich nicht mit zuvielen Belanglosigkeiten und Nebenfiguren aufgehalten, man bleibt bei Mozart, seiner Familie und den Webers. Im zweiten Akt ist Mozart dann in Wien angelangt und bei seiner Fehde mit Salieri. Wenn Mozart aussieht wie einer der unsäglichen Emo-Vampire aus Twilight, wirkt Salieri eher wie ein libanesischer Zuhälter als ein Komponist am Wiener Hof, aber sei’s drum, auch er wird vom Publikum frenetisch gefeiert und dominiert den 2.Akt. Die Autoren haben auch keine Angst davor, echte Mozart-Klänge, von einem kleinen Orchester live gespielt, auf die Bühne zu bringen, die einen schönen Kontrast zum modernen Franko-Pop des Musicals bieten. Zum Schluss wird es dann auch noch richtig bewegend, wenn der sterbende Mozart mit Salieri den meinesachtens besten Song "Vivre à en crever" singen darf. Bis dahin gibt es zahlreiche knallbunte riesige Bühnenbilder, üppige Kostüme und im 2.Akt auch erstaunlich viel Klamauk in Form des intriganten Graf Rosenberg am Wiener Hof (was sich leider in die Länge zieht).
Ein Problem der Show ist ganz sicher der Hauptdarsteller Mikelangelo Loconte, ein schmächtiges Kerlchen italienischer Provenanz, den man sich in etlichen Rollen gut vorstellen kann, aber nicht als Weiberheld Mozart. Beim Blick ins Programmheft mag man kaum glauben, dass er 36 Jahre sein soll. Er singt und spielt gut, ist sympathisch, das Publikum liebt ihn sowieso, aber die grandiose Ausstrahlung die eine solch tragende Rolle braucht, fehlt ihm. Da erinnert man sich wehmütig an einen Emmanuel Moiré, der den Sonnenkönig Louis XIV. so fantastisch gegeben hat oder an die Starriege aus Notre Dame de Paris. Das gleiche lässt sich über Florent Mothe als Salieri sagen, der mir einfach zu schmierig war und wie eine Karikatur daher kam. Die Damen sind eigentlich nur schmückendes Beiwerk, Maeva Méline als Nannerl darf vor allem süß sein, Diane Dassigny als Constance auch mal biestig. Ein unterhaltsamer Abend wars – wie schon beim letzten Stück Cleopâtre – allemal und allein die Rockkonzert- und Partystimmung die sich in Brüssel immer wieder entfaltet, ist den Besuch wert. So auch hier, wo Loconte und Mothe bei ihren ersten Auftritten ebenso mit lautem Gekreisch empfangen wurden wie die großen Hits des Stückes. Trotzdem würde ich mir nochmal weniger Spektakel wünschen und eine ernsthaftere Inszenierung.
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