Zur Weihnachtszeit gehörte in den letzten Jahren scheinbar auch immer eine Musicalverfilmung. Nachdem diese meistens alles andere als Goldesel waren, ist die Flut von Verfilmungen zu einem Rinnsal geworden – GottseiDank, mag so mancher Musicalfan angesichts der Verwurstungen denken. In diesem Jahr gibt es dann auch statt einem verfilmten Musical einen verlängerten Videoclip von Christina Aguilera mit dem Titel "Burlesque".Über zwei Stunden wird hier die weidlich bekannte Geschichte des Provinzmädels ausgewalzt, das aus Iowa nach Los Angeles geht um dort ihr Glück im Showbiz zu suchen. Sie stolpert in einen Burlesque Club und ist von dieser Art der Unterhaltung, die in den letzten Jahren dank Dita von Teese ein weltweites Comeback gefeiert hat, so begeistert, dass sie zunächst als Kellnerin dort anfängt zu arbeiten und später natürlich zum Star der Show aufsteigt. Die "Show" ist in diesem Fall amerikanisch-brav und die Tänzerinnen kommen meistens daher als seien sie aus "Chicago" oder "Cabaret" entlaufen. Von dem was Burlesque eigentlich ausmacht, diese einzigartige Mischung aus Variete, Zirkus und Erotik, sieht man eher wenig. Macht aber auch nichts, zumal das große Burlesque Revival auf den Bühnen auch meistens eher als etwas gepflegtere Tittenshow daherkommt, in der sich der Businessman von Welt ohne Erröten sehen lassen kann um sich an nacktem Frauenfleisch zu delektieren. Da hilft auch das übliche pseudo-feministische Geschwafel von Selbstentfaltung nix. Aber das nur nebenbei.
Die Geschichte von Ali entwickelt sich ausgesprochen spannungsarm – das Herzerl aus Iowa gewinnt schnell alle für sich, angefangen vom hübschen Barkeeper Jack (Cam Gigandet, der als James durch den Twilight-Blödsinn geisterte), der zufällig hetero ist und zufällig eine Freundin hat, die in New York am Broadway spielt und böserweise nur an sich selbst denkt, so dass er sie am Ende natürlich bequem für Ali dumpen kann (Glee-Star Dianna Agron hat einen Miniauftritt als eben diese Freundin) bis zur Clubbesitzerin Tess (Cher, deren Wachsfigur bei Madame Tussauds mittlerweile lebendiger wirkt als die Dame selbst), die in Ali ihr jugendliches Selbst entdeckt. Nach viel Musik und Tanz lösen sich dann sämtliche Konflikte in den letzten 15 Minuten in Wohlgefallen auf – eine vergebene Chance, denn Potenzial steckte durchaus in der Geschichte. Und Cher hat sogar einen ganz großen Bühnenmoment mit dem (für den Film geschriebenen) Song "You haven't seen the last of me", der zwar falsch platziert ist, aber trotzdem unter die Haut geht und bereits für den Golden Globe nominiert wurde.
Getragen wird der Film natürlich von Christina Aguilera, die auf eigene Art fasziniert. Ihr Schauspieltalent besteht aus einem einzigen saumseligen Gesichtsausdruck und geht gegen Null, doch sobald sie auf der Bühne steht und singt, ist sie auch in der Performance absolut brilliant und mitreißend. Sie dürfte damit das genaue Gegenteil sein von den oft monierten Schauspielern in Musicalfilmen, die zwar gut spielen aber am Gesang scheitern. Und da weiß ich nun, was mir – zumindest bei ernsthaften Filmen – wichtiger ist. Faszinierend auch wie hübsch diese Frau eigentlich ist, wenn sie sich in einigen wenigen Szenen mal ohne tonnenweise Make Up präsentiert. In den Nebenrollen sind u.a. Kristen Bell, Stanley Tucci und Alan Cumming zu sehen, der hier noch einmal seinen Emcee aus "Cabaret" aus der Mottenkiste holt.
Wer einen ernsthaften Film mit spannender Handlung erwartet, sollte sich "Burlesque" sparen – aber wer sich an hübschen Tänzerinnen erfreuen kann, an brillianten Choreographien und guter Musik, der kann hier einen netten Abend erleben.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen