Mittwoch, 31. März 2010

Musikalitis macht Urlaub!

Über die Ostertage und noch zwei Wochen lang wird der Schreiberling dieses Blogs im fernen Indochina weilen, im realen Vietnam das mit einer gewissen Schmonzette nicht viel gemeinsam hat und "nebenan" in Kambodscha.

In dieser Zeit bis zum 15.April wird es leider auch keine Updates geben (nicht, dass im Moment so wahnsinnig viel los wäre in der Musicalszene).


Musikalitis goes on vacation! See you all in two weeks!


PS: Sorry an diejenigen, die mir "Angeberei" unterstellen... ich kann nix dafür, dass mich zwei Wochen Camping an der Nordseeküste nicht prickeln.

Nicht genügend Zorros in Holland?

Die AVRO hat in Holland die Bewerbungsfrist für potenzielle Zorros bis nach Ostern verlängert – bislang war man wohl mit der Auswahl an Kandidaten für die neue TV-Casting-Show "Op zoek nach Zorro" noch nicht zufrieden. Wie ausgeklügelt die Casting-Konzepte sind, merkt man vor allem am Statement dass "man vor allem noch Amateure suche, z.B. Sport-Fechter, die privat gerne singen", während man bislang vor allem Bewerbungen von Musicalprofis erhalten habe. Da will man die Show dann wohl gerne noch mit ein paar Außenseitern ausstaffieren. Der französischen "Zorro"-Produktion ist derweil auch weiterhin kein Glück beschieden: Nachdem schon die Auslastung weit hinter den Erwartungen zurückblieb, wurde das Musical nun auch bei den Nominierungen zum wichtigsten französischen Theaterpreis "Moliere" komplett ignoriert.

Sonntag, 28. März 2010

Tony Saison am Broadway

Dass am Broadway die Tony Awards vor der Tür stehen, merkt man an den zahlreichen Premieren die derzeit stattfinden: Gerade noch rechtzeitig um eine Nominierung erhaschen zu können, spät genug um bei den Jury-Mitgliedern bis zur Entscheidung nicht in Vergessenheit zu geraten.
Auf dem Laufenden zu bleiben fällt mir schwer, zumal soviele “neue” Musicals wieder einmal irgendwas in irgendeiner Form recyceln, so wie nun “Come Fly Away”, eine Tanztheater-Produktion von Twyla Tharp, die die berühmtesten Songs von Frank Sinatra choreographiert hat und “Million Dollar Quartet”, das eine gemeinsame Rock’n’Roll Session von Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Johnny Cash und Carl Perkins im Jahr 1956 in Memphis nachspielt. “Memphis” hat immerhin originale Musik von Joe DiPietro zu bieten, bleibt aber auch in den goldenen 50’er Jahren kleben, denen Amerika noch immer heftigst nachzutrauern scheint.


Neben “Fela!”, das politisch korrekt ganz sicher den Tony als bestes neues Musical gewinnen wird, gibt es eigentlich nur zwei große Musicalpremieren, die unterschiedlicher nicht sein können: Auf einer Seite das familienfreundliche Gruselmusical “The Addams Family” mit Bebe Neuwirth und Nathan Lane, auf der anderen Seite der krachende Punkrock von Green Day in “American Idiot”. Wo meine Sympathien liegen, dürfte ja bekannt sein.


Im Bereich Revivals sieht es nicht viel besser aus: Hier werden sich die London-Importe “La Cage aux Folles” und “A little night music” mit dem Burt Bacharach-Revival “Promises, Promises” mit Kristin Chenoweth und Sean Hayes messen müssen. Bemerkenswert ist in meinen Augen wieviele groß angekündigte Produktionen es in dieser Saison nicht geschafft haben: Neben der Farce, zu der sich “Spiderman” entwickelt hat, ist auch “Catch me if you can” scheinbar schon in den Tryouts verstorben. Definitiv für die kommende Saison ist bislang wohl nur die Musicalversion von Pedro Almodovars Film "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs".

Samstag, 27. März 2010

Imagine This erscheint auf DVD

Wer erinnert sich noch an “Imagine This”? Dieses Musical von Shuki Levy und David Goldsmith spielte im späten Herbst 2008 mal gerade sechs Wochen im New London Theatre und reihte sich nahtlos in eine Reihe Flops ein, darunter auch “Gone with the wind” und “Marguerite”. Genau wie letzteres (zu ersterem kann ich nichts sagen), hatte “Imagine This” sicher mehr verdient. Schon vor etlichen Jahren existierte “Imagine This” als Studio-CD mit dem Titel “Masada” und beeindruckte mit einer Reihe herrlicher Balladen und Ensemble-Nummern.

Masada ist eine der ganz großen Legenden des jüdischen Volkes: Im Jahr 73 n.Chr beginnen in der Bergfestung Masada am Toten Meer 960 Juden, die von einem übermächtigen römischen Heer belagert wurden, kollektiv Selbstmord. “Lieber ruhmvoll sterben als elend leben” hieß die Parole. Wie jemand auf die Idee kam, diese doch recht deprimierende Geschichte als Musicalstoff zu verwenden, bleibt schleierhaft. Aber es waren die 90’er, “Les Mis” und ähnliche Musicals in denen gestorben und gelitten wurde, hatten ihre große Zeit und für viele Fans konnten die Stoffe gar nicht deprimierend genug sein.

Und tatsächlich reichte “Masada” einigen Produzenten noch nicht – um die eigentliche Geschichte wurde für die Aufführung in London eine weitere Geschichte gestrickt, die im Warschauer Ghetto währen des 2.Weltkriegs spielt und in der eine Gruppe Juden die Legende von Masada als Stück im Stück aufführt. Da halfen dann auch Levys schöne Balladen nicht mehr; das überfrachtete Stück wurde von den Kritikern zerfetzt, das Publikum blieb aus. Ob es nun am deprimierenden Stoff lag, am seltsam faden neuen Titel oder an der Location, bleibt dahingestellt. Für alle, die “Masada/Imagine This” etwas Gutes abgewinnen konnten oder die die kurzlebige Aufführung in London verpasst haben, gibt es nun als Trost das Stück auf DVD. Enthalten sind neben einem Live-Mitschnitt aus dem New London Theatre auch zwei Bonus-Songs und eine Talkshow-Runde. Die DVD erscheint am 26.April und wird bei Dress Circle £19.99 kosten.

Carey Mulligan und Hugh Grant im My Fair Lady-Remake?

Anscheinend hat Carey Mulligan (in diesem Jahr für “An Education” für den Oscar nominiert) das Rennen um Eliza Doolittle im geplanten Remake von “My Fair Lady” gemacht. Das verriet Emma Thompson der BBC in einem Interview. Weiterhin war zu hören, dass Hugh Grant im Gespräch als Henry Higgins ist. Während mir dieses Casting zunächst reichlich spanisch vorkommt, wäre Grant noch immer eine bessere Wahl als Macho-Man Daniel Craig der ebenfalls im Gespräch war. Emma Thompson schreibt gerade an einem behutsam aktualisierten Drehbuch, Joe Madden (“Shakespeare in Love” soll Regie führen). Die erste Verfilmung mit Audrey Hepburn und Rex Harrison ist einer DER Filmklassiker schlechthin und gewann seinerzeit acht Oscars.

Mittwoch, 24. März 2010

American Idiot – Filmdeal schon vor der Broadway-Premiere?

Tom Hanks und Green Day würde man wohl normalerweise nicht unbedingt in einem Atemzug nennen. Doch während "American Idiot" am heutigen Mittwoch die erste Preview am Broadway erlebt, meldet das Online-Filmmagazin Deadline, dass Tom Hanks und Gary Goetzman, denen die Produktionsfirma Playtone gehört, bereits mit den Machern über eine Filmversion sprechen.

Hanks hatte schon einmal den richtigen Riecher: Playtone produzierte zuletzt die Filmversion von "Mamma mia", die über $610 Millionen weltweit einnahm und die mit Abstand erfolgreichste Musicaladaption für die Leinwand war.
Playtone wird vermutlich wieder mit Universal zusammenarbeiten, wo man derzeit schon eine Filmversion von "In the Heights" vorbereitet - Kenny Ortega führt Regie, Lin-Manuel Miranda soll wie schon auf der Bühne die Hauptrolle spielen. Bei der Konkurrenz von New Line ist derweil die Arbeit an "Rock of Ages" im Gange: Autor Chris D'Arienzo schreibt sein Libretto gerade zum Drehbuch um.

Der Blog wünscht "American Idiot" aber nun erstmal toi, toi, toi für den Broadway. Rock it, boys.

Die Pariser Aufführung von “A little night music” heute abend bei France Musique zu hören

Sondheim-Fans können sich freuen: Am heutigen Mittwoch Abend um 20.00 Uhr sendet das französische Klassik-Radio France Musique die aktuelle Pariser Aufführung von “A little night music” aus dem Théâtre du Châtelet. Der Sender kann auch im Internet gehört werden. Es handelt sich dabei nicht um eine Live-Übertragung aus dem Theater: Das Musical wurde bereits am 15.Februar im Theater aufgenommen und wird nun gesendet. Stephen Sondheim war selbst bei den Proben und der Premiere in Paris dabei – schliesslich war es das erste Mal überhaupt das eines seiner Musicals in Frankreich aufgeführt wurde. Zum Ensemble gehören gehören u.a. Lambert Wilson, Leslie Caron und Greta Scacchi, die relativ kurzfristig für Kristin Scott Thomas eingesprungen war. Zu France Musique geht es hier:

Dienstag, 23. März 2010

Hugh Jackman: Der mit dem Tee tanzt

Hat Aussie-Star Hugh Jackman einen im Tee? Nein, aber er hat einen Vertrag mit Lipton Ice Tea unterschrieben um in den nächsten drei Jahren Werbung für das zuckrige Gesöff zu machen. Der erste Werbespot ist bereits online zu bewundern, weitere werden folgen:

Montag, 22. März 2010

Happy Birthday Stephen Sondheim

Am heutigen Montag wird Stephen Sondheim 80 Jahre alt. Feiern mögen ihn andere – in den USA und in Großbritannien wird das "Sondheim-Jahr" ohnehin groß begangen, u.a. mit Konzerten und Revivals, und auch in den Niederlanden findet am heutigen Abend ein Sondheim-Konzert im M-Lab statt, wo in den kommenden Monaten mehrere seiner Musicals zu sehen sein werden. Deutschland? Geschenkt. Immerhin wird die Staatsoperette Dresden im kommenden Jahr "Passion" endlich als deutschsprachige Uraufführung zeigen.

Mein Verhältnis zu Sondheim war immer schwierig. Ich wurde in den 80’ern zum Musical-Fan, mit den großen Blockbustern von Andrew Lloyd-Webber. Zu jener Zeit waren die Webber- und Sondheim-Fans wie Katz und Hund miteinander. Als jemand, der üppige Melodien mag und auch gerne mal leichte Unterhaltung, war mir Sondheim immer zu verkopft und verquast. Dazu stehe ich bis heute; es gibt einige Musicals von ihm die mich einfach null interessieren und ich habe kaum Sondheim-CDs im Regal und ich habe noch heute manchmal das Gefühl, dass manche sich gerne "Sondheim-Fans" nennen um sich als eine bessere, intelligentere Art von Musicalfan zu fühlen.

Als "Passion" nach London kam, bin ich nur reingegangen, weil ich Michael Ball endlich mal live sehen wollte. Und war dann hingerissen von dem Stück und der Handlung die mich in ihren Bann zog. "Passion" war für mich ein gutes Lehrstück darüber, dass üppige Musik nicht sein muß, wenn ein Stück gut genug erzählt wird, ja, dass eine fesselnde Handlung eigentlich sogar noch wichtiger ist als eine Aneinanderreihung von netten Liedern. Etwas, das ich im Verlauf der Jahre immer mehr zu schätzen lernte, als die Geschichten immer platter wurden und die Songtexte immer mehr öfter eine Anhäufigung banaler Platitüden. Nicht nur bei "Into the woods" oder "Sweeney Todd" war dies so, sondern vor allem bei "A little night music", das ich im letzten Jahr in London live sehen durfte. Ich höre seine Musicals nur selten, auch seine großen Hits schaffen es bei mir kaum auf den iPod – aber trotzdem: Danke Stephen Sondheim, dass es dich gibt und dass du zeigst, wie intelligent, geschliffen und tiefgründig Musicaltexte sein können. Nun bleibt abzuwarten, wer deine Nachfolge antreten kann…

Neues von "Glee" - Kommt nach Neil Patrick Harris auch John Barrowman?

Was haben die Fidschi-Inseln, was Deutschland nicht hat? Jaja, Palmen, Sonnenschein und schneeweiße Strände, was noch? Die glücklichen Insulaner können “Glee” sehen und haben die FOX-Serie prompt zur bislang erfolgreichsten Serie 2010 gemacht. Die ganze Welt ist im “Glee”-Fieber von Brasilien über Südafrika bis Norwegen, von Portugal über Spanien bis Japan, aber logisch, in Deutschland kommt man nicht in die Gänge. Erst heute wusste DWDL wieder zu melden, dass RTL sich wohl nicht entscheiden könne, die Serie zu kaufen. Sei’s drum, zum Glück gibt es DVD-Boxen, mit denen man die Serie dann auch unversaut von Synchronisation und Werbepausen genießen kann.

In den USA rückt derweil der Start der 2.Hälfte der ersten Saison näher. Nach Idina Menzel und Jonathan Groff wurde nun auch ein Gastauftritt von Neil Patrick Harris bestätigt, der einen Bekannten von Will spielen soll. Und auch John Barrowman, der derzeit für “Desperate Housewives” in den USA vor der Kamera steht, soll sich schon mit den “Glee”-Produzenten getroffen haben um über eine Rolle für ihn in der 2.Staffel zu sprechen.

FOX hat dagegen Gerüchte dementiert, dass es “Glee” bald auch als Bühnen-Musical geben soll. Die Gerüchte wurden von MTI in die Welt gesetzt, dem Verlag der die Rechte an “Glee” halt und bereits Disneys “High School Musical” erfolgreich auf die Bühne gebracht hat. Aber das Zögern macht natürlich Sinn für FOX: Derzeit sprudelt die Geldquelle “Glee” auch so fleißig und wird dies auch noch eine Weile tun. Mit einer Bühnenversion kann man später noch immer eine neue Geldquelle anzapfen, wenn der erste Strom schwächer wird. Das war beim “High School Musical” nicht anders.

Olivier Awards 2010 vergeben

Was für eine wunderbare Idee die Olivier Awards am gestrigen Abend per Livestream im Internet zu übertragen! Nachdem sie in den letzten Jahren nichtmal mehr im britischen TV gezeigt wurden, können nun Fans der Londoner Theaterszene in der ganzen Welt live dabei sein – ein Beispiel das Schule machen sollte, z.B. auch bei den Tonys. Doch für mich, als Die Hard-London-Fan war es einfach großartig die Oliviers zu sehen und die zahlreichen West End-Stars, sowie Auftritte von verschiedenen Musical-Ensembles darunter “Priscilla”, “Les Mis” und “Hello Dolly”. Die parallel laufenden Twitter-Kommentare waren ebenfalls köstlich zu lesen, einschliesslich der Gerüchteküche (“Coronation Street – the Musical”? Michael Ball als “Shrek”?)

Auch mit den Awards konnte man durchaus zufrieden sein. “Priscilla” gewann (erwartungsgemäß) für Beste Kostüme, “Spring Awakening” durfte sich über das “Beste Sound Design” freuen und “Hello Dolly” über die “Beste Choreographie”. Für das “Beste Bühnenbild” wurde das Schauspiel “Jerusalem” ausgezeichnet, dessen Hauptdarsteller Mark Rylance auch wenig überraschend als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. “A streetcar named desire” räumte bei den Damen ab – Ruth Wilson als beste Nebendarstellerin, Rachel Weisz als beste Hauptdarstellerin. Auch der Gewinner der Publikumsabstimmung für die beliebteste West End-Show wurde bekanntgegeben: Hier gelang es “Wicked” und seinen Hyperfans gegen Shows wie “Billy Elliot” und “War Horse” zu gewinnen. Nunja.

Nach einer langen Pause, in der die Anwesenden in London abgefüttert wurden, ging es weiter mit den “großen” Auszeichnungen: Newcomer Iwan Rheon (Moritz in Spring Awakening) erhielt von Ramin Karimloo den Olivier als “bester Nebendarsteller” (und durfte später “Don’t do sadness” singen), bei den Hauptdarstellern setzten sich Samantha Spiro (Hello Dolly) und Aneurin Barnard (Spring Awakening) recht überraschend aber sicher nicht unverdient gegen Stars wie Rowan Atkinson, Hannah Waddingham und Patina Miller durch. Auch wenn ich persönlich Tony Sheldon die Auszeichnung gegönnt hätte, aber bei Awards werden ernsthafte Stücke nunmal generell bevorzugt. Bleibt abzuwarten, ob man von den Jungstars aus “Spring Awakening” demnächst noch mehr hört und sieht.
Die größte Überraschung war sicherlich die Vergabe für “Best new Play” an den Außenseiter “The Mountaintop” von Katori Hall statt an “Jerusalem” oder zumindest “Enron” (wo aber zumindest Regisseur Rupert Goold gewann). Als dann am Ende “Spring Awakening” als Bestes neues Musical ausgezeichnet wurde, war es auch keine echte Überraschung mehr – gegenüber “leichtgewichtigen” Shows wie den anderen Nominierten (u.a. “Priscilla” und “Sister Act”) war “Spring Awakening” einfach viel eher typischer Award-Stoff. Der Abend ging schliesslich mit einem Sonder-Olivier für die große Dame Maggie Smith zuende.

Mit den Awards selbst kann man durchweg zufrieden sein, viel wichtiger und schöner war es jedoch, endlich einmal "live" dabei sein zu können. Mehr davon!

Freitag, 19. März 2010

Fela! ab November in London

Das Londoner National Theatre ist immer für eine Überraschung gut: Während die Musicalgemeinde darauf wartete, dass man an der South Bank die UK-Premiere von "Next to Normal" verkündete, hat man sich für ein ganz anderes Musical entschieden: "Fela!", die Geschichte des nigerianischen Afrobeat-Stars und Politikers Fela Anikulapo Kuti, das sich am Broadway zum Überraschungshit gemausert hat. Am 16.November ist Premiere im National Theatre, Previews ab 6.November. Sahr Ngaujah, der am Broadway die Titelrolle spielt, wird auch in London dabei sein. Später soll er mit seinem Alternate Kevin Mambo tauschen. Der Rest des Ensembles wird in London gecastet.

“Romeo et Juliette” sagt Frankreich-Tournee ab

Die goldenen Jahre des französischen Musical-Booms scheinen vorbei zu sein. “Romeo et Juliette”, vor zehn Jahren noch ein riesiger Hit in Frankreich, erlebte ein trauriges Revival: Der Palais des Congres ist bei den Aufführungen halbleer, die neue CD liegt wie Blei in den Regalen. Und nun die Krönung: Die geplante Tournee durch Frankreich, Belgien und die französischsprachige Schweiz wurde abgesagt. Das teilte Damien Sargue seinen Fans über Facebook mit. Wer das Stück also nochmal sehen will, muß sich beeilen: Am 4.April ist Schluss in Paris. Gibt es mittlerweile ein Überangebot an Musicals in Paris oder ist die “Hype” um Musicals einfach genauso vorbei wie in Deutschland? Die anderen Shows in der französischen Hauptstadt tun sich schliesslich genauso schwer. Selbst der “König der Löwen”, sonst überall eine sichere Bank für einen Dauerbrenner, schließt nach drei Jahren und “Zorro” kriegt das Haus gar nicht voll.

Donnerstag, 18. März 2010

“Blazing Saddles” nächstes Mel Brooks Musical?

Anlässlich der Premiere von “Young Frankenstein” in Toronto ließ Mel Brooks verlauten, dass er bereits zwei neue Songs für eine Bühnenversion von “Blazing Saddles” geschrieben hat, seiner Western Comedy aus dem Jahr 1974. Allerdings hätte er es nicht eilig, damit nach New York zu gehen, wo man ja soo böse zu seinem “Young Frankenstein” war. Vielleicht sollte er mal überlegen, ob seine großkotzige Art und die dreiste Abzocke bei den Frankenstein-Tickets nicht auch dazu beigetragen haben….
Wie dem auch sei, eine Musicalversion von “Blazing Saddles” finde ich um einiges spannender als diese lahmen Grusel-Comedies und könnte nochmal frischen Wind bringen.

Sonntag, 14. März 2010

Friedrich Kurz will Michelangelo-Musical nach Dresden bringen

Nach jahrelangem Schweigen gibt es noch einmal ein Lebenszeichen von dem Mann, der einst den Musicalboom in Deutschland begründete: Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung will Kurz in Dresden ein neues Musicaltheater mit 3000 Plätzen bauen, an dem ab 2013 das Musical “Michelangelo” von Enrico Garzilli gezeigt wird. Nun mag ein Musical über den großen Renaissance-Künstler Michelangelo spannenden Stoff hergeben und die Kunstmetropole Dresden als Standort auf den ersten Blick eine gute Wahl sein.
Aber 3000 Plätze? Wenn die Stage Entertainment es kaum noch schafft, ihre 1500-2000-Plätze Häuser halbwegs zu füllen? Und die Region Dresden mag zwar finanziell gar nicht so schlecht da stehen und wird von etlichen Touristen besucht… aber ob das reicht? Vor allem wenn Kulturfreunde wohl eher die Semperoper besuchen würden? Wäre hier ein Theater mit 1000 Plätzen angekündigt worden, würde ich mich freuen. Stoff, Musik und Location klingen wesentlich spannender als die lahmen Pop-Recyclings die die Stage Entertainment neuerdings am laufenden Band produziert und ich persönlich würde ich eine Rückkehr von Friedrich Kurz in die deutsche Musicalszene sehr begrüßen.
Wer sich noch daran erinnert, wie leidenschaftlich er einst gegen die deutsche Skepsis gegenüber allem Neuen und die bornierte Arroganz der Theatermacher für “seine” Musicals gekämpft hat, weiß, dass wenn überhaupt jemand dem Genre Musical noch einmal zum Aufschwung verhelfen kann, dann er. Oder?


Auf meiner Suche nach Hintergrund-Informationen, kam ich zu diesem lesenswerten Artikel von Channing Gray: Darin erfährt man, dass Kurz wohl schon länger mit und für den Komponisten Enrico Garzilli arbeitet, dessen einziges halbwegs bekanntes Werk “Rage of the Heart” ist, ein Musical über die mittelalterliche Liebesgeschichte von Heloise und Abelard, das seinerzeit als Konzeptalbum mit Michael Ball erschien. Allerdings führt der Artikel auch aus, dass Kurz “Rage of the Heart” im Frühling 2008 an den Broadway bringen wollte – angeblich fehlte nur noch ein Theater. Und geworden ist nichts draus. Eine deutsche Aufführung des Stückes in München kam ebenfalls nicht zustande. Und das 500-Millionen-Dollar-Theater für “Michelangelo” von dem Kurz in dem Artikel spricht, auch nicht. Nun ehrt es Kurz einerseits, dass er nicht aufgeben will, aber es lässt mich die Aktion in Dresden doch eher skeptisch sehen. Mehr über Garzillis Werke (und einige Soundclips von Michelangelo) auf seiner Website

Samstag, 13. März 2010

Also doch: Love never dies wird für den Broadway überarbeitet

Wie Playbill Online gestern berichtete, plant ALW nun doch eine gründlichere Überarbeitung von "Love never dies", ehe die Phantom-Fortsetzung im November am Broadway Premiere feiert. Die Quelle wollte zwar anonym bleiben, aber trotz aller Entrüstung über die Internet-Kritiker scheint sich ALW die Kritiken zu Herzen genommen zu haben - warum auch nicht? Solche Überarbeitungen müssen nichts schlechtes sein – auch "Les Mis" und "Sunset Boulevard" wurden nach der Premiere nochmal umgekrempelt. Und letztendlich dürften sie für Webber & Co auch für vollere Kassen sorgen: Alle die in den nächsten Monaten die "Ur-Version" in London besuchen, werden später noch einmal die überarbeitete Version sehen wollen. Und eine neue CD vom Broadway dieser überarbeiteten Version wird sich ebenfalls gut verkaufen.

Donnerstag, 11. März 2010

Cats nun auch in Brasilien

Andrew Lloyd-Webber mag mit "Love never dies" nicht den erhofften Knaller geschaffen haben, doch seine "Cats" tanzen auch fast dreißig Jahre nach der Welturaufführung weiter durch die Welt. Nachdem in Schweden und Italien im letzten Jahr eigenständige Fassungen zu sehen waren, hat in Brasilien nun eine ganz klassische Version im Teatro Abril von Sao Paolo Uraufführung gefeiert. Die bekannte Sängerin und Schauspielerin Paula Lima spielt Grizabella. Vielleicht können sich die Fans ja nach der neuen italienischen CD bald auch auf eine portugiesische CD des Musicals freuen:

Claude Michel Schönberg über seine Zukunftspläne

Vom 26.Mai bis 4.Juli 2010 gastiert die aktuelle UK-Tournee von "Les Misérables" in Paris im altehrwürdigen Théâtre Châtelet (auf englisch!). Anlässlich dieser "Rückkehr" an den Ursprungsort des Musicals (und des Buches), führte Regard en Coulisse neulich ein Interview mit Komponist Claude-Michel Schönberg. Das interessanteste daran war zwischen den Zeilen zu lesen. Gefragt nach neuen Projekten ließ Schönberg nämlich nur verlauten, dass zwar allerhand Ideen mit seinem vormaligen Partner Alain Boublil besprochen wurden, aber da dieser nun in New York lebe, gäbe es da ein großes Distanzproblem. Das klingt für mich eher nach einem angeknacksten Verhältnis des ehemaligen Erfolgsduos.

Schönberg schreibt derzeit die Musik für ein weiteres Ballett, diesmal über Kleopatra. Das Musical "Marguerite", das in London ein ziemlicher Flop war, soll zumindest bald in Prag nochmal zu sehen sein. Die unsägliche Pirate Queen hat es derweil nach Japan gebracht, wo man wohl für jeden Schrott empfänglich ist, solange er irgendwie mit europäischer Geschichte aufwartet. Immerhin, von weiteren platten Schmonzetten des Duo Infernale wird man wohl verschont bleiben. Das grandiose Meisterwerk "Les Misérables" dürfte letztendlich ein One-Trick-Pony geblieben sein.

Was eigentlich wiederum schade ist, denn sowohl Les Miz als auch Miss Saigon enthalten viele unglaublich schöne Songs die Lust auf "mehr" machen, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass es rund um "Martin Guerre" in den 90'er Jahren, als Cameron Mackintosh mit aller Gewalt einen Erfolg übers Knie brechen wollte (man erinnere sich an die mehrfachen "Neu-Premieren" in London und schließlich die nochmal umgearbeitete UK-Tournee samt neuer CD) gewaltig im Gebälk geknirscht hat, wenn man die jahrelange folgende Funkstille betrachtet und dann die Unsäglichkeit des einzigen gemeinsamen Werkes danach. Vielleicht findet Claude-Michel Schönberg ja mal einen anderen Texter/Autoren, dessen Frauenbild nicht aus dem 19.Jahrhundert stammt, um nochmal ein richtig richtig gutes Musical zu schreiben.

Dienstag, 9. März 2010

Love never dies – CD-Kritik

Die Internetgemeinde tippt sich seit zwei Wochen die Finger wund, gestern fand die offizielle Premiere in London statt – und nun erschien auch die Doppel-CD von “Love never dies”, der von einigen heißersehnten, von vielen eher gefürchteten Fortsetzung des “Phantom der Oper”. Es ist schon amüsant wie die “Phans”, die sich monatelang für gar nichts interessiert haben, auf einmal wieder hervorgekrochen kommen und was für ein Treck auch aus Deutschland eingesetzt hat um dieses Stück zu sehen. Ich muß mich ohnehin noch bis zum Sommer gedulden, so dass ich froh war, als nun die CD ins Haus flatterte. Und diese hat wirklich einen positiven Eindruck hinterlassen, der neugierig auf die Show macht.

Schöner Wohnen mit dem PhantomNach einem eher belanglosen Prolog startet die Show durch mit dem wunderschönen vorab veröffentlichen “Coney Island Waltz”, nach wie vor eine der besten neuen Musicalkompositionen der letzten Jahre. Die erste echte Ensemble-Nummer “Heaven by the sea” erinnert stark an Rodgers/Hammerstein – was bei ALW natürlich nichts neues ist und auch nicht weiter stört. Das nächste Highlight folgt schon bald – der ebenfalls bereits veröffentlichte Song “Till I hear you sing”, das große Solo für das Phantom, mit dem Ramin Karimloo die Fangemeinde schon länger begeistert hat und das auch hier ganz wundervoll rüberkommt, eingeleitet durch ein romantisch-schönes Instrumentalstück namens “The Ayrie” das nach richtig guter Filmmusik klingt.

Sieht nach Titanic ausAnschließend muß man wieder durch allerhand Singsang-Dialog sitzen, der innerhalb der Show wahrscheinlich genug Sinn macht, mich aber auf CDs einfach nur nervt und rausprogrammiert wird. Raoul hören wir zum ersten Mal als übellaunigen Grantler in “What a Dreadful Town!”, der so gar nichts mit mehr mit dem romantischen Milchbubi aus dem “Phantom” zu tun hat. Dann wird es endlich wieder besser, nein, es wird sogar richtig richtig gut wenn Christine endlich singen darf – das filigrane schöne “Look with your heart”, gefolgt von meinem persönlichen Highlight des Stückes, “Beneath a moonless sky” und schliesslich “Once upon another time”, ein Lied das wohl auch recht lange existieren muß, denn so sollte die Phantom-Fortsetzung ursprünglich mal heißen. Sierra Boggess, die den meisten wohl bislang nur als putzige rothaarige Meerjungfrau in “The Little Mermaid” bekannt war, kann hier zeigen was für einen wunderschönen glasklaren Sopran sie besitzt.

Kommt einem bekannt vorDie Wiederbegegnung von Christine und Meg Giry wird in einem netten Liedchen namens “Dear Old Friend” abgewickelt, das leider durch banale Lyrics und nervigen Sprechgesang runtergezogen wird. Wer durch das softe “Beautiful” dann fast eingeschlafen ist, wird durch den völlig aus der Rolle fallenden Rocksong “The Beauty Underneath” unsanft aus den Träumen gerissen. Dass ALW gerne von sich selbst klaut, ist ja auch nichts neues, hier erinnert mich der Auftakt ganz extrem an den Starlight Express-Opener “Rolling Stock”. Der Song selbst ist absolut mitreißend und lässt mich ganz stark wünschen, dass ALW sich noch einmal an ein echtes Rock-Musical wie Jesus Christ Superstar wagen würde. Mit der Konfrontation von Christine und dem Phantom geht der 1.Akt dann zuende.
Nach dem schönen Entr’acte muß der arme Raoul dann den Klischeesong “Why does she love me?” flennen, der zunächst instrumental wunderschön daherkommt und dann von den banalen Lyrics in die Tonne gekloppt wird. In “Devil take the hindmost” stehen sich die beiden Rivalen um Christines Gunst schließlich gegenüber – und ich weiß nicht ob ich das Lied gut oder grausam finde. Es geht eine gewisse Kraft davon aus und ich kann mir lebhaft passende Bilder dazu im Kopf vorstellen, und doch kann ich nicht anders als hier eine verpasste Chance für ein richtig mitreißendes Männerduett zu sehen.

Eine Portion Moulin Rouge ist auch dabei Kurz danach hört man dann endlich das schon mehrfach angespielte “Bathing Beauty” in voller Länge, eine nette Show-Einlage für Meg Giry und den Chorus mit einer gewissen Ohrwurmqualität. Danach muss man fast eine Viertelstunde ausharren bis Christine endlich ihren großen Auftritt mit “Love never dies” hat, der scheinbar auch das einzige wirkliche Highlight im ansonsten recht flauen 2.Akt ist. Anschließend geht es jedenfalls rapide bergab, aber es bleibt zu hoffen, dass das endlose Finale tatsächlich gekürzt wurde.
Insgesamt finde ich die CD durchaus gelungen – ich bin halt jemand der lieber eine Highlights-CD mit den wirklich guten Songs hat anstatt einer kompletten Show mit vielen belanglosen Singsang-Dialogen und Reprises, aber das ist natürlich Geschmackssache. Anderes wird sich vermutlich erst beurteilen lassen, wenn man die Show live gesehen hat. Aber in dieser Zeit von Pop-Recyclings und leichtgewichtigten Pop-Scores ist es auch nochmal schön, so eine richtig satte opernhafte Komposition zu hören, die zwar viel “schonmal gehörtes” enthält, diese Versatzstücke aber zu einem überzeugenden neuen Gesamtwerk verrührt.

