Sonntag, 25. April 2010

American Idiot – die CD

Green Day hat’s nicht leicht. Von echten Punkfans als “kommerzielles Leichtgewicht” verspottet, sind sie dem Mainstream noch immer zu laut. Und doch ist Green Day etwas gelungen, was nur wenige schaffen: Mit dem Album “American Idiot”, das 2004 erschien, gaben sie einer ganzen Generation eine Stimme. Die CD wurde zur meistverkauften CD 2005 (und da sind die zahllosen illegalen Downloads gar nicht mit eingerechnet!) und gewann den Grammy als bestes Rockalbum. Auf dem Höhepunkt der “Ära Bush”, und der medialen Paranoia die in den USA ganz besonders von den Fernsehkanälen angefeuert wurde,, spiegelte Green Day die Wut einer frustrierten Jugend wieder, die keine “American Idiots” sein wollten, keine kleinbürgerlichen Rednecks, die die Bush-Propaganda schlucken und einfach so sämtliche Gängelungen durch den “Patriot Act” hinnehmen. Die CD war als Konzeptalbum angelegt, mit einer hauchdünnen Story, dem Tagebuch von “Jimmy”, der sich auch Jesus of Suburbia nennt.
Konzeptalben oder Rockopern eignen sich natürlich gut für eine Bühnen- version – ironisch ist in diesem Fall nur, dass es “American Idiot” erst 2009 auf die Bühne des Berkeley Rep in Kalifornien schaffte, also als die leidige Ära Bush endlich beeindet war und sich in der Wahl von Barack Obama die Hoffnung auf “Change” widerspiegelte. Doch soviel “Change” gab es dann doch nicht und vor allem das Gefühl, das in “American Idiot” zum Tragen kommt, bleibt bestehen: Mediale Dauerberieselung bis zur geistigen Verblödung, eine Orientierungs- und Hilfslosigkeit junger Leute die sich in Lethargie und Flucht in Drogen äußert und der leidige Irakkrieg. Insofern tritt “American Idiot” sehr passend die Nachfolge von “Rent” an, DEM Stück der 90er Jahre .
Am Broadway ist “American Idiot” nun nicht der erhoffte Hit, aber das scheint auch irgendwie passend – die Touristen und das “Bridge & Tunnel”-Publikum werden sich eher nicht für eine laute Punkrock-Oper entscheiden wenn sie ein Broadway-Musical besuchen wollen und die jungen Leute, die Green Day lieben, würden eher selten auf die Idee kommen ein “Musical” zu besuchen – oder das Geld haben für die offiziellen Ticketpreise von bis zu $130. Fragwürdig erscheint mir auch die Entscheidung, “American Idiot” quasi wie ein Konzert zu präsentieren – die Songs der CD und etliche Songs der neuen Green Day-CD “21st Century Breakdown” werden ohne Pause runtergespielt und auch nicht durch zusätzliche Dialoge ergänzt, die die Handlung verdichten. So ist denn auch das fehlende Buch der Hauptkritikpunkt, während die Musik, die Inszenierung und die Darsteller hochgelobt werden.


Am Dienstag erschien nun die offizielle Cast-Aufnahme und man kann sich endlich einen eigenen Eindruck verschaffen. Die ersten Songs entsprechen den Songs von “American Idiot”, erst später kommt mit “Last of the American Girls” der erste Song aus “21st Century Breakdown”. Die Orchestrierung ist nicht ganz so laut und krachend wie bei Green Day selbst, es treten sogar einige schöne Balladen hervor, darunter “Last Night on Earth” und das neugeschriebene “When it’s time”. Am stärksten sind natürlich noch immer die großen Hits von Green Day wie “Boulevard of Broken Dreams” und “Wake me up when September ends” und der Antikriegssong “Holiday”. Auch dabei ist der Song “Favorite Son”, den Green Day 2004 für die Compilation “Rock against Bush” aufgenommen hatten.
Die Sänger sind allesamt großartig bei Stimme, da kann man keinen besonders hervorheben. John Gallagher Jr, der als Moritz in “Spring Awakening” auf sich aufmerksam machte, ist Johnny, ein typischer Middle Class-Amerikaner aus der Vorstadt, der nichts mit seinem Leben anzufangen weiß und mit seinem Freund Tunny (Stark Sands) Richtung Großstadt aufbricht. Will, der Dritte im Bunde, bleibt zurück als er erfährt dass seine Freundin Heather ein Kind von ihm erwartet. Glücklich werden sie alle nicht – Tunny lässt sich für die Armee verpflichten und geht in den Irak, Johnny trifft auf den Dealer St.Jimmy (großartig wie immer: Tony Vincent), gibt sich den Drogen hin und trifft ein Mädchen, deren Namen er nicht mal behalten kann und die daher nur als Whatshername bekannt ist (Rebecca Naomi Jones), Will wird von seiner Freundin verlassen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen treffen sie sich schliesslich alle wieder in ihrer Heimat-Vorstadt.
Das ist klassisches “Coming of Age” und insofern nichts besonderes, doch die großartigen Songs sind den Besuch der Show ganz sicher wert. Aussagekräfte bewegende Texte statt Schmalz, eine knallharte und mitleidslose Bestandsaufnahme der Gegenwart statt die ewige Glorifizierung der 50’er und 60’er, laute Punkrock-Musik statt Easy Listening – all das ist ganz sicher nicht jedermanns Geschmack, doch mich persönlich hat schon lange keine neue Cast-Aufnahme mehr so vom Stuhl gerissen oder dazu bewogen ganz konkret eine Reise nach New York zu planen um das Stück und diese Darsteller live zu sehen. Punktabzug gibt es nur dafür, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Green Day-Songs mit neuen Dialogen dramaturgisch zu verstärken und ein Musical in halbwegs traditioneller Laufzeit (zwei Stunden plus Pause) daraus zu machen, aber es ist ein Manko das hier nicht weiter ins Gewicht fällt. Viele andere Shows sagen in drei Stunden viel weniger als es dieses Stück in einem einzigen Song tut. In dem Sinne: Rock on und toi, toi, toi für die Tony Awards!


1 Kommentare:

  1. BillieJoeArmstrongJul 26, 2010 12:14 PM

    Rebacca is not a good Whatsername!
    Mary Faber was made for the role!

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