Freitag, 26. November 2010

"Les Filles de Caleb" – CD-Kritik

Nach der Ankündigung der ersten Concept-CD von „Les Filles de Caleb“ vor drei Wochen durfte ich das gute Stück in dieser Woche nun endlich in Empfang nehmen und konnte gleich erfreut konstatieren: Das Warten hat sich gelohnt! Auf 15 Tracks gibt es hier einen ausführlichen Vorgeschmack der „Opéra-Folk“ von Michel Rivard, die auf den im französischsprachigen Kanada sehr beliebten Jugendbüchern von Arlette Cousture basieren. Später darf man hoffentlich mit einer „Intégrale“ und einer DVD rechnen. Der Untertitel Opéra-Folk ist hier auch Programm, denn die 15 Tracks kommen ausgesprochen folkloristisch daher (nur leider manchmal etwas zu synthesizerlastig) mit Akkordeon, Banjo und Mandoline – da fühlt man sich fast wie im Wilden Westen auf der Prärie (und manchmal auch wie beim Heringsfestival an der Nordsee, aber das nur nebenbei).

Das Stück erzählt die Geschichte von Calebs Tochter Émilie Bordeleau (Luce Dufault) die Ende des 19.Jahrhunderts auszieht um Lehrerin zu werden und sich in den Tunichtgut Ovila Pronovost (Daniel Boucher) verliebt. Sie verlobt sich trotzdem zunächst mit dem soliden Douville, der auch ihren Eltern besser gefällt, doch Douville begreift, dass sie einen anderen liebt und bricht die Verlobung. Émilie heiratet ihren Ovila und gibt ihren Beruf auf um sich um die wachsende Kinderschar zu kümmern, doch die Ehe wird nicht glücklich. Ovila flüchtet sich in den Alkohol, Émilie kehrt in den Beruf zurück. Ihre erwachsene Tochter Blanche (Stéphanie Lapointe) will die Fehler der Mutter nicht wiederholen, unabhängig und frei bleiben. Sie verliebt sich in den gutaussehenden Napoléon (Bruno Pelletier), der sich jedoch zum Priester weihen lässt. Als Krankenschwester geht sie nach Abitibi im nördlichen Quebec, wo sie Clovis kennen- und liebenlernt. Mit ihm hat sie eine Tochter, Élise, die dritte Generation von „Calebs Frauen“. Clovis kommt jedoch bei einem Zugunglück ums Leben. In den 60’er Jahren tritt die nun erwachsene Élise ihren Weg in die Zukunft an.

Mit „Les Filles de Caleb“ scheint man auch in Kanada zu Stücken mit starker regionaler Identifikation zurückzukehren, so wie es z.B. „Billy Elliot“ in Großbritannien mit den Chorstücken der Kumpels im Bergbau vorgemacht hat und „Ciske de Rat“ mit typisch niederländischen Klängen. Sehr wohltuend für mich sind auch die realistischen, eher unaufregten Schicksale von Émilie und Blanche – hier geht es um leise Töne, zarte Gefühle und innere Stärke – Zeichnungen mit einem zarten Pinsel und nicht mit der breiten Malerbürste und mit ganz viel Herz. Unter den Liedern ist keines, das negativ aus dem Rahmen fällt – etwas schade finde ich lediglich, dass die Musik stilistisch immer gleich klingt und nicht den Verlauf der Jahrzehnte widerspiegelt indem man bei Blanche in den 40’er Jahren ein wenig Jazz hört oder bei Élise schliesslich die Vorboten des Rock. Aber das wäre wohl auch nicht im Sinne einer „Opéra-folk“.

Anspieltipps sind für mich die schönen Duette „A nous la nuit“ von Émilie und Ovila und „Une lettre à la fois“ von Napoléon und Blanche, das zarte „Dans mon silence“ von Émilies Freundin Berthe (Catherine Sénart), die dem Karmeliterorden beigetreten ist und der Gute Laune-Song „Joue de l’accordéon!“ mit dem Caleb (Yves Lambert) der jungen Émilie erklärt, wie man die Sorgen vertreibt. Für alle Fans von melodiösen kleinen Musicals ein absoluter Tipp!

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