Samstag, 31. Oktober 2009

LONDON mit Kind - Teil 3


27.10.09 - "Billy Elliot"

Der letzte Abend unserer Londonreise blieb dem Wunschkandidaten unserer Tochter "Billy Elliot" vorbehalten.
Die Vorbereitung auf das Stück fällt nicht schwer, da wir zuhause schon den Film ansehen konnten und die Handlung somit für unsere Tochter von vornherein klar war. Dies ist auch auf jeden Fall empfehlenswert, denn auf der Bühne wird ein starker nordenglischer Akzent gesprochen, der für Kinder nahezu unverständlich ist.
Jedoch wurde hier auch eine neue Ausrede für den Englischunterricht geboren, sollte mal etwas falsch ausgesprochen werden, war es halt ein nordenglischer Dialekt.
Die im Stück agierenden Kinder waren zum großen Teil im Alter unserer Tochter und allein damit hatte das Stück ihre Gunst gewonnen. Die Show ist klasse, um sie als Familie zu besuchen und bildete einen wunderbaren Abschluss unserer Londonfahrt.
Die Story von "Billy Elliot" ist sicher zur Genüge bekannt. Es geht um den schwierigen Weg eines Jungen aus dem Norden Englands in die Schule des "Royal Ballett", zur Zeit der Bergarbeiterstreiks in den 80-Jahren, als die Erwachsenen andere Sorgen hatten als sich um die künstlerische Entwicklung eines kleinen Jungen zu kümmern. Beschrieben werden die Beziehungen von Billy zu seiner Familie, für Vater und Bruder ist es anfangs unvorstellbar, dass ein Junge tanzen lernen will und zur Großmutter, die schon ein bisschen tüdelig ist, aber eins noch genau weis, diesen Suffkopf von Großvater hätte sie besser nicht geheiratet. Beschrieben wird auch die Beziehung zur reichlich desillusionierten Tanzlehrerin Mrs. Wilkinson und vor allem auch sehr anrührend die Beziehung zu seinem Freund Michael, mit der Vorliebe für Frauenkleider.
Einen großen Teil der Show macht die Beschreibung der Lage der Bergarbeiter, ihres Zusammenhalts, des großen Streiks und ihrer Niederlagen aus. Damit bekommt die Geschichte für mich einen Rahmen, der das Abgleiten ins kitschige verhindert.
Die Schauspieler sind durch die Bank klasse, auch wenn es für die Erwachsenen eine große Herausforderung ist, gegen den Charme der Kinder "anzuspielen". Joanna Riding hat ihre beiden Olivier Awards sicher zu Recht bekommen, denn die Frau ist schauspielerisch einfach ein Klasse für sich.
Die Kinder sind durch die Bank einfach nur herzerwärmend, technisch super und schauspielerisch ganz natürlich, so dass es einfach nur Spaß macht ihnen zuzusehen.
Zuerst ein Wort zu den Mädchen, diese sind ja eher die "Stiefkinder" des Stückes aber sie machen das Beste aus ihren jeweiligen Rollen und wenn man sich einmal Zeit nimmt, die Mädchen zu beobachten und nicht nur Billy und Michael muss man feststellen, die haben genau soviel drauf wie die Jungs und tanzen, als hätten sie nie im Leben etwas anderes gemacht. Einige der jungen Damen gleichen nicht unbedingt dem Idealbild einer Ballerina, sondern sehen wie ganz normale Mädchen aus, was ja auch beabsichtigt ist.
Die Rolle des Michael ist sicher keine einfache für einen 12-jährigen Jungen und das nicht wegen der Mädchenkleider, sondern vor allem wegen der hervorragenden schauspielerischen Fähigkeiten, die diese Rolle erfordert. Nicht zu vergessen, die Stepptanznummer, einfach super.
Getragen wird das Stück natürlich von Billy, wir hatten das Glück, für den Jungen war es eher Pech, gleich 2 Billys an einem Abend zu sehen. Billy Nr.1 (klein und dunkelhaarig) legte furios los und spielte und tanzte mit soviel Einsatz, dass er beim Sprung vom Klavier zu Ende des ersten Aktes unglücklich aufkam und sich verletzte. Die Show musste unterbrochen werden und wurde nach ca. 15 Minuten von Billy Nr.2 fortgesetzt.
Leider deckt sich der Name des Jungen, der angesagt wurde gar nicht mit dem Bild im Picturebook, sodass meine Tochter jetzt eine Internetfahndung nach Billy Nr.2 ausgerufen hat. Billy Nr. 2 war deutlich größer und blond. Es dauerte einige Minuten, sich an die Umstellung zu gewöhnen, aber dann war es kein Problem mehr.
Sicher ist es auch für den Jungen nicht einfach gewesen, nahtlos an den Vorgänger anzuschließen. Man merkte am Anfang, dass er nicht ganz warm gesungen war und sich schon sehr dem Stimmbruch näherte, mit den hohen Tönen hatte er ein bisschen zu kämpfen. Aber tanzen konnte er, dass war einfach toll. Am schönsten fand ich die Szene, wenn er mit seinem erwachsenen Alter Ego tanzt und dieser ihn "fliegen" lässt. Da kamen mir glatt die Tränen. Meiner Tochter gefiel die Steppnummer von Michael und Billy am Besten.
Fazit, ein tolles Stück für einen Besuch mit Kindern, an den nordenglischen Akzent kann man sich gewöhnen, ansonsten kann man dem Stück auch problemlos ohne höhere Englischkenntnisse folgen. Lange hat mir eine Show nicht so gut gefallen und mich so berührt. Billy Elliot war für unsere Tochter die beste Show, noch vor "Priscilla".
Es wäre schön, dass Stück auch in Deutschland zu sehen, wir haben ja auch eine "Kohlengegend". Tanzende Mädchen finden sich sicher relativ leicht, für die Jungs hoffe ich einfach das Beste, wobei man sagen muss, Kinder die dermaßen gut tanzen können, habe ich vorher noch nie gesehen.

Freitag, 30. Oktober 2009

Donmar Warehouse zeigt "Passion"

Zum 80.Geburtstag von Stephen Sondheim bringt das Donmar Warehouse in Covent Garden im nächsten Jahr eine neue Version von "Passion" auf die Bühne. Im Gespräch für die Hauptrolle der Fosca ist die Argentinierin Elena Rogers, die im West End bereits in "Evita" und "Piaf" zu sehen war. Regie führt Jamie Lloyd. "Passion" soll nur ein Höhepunkt neben weiteren Events zum großen Sondheim-Jubiläum werden. Auch eines der BBC Prom Konzerte in der Royal Albert Hall soll ihm nächstes Jahr gewidmet sein.

Hier übt der Starlight Express-Nachwuchs...

Schönes Wochenende und Happy Halloween!

London mit Kind -Teil 2

26.10.2009 - "Jersey Boys"

Der tolle Abend bei "Priscilla", hatte uns zu der Überzeugung gebracht, auch den eigentlich "theaterfreien" Montagabend mit einem Musical zu füllen. Die Auswahl wurde vom TKTS-Shop "diktiert". Es wurde dann mein Wunschkandidat "Jersey Boys" und nicht, wie von der Tochter bevorzugt "Hairspray" oder "Wicked". Für "Wicked" gab es keine ermäßigten Karten, "Hairspray" konnte ich auf Köln vertagen.
Gleich vorweg, diese Show ist nichts für ältere Kinder. Die Texte sind nach 2 Jahren Englisch-Unterricht schwer zu verstehen, die Musik für ein Kind diesen Alters uninteressant und die Show auf der Bühne ja eher einfach gehalten. Nach einem Abend bei "Priscilla" fällt dies besonders auf. Daher an dieser Stelle ein Bericht aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen:

Die Story passt wie so oft in eine Hutschachtel. Erzählt wird die Geschichte der "Four Seasons" und ihres Sängers Frankie Valli (mit I, nicht mit Y), seiner Entdeckung durch Tommy DeVito (hervorragend Glenn Carter, bekannt aus der JCS Verfilmung 2000), dem Eintritt von Bob Gaudio in die Band, ihrer Erfolge, ihre Niederlagen, ihre Trennung und des unaufhörlichen Weitermachens von Frankie Valli, gleich dem berühmten Hasen in der Batteriewerbung im Fernsehen.
Die "Four Seasons" und der Begriff "Doo-wop" sind sicher nicht jedem bekannt, besonders denjenigen nicht, die in den 60-iger Jahren noch gar nicht geboren waren. Aber ihre Musik kennt fast jeder, einige besitzen noch eine der 175 Millionen verkauften Platten, die meisten kennen ihre Hits aus dem Radio ohne zu wissen, dass es ein Song der "Four Seasons" ist, viele kennen die Musik aus den "Sopranos" oder "Forrest Gump".
Ich glaube viele von uns haben "Oh, What a night", "Big Girls don´t cry" oder "Walk like a man"schon einmal gehört. Wem dies auch noch nichts sagt, empfehle ich eine Hörprobe, spätestens dann erkennt man die Musik und den unverwechselbaren Falsett von Frankie Valli.
Ich kannte die CD der Show vorab und sie hat mir so gut gefallen, dass ich dieser Show vor anderen den Vorzug gab. Der Spaß an dieser Musik ist meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung, wenn man die Show genießen will, denn davon lebt sie.
Die vier Hauptdarsteller waren in meinen Augen hervorragend, an diesem Tag spielte Jye Frasca den Frankie Valli. Die Jungs singen aus vollem Herzen, spielen ihre Instrumente selbst und liefern auch "bewegungstechnisch" eine gute Show.
Die Szene, die sich auch auf dem Cover der CD findet, ein nachgestellter Auftritt aus den Augen eines Betrachters hinter der Bühne, ist ein toller Einfall. Man bekommt einen wunderbaren Eindruck, vom Gefühl auf der Bühne zu stehen und von hunderten Scheinwerfern geblendet zu sein, selbst die Hitze der Lampen war spürbar.
Es gab reichlich Szenenapplaus und am Ende Standing Ovations, trotzdem herrschte im Theater eine seltsame Stimmung. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich vermutet, dass eine Busladung deutscher Touristen im Theater war, es waren aber nach allem was ich hörte, wirklich Engländer. Vielleicht lag es am Wochentag, Montag. Eigentlich laden viele Songs zum Mitklatschen ein und die Cast tut ihr Bestes, die Leute dazu zu animieren, jedoch erstarb das Klatschen nach wenigen Takten wieder und das Publikum lauschte andächtig. Ich wurde sogar von einer englischen Lady eine Reihe vor uns, gebeten, nicht mehr für meine Tochter zu übersetzen (leise!), weil es sie störte (quiet please!). In England, dem Königreich der raschelnden Chips-Tüten!
Die Gänge zwischen den Stuhlreihen sind relativ breit und laden für die letzten Songs zum Tanzen ein, diese Möglichkeit nahm jedoch nur ein Paar wahr.
Fazit: Die Erwachsenen hatten einen schönen Abend, wenn auch die Stimmung nicht ganz so überschäumend war. Ich liebe die Musik und mir hat das Stück gefallen. Für ältere Kinder ist das Stück sicher weniger geeignet, unsere Tochter machte im 2. Akt ein kleines Nickerchen.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

London mit Kind - Teil 1

Städtereisen mit Kindern sind nichts Besonderes, warum also darüber schreiben? Sollten Eltern minderjähriger Kinder, in diesem Fall 12 Jahre alt, planen abends in London ins Theater zu gehen, haben sie drei Möglichkeiten; erstens: das Kind abends allein im Hotel zu lassen, zweitens: nicht ins Theater zu gehen oder drittens: das Kind einfach mitzunehmen. Da sich die Hotelvariante als nicht wirklich praktikabel erweist und Variante zwei für mich keinesfalls in Frage kam, wählten wir Variante 3, mitnehmen.

