Mittwoch, 30. Dezember 2009

Frohes neues Jahr!



Nicht nur ein neues Jahr beginnt, sondern gleich eine ganze neue Dekade. Nunja, eigentlich kann es ja in jeder Hinsicht nur noch besser werden. Musikalitis wird den Jahreswechsel im warmen Dubai verbringen und somit wird es eine Woche lang keine Updates geben.

Euch allen einen guten Start ins neue Jahr. Mögen eure Wünsche, Pläne und Hoffnungen für 2010 in Erfüllung gehen.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Jerry Zaks soll "Addams Family" überarbeiten

Das neue große Broadway-Musical "The Addams Family", das im Frühling in New York Premiere feiern soll, wird noch einmal gründlich überarbeitet. Nach den ersten Tryouts in Chicago haben die Produzenten nun Regie-Veteran Jerry Zaks an Bord geholt und ihm den Titel "creative consultant" verpasst. Die Broadway-Neulinge Phelim McDermott und Julian Crouch werden weiterhin als Regisseur und Designer geführt, doch Produzent Stuart Oken gab zu, dass Zaks ab nun das Sagen hat.
Zu den Kritikpunkten in Chicago gehörten "fehlender Witz und fehlende Spontanität" sowie mangelnder Tiefgang der Figuren. Oken gab in der New York Times zu, dass man "wohl etwas zuviel Vorwissen über die Addams Family vorausgesetzt hat und vor allem Gomez (Nathan Lane) und Morticia (Bebe Neuwirth) besser eingeführt werden müssen.

Jerry Zaks, der schon bei "Guys and Dolls" und "A funny thing…" mit Nathan Lane zusammengearbeitet hat, sollte eigentlich im Frühling Regie bei einem anderen neuen Broadway-Musicals namens "All about me" führen, wurde aber von Produzent Jeffrey Richards aus seinem Vertrag entlassen um bei der Addams Family das Ruder zu übernehmen.

Das letzte Mal, das ein "Show Doctor" bei einem schwächelnden Tryout einspringen mußte, war übrigens bei "Shrek", das in der kommenden Woche nach nur einem Jahr Spielzeit schließen muß…

Ragtime schliesst am 3.Januar

Der Broadway kann brutal sein: Am 28.Dezember erfährt das Ensemble von "Ragtime", das die Show am 3.Januar schliesst. Andererseits habens die Spatzen schon länger von den Dächern gepfiffen: Das Revival, das mal gerade 28 Previews und 57 reguläre Vorstellungen geschafft hat, war ein Flop, anders kann man es nicht sagen. Während die Originalversion vor 11 Jahren auf Pomp und Ausstattung setzte, wollte Regisseurin Marcia Milgrom Dodge diesmal allein auf die Geschichte setzen und schaffte eine sehr abgespeckte Version, die zunächst am Kennedy Center in Washington zu sehen war und dann mit teilweise der gleichen Besetzung (u.a. Christiane Noll als "Mother" und Quentin Earl Darrington als Coalhouse) nach New York transferierte, wo sie jedoch auf wenig Gegenliebe stieß. Dazu kamen die hohen "running costs" für das große Ensemble und das große Orchester. Vielleicht war es nach 11 Jahren einfach noch zu früh für ein Revival, vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt in einer Zeit in der ein zutiefst verunsichertes Amerika nach Zerstreuung sucht.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Mein großer fetter Jahresrückblick - Teil 4: Was es sonst noch gab…

Im Westen unseres kleinen Kontinents ging es verhältnismäßig ruhig zu. In Holland durfte sich Joop van den Ende über den riesigen Erfolg von "Ciske de Rat" freuen, das mehrfach verlängert wurde und mittlerweile nach dem endgültigen Ende, auch auf DVD erschienen ist. Das dürfte ihn verschmerzen lassen, dass die große "Sunset Boulevard"-Tour trotz Starbesetzung nicht wirklich ein Hit geworden ist. Die Konkurrenz ist wieder erstarkt und hat sich die Rechte an so erfolgreichen Stücken wie "Hairspray", "The Full Monty" (beide z.Zt. auf Tournee) und bald "Legally Blonde" gesichert, während Onkel Joop weiter auf eine Art Musical-McDonalds setzt und einige wenige Stücke lieber gleich global vermarktet wie z.B. "Mamma mia", "Mary Poppins" und nun bald "Sister Act".

Weiter südlich in Belgien gabs Kapriolen um die neue Musicalproduktionsfirma "Musical van Vlaanderen" und die angeblich ungerechtfertigen staatlichen Subventionen, die sie vom Staat kassierte. Durch den folgenden Rabbatz sah sich die Firma gezwungen die geplante flämische Premiere von "Tanz der Vampire" wieder abzublasen, aber anscheinend war ihnen das gar nicht so unwillkommen. Denn nun wo die Subventionsfrage geklärt ist, wird erstmal das französische Erfolgsmusical "Notre Dame de Paris" gespielt, ehe die Vampire zum Zug kommen. Außerdem ist eine Musicalversion von "La Boheme" in Planung (nein, nein, NICHT "Rent"… es handelt sich um die eigentliche Boheme mit der schwindsüchtigen Mimi und dem Maler Rodolfo).

Frankreich hat nicht nur neue Eigengewächse als Hits vorzuweisen, sondern auch einige recht erfolgreiche Importe, die Paris fast unbemerkt zu einer neuen "Musicalmetropole" gemacht haben. Stage Entertainment ist nach wie vor mit dem "König der Löwen" erfolgreich und "Mamma mia" wird den Franzosen im kommenden Jahr blühen. Daneben feiern Klassiker wie "Anatevka" und "The Sound of Music" Erfolge sowie peppige Teenie-Shows wie "Grease" und "Fame". Doch die echten "spectacles musicales", jene kuriosen Eigenkreationen der Franzosen, die mehr Popkonzert als Musical sind, sind noch immer unangefochtene Publikumsfavoriten. "Cleopatre" zog erfolgreich durchs Land und beeindruckte mit einem prachtvollen Spektakel das seinesgleichen sucht sowie der bezaubernden Hauptdarstellerin Sofia Essaidi. Mit "Mozart – L'Opera Rock" ist bereits das nächste Spectacle in den Startlöchern und wird vom Pariser Palais des Congres aus auf Tournee gehen, während in Paris der Megahit "Romeo et Juliette" noch einmal gespielt wird.

Meine Highlights im Westen waren neben dem herrlich abgefahrenen "Cleopatre" dann auch das mitreißende flämische Eigenwerk "Daens", basierend auf dem gleichnamigen Film und "Sunset Boulevard" mit einer unglaublich guten Simone Kleinsma (allerdings beides schon Ende 2008 gesehen). Flops gab es für mich eigentlich keine, da ich mittlerweile kaum noch Stücke in Benelux besuche, einerseits fehlt die Zeit und die geografische Nähe, andererseits aber auch die Lust drüben einen Aufguß von Stücken zu sehen, die ich längst woanders gesehen habe, so dass ich mich gewöhnlich auf neue Eigenproduktionen konzentriere und die französischen Spectacles. Aber auf ein Wiedersehen mit "Notre Dame de Paris" in Belgien freue ich mich jetzt schon…

Mein großer fetter Jahresrückblick - Teil 3: Broadway

Der Broadway scheint sich immer stärker in zwei Lager aufzuspalten: Kreative, innovative Produktionen einerseits, Mainstream-Massenproduktion andererseits. Auf der Habenseite sind in den letzten Jahren mehrere kreative junge Shows entstanden, darunter "Avenue Q" (Puppen auf der Bühne!), "In the Heights" (das erste "Latino-Musical"), "Next to Normal" (ein Musical über Schizophrenie?!) oder "Spring Awakening" (German Angst meets American Pop), die größtenteils auch ihre Reise um die Welt angetreten haben oder dies bald tun werden. Auf der Sollseite dagegen stehen für mich die zahllosen Film-Adaptionen die auf mich wirken wie eine bequeme Verwertungskette: Ein Film wird ein Erfolg, wird zum Bühnenmusical, das Bühnenmusical wird wieder verfilmt. Dazu gibt’s natürlich auch CDs, DVDs, Karaoke-Sets und Bettwäsche für den geneigten Fan.
Dass dieses Konzept nicht immer funktioniert, zeigt sich zum Glück allmählich: Die Bühnenversion von "Shrek" darf man getrost als Flop bezeichnen, Disneys "Little Mermaid" tat sich schwer und "Catch me if you can" scheint nun sogar schon in den Tryouts zu verrecken. Vom pannengeplagten Spinnenmann mal gar nicht anzufangen.
Die Vermarktungskette setzt sich auch nahtlos in Film und TV fort – vorgemacht hat es natürlich wieder einmal Disney. Nach dem unsinnigen Erfolg des "High School Musicals" gab es nicht nur Fortsetzungen auf der Leinwand und unzählige CDs, sondern auch eine Bühnenversion. "Fame" fand den Weg von der Leinwand auf die Bühne und nun wieder als Remake auf die Leinwand zurück, ein Remake von "Footloose" ist in Arbeit. Und ich verwette meine Musicalsammlung darauf, dass in den nächsten Jahren auch "Glee – the Musical" auf der Bühne erscheinen wird.
Wobei "Glee" noch die positivste Entwicklung dieses Trends ist, denn die nette locker-flockige TV-Serie wartet neben den Hauptdarstellern Lea Michele und Matthew Morrison auch in den Gastrollen immer wieder mit Broadwaystars auf – Kristin Chenoweth und John Lloyd-Young waren schon da, Idina Menzel und Jonathan Groff folgen bald. Nicht vergessen bei aller Kritik an den seichten Werken sollte man auch die Tatsache, dass es Filme wie "High School Musical" und "Fame" und eine Serie wie "Glee" sind, die bei zahllosen jungen Leuten das Interesse an Musicals wecken. Junge Leute, die dann wiederum mit poppig-bunten Musicals wie "Wicked" und "Legally Blonde" den Zugang zum Live Theater finden und dem Broadway eine Zukunft sichern.


Da ich selbst in diesem Jahr nicht in den USA war, kann ich auch eigentlich keine persönlichen Highlights nennen – wenn überhaupt, dann war es die Entdeckung des jungen Songwriters Scott Alan und seiner wunderschönen CDs, auf denen sich Broadwaystars die Klinke in die Hand gaben um seine Songs zu interpretieren. Songs, die nicht nur durch schöne Melodien bestechen, sondern vor allem (endlich nochmal) durch intelligente, poetische Texte statt kitschigen Platitüden.

Bei den eigentlichen Broadway-CDs hat mich sicher "Next to Normal" am meisten positiv überrascht und ich hoffe es einmal live zu sehen, aber so harte Kost ist für mich nichts, was ich als Dauerrotation im iPod haben will. Da halte ich mich doch lieber an den "Glee"-Soundtrack, auf dem für mich vor allem die wunderschöne Version des Hardrock-Hits "Alone" im Duett von Kristin Chenoweth und Matthew Morrison heraussticht.
Apropos Hardrock: "Rock of Ages" scheint für New York das zu sein, was für London gerade "Priscilla" ist: Das Feelgood-Musical mit bekannten Hits, das man vor allem besucht um Spass zu haben. Während es bei "Priscilla" die Disco-Hits der 70'er sind, sind es bei "Rock of Ages" die Hardrock-Hits der 80'er, die eine ganze Generation geprägt haben und die wohl auch die letzte authenthische Musikbewegung waren, ehe in den 90'ern die Manager die Überhand gewannen und stromlinienförmige, weichgespülte Boy- und Girlbands zusammencasteten. Wollen wir hoffen, dass solche Manager mit ihrer Massenverwertung am Broadway nie die Überhand gewinnen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Mein großer fetter Jahresrückblick - Teil 2: Der deutschsprachige Raum

Viel Aufregendes gab es in der deutschen Musicalszene in diesem Jahr nun wahrlich nicht. Trotz immer häufigeren und üppigeren Rabattaktionen blieben in den großen Musicaltheatern viel zu viele Plätze leer. Dabei waren viele Shows gar nicht mal so schlecht wie z.B. die unterhaltsame Bühnenversion vom "Schuh des Manitu", die in Berlin mit Minimalauslastung vor sich hindümpelt. Und auch wenn "Spamalot" sicher kein großer Wurf ist und schon gar nicht zu den Preisen hierzulande, war ein derartiger Flop dann doch nicht wirklich zu erwarten gewesen.
Bei uns auf dem platten Land gibt es die Weisheit "Wat dr Buur nit kennt, dat freet hie nit" - und das dürfte wohl auch aufs deutsche Musicalpublikum zutreffen wenn man sieht, dass neue Shows scheitern während andere scheinbar endlos vor sich hin spielen wie "Starlight Express", "Elisabeth" oder "Tanz der Vampire".

Gab es Highlights für mich? Nunja, da fällt mir nur "Hairspray" ein, das gerade erst Premiere hatte und das eine gute Laufzeit in Köln wirklich verdient hätte und die herrliche Produktion "South Pacific" am Staatstheater Kassel, die bewiesen hat, dass unsere Stadttheater können wenn sie nur wirklich wollen. Denn hier stimmte (fast) alles – eine üppige Ausstattung die einer Großproduktion in nichts nachstand, ein zum Heulen schönes Stück und fast durchweg großartige Darsteller, bis auf die völlig überflüssige Kristin Hölck als Nellie.


Die größte Enttäuschung des Jahres für mich war jedoch jenseits der deutschen Grenze zu finden. Ach Wien, du ehemalige Musical- metropole, die für deutsche Musicalfans das Sehnsuchtsziel schlechthin war und zu deren Produktionen man neidisch aufsah! Man mag lange rätseln warum die "Producers" ein Flop wurden oder ob die Intendantin nun gezwungen ist auf "Nummer Sicher" zu setzen damit die Kasse wieder stimmt. Sicher hatte Frau Zechner Mut bewiesen und auch wenn ihr Mut zu den Uraufführungen der "Producers" und von "Frühlings Erwachen" nicht wirklich belohnt wurden sollte man der Frau doch dazu gratulieren, dass sie die beiden Stücke gebracht hat. Zumal "Frühlings Erwachen" ja nachher doch ganz gut lief (und bei meinem Besuch ziemlich ausverkauft war) und wahrscheinlich einfach nur mehr Zeit gebraucht hätte.
Nein, schlimm sind nicht diese Flops oder die unkreativen Entscheidungen nun die Vampire zum x-ten Mal auszumotten oder das Udo Jürgens-Jukebox-Musical zu spielen. Schlimm ist das künstlerische Armutszeugnis, das im Raimund Theater anzusehen war. Wäre "Rudolf" ein Kassenknüller von "Elisabeth" oder "Rebecca"-Kaliber geworden, hätte man bei den Ronacher-Flops sicher mehr Nachsicht walten lassen. Und ich persönlich werde nie verstehen wie die VBW diese Heimsuchung zulassen konnten. Es geht noch nicht mal darum, dass es der x-te Aufguß der Habsburger Thematik war oder dass Frank Wildhorn für jedes Stück genau gleich klingende Balladen schreibt. Nein, was mir als Außenstehendem nicht in den Kopf will ist, dass die Wiener, die so stolz auf ihr Habsburger Erbe sind, es zulassen konnten, das zwei Amerikaner (über die sonst immer so schnell die Nase gerümpft wird) die Geschichte des Kronprinzen Rudolf derartig verkitschen und vertrivialisieren konnten. Hatte man nicht den Mut gehabt Änderungen zu verlangen und vor allem Jack Murphy zurück an seinen Schreibtisch zu schicken um statt billigster Platitüden intellligente Songtexte zu verfassen? Schade um ein Projekt das ursprünglich mal sehr spannend klang und schade um die einstige Musicalmetropole, die durch Innovation, mutige Eigenproduktionen und die Förderung junger Talente glänzte.

Montag, 21. Dezember 2009

Mein großer fetter Jahresrückblick - Teil 1: London

Für mich war 2009 DAS London-Jahr schlechthin. Auf drei Reisen innerhalb eines Jahres hatte selbst ich es noch nie gebracht. Dies hatte vor allem zwei Gründe: Den günstigen Pfundkurs, der London endlich zu einem erschwinglichen Ziel mit vielen Shopping-Freunden machte (und natürlich auch die Eintrittskarten verbilligte) und ein neu erwachtes Interesse am Schauspiel. Für ersteres mag man der Wirtschaftskrise danken, zweiteres setzte sich aus mehrere Faktoren zusammen: Da ist zunächst die Einfallslosigkeit der Musicalmacher, die vorhandene Stoffe nur noch 1:1 auf die Bühne bringen und selten mit neuen frischen Ideen aufwarten, während sich das Schauspiel immer wieder aktuellen Themen annimmt und zum Denken anregt, z.B. aktuell Lucy Prebbles "Enron" zum Thema Wirtschaft, Jez Butterworths "Jerusalem" zum Thema modernes Leben oder Richard Beans "England people very nice" zum Thema Rassismus. Ein anderer Faktor ist die geballte Starkraft, die sich in London die Klinke in die Hand gibt, darunter Jude Law als "Hamlet", Rachel Weisz als Blanche Dubois in "A streetcar named desire", James McAvoy in "Three days of rain" und demnächst Kiera Knightley und Damian Lewis in Molieres "Menschenfeind". Und schlußendlich die Erkenntnis dass sich in Deutschland nichts ändern wird, das Regietheater ist Standard und kritische Stimmen, wie in diesem Jahr die von Daniel Kehlmann, werden reflexartig zum Verstummen gebracht. Wenn man in England etwas über die Gesellschaft sagen will, setzt sich ein Autor hin und verfasst ein neues Stück mit oft spannendem Inhalt. Wenn man in Deutschland etwas sagen will, geht der Regisseur hin und zerpflückt einen Klassiker. Das wird wohl auch so bleiben und ich habe für mich endgültig entschieden, dass ich da nunmal die anglo-amerikanische Variante des Schauspiels bevorzuge.

Wie sah es nun mit den Musicals aus, die ja nun Gegenstand dieses Blogs sind? Das Highlight des Jahres war für mich eindeutig "Priscilla" – quietschbunt, rotzfrech und vor allem wahnsinnig unterhaltend. Das mag insofern erstaunlich wirken, weil es sich quasi um ein doppeltes Jukebox-Musical handelt: Alte Popsongs und eine Filmadaption. Aber hier ist es gelungen, das Herz des Filmes zu erhalten mit einigen der bekanntesten Kultszenen wie Felicia's "La Traviata"-Ritt auf dem riesigen Schuh und Cynthias Pingpongball-Auftritt sowie die ausgefallenen Kostüme und trotzdem viel Neues hinzuzufügen – neue Songs, die singenden Diven und viele komische Einfälle. Vor allem aber ist "Priscilla" auch eine jener raren Shows die man für die grandiose Atmosphäre im Theater gerne wieder und wieder besuchen will – Partystimmung pur, herrlich aufgekratzte Darsteller und ein restlos ausverkauftes Palace Theatre – weil's so schön war gibt’s das nächstes Jahr gleich nochmal. Ein weiterer Überraschungshit war für mich "La Cage aux Folles", wo ich nur für John Barrowman hinwollte und dann hingerissen war, wie herrlich und warmherzig diese kleine Show war, nachdem ich die beiden Filmversionen immer nur grenzenlos öde fand.
Andere Highlights: Das zauberhafte Revival von "A little night music" mit grandiosen Darstellern und Liedern die wieder einmal beweisen wie gut und wichtig intelligente, clevere Lyrics für ein Musical sind, ein erneuter Besuch bei "Billy Elliot" und Rowan Atkinson als Fagin in "Oliver!" live sehen zu können. Die einzige Enttäuschung war für mich das Revival von "Annie get your gun" im Young Vic Theatre mit dem kruden und sinnlosen Verlegen der Handlung in die 50'er Jahre. Aber bei einem Preis von umgerechnet €25 und mit so guten Hauptdarstellern wie Jane Horrocks und Julian Ovenden war das auch zu verschmerzen.

Sonntag, 20. Dezember 2009

In the Heights und Altar Boyz auf der Leinwand?

Wenn man den Berichten glauben schenken darf, befinden sich wohl an die 10 Musical-Verfilmungen in Planung. Das meiste davon kann man wohl getrost als “Gerüchteküche” abhaken, denn von den Verfilmungen der letzten Jahre schaffte es nur das unverwüstliche “Mamma mia” zum Blockbusterhit. Manche Filme, wie “Hairspray” oder “Phantom” schlugen sich ganz redlich, andere wie “Rent” oder “Producers” blieben wohl Insiderveranstaltungen.
Konkret sind wohl mittlerweile die Pläne für “In the Heights”, wo Kenny Ortega (“Dirty Dancing”) im Regiestuhl sitzen wird und Lin-Manuel Miranda wieder seine Paraderolle als Usnavi übernehmen wird. Bleibt zu hoffen, dass sie für die Filmversion die Handlung noch überarbeiten, denn das locker-flockige Nichts auf der Bühne lebt in erster Linie von den Latino-Rhythmen und Tanznummern – also genau das, was auf der Leinwand nicht so rüberkommt.
Die Off-Broadway-Show “Altar Boyz”, die sich nach fünfjähriger Spielzeit im Januar aus den New World Stages in New York verabschiedet, soll ebenfalls verfilmt werden und würde sich wohl ideal in die Reihe des leichtgewichtigen “Fluffs” einfügen, das derzeit mit “High School Musical”, “Fame” oder “Glee” so popular drüben ist. Bleibt abzuwarten, was am Ende wirklich kommt.
Steven Spielberg hat sich derweil wohl die Rechte an "War Horse" gesichert, dem ergreifenden Theaterstück, das auf dem gleichnamigen Buch von Michael Morpugo basiert und in London derzeit Rekorde bricht. Das würde mich ehrlich gesagt wesentlich mehr interessieren als die zig Musicalverfilmungen.

Freitag, 18. Dezember 2009

Lea Salonga singt Lady Gaga

Dieser Blog liebt Lady Gaga. Und Lea Salonga, die zauberhafte erste Kim der "Miss Saigon"-Uraufführung 1989. Was könnte es also besseres geben als den Anblick von Lea Salonga, die nun bei einem Konzert auf den Philippinen den großen Sommerhit "Poker Face" von Lady Gaga zum besten gegeben hat? Und damit euch allen ein schönes Wochenende und viel Glühwein (ahem)!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

How I met your mother – Musical Episode zum 100.

Es ist zwar nichts wirklich neues mehr – die Serien "Buffy" und "Scrubs" waren schon lange Vorreiter in Sachen"Musical Episode" und trotzdem ist es eine schöne Nachricht: Auch die beliebte Sitcom "How I met your mother" hat nun anlässlich der 100.Folge eine Musical Episode gedreht, die am 11.Januar in den USA ausgestrahlt wird.

Im Mittelpunkt steht – man hat's vermutet – Neil Patrick Harris als Barney, der sich in eine scharfe Kellnerin namens Karina verguckt. Leider steht Karina nicht auf Männer im Anzug und Barney sieht sich vor den Konflikt "Girls versus Suits" (so auch der Episodentitel) gestellt. Zusammen mit seinen Kollegen Josh Radnor und Cobie Smulders, 65 Tänzern und einem 50-köpfigen Orchester wird Barney dann die große Shownummer "Nothing suits me like a suit" schmettern dürfen. Die Choreografie stammt von "Glee-"Choreograf Zach Woodlee.
Welche anderen Songs zu hören sein werden, ist noch nicht bekannt, aber hoffentlich wird die"Musical Episode" mehr als einen auf Lager haben.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

"Nine" erhält Golden Globe-Nominierungen, "Glee" vier

Die Verfilmung von Maury Yeston's Musical "Nine" konnte sich gestern fünf Nominierungen für den Golden Globe sichern, den zweitwichtigsten Filmpreis nach den Oscars. Neben einer Nominierung zum Besten Film im Bereich "Comedy" konnten sich auch Daniel Day Lewis (bester Schauspieler), Marion Cotillard (beste Schauspielerin) und Penelope Cruz (beste Nebendarstellerin) freuen. Das neue Lied "Cinema Italiano" wurde ebenfalls nominiert, muss sich aber in der Kategorie "bester neuer Song" gegen Konkurrenz von Paul McCartney und U2 durchsetzen.

Spannend dürfte das Rennen zwischen George Clooney, Morgan Freeman und Jeff Bridges in der Kategorie "bester Schauspieler" im Bereich Drama ausfallen sowie in der Kategorie "Bester Animationsfilm" zwischen "Coraline", "The Princess and the Frog" und "Up". In der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" ist auch der schwerfällige deutsche Beitrag "Das weiße Band" nominiert, muss es aber u.a. gegen Pedro Almodovars "Broken Embraces" aufnehmen. Christoph Waltz wurde völlig zurecht für seinen genialen Auftritt in "Inglorious Basterds" mit einer Nominierung als bester Nebendarsteller belohnt.

Im Bereich Television gibt es wenig überraschendes zu melden: In der Kategorie "Drama" sind die üblichen Verdächtigen "House", "Dexter" und "Mad Men" ebenso nominiert wie "30 Rock", "Entourage" und "Glee" in der Kategorie "Comedy". Lea Michele darf sich über eine Nominierung als "Beste Schauspielerin" freuen, steht aber den Schwergewichten Tina Fey, Courtney Cox und Toni Collette gegenüber, ebenso wie es Matthew Morrison bei den Herren gegen Alec Baldwin, Steve Carell und David Duchovny aufnehmen muß. Jane Lynch, die die biestige Trainerin der Cheerleaders spielt, darf sich über eine Nominierung als beste Nebendarstellerin freuen, ebenso wie Neil Patrick Harris (wieder mal) für seine Kultfigur Barney in "How I met your mother".

Die Golden Globes werden am 17.Januar in Beverly Hills verliehen.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Ciske de Rat DVD jetzt bestellbar

Für Musicalfans geht der Wunsch noch rechtzeitig in Erfüllung: Eine DVD des erfolgreichsten niederländischen Musicals aller Zeiten, der Bühnenadaption von "Ciske de Rat", ist soeben erschienen. Im Online-Theatershop von Joop van den Ende kann sie für 17.99 Euro bestellt werden - nach Deutschland werden noch einmal 4 Euro Versandgebühren fällig. Weitere Einzelheiten, z.B. ob auf der DVD Untertitel enthalten sind, wurden nicht bekanntgegeben, aber so oder so ist diese DVD eine lohnenswerte Investition für Liebhaber von Musicals die zugleich anrührend, bewegend und durch und durch gutgeschrieben sind.

Wucher bei Amazon.de

Der treue Leser hat vielleicht gemerkt, dass Updates derzeit nicht so häufig sind. Das liegt natürlich einerseits daran, dass wenig los ist in der Musicalwelt. Auch Theaterleute sind im Vorweihnachtsstress und pendeln zwischen Weihnachtseinkäufen, Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkten umher, so scheint es. Und der Autor dieses Blogs ist zur Zeit auch mehr dem Sprechtheater zugeneigt, das in London gerade so richtig boomt, sowie dem Film und Fernsehen. Man möge mir verzeihen.

Man hat's aber auch wieder schwer Musicalfan in Deutschland zu sein. Während in New York und London zig neue Musicals starten und die Jukebox-Welle abgeflacht zu sein scheint, gibt es hier halt Udo zum Zweiten und Dritten (wenn man Wien einrechnet), eine Vampir-Verlängerung und nun auch noch Udo zum Vierten, sozusagen, wenn man die Lindenberg-Selbstbeweihräucherung in Berlin mitzählt. Da rettet auch nicht die Vorfreude auf "Wicked" in NRW und die Tatsache, dass Hamburg mit "Sister Act" immerhin eine neue nette Entertainment-Show bekommt. Man flüchtet sich halt in die Planung der nächsten London-Reise und behilft sich mit Filmen. Da ist Disneys neues Animationsmärchen "The Princess and the Frog" (Küss den Frosch), das gerade nach langer Verzögerung und viel Brouhaha um die schwarze Prinzessin Tiana in den Kinos gestartet ist und dessen Soundtrack Randy Newman mit viel Jazz ausgestattet hat und natürlich die langerwartete Verfilmung von Maury Yeston's "Nine".

Zu "Nine" ist nun der Film-Soundtrack erschienen. Ein kurzer Vergleich bringt verblüffendes zutage: In den USA kostet die normale CD $11.99. Das sind nach aktuellem Kurs 8,20 Euro. Wechselt man von Amazon.com zur .de-Seite, kostet die gleiche CD 21.99 Euro. Sorry, das kann mir keiner rational erklären. Und dann wundert man sich über die blühende Internetpiraterie. Einfach so in den USA bestellen, ist ja auch sinnlos, aufgrund der hohen Portokosten die hinzu kommen. Alternativ bleibt die Möglichkeit, sich die Songs legal bei iTunes o.ä. herunterzuladen, was hier auch wieder teurer ist als "drüben". Und viele Fans und Sammler haben nunmal lieber die "Hardware" mit Hülle und Booklet. Mal sehen ob Amazon irgendeine Rechtfertigung für den Wucher auf der deutschen Seite einfällt. Bis dahin bleibt's bei der Vorfreude.

Samstag, 12. Dezember 2009

DVD-Tipp: Every Little Step

Für jeden, der sich irgendwie für Musicals interessiert, egal ob auf professioneller Ebene oder als Fan, sollte "Every Little Step" ein Muß sein. Ganz besonders jedoch für all diejenigen die bunte Träume vom eigenen Ruhm auf der Bühne träumen. Anders als der überzuckerte Kitsch der aktuellen Musicals-für-Teenies-Welle von "High School Musical" über "Glee" bis zum neuen "Fame"-Film ist "Every Little Step" eine gnadenlos realistische Dokumentation über den Audition-Prozess für das Broadway-Revival von "A Chorus Line". Über den Entstehungsprozess der Originalversion 1975 erfährt man eher "nebenbei" so einiges. Im Mittelpunkt stehen die Kandidaten für das Revival, das vom 5.Oktober 2006 bis August 2008 am Broadway zu sehen war, angefangen von den ersten Open Calls bis zum Final Call Back.

Spannend für mich als Laie war vor allem zu sehen, wie unterschiedlich die ausgewählten Kandidaten die Rolle in den Auditions angingen und wie unterschiedlich der Castingprozess verlaufen kann. Man braucht die unglaublich süß und sympathisch wirkende Chryssie Whitehead nur ein paar Sekunden zu sehen um zu wissen, sie soll Kristine werden und niemand anders, ebenso gab es nach dem grandiosen Monolog von Paul wohl gar keine Debatte darüber, dass Jason Tam diese Rolle spielen würde. Bei anderen dagegen war es viel schwerer und man kann sich vorstellen, wieviel Kopfzerbrechen diese Entscheidung den Casting-Leuten oft fallen muß. Und dass viele wirklich großartige Künstler manchmal einfach nicht so richtig passen.
Beim "Duell" um Cassie tat es mir einfach sehr leid für die talentierte Natascia, aber Charlotte d'Amboise war nicht nur wegen ihres "Starnamens" hier ganz einfach die bessere Wahl. Am interessanten war für mich jedoch das "Duell" um Sheila. Bei den ersten Auditions sah es so aus, als ob Rachelle Rak, die vor Urzeiten mal beim "Starlight Express" in Bochum als Pearl auf der Bühne stand, die Rolle schon in der Tasche hatte. Aber bei den Final Callbacks war es einfach nicht mehr "da", während die direkte Konkurrentin Deidre Goodwin ihren Ausschnitt von "At the ballet" so unglaublich herzzerreißend sang, dass auch hier die Entscheidung auf einmal klar war.

Gerade für junge Musicalaspiranten dürfte "Every Little Step" ein guter Einblick darin sein, wie knapp die Enttscheidung oft ausfällt und ihnen Mut geben, auch zu den nächsten Auditions zu gehen. Und für den normalen Musicalbesucher ist die DVD ein großartiger Einblick in das "normale" Broadwaygeschäft, jenseits vom Glamour der großen Stars und dem albernen Gekreische am Bühneneingang und die Heldenverehrung, die hierzulande veranstaltet wird. Die DVD gibt es zwar derzeit leider nur als RC1, aber wer irgendwie RC1 ansehen kann, egal ob am PC oder auf einem regionalcodefreien DVD-Player sollte unbedingt zugreifen.

Freitag, 11. Dezember 2009

"All the fun of the fair" von/mit David Essex kommt nach London

Und nochn Jukebox-Musical: David Essex bringt die Tournee-Produktion seines eigenen Musicals “All the fun of the fair” am 17.April ins Garrick Theatre. Das Stück das seit der Uraufführung in Bromley 2008 im Königreich unterwegs ist, verwurstet 15 seiner größten Hits in einer neu erfundenen Handlung. Der alternde Schausteller Levi Lee (Essex himself) muss mit dem Verlust seiner Frau zurecht kommen, dem rebellischen Teeniesohn, den Prophezeihungen einer Zigeunerin und mit einer frisch geschiedenen Frau die hinter ihm her ist. Zu den Hits der Show gehören “Winter's Tale”, “Hold Me Close”, “Gonna Make You a Star”, “Rock On”, “Silver Dream Machine” und natürlich der Titelsong “All the fun of the fair”.

Essex ist auch auf der Musicalbühne kein Unbekannter. Bereits 1971 stand er als Jesus in der Londoner Uraufführung von “Godspell” auf der Bühne und später als Che in “Evita” mit Elaine Paige. Seine Single-Auskopplung “Oh what a circus” kam in die Top 3. Später schrieb er sich die Rolle des Fletcher Christian in “Mutiny!” auf den Leib, eine Musicalversion des berühmten “Meuterei auf der Bounty”-Stoffes. In den letzten Jahren war er in “Aspects of Love” und “Footloose” dabei.

Man wird sehen wie das Stück im West End ankommt. Überraschend an der Ankündigung ist eher, dass damit die Spielzeit des Broadway-Hits “The Little Dog Laughed” definitiv auf 20.January bis 10.April begrenzt wird. Bei entsprechender Kartennachfrage wird es vielleicht wenigstens in ein anderes Theater umziehen. Eine neue frische Komödie mit relevanter Thematik (und mit Rupert Friend und Gemma Arterton auf der Bühne!) würde ich jedenfalls wesentlich lieber sehen als noch ein Jukebox-Musical.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

"Glee" geht in die Winterpause, vielleicht kommt danach Idina Menzel

Die US-Serie "Glee" geht mit außerordentlich erfolgreichen Einschaltquoten in die Winterpause. Natürlich ist "Glee" im Grunde nur leichtgewichtige Unterhaltung, "a piece of fluff", wie man in den USA sagen würde, und schwimmt auf der aktuellen Popularität des Musicals mit, das dank "High School Musical" und diversen Verfilmungen eine ganz neue Generation erreicht hat. Und da kann man gegen die grausam zuckrigen "High School Musical"-Schmonzetten sagen was man will, wenn dadurch unzählige junge Leute in die Theater gelockt werden, gerne!

Interessant für Musicalfans ist "Glee" nicht nur weil in jeder Folge Musicalsongs gesungen werden, sondern auch weil sich immer wieder Musicalstars darin blicken lassen. Neben Matthew Morrison als Lehrer Will und Lea Michele als Broadway-Aspirantin Rachel gab es schon mehrere Gastauftritte, u.a. von Kristin Chenoweth, Josh Groban und John Lloyd-Young. In der zweiten Hälfte der 1.Staffel, die im Frühling ausgestrahlt wird, trifft Lea Michele wieder auf ihren "Spring Awakening"-Partner Jonathan Groff, der den Star des rivalisierenden Glee Clubs "Vocal Adrenaline" spielen soll. Idina Menzel ist im Gespräch für die Rolle der Leiterin dieses Clubs.

Die CDs von "Glee" finden bereits reißenden Absatz, diverse Clips kursieren auf Youtube und die DVD mit der ersten Hälfte der 1.Staffel wird noch vor Weihnachten erscheinen. Im Europa haben sich bereits Großbritannien, Irland, Norwegen und Portugal die Rechte gesichert. Man darf gespannt sein ob "Glee" auch den Sprung nach Deutschland schafft und wenn ja, auf welchem Sender es in kaputtsynchronisierter Fassung auf einem schlechten Sendeplatz vor sich hindarben wird. "Firefly" anyone?

Star-Power bei "In the Heights" mit Corbin Bleu

Das leichtgewichtige und bislang sehr erfolgreiche Latino-Musical "In the Heights" am Broadway scheint zu schwächeln. Für die traditionell maue Theaterzeit im Frühling hat man sich jedenfalls Starpower sichern müssen um den Kartenvorverkauf wieder anzukurbeln: Corbin Bleu, einer der Stars der unsäglichen "High School Musical"-Filmchen, wird am 25.Januar für 13 Wochen die Hauptrolle des Usnavi übernehmen, die "In the Heights"-Autor Lin-Manuel Miranda selbst gespielt hat. Ein Ansturm der Teenies dürfte dem Richard Rodgers Theater damit sicher sein.

Wer Lin-Manuel Miranda einmal als Schauspieler in der Glotze erleben will, sollte den Auftakt zur neuen Staffel von "House" nicht verpassen: In der Doppelfolge, die sich ganz Houses Aufenthalt in der Klapsmühle widmet, spielt Miranda seinen Mitbewohner und darf auch zusammen mit Hugh Laurie einen improvisierten Rap auf der Anstaltsbühne hinlegen. Mit dabei ist außerdem Franka Potente.

Udo Lindenberg Musical "Hinterm Horizont" ab November 2010 in Berlin

Na, wenn die Überraschung nicht gelungen ist: Während die Musicalforisten munter spekulierten was wohin kommt und einige wieder mal Hamburg zur einzigen Premierenstadt Deutschlands hochlobten, zog Stage Entertainment ein ganz neues Kaninchen aus dem Hut: Das erste Musical von Altrocker Udo Lindenberg, "Hinterm Horizont", das anlässlich "20 Jahre Wiedervereinigung" am 9.November 2010 in Berlin am Potsdamer Platz Premiere feiern soll. Völlig wurst, dass die große Feier eigentlich schon dieses Jahr war. Vermutlich war den Herren der Stage Entertainment irgendwann der Geduldsfaden gerissen was das lange angekündigte und nie fertig gestellte "Winds of Change"-Musical mit den Songs der Scorpions betrifft. Da bietet es sich eher an "Hinterm Horizont" abzugreifen, dessen Uraufführung eigentlich für den Sommer 2010 am St.Pauli Theater in Hamburg geplant war.

Ob das gut geht? Die etwas dünne dpa-Meldung die nun durch die Gazetten (und das Internet) geistert, lässt mich skeptisch blicken. Augenscheinlich geht es zunächst mal um eine "East West Side Story" (aua) und um das "Mädchen aus Ost-Berlin", das Lindenberg schon vor Jahren besungen hat. Klingt nach einer netten Liebesgeschichte im getrennten Berlin, die vielleicht sogar funktionieren könnte, wenn sie gut gemacht ist. Aber wenn man den Text weiter liest, treten die ersten Bedenken ein: "Die größten Hits sollen zu hören sein" – also doch eher ein Jukebox-Musical als eine neukomponierte Score? "In dem Musical geht es um Udo L., der wähernd des Mauerfalls seinen Sohn wiederfindet" - achja, und wo ist dann das Mädchen aus Ost-Berlin und die Liebesgeschichte? "Gleich mehrere Udo-Darsteller, die den Musiker in verschiedenen Lebensphasen mimen, müssen gecastet werden" – aha, also ein biografisches Stück über den Herrn Lindenberg, verpackt in ein bisschen hübschen Zuckerguß und Zeitgeschichte. Klingt das nicht ein wenig… na, sagen wir mal, selbstverliebt?

Für das kleine St.Pauli Theater am Kiez in Hamburg mag das passend gewesen sein. Lindenberg, der angebliche Dauergast im Hotel Atlantic, hat sicher genug treue Fans, die dort die Sitze füllen können. Aber ob der Rockstar von vorgestern genug Anziehungskraft hat um täglich das riesige Theater am Potsdamer Platz zu füllen? Gerade wenn die Berliner Theater ohnehin eher von Touristen leben müssen als von Einheimischen und Lindenberg nie jenseits der deutschen Grenze erfolgreich war.

Schade Stage. Hier habt ihr eine großartige Gelegenheit gehabt, ein "Mauerfall"-Musical auf die Bühne zu bringen, das mit einer fesselnden Geschichte über die Zeit der deutsch-deutschen Trennung daherkommt, jene 80'er Jahre die eine ganze Generation geprägt haben und die auch zahllosen ausländischen Touristen vertraut wäre – nicht nur durch die Bilder vom November 1989 sondern schon aus der Zeit davor mit ihren unzähligen Agentenfilmen in denen US-Spione am nebelumwaberten Checkpoint Charlie gen Osten schlichen. Es wäre die großartige Chance gewesen, deutsche und ausländische Touristen ins Theater zu locken, die sich hier der Thematik ganz nahe fühlen – es wäre die Chance gewesen, für Berlin etwas ähnliches zu schaffen wie es Wien seinerzeit mit "Elisabeth" gelungen war, ein Stück das thematisch passte, das die zahllosen Besucher anzog weil sie ohnehin an jeder Straßenecke über "Sisi" stolperten und mit der Dame ebenso vertraut waren wie sie es in Berlin mit den Bildern vom Mauerfall oder dem Todesstreifen wären.
Stattdessen also ein Jukebox-Musical mit den aufgewärmten Hits eines Rockstars von vorgestern, der meint, sein Leben wäre spannend genug um es täglich 1600 Zuschauern vorzusetzen. Armes Berlin, es will wohl einfach nicht gelingen der gebeutelten Hauptstadt ein wirklich gutes Musical auf den grauen graffittibesprühten Leib zu schneidern. Vielleicht kommt ja zum Trost wenigstens noch "Zorro" ins Theater des Westens.

Sonntag, 6. Dezember 2009

CD-Tipp: Rhydian "O Fortuna", Elena Roger "Vientos del sur"

Zum Glück gibt es ja auch Musicalfans, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen und statt der 12.CD von “Elisabeth” mal was neues frisches hören wollen. Für diese Fans habe ich zwei CD-Tipps, falls jemand noch nicht weiß, was er sich zu Weihnachten wünschen soll.

In Großbritannien hat Rhydian Roberts pünktlich zum Weihnachtsgeschäft seine neue CD “O Fortuna” auf den Markt gebracht. Der junge Waliser sieht zwar aus, als sei er aus einem Sci-Fi-Film der frühen 80’er Jahre entlaufen, besitzt aber eine wirklich grandiose Stimme, mit der er es auf den 2.Platz der englischen Castingshow “The X Factor” schaffte. Für viele war er der heimliche Gewinner, dem Sender ITV war sogar Mauschelei vorgeworfen wurde, als er im Finale überraschend gegen den Outsider Leon Jackson verlor. Wie dem auch sei, auf längere Sicht hat sich Rhydian mit Sicherheit besser etabliert.
Seine erste CD, auf der er u.a. “The Impossible Dream” sang und mit Idina Menzel das wunderschöne Duett “What If”, wurde ein Bestseller und bei Andrew Lloyd Webber’s Konzert zum 60.Geburtstag im Hyde Park war er ebenfalls dabei. Auf der neuen CD gibt sich Rhydian nun klassischer mit Songs wie “O Fortuna”, “Benedictus” und “Adiemus”, doch auch das “Anthem” aus Chess ist dabei und neu geschriebene Songs wie das wunderschöne “I won’t let you walk this road alone”. Die perfekte CD für besinnliche Winterabende!


Wer sich im Winter lieber in warme Gefilde träumen will, greift zur zweiten Solo-CD von Elena Roger, die mir erst kürzlich vermacht wurde. Die Argentinierin wurde in der europäischen Musicalszene bekannt, als Andrew Lloyd Webber sie vor einigen Jahren als Eva in seinem “Evita”-Revival in London besetzte. Später glänzte sie als Edith Piaf in der One Woman-Show “Piaf”. In ihrem zweiten Soloalbum “El viento del sur” präsentiert sie eine Mischung aus südamerikanischen Liedern und englischen Popsongs, die mit einer ordentlichen Portion Tango versehen wurden. Herausragend für mich ist dabei die wunderschöne Version von John Lennon’s “Jealous Guy”, sowie bisher unbekannte Entdeckungen der argentinischen Musikszene wie das melachonlische “Bajo el sauce solo” von Rolando Valladares und Manuel J.Castilla oder “Siempre se vuelve a Buenos Aires” von Astor Piazzolla, das auch mir richtig Lust auf eine Rückkehr nach Buenos Aires macht.

Weihnachtsgala im holländischen TV

Holländische Musicalfans werden an Weihnachten verwöhnt: Schon länger steht fest, dass am 2.Weihnachtstag die Musical- version von “Ciske de Rat” bei RTL4 ausgestrahlt wird. Die AVRO zeigt zusätzlich am Heiligen Abend um 20.30 Uhr die “Musical Kerstgala”, eine Weihnachtsshow, moderiert von Chantel Janzen, die dabei von den größten niederländischen Musicalstars musikalisch unterstützt wird, u.a. von Simone Kleinsma, Stanley Burleson, Freek Bartels, Mariska van Kolck und den Finalistinnen von “Op zoek naar Mary Poppins”.

Erfreulich für die holländischen Fans und alle, die die niederländischen TV-Sender empfangen können – auch wenn die Highlights sicher schnell genug den Weg zu Youtube finden werden. Nur mich macht es in gewisser Weise wieder mal traurig zu sehen, welchen Stellenwert das Musical in Holland gewonnen hat, während es in Deutschland seit über 20 Jahren das gleiche Dasein als ungeliebtes Stiefkind einer arrogant-verquasten elitären Kulturszene fristet.

Samstag, 5. Dezember 2009

ZORRO-Le Musical in Paris

Ein regnerischer Abend, allein in Paris; was kann man da machen? Essen gehen, ok, ist aber allein nicht so mein Ding. Ins Theater oder Kino? Gute Idee, leider kann ich kein Französisch.
Also fiel die Entscheidung auf "Zorro-Le Musical" welches derzeit in den Folies Bergère gespielt wird. Die Handlung basierend auf dem Buch von Isabel Allende bzw. Johnston McCulley, ist in allen ihren Variationen so bekannt, dass man ihr auch in einer komplett fremden Sprache folgen kann. Außerdem hatte ich mir aus London die englische Cast-CD mitgebracht und konnte mich daher ein wenig "vorbereiten".
Zuerst ein paar Worte zum Theater, welches auf mich einen ziemlich ambivalenten Eindruck machte. Um zu erkennen, dass man am Ziel ist, muss man schon fast direkt vor den Folies stehen, drinnen findet man eine riesige Halle, die trotz einiger Dekoration recht kahl und verlassen wirkt. Der Theatersaal wirkt stimmungsvoll jedoch reichlich abgenutzt, die Sitze sind ein Witz. Ich befürchte, dass man bei einem Gewicht unter 50kg mit diesen Klappsitzen einfach "zusammengefaltet" wird, außerdem ist die Polsterung so dürftig, dass man besser ein gut gepolstertes Hinterteil sein eigen nennt, um bequem zu sitzen.
Die ausliegenden Flyer zeigen die britische Cast, was ich besonders deshalb ärgerlich fand, da die Picturebooks mit 15€ doch ziemlich teuer waren. Was mir aber für die wirklich sehr gute und engagierte Cast außerordentlich leid tat, war die Auslastung, es war ein Mittwoch und wenn das Theater zu 50% gefüllt war, ist dies eine sehr optimistische Schätzung. Der nette Barkeeper erzählte, dass das Theater am Wochenende sehr gut gefüllt ist und sie auch auf die Zeit nach Weihnachten hoffen. Ein extra Dank geht an die sehr netten Platzanweiser, die jedem Besucher einen möglichst guten Platz im Saal suchten, ungeachtet der Preiskategorie, die auf dem Ticket stand, so saß ich für 49€ in der PK3 auf einem guten Platz der PK1.
Jetzt aber zum Stück, die Musik von den Gipsy Kings passt perfekt zum Stück und unterstützt die Handlung einfach klasse. Natürlich sollte man Flamenco und co. mögen, sonst ist es schwierig. Mir hat sie sehr gut gefallen, obwohl ich kein ausgesprochener Flamenco-Fan bin. Sicher brauche ich nicht zu erwähnen, dass "Bamboleo" eine der Hauptnummern des Stückes ist, "Djobi Djoba" wird ebenfalls mehrfach gespielt und "Baila Me" dient als Erkennungsmelodie zum Eintritt Zorro´s in das Leben der Zigeuner. Ein bisschen störend fand ich die häufigen Reprisen der Ensemblestücke, da die Gipsy Kings auf ein langes Schaffen zurück blicken, hätte man doch hier sicher noch ein paar weitere Nummern gefunden, die sich für ein Musical eignen.
Laurent Ban gibt den Diego, wie man ihn sich vorstellt, ein Held der (fast) alles kann; singen, spielen, fechten, fliegen, raufen. Tanzen ist nicht seine starke Seite (aber ok), dafür singt er super. Der Bio entnahm ich, dass er wahrscheinlich in Frankreich ziemlich bekannt ist, so war er z.B. der Nachfolger von Bruno Pelletier in "Notre Dame". Das Foto auf der offiziellen Website täuscht, er sieht besser aus und entspricht damit auch äußerlich dem "Helden", daher an dieser Stelle noch ein anderes Foto.
Vom Gesang her fand ich ihn durchaus anders als Matt Rawle, den ich nur von der CD kenne. Laurent Ban´s Stimme klingt weniger "metallisch" als die Stimme von Matt Rawle, ohne lyrisch zu wirken, durchaus auch energisch, mir hat sie sehr gut gefallen. Sein Gegenspieler Ramon wird von Yan Duffas (Film Coco Chanel) gegeben, eine reine Sprechrolle. Daher musste ich mich eher an der Körpersprache und am Ausdruck orientieren. In Sachen "Held" stand er Laurent Ban in nichts nach und war auch ohne Hemd nett anzusehen. Beide lieferten sich mitreißende Kämpfe und man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Sieger im Fechten jeden Abend neu bestimmt wird, klasse. Duffas tanzt auch recht ordentlich.
Luisa war nett, sang gut, wirkte aber ansonsten ein bisschen zu brav und blass. Inez (Geraldine Larrosa) dagegen spielte ihre Rolle mit so viel Feuer, dass sicher mehr als die Hälfte der anwesenden Herren sauer war, als sie von Ramon erschossen wurde. Georges Beller als alter Zigeuner bzw. Don Alejandro hatte ebenfalls eine reine Sprechrolle inne, daher kann ich nur sagen, für mich rollendeckend gespielt, ebenso wie Sgt. Garcia.
Das Orchester war eine Band, lediglich Klavier, Percussions und natürlich die Gitarren wurden life gespielt, alles andere z.B. auch die Bläser kamen offenbar vom Band. Das tat der Sache aber keinen Abbruch, die Akustik war dafür optimal.
Die Ausstattung ist nicht so üppig, wie in anderen SE-Stücken, dies ist sicher dem Umstand geschuldet, dass das Stück nur wenige Monate gespielt wird. Jedoch sollte man, wenn man ein bisschen Pyrotechnik machen will, diese auch richtig ausgestalten und nicht nur winzige Knallerchen daraus machen. Aber ok, dass "Z" war gut und das Feuer auch im ganzen Zuschauerraum zu spüren.
Fazit; ein schöner Abend und auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe, habe ich es nicht bereut. Die Cast war klasse und hatte sich ihre standing ovations verdient. Die Musik ist mitreißend, wenn auch ein bisschen redundant und der Sprechanteil ist doch so hoch, dass eventuell auch Musicalkritiker von dem Stück angesprochen werden.
Das Stück passt nach meiner Meinung hervorragend ins TdW und ich kann mir lebhaft vorstellen, dass sich um die Rolle des Diego lange Schlangen bei jeder Audition bilden.