Flashdance ab September im West End

Die Spatzen haben es schon länger von den Dächern gepfiffen, jetzt kam die offizielle Ankündigung: “Flashdance – the Musical” kommt nach London und wird der Nachfolger von “Hairspray” im Shaftesbury Theatre. Die Premiere soll am 27.September stattfinden, der Kartenvorverkauf beginnt am 18.März.

“Flashdance” war Anfang der 80er Jahre einer der erfolgreichsten Tanzfilme in einer ganzen Welle von Tanzfilmen zu denen auch “Fame” oder “Footloose” gehörten, die ebenfalls längst als Musical auf der Bühne zu sehen sind. Die Bühnenversion von “Flashdance” hatte im Juli 2008 in Plymouth Premiere und ging anschließend auf Tournee. Die Rolle von Jennifer Beals spielte Victoria Hamilton-Barritt. Ob sie oder andere Darsteller der Tournee auch im West End wieder dabei sind, steht noch nicht fest.

Montag, 8. März 2010

Priscilla Cupcakes OMG!

Okay okay. Ich gebs ja zu, "Priscilla" ist derzeit mein absolutes Lieblingsmusical. Aussie-Humor, schrille Kostüme, flotte Popsongs, ich kann gar nicht genug davon kriegen. Darum muß ich das nun auch sofort weiterleiten: Um den 1.Geburtstag von "Priscilla" im West End zu feiern und den eigenen 20.Geburtstag hat die Beverly Hills Bakery in London nun spezielle Priscilla Cupcakes entworfen. Und das beste - man kann diese ausgesprochen appetitlich aussehenden Törtchen auch nach Deutschland bestellen! Also ran an die Leckerei - Priscilla-Fans bekommen sogar 10% Rabatt!

Sonntag, 7. März 2010

Starlight Express Reloaded

“Läuft dat denn immernoch?” ist die meistgestellte Frage wenn das Gespräch auf den unverwüstlichen Starlight Express in Bochum kommt – der außerdem das beste Gegenargument ist, wenn es um den “schlechten” Musicalstandort Ruhrgebiet geht oder um das nachlassende Interesse der Deutschen an Musicals.
Am Freitag wurde nun der 13-millionste Besucher im Theater begrüßt und der Starlight Express spendierte Freikarten für die Schreiberlinge. Da sagt man als ehemaliger “Fan” doch gerne ja. Mich trieb weniger der Wunsch um, die Show noch einmal zu sehen – diese hat sich in den letzten Jahren eindeutig zum schlechteren verändert. Dass man mit diesen Änderungen versucht die Show frisch zu halten und die “Wiederholungstäter” anzulocken, kann ich ja marketingtechnisch nachvollziehen.
Aber warum man Songs wie den peppigen Opener “Liebesexpress” durch das uralte “Call me Rusty” (Nennt mich rostig) ersetzt hat, oder einerseits den lauen Song “He’ll whistle at me” für Pearl eingefügt hat (Dann pfeift er mir zu) und andererseits einen der beliebtesten Songs schlechthin – “Dein Freund” von Caboose – dafür gestrichen wurde, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie der Tausch der beliebten Version von “Starlight Express” gegen die bluesige Ur-Londoner-Version. Oder warum das schöne Duett “Du allein” erst gegen “Next time you fall in love” ausgetauscht wurde und nun auf einmal gegen die Combo von 1984, “Only he/Only you”, zu Deutsch “Nur mit ihm”. Dass jene Songs, die 1984 bei der Londoner Uraufführung und auf der OLC zu hören waren, später wegfielen, dürfte Gründe gehabt haben. Ich warte jetzt darauf, dass als nächste Änderung “Belle, the sleeping car” zum 25.Geburtstag in Bochum ihren Auftritt bekommt.

Das Ensemble, angeführt von Kevin Köhler, setzte sich wie üblich aus völlig unbekannten jungen Darstellern aus der anglo-amerikanischen Welt zusammen und aus Oldbies, die scheinbar seit 20 Jahren immer mal wieder beim Starlight Express auftauchen, darunter David Moore als Papa und Andreas Wolfram als Electra. Bei den Damen verdient Katy Hards als Dinah eine Erwähnung, die richtig richtig süß war. Und immerhin darf der Starlight Express in Bochum sich damit rühmen, für so einige heutige West End-Stars das Sprungbrett gewesen zu sein: Oliver Thornton, jetzt gefeierter Star von “Priscilla”, drehte hier einst ebenso seine Runden wie Rachael Wooding, derzeit als Evita in Großbritannien auf Tournee.

Statt mich auf das Dargebotene zu konzentrieren, trieb mich jedoch weiterhin die Frage um, wieso in aller Welt dieses Musical nun bald ins 23.Jahr geht, während sich rechts und links Musicals mühsam in ein zweites Jahr schleppen, vor dem 1.Geburtstag dicht machen oder Theater ganz aufgegeben werden. Bezeichnender Moment: Schlagerfuzzi Michael Wendler, der die 13-millionste Besucherin auf der Bühne grüßte, fragte das Publikum wer denn heute zum ersten Mal da sei. Da hoben sich vielleicht grade mal die Hälfte der Hände. Man braucht ja nicht übertreiben wie jene Bochumerin, die laut Presseangaben mittlerweile über 800x in der Show war (gebt der Dame doch zum 1000. eine Freikarte auf Lebenszeit), aber Starlight Express dürfte eine wesentlich höhere Wiederholungsquote haben als die meisten Shows.
Anspruchslos und bunt ist es wohl auch etwas, wohin man gerne mal Leute mitnimmt, die sonst nichts mit Theater am Hut haben. Und mittlerweile läuft das Stück solange, dass unzählige Menschen, die selbst als Kinder/Teenager von der Show begeistert waren, ihren eigenen Nachwuchs mitnehmen können. Das könnte durchaus zum Perpetuum Mobile werden. Auch die Preise sind durchaus moderat. Man kann in der zweiten Preisklasse noch sehr gut sehen und erhält für Kinder bis 14 Jahre 50% Rabatt für die PK2-4; für die PK1 sind es noch 30%. Auch Schüler, Studenten, Zivis und Senioren (!) erhalten 30% Rabatt auf die ingesamt recht moderaten Preise. Anders gesagt: Eine Familie braucht keine Hypothek aufnehmen um zusammen ins Musical zu gehen, Schüler, die “immer wieder” gehen wollen, können schon für knapp 30 Euro auf guten Plätzen die Shows genießen. Ohne Rabatten hinterherzuhecheln, ohne über Insider-Infos à la Fanticket informiert zu sein. Diese Preisgestaltung, in Kombination mit dem “Vertrauten” – man weiß ja was man bekommt und dass es bunt, knallig und spannend wird – dürfte reichen. Man geht hier alle 3-4 Jahre mal hin wie zum Phantasialand oder in den Zoo. Der “Starlight Express” hat sich aus Ausflugsziel auf einer Ebene etabliert, von der jedes andere Musical nur träumen kann.
Dies ist sicher auch der “Einzigartigkeit” der Show geschuldet und solange die Darsteller auf Rollschuhen herumsausen, Sterne funkeln und ab und zu mal Funken sprühen, wird das auch so bleiben. Man kann darüber spotten, man kann darüber den Kopf schütteln. Aber solange durch den “Starlight Express” immer noch junge Leute überhaupt zum Musical finden und dann auch mal andere Shows ansehen, solange hier Arbeitsplätze gesichert werden und jeden Abend 1500 Menschen eine schöne Zeit haben, soll er doch gerne weiterrollen. Wir sehen uns zum 25.Geburtstag!



©Photos: Jens Hauer

Hairspray 2 definitv abgeblasen

Es gibt noch gute Nachrichten: New Line Cinema hat nun das definitive Aus für die geplante Fortsetzung von “Hairspray” verkündet. Angedacht war eine Prequel, die die Geschichte der Turnblad-Familie bis hin zu den Ereignissen des Musicals erzählte. Doch durch das Aus für “Hairspray” am Broadway und in London hat man wohl gemerkt, dass sich das Interesse an diesem Stoff in eher begrenztem Rahmen halt. Grünes Licht hat dagegen eine neue Verfilmung von “The best little whorehouse in Texas” erhalten, das bereits 1982 mit Dolly Parton und Burt Reynolds verfilmt wurde. Wer dabei sein wird und ob Partons Songs aus dem Film, darunter auch “I will always love you”, in der neuen Version zu hören sind, ist noch nicht bekannt.

Freitag, 5. März 2010

Dumbo am Broadway?

Ach Disney, muss das sein? Die Welt wartet schon lange auf Bühnenadaptionen von wirklich guten Filmen wie “Aladdin” und “Pocahontas”. Wir haben euch ja auch verziehen, dass ihr aus “The Little Mermaid” Murks gemacht habt. Aber wie Michael Riedel in der New York Post berichtet, planen die Mäuse nun eine Bühnenversion von “Dumbo”, dem Uraltfilm (von 1941) über einen kleinen Elefanten mit zu großen Ohren, der fliegen kann. Der superkurze Film (64 Minuten) war zwar damals sehr erfolgreich, ist aber nie ein Klassiker geworden wie beispielsweise “Bambi”.
Ein fliegender Elefant mag zwar einige gute Bühneneffekte hergeben aber insgesamt hüpf ich nun wirklich nicht vor Begeisterung durchs Haus über diese Ankündigung. Da freue ich mich fast noch mehr über die Ankündigung dass aus der Superschnulze “Sleepless in Seattle” ein Musical gemacht wird, das 2011 am Broadway Premiere feiern soll. Richtig aufgezogen könnte das endlich nochmal was für Romantiker sein. Und dann lasst Neil Patrick Harris bitte den Part von Tom Hanks spielen.

Donnerstag, 4. März 2010

Glee auf Tournee und in Japan

Wie nicht anders zu erwarten war, wird die in den USA gezüchtete eierlegende Wollmilchsau, pardon, ich meine natürlich die erfolgreiche TV-Serie "Glee", nun tüchtig gemolken. Im Mai werden die Stars der Serie, darunter auch Lea Michele und Cory Monteith, mehrere Konzerte geben. Terminiert sind bereits Los Angeles, Chicago, Phoenix und New York, wo die "Glee"-Stars an zwei Tagen (28.+29.Mai) in der Radio City Music Hall auftreten.

Derweil ist das "Glee"-Fieber nun auch in Japan ausgebrochen, wo Fox sich mit Akebono einen der bekanntesten Sumo-Ringer für seine Werbespots ins Boot geholt hat. Nur Deutschland bleibt wie üblich Entwicklungsland, was neue Trends betrifft.

Mittwoch, 3. März 2010

Best of Musical 2010 – Dorf rheinabwärts

Aus terminlichen Gründen musste sich der urkölsche Autor dieses Blogs in das seltsame versnobte Dörflein an der Düssel wagen um sich dort die BOM-Gala zu geben. Ausnahmsweise ging die Expedition ohne Knöllchen ab und der ISS Dome, der das altehrwürdige DEG-Stadion an der Brehmstraße ersetzt hat, stellte sich als genauso ungemütlich heraus wie die KölnArena. Dafür war dann die Show an sich – nach Jahren Abstinenz – nochmal richtig nett.

Nach einer netten Auftaktnummer aus Pippin mit hübschen Kostümen ging’s dann im 1.Akt auf eine “musikalische Reise durch die Zeit”. Dabei fiel mir dann doch eher negativ auf, dass fast die Hälfte des Gebotenen nur recycelte Popmusik war (“Buddy”, “Dirty Dancing”, “We will rock you”), neben “echten” Musicalsongs aus “Chicago”, “West Side Story”, “Sunset Boulevard” und “Hairspray” – da wirkten die meisten Nummern eher aus dem Kontext gerissen, doch so war das schon immer mit der “Best of Musical”-Gala, die einst in Holland als “Musical in Ahoy” aus der Taufe gehoben wurde und vor allem dazu diente um den Fans, die die Originale eh kannten, noch einmal die Chance zu geben, “ihre” Stars in Originalkostümen in ihren Paraderollen zu sehen.


Der 2.Akt mit dem “Besten von unseren Bühnen” war dann auch entsprechend besser – hier gabs Szenen aus den aktuellen Shows der Stage Entertainment – “Schuh des Manitu”, “König der Löwen”, “Ich war noch niemals in New York”, “Tarzan”, “Wicked” und ein seltsam unpassend reingequetscher Song aus dem unbekannten Musical “Brooklyn” – da hatte man eher das Gefühl Diva Douwes durfte sich ein “eigenes” Lied für den zweiten Akt wünschen statt einen ihrer großen Hits wie “Ich gehör nur mir” zu singen. Nach einem recht langen “Wicked”-Block, gabs dann Kostproben aus den kommenden Musicals “Sister Act” und “Hinterm Horizont”, wo dann auch diese Oberzyniker zugeben musste, dass Lindenbergs Ballade ihn mit einem schönen Ohrwurm aus der Halle schickte und irgendwie Appetit auf das Ding in Berlin machte.


Bei den Darstellern überragte für mich Mark Seibert, der auf ganzer Linie überzeugte, großartig bei Stimme war und noch dazu unverschämt gut aussah. In ihm haben wir einen “Leading Man” vom Kaliber Barrowman und ich hoffe, dass er sich nicht wie so einige Kollegen in unpassenden Rollen verheizen lässt bis man seiner überdrüssig wurde. Womit wir bei Patrick Stanke sind, der ebenfalls durchweg überzeugte und überraschend wenig zu tun hatte. Als Anheizer bei “Buddy” konnte er einem fast leid tun, wie er das unwillige Publikum zum Mitklatschen / Aufstehen / Tanzen animieren sollte. Warum kann auf diesen unsinnigen “Wir machen jetzt Party mit euch”-Blödsinn nicht verzichtet werden? Wenn das Publikum WILL, wird es schon von selbst mitgehen, das sah man deutlich als “The time of my life” angestimmt wurde mit dem berühmten Mambo, da ging ein Ruck durchs Publikum, das kannten sie, das fanden sie toll, da wurde fast automatisch mitgeklatscht. Absolut nicht warm wurde ich wieder mit dem schwedischen Spargeltarzan Anton Zetterholm, der neben Seibert und Stanke noch schmächtiger wirkte und sich eher für ein “High School Musical” empfiehlt als für eine Rolle wie Buddy Holly.
Bei der Damenriege fiel vor allem Ana Milva Gomes positiv auf – wenn sie sich mit der Schlussnummer “Spread the love around” aus Sister Act nicht für die Deloris qualifiziert hat, dann weiß ich nicht, wer sie sonst spielen soll. Pia Douwes souverän wie immer, überzeugte mich aber vor allem eher durch ihr Spiel als durch ihre quietschige Stimme, die mir noch nie lag. Bei ihrer Darbietung von “Nur ein Blick” war ich dann doch heilfroh, bei “Sunset Boulevard” in Holland Simone Kleinsma erleben zu dürfen. Willemijn Verkaik war zunächst als “süße” Maria in der “West Side Story” ein Totalausfall, ihr liegen wohl wirklich die coolen Powerfrauen, denn bei “We will rock you” und natürlich als Elphaba war sie grandios. Umgekehrt Elisabeth Hübert: Als Roxie in “Chicago” vollkommen fehlbesetzt und auch als Glinda eher zweifelhaft, glänzte sie in den “Nettes Mädel von nebenan”-Rollen Tracy Turnblad und natürlich ihre eigene Rolle Jane. Aber so ist es nunmal bei solchen Galas. Insgesamt war’s ein netter Abend und ein Wiedersehen mit vielen Shows der letzten Jahre – würde man diese Gala von vornerein preislich so gestalten, dass man auch für 40-50 Euro gut sitzen kann, wäre es ganz sicher ein großer Anreiz für viele Musicalfans ihre Lieblingsshows Revue passieren zu lassen. Meinesachtens sollte Stage Entertainment auch viel offensiver damit werben, dass man hier tatsächlich Top-Stars der Szene sieht mit Originalkostümen und gelungenen Kulissen und keine der unsäglichen billigen “Best of Musical”-Galas, die durch die Provinzen touren und wohl schon zahllose Leute vom Besuch solcher Galas abgeschreckt haben.

PS: Lieber Herr Klokow, wir wissen, dass Sie furchtbar wichtig sind, aber auch für Sie sollte gelten was in Ihren und anderen Theatern fürs normale Publikum gilt: Schalten Sie Ihren verdammten Blackberry während der Vorstellung aus, das grelle Display stört die Umsitzenden ungemein!

Dienstag, 2. März 2010

Ein Fisch namens Wanda lernt singen

Die Pythons haben seit dem Erfolg von “Spamalot” scheinbar Blut geleckt. Oder auch nur eine neue Einnahmequelle aufgetan. John Cleese hat nun jedenfalls verkündet, dass auch seine erfolgreiche Komödie “A fish called Wanda” aus dem Jahr 1988, u.a. mit einem grandiosen Kevin Kline und Jamie Lee Curtis, als Musical auf die Bühne kommt. Dafür arbeitet er mit seiner Tochter Camilla und dem britischen Comedy-Star Bill Bailey zusammen, der u.a. die Sitcom “Black Books” geschrieben hat. Die Uraufführung soll in San Diego stattfinden, anschließend soll das Musical (natürlich) an den Broadway und ins West End kommen.
Bei Vorlagen, die vor allem von ihren genialen Dialogen leben, bin ich ja meistens skeptisch, dass das als Musical funktioniert. Andererseits… it’s John Cleese. Also mal abwarten was da rauskommt und wer das köstliche Gangster-Quartett spielen darf.

Montag, 1. März 2010

Holland sucht Zorro im Fernsehen

Nachdem “Op Zoek naar Mary” im niederländischen Fernsehen neue Quotenrekorde erzielte, war eine Fortsetzung nur logisch: Als nächstes wird bei der AVRO nun der Hauptdarsteller für die niederländische Fassung von “Zorro” gesucht. Gerade wurde zum Casting aufgerufen; Bewerber sollen “eine sexy Ausstrahlung und spanisches Temperament” mitbringen.

Bei zwei anderen Hauptrollen steht die Besetzung schon fest: Lone van Roosendaal (Mamma mia) wird die Zigeunerin Inez spielen, die u.a. die großen Gipsy King-Hits “Bamboleo” und “Djoba Djoba” singt, Rene van Kooten (zuletzt in Les Mis) gibt den Bösewicht Ramon. “Zorro” soll in der nächsten Saison auf Tournee gehen.

Hadley Fraser wird El Gallo in “The Fantasticks”

In London wurde nun die Besetzung des kommenden West End-Revivals von “The Fantasticks” bekanntgegeben, das im Mai im Duchess Theatre Premiere haben wird. Hadley Fraser, der zuletzt in der wenig erfolgreichen Adaption von “The Far Pavilions” in London zu sehen war und anschließend in dem grottigen Gruselmist “The Pirate Queen” am Broadway, wird darin die Hauptrolle des Erzählers El Gallo spielen. Die West End-Stars David Burt und Clive Rowe spielen die intriganten Väter der jungen Liebenden Luisa (Lorna Want) und Matt (Luke Brady) die den beiden alle möglichen Steine in den Weg legen wollen um ihre Liebe zu befeuern. Komplettiert wird das Ensemble von Edward Petherbridge als Henry und Paul Hunter als Mortimer.

Regie in diesem Revival führt der Japaner Amon Miyamoto, der für seine Inszenierung von “Pacific Overtures” am Broadway für den Tony nominiert wurde. “The Fantasticks” war das am längsten gespielte Musical in New York aller Zeiten und ist nach einer kurzen Pause nun wieder am Off-Broadway zu sehen.