Die Auswahl der Stücke folgte also nicht nur dem eigenen Geschmack, sondern auch der Überlegung, was möchte und was kann ein Kind nach 2 Jahren Englischunterricht schon sehen und verstehen. Der Text sollte bei den gewählten Stücken möglichst nicht im Vordergrund stehen und es sollte auf jeden Fall etwas dabei sein, was ein Mädchen begeistern könnte. Die Wahl fiel auf "Priscilla-Queen of the Desert", vor allem wegen der Kostüme und der Show und natürlich wie könnte es anders sein auf "Billy Elliot".

Ein "theaterfreier" Abend war eigentlich auch geplant, dieser wurde jedoch nach dem Priscilla-Besuch noch mit "Jersey Boys" gefüllt, welches ich gern sehen wollte. Mein Bericht folgt der Reihenfolge der Besuche, "Priscilla", "Jersey Boys" und "Billy Elliot".

24.10.2009 - "Priscilla-Queen of the Desert"
Die Handlung ist durch den australischen Film (manche kennen auch den ähnlich gestrickten US-Film" "To Wong Foo") den meisten bekannt. Die Story handelt von einem Bus erst silbern, später pink - Priscilla (man achte auf das Innenleben!) und steht unter dem Motto "life´s an adventure- dress accordingly".
Kleider, Hüte und besonders Schuhe stehen daher auch neben der grandiosen Cast im Mittelpunkt der Show, um genau zu sein; 514 Kostüme, 55 Perücken, 150 Paar Schuhe und 200 Hüte. Von den Kostümen und dem Kopfputz hätte ich gern eins, egal welches!
Beschrieben wird die Reise von 3 Männern?. Na ja als Mann fühlt sich unter den Dreien sicher nur einer, Tick eine Drag-Queen, gespielt von Jason Donovan. Dieser reist gemeinsam mit einer alten Freundin, Bernadette (wie im australischen Original Tony Sheldon) einer alternden Transsexuellen, die den Tod eines Liebhabers betrauert und einer weiteren Drag-Queen, Adam (Oliver Thornton, für mich der schönste Waliser, den ich je gesehen habe) durch das Outback von Sydney nach Alice Springs. Anlass der Reise, eine Aufforderung von Ticks Ehefrau, endlich seinen 6-jährigen Sohn kennen zulernen, surprise, surprise.

Die Musik besteht aus bekannten Disco-Hits und löst bei fast jedem erwachsenen Zuhörer Kindheits- oder Teenagererinnerungen aus und animiert zum Mitsingen. Die einzelnen Songs unterstützen die Handlung super und wirkten auf mich nicht wie eine typische Compilation.

Die Show ist einfach nur grandios, lustig vom ersten Moment an und beginnt nicht, wie vermutet mit den einschwebenden Diva´s; alle drei mit super Stimmen, sondern mit der Ansage des Platzanweisers " photography no, alcohol yes", was vom Publikum unter großem Gejohle wiederholt wurde.
Wir saßen im "Grand Circle", ein hervorragender Platz, da mehr als die Hälfte der Show mehrere Meter über dem Bühnenboden läuft. An dieser Stelle möchte ich den Diva´s aber auch besonders "Adam" meine absolute Hochachtung für ihre Leistungen in Schwindel erregender Höhe aussprechen, mich bekäme niemand auf den glitzernden Schuh. Die Solonummer auf dem Schuh war für mich auch der Höhepunkt des Abends, kaum zu beschreiben, welche artistisch-tänzerische Höchstleistung hier geboten wurde, das muss man sich einfach ansehen.

Die Cast war bis in die kleinste Rolle hervorragend, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch, jemanden besonders hervor zu heben fände ich ungerecht. Atemberaubend sind die rasanten Kostümwechsel von denen die Show lebt, oft hat man nicht genug Zeit, sich alle Kostüme einer Szene komplett anzusehen. Jedes Kostüm ist ein kreatives Feuerwerk für sich, mein Favorit war das glitzernde Catsuit mit dem "Feuervogelkopfputz" von Adam, der Rest der Familie votierte für die silbernen Kostüme der Diva´s mit den roten Punkperücken. Die Leistung der Kostümbildner finde ich "oscarverdächtig". Ein Picturebook deutlich günstiger als in Deutschland ist eine sinnvolle Investition, da man später Mühe hat, sich an all die wunderbaren Kostüme zu erinnern.
Die Stimmung im Theater ist super, die Leute feiern von der ersten bis zur letzten Minute. Die Federboa hätten wir gleich zu Beginn der Show kaufen sollen, das hätte uns das Anstehen in der Pause erspart.
Wir hatten einen tollen Abend, die Texte sind für Erwachsene mit mittleren Englischkenntnissen gut verständlich.
Bewertung der Tochter: Obwohl sie nur wenige Worte verstand, konnte sie der Handlung prima folgen. Die Kostüme und das "Acting" waren das absolute Highlight für sie, die Musik ist eher was für "ältere" Leute, ein paar Hits waren jedoch auch ihr bekannt und wurden als „annehmbar“ bewertet.
Fazit, auch für ältere Kinder geeignet. Empfehlung, Federboa nicht vergessen.

Mamma mia 2010 in Paris

Das Gerücht ging schon lange um, nun ist es offiziell: Im Herbst 2010 startet eine französischsprachige Version von "Mamma mia" in Paris, produziert von Stage Entertainment. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt, allerdings wurde nun eine entsprechende Audition-Anzeige in Frankreich veröffentlicht, wonach die Bewerber ab dem Sommer 2010 zur Verfügung stehen sollen. Da "Zorro" dann vermutlich noch laufen wird (zumindest hoffe ich dies für die Show), kann man wohl von einem Ende des "Löwenkönigs" im Théâtre Mogador ausgehen, der schon länger bei den Ticketverkäufen schwächelt.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Keira Knightley wird die neue Eliza Doolittle

Die Gerüchte haben sich laut dem Daily Telegraph bestätigt: Keira Knightley wird in einem Remake von "My Fair Lady" die Eliza Doolittle spielen und damit in die übergroßen Fußstapfen von Audrey Hepburn treten. Wenn man bedenkt, dass angeblich auch Anne Hathaway und Scarlett Johansson an der Rolle interessiert waren, dürfte Keira das kleinere Übel sein... wobei man sich natürlich fragen muß, ob dieses Remake nicht ohnehin überflüssig wie ein Kropf ist. Wer den Higgins spielen soll, ist noch nicht bekannt. Das Gerücht, dass Daniel "Bond" Craig im Rennen ist, jagt mir kalte Schauern über den Rücken. Wie dem auch sei, ehe jetzt das Genörgel los geht, dass Keira Knightley doch keine Sängerin ist, sollte man sich erstmal diesen Clip aus ihrem neuen Film "The Edge of Love" zu Gemüte führen:

Ciske de Rat wird im Fernsehen gezeigt

An Weihnachten soll das erfolgreichste niederländische Musical aller Zeiten, die Bühnenversion von "Ciske de Rat" im Fernsehen zu sehen sein, und zwar am 26.Dezember um 20.30 Uhr auf RTL4. Wer keine niederländischen TV-Sender empfangen kann und niemanden hat, der es ihm aufnimmt, kann vermutlich auf eine DVD-Veröffentlichung hoffen. Ende November wird "Ciske" zum letzten Mal live auf der Bühne des Circustheater in Scheveningen zu sehen sein. Eine Zweitverwertung per DVD dürfte Onkel Joop nochmal ordentlich Geld in die Kasse spülen. Welche Cast für die TV-Ausstrahlung aufgenommen wurde, ist noch nicht bekannt.

Montag, 26. Oktober 2009

Mamma mia-Sequel in Planung?

Wenn man der Film-"Sophie" Amanda Seyfried Glauben schenken darf, ist ein Sequel der "Mamma mia"-Verfilmung beschlossene Sache. Bei Newsbeat, der Nachrichten- sendung von BBC Radio 1 wurde sie anläßlich der Premiere ihres neuen Filme "Chloe" auf den riesigen Erfolg von "Mamma mia" angesprochen und äußerte sich bezüglich einer Fortsetzung mit den Worten: "Ich habe mit einigen Insidern gesprochen und es ist nichts, woran sie noch nicht arbeiten. Mehr weiß ich aber auch nicht". Bleibt zu befürchten, dass eine Film-Fortsetzung von "Mamma mia" dann auch als Bühnenversion auftauchen wird und so liebenswert-unterhaltsam das Original auch war – eine Sequel davon braucht nun wirklich kein Mensch.

Sonntag, 25. Oktober 2009

One enchanted evening in Kassel

Nach dem eher enttäuschenden “Into the woods” in Hagen hat das Staatstheater Kassel nun mit “South Pacific” einen absoluten Volltreffer gelandet. Wer sich in diesem Winter nur ein Musical angucken kann, sollte dieses wählen. Schwelgerisch schöne Kulissen von Mathias Fischer-Diskau lassen in der Inszenierung von Matthias Davids die Südsee lebendig werden und ein fast durchweg großartiges Ensemble haucht dem hier viel zu selten gespielten Rodgers/Hammerstein-Klassiker Leben ein. Obwohl der erste Akt fast zwei Stunden dauert, fühlt man sich nie gelangweilt, man taucht ab in die Welt der US-Soldaten die im 2.Weltkrieg auf einer Südsee-Insel stationiert sind und lässt sich von ihren Schicksalen mitreißen. Anders als die heutigen “Adelsschmonzetten” oder dem Leid und Weh von irgendwelchen Biestern, Phantomen und Vampiren, haben sich Rodgers/Hammerstein immer mit ganz normalen Menschen beschäftigt, denen man sich umso näher fühlt. Die Hauptgeschichte erzählt von dem französischen Pflanzer Emile de Becque der mit seinen Kindern aus erster Ehe auf seiner Kakaoplantage lebt und sich in die amerikanische Krankenschwester Nellie Forbush verliebt. Diese erwidert seine Liebe – bis sie die Kinder kennenlernt und mit den Vorurteilen des damals allgegenwärtigen Rasssismus entscheidet, sie könne keinen Mann lieben der mit einer “schwarzen” Polynesierin zusammen war und halb-polynesische Kinder hat. Auf uns mag das heute wie dummer Rassismus klingen, doch bei der Uraufführung 1949 packten Rodgers/Hammerstein damit ein ausgesprochen heißes Eisen an. Und wenn Lieutenant Cable, der sich in die einheimische Polynesierin Liat verliebt und sie aus dem gleichen Rassismus heraus nicht heiraten will, singt: “ You’ve got to be taught to be afraid of people whose eyes are oddly made, and people whose skin is a different shade” wird man sich bewusst, dass es auch heute oft noch gar nicht soviel anders ist. Auf ein kitschiges “Happily ever after”-Ende verzichteten Rodgers/Hammerstein. Zwar besinnt sich Nellie nach dem Abzug der Amerikaner eines bessseren und bleibt auf der Insel bei Emile und seinen Kindern, doch Cable kommt ums Leben, als sein Flugzeug von Japanern abgeschossen wird.