Freitag, 4. Dezember 2009

Hairspray in Köln - das muss ein Hit werden

In Köln scheint man aus dem Totalflop Spamalot gelernt zu haben. Statt namenlosen Musicaldarstellern, die vielleicht eine solide Leistung bringen aber niemanden ins Theater locken, hat man für die deutsche Uraufführung von "Hairspray" nicht nur einen Star aufgeboten sondern gleich drei: Neben Schauspieler Uwe Ochsenknecht als dringend benötigtes Zugpferd für "Edna" hat man mit Comedian Tetje Mierendorf gleich eine zweite prominente Edna als Alternate dazu engagiert und als Tracy mit Maite Kelly eine der unzähligen Geschwister der "Kelly Family", die in den 90'er Jahren Millionen CDs absetzten und in jedem deutschen Kinderzimmer zu hören waren. Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten – allerdings merkt man bei Gesprächen in Köln durchaus schon den positiven Effekt, denn während Bemerkungen zu "Spamalot" vor allem mit "Häh?" beantwortet wurden, bekommt man zu "Hairspray" jetzt schon Antworten wie "Ach, dat is doch dat mit dem Kelly-Mädchen?" oder "Ist dat nit mit dem Ochsenknecht als Frau?"

Auch sonst dürfte es "Hairspray" viel leichter haben an vergangene Erfolge im Musical Dome anzuknüpfen, denn die poppig-bunte Show mit dem 60'er Jahre-Sound passt viel besser in die Reihe der wirklich erfolgreichen Kölner Shows "Saturday Night Fever" mit dem Disco-Sound der 70'er und "We will rock you" mit den Hits von Queen. Und im Gegensatz zu dem grenzwertigen Klamauk von "Spamalot" bietet "Hairspray" außerdem eine grundsolide und mitreißende Geschichte um die pummelige Tracy Turnblad die sich mit Herz und Selbstbewusstsein ihren Platz in der "Corny Collins Show" erobert und dazu den schönen Link Larkin vor dem Hintergrund der Rassentrennung in den USA der 60'er Jahre, die allmählich aufgehoben wurde. Auf Deutsch klingen die mittlerweile wohlbekannten Songs von "Hairspray" teilweise ein wenig seltsam, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.

Das Publikum ging von ersten Song an mit und war beim Finale sofort auf den Füßen um mitzutanzen. Dazwischen gab es Lacher satt, tolle Stimmung und ein hervorragend aufgelegter Uwe Ochsenknecht, der vom Publikum gebührend gefeiert wurde. Gerade die Tatsache, dass Ochsenknecht eher als Darsteller von "harten Kerlen" bekannt ist, machte ihn als Edna unwiderstehlich und auch wenn er noch etwas wackelig auf hohen Absätzen unterwegs war, darf er als genialer Besetzungs-Schachzug gelten mit großer Bühnenpräsenz und großer Stimme.


Für mich war jedoch Maite Kelly die Überraschung des Abends. Wie wohl die meisten hatte ich sie als pausbäckiges kleines Mädchen in Erinnerung und auch wenn sie mittlerweile 30 ist, geht sie doch noch immer überzeugend als Teenager durch. Dazu kommt eine wirklich mitreißend sympathische Ausstrahlung und man muß diese Tracy einfach gern haben. Dass sie keine ausgebildete Musicaldarstellerin ist, merkte man ihr in keiner Sekunde an. Auch dieser Casting Coup kann man zu 100% gelungen betrachten.

Beim Rest des Ensembles stach vor allem Nicole Berendsen als grandiose Velma von Tussle heraus, die nicht nur eine frappierende Ähnlichkeit mit der Film-Velma Michelle Pfeiffer aufwies sondern auch hinreißend komisch war, und Jana Stelley als Penny Pingleton. Deborah Woodson als Motormouth Maybelle glänzte mit beeindruckender Stimme und Daniel Berini war ein ausgesprochen schnuckeliger Link, dem die Musical-Fankiddies wohl in Scharen nachlaufen werden.


Dass man derzeit schon mit zahlreichen Rabattaktionen um sich wirft, lässt auf nicht viel gutes für den Kartenvorverkauf von "Hairspray" schließen – bleibt zu hoffen, dass bald eine positive Mundpropaganda einsetzt. Das Stück hat mit Sicherheit eine mehrjährige Laufzeit in Köln verdient.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Sister Act in Hamburg, Udo in Stuttgart

Sensationelle Neuigkeiten sehen anders aus – das Udo Jürgens-Recycling "Ich war noch niemals in New York" wird im Herbst 2010 von Hamburg nach Stuttgart umsiedeln um dort die schwäbischen Hausfrauen zu beglücken, dafür werden am Hamburger Kiez die Nonnen steppen.
Im Operettenhaus soll die Musicalfassung von "Sister Act" starten, die bereits in London mit relativ bescheidenem Erfolg läuft. Bevor wieder jemand schreit "Aber es war ausverkauft als ich da war!" sollte man hinzufügen, dass "Sister Act" schon länger mit heftigen Discounts um sich wirft und die ersten Produzenten die Finger nach dem London Palladium ausgestreckt haben um ein neues Stück reinzubringen. Ein Megaseller sieht anders aus, auch wenn man dem Stück selbst schwerlich einen Vorwurf machen kann. Alan Menken hat eine poppige Partitur geschrieben, die Laune auf das Stück macht und mit Patina Miller als Deloris hat man tatsächlich einen neuen Star gefunden, der ohne Casting Show- und Reality TV-Hintergrund auskommt. Dass "Sister Act" sich dennoch schwer tut, dürfte an der bärenstarken Konkurrenz in dieser Saison liegen und der Wirtschaftskrise, die besonders Großbritannien heftig getroffen hat.

In Hamburg dürfte sich "Sister Act" leichter tun – zwei Jahre sind dann seit der "Tarzan"-Premiere vergangen und genügend Norddeutsche dürften Appetit auf etwas neues haben, zumal das verhältmäßig kleine Operettenhaus leichter zu füllen ist. Und dass "witzige" Nonnen in Deutschland gut ankommen ist seit dem Dauerbrenner-Erfolg von "Nonnsense" ebenfalls bekannt. Allerdings gibt es auch Faktoren die dem Stück hier durchaus das Genick brechen könnten: Da sind einerseits die unverschämt hohen Preise, die so gut wie allen Musicals hier zu schaffen machen, ohne dass die Veranstalter hier einmal gegensteuern und andererseits die problematische Besetzung. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass Stage Entertainment eine/n ausländische/n Hauptdarsteller/in engagiert, der/die ohne deutsche Sprachkenntnisse auf der Bühne mehr schlecht als recht radebrecht - besonders in Hamburg scheint dies ein Problem zu sein, wenn man an die Premierencasts vom "König der Löwen" oder "Tarzan" denkt. Dabei gäbe es mit Sicherheit genug schwarze Sängerinnen hier, die eine fabelhafte und akzentfreie Deloris geben könnten. Aber wir wollen auch nicht unken – für den deutschen Markt, insbesondere für Hamburg, wo sich leichtgewichtigte Entertainment-Shows mit Abstand am besten verkaufen, dürfte "Sister Act" keine schlechte Wahl sein. Der arme "Zorro" dürfte sich dann wohl Ende 2010 mit dem Berliner Publikum rumschlagen dürfen.

Memo an Corny Littmann: Ich würde ja nun schon ein "Nonsense op plattdütsch" fürs Schmidt-Theater planen mit dem Werbeslogan "Wollen Sie singende Nonnen sehen? Bei uns geht das wesentlich billiger als Nebenan" :)