Der einzige Fehlgriff im Ensemble ist meines achtens Kristin Hölck als Nellie. Die Frau ist für mich schon lange Kassengift mit ihrer seltsam kalten Ausstrahlung, die jeden Funken menschlicher Wärme vermissen lässt, was mich schon seinerzeit bei “Joseph” sehr gestört hat, während es als “Elisabeth” nicht so auffiel, weil die zickige Kaiserin auch nicht gerade vor menschlicher Wärme strahlte. Nun störte es jedoch wieder ungemein, denn Nellie macht es einem modernen Publikum ohnehin nicht leicht sie zu mögen. Da Frau Hölck außerdem über keinerlei bemerkenswerte Sopranstimme verfügt und Nellies Songs für sie so entschärft wirkten wie für Glenn Close in der letzten Verfilmung des Musicals, verstehe ich wirklich nicht, was sie in der Rolle zu suchen hatte. Es hätte sicher auch bessere Sänger gegeben, die Emile de Becques berühmte Songs “This nearly was mine” und “Some enchanted evening” mit mehr Verve über die Rampe gedonnert hätten, aber Andre Bauers zurückhaltendes Spiel passte andererseits auch sehr gut zu dem zurückhaltenden Pflanzer, der nicht so recht weiß, wie er eine Frau für sich gewinnen soll.
Der brilliante Rest des Ensembles machte das eher schwache Leading Couple dann auch locker wieder wett, vor allem die Kasseler Lokalmatadorin Lona Culmer-Schellbach als Bloody Mary, jene geschäftigstüchtige Polynesierin, die die US-Soldaten mit allem Nötigen und Unnötigen versorgt und ihre eigene Tochter Liat an Cable verschachern will. Ihren großen Song “Bali Ha’i” singt sie dann auch weniger als klassische Opernarie wie es soviele andere getan haben, sondern gefühlvoll-sanft wie Loretta Ables Sayre auf der aktuellen Broadway-CD. Matthias Stockinger als Cable ist rollengemäß ein wenig blaß und steif, hat aber mit “You got to be carefully taught” den bewegendsten Moment des Abends. In der Rolle des Luther Billis, der für den “comic relief” des Abends zuständig ist, erspielt sich Philippe Ducloux schnell die Herzen des Publikums.
Der grandiose Abend in Kassel lässt mich wieder einmal wünschen, dass die Stadttheater mehr Mut hätten, hierzulande unbekanntere Stücke zu spielen – mit einer Inszenierung wie “South Pacific” spielt das Staatstheater Kassel die derzeit aktuellen Großproduktionen locker an die Wand – und das zu Preisen von einem Drittel der Stage Entertainment-Shows. Also auf nach Kassel!

Freitag, 23. Oktober 2009

CD-Tipp: Annalene Beechey - Close your eyes

Eigentlich sollte hier in dieser Woche noch ein Text zur Schließung von “Shrek” am Broadway im Januar erscheinen, aber ich schob das schon ziemlich lustlos vor mir her und kam zu der Feststellung, dass es mich ganz einfach kalt lässt. Ich fand den Film seinerzeit großartig und auch die Sequels boten noch ganz nette Unterhaltung. Aber das Musical hat mich von Anfang nicht gereizt. Zu deutlich waren die kommerziellen Absichten von Dreamworks Disney nun auch im Bereich Live-Entertainment Konkurrenz zu machen und auch wenn “Shrek – the Musical” einige nette Liedchen bot, war das ganze einfach zu uninspiriert. Nach den letzten Flops in Sachen Film-Resteverwertung – neben “Shrek” gehörte auch das sympathische “9 to 5” dazu und den Gerüchten zufolge scheint “Catch me if you can” schon während der Tryouts zu verrecken – kann man vielleicht darauf hoffen, dass allmählich ein Ende dieser Welle absehbar wird.

Nun fand ich heute abend eine neue CD in meinem Briefkasten vor, druckfrisch aus London: Die erste Solo-CD der bezaubernden Annalene Beechey, der leider nie so wirklich der Durchbruch gelungen ist, trotz etlicher überzeugender Leistungen. Als ausgesprochenener Fan von klaren sauberen Sopranstimmen (im Gegensatz zu etlichen “Auf-Teufel-komm-raus-Beltern) war ihre CD ein Muß für mich und seit dem ersten Hören vor ca. fünf Stunden läuft sie bei mir in Dauerrotation. Das will etwas heißen. Auf der ganzen CD gibt es keinen einzigen Fehlgriff, jeder Song scheint ganz bewusst gewählt zu sein und und passt hervorragend zu ihrer Stimme. Frau Beechey folgt dabei dem aktuellen Trend lieber eher unbekannte Songs zu interpretieren, statt die ewig gleichen Musicalsongs in der 105.Fassung zu singen. Daher finden sich in der Auswahl nun neben Popklassikern wie “River” von Joni Mitchell (im Duett mit Julien Ovenden) und “The Promise” von Tracy Chapman kleine Musicalperlen wie “Carrying a torch” des britischen Duos Stiles/Drewe, ein unbekannter Stephen Schwartz-Song namens”Lion Tamer” aus “The Magic Show” und das großartige Duett “It’s never that easy/I’ve been here before” von Maltby Jr./Shire das sie mit Rebecca Lock singt.
Doch was am meisten ins Auge fällt (bzw ins Gehör geht) sind die Songs des jungen amerikanischen Komponisten Scott Alan. Der junge Mann hat bereits zwei Alben mit selbstkomponierten Songs veröffentlicht (“Dreaming Wide Awake” und “Keys: The music of Scott Alan”), auf denen sich bekannte Broadwaystars die Klinke in die Hand geben. Meine erste Begegnung mit Alan war der Song “Never Neverland (Fly away)” den Stephanie J.Block auf ihrer Solo-CD “This place I know” singt, eine bezaubernde Ode an die kindliche Phantasie. Annalene Beechey singt nun gleich zwei Songs von Scott Alan, “Nothing More” und eine Kombination der Songs “Always” und “Goodnight” mit den schönsten, berührendsten und intelligentesten Texten die ich seit langem gehört habe.


Und das bringt mich wieder zu “Shrek” zurück und meinem neulich geschriebenen Blog-Eintrag, dass ich mir lieber etwas wie die Cast-CD von “Rock of Ages” anhöre als die vielen belanglosen neuen Musicalsongs die in den letzten Jahren erschienen sind. Nun sitze ich hier ganz fasziniert mit Frau Beechey in Dauerrotation und habe meine Bestellung für die beiden Scott Alan-CDs abgeschickt… und frage mich: Wie kann es angehen, dass großartige talentierte Komponisten wie Mr Alan und seine Kollegen wie Gareth “Bluebird” Peter, Alexander S. Bermange, der seit Jahren Kindermusicals in Hanau verfasst obwohl er wesentlich mehr drauf hat oder das seit Jahren sträflich vernachlässigte englische Duo Stiles/Drewe kein Bein an die Erde (bzw. an den Broadway oder ins West End) kriegen, während die großen Hollywood-Studios den Broadway als Drittverwurstungsstätte ihrer Filme mißbrauchen? Am Broadway gibt es dank der lebendingen Off-Broadway-Szene noch immer bessere Chancen als im West End, wo kleine Theater, die sich hervorragend für Tryouts von neuen Werken eignen würden, entweder geschlossen werden wie das Bridewell Theatre, für andere Entertainmentformen gebraucht werden wie “The Venue” am Leicester Square oder sich auf Revivals spezialisieren wie die Menier Chocolate Factory (was natürlich auch seine Berechtigung hat). Doch es ist nicht so, dass es keine neuen Werke gäbe, keine talentierten jungen Komponisten oder wunderschöne Songs mit intelligenten, poetischen Texten, die sofort ins Ohr gehen. Sie sind da und zum Glück gibt es Solokünstler die ihnen auf ihren CDs eine kleine Plattform geben damit man auf sie aufmerksam wird. Vielleicht sind Concept-CDs wie “Bluebird “ von Gareth Peter auch der richtige Weg um erstmal ein gewisses “Fan-Following” zu finden. Komponisten wie ihm und Scott Alan kann man nur die Daumen drücken, dass es ihnen gelingen wird, trotz aller widriger Umstände die Chance für eine große Show zu bekommen. Und auch Annalene Beechey drücke ich nach dieser großartigen CD die Daumen, dass sie vielleicht doch noch einmal den großen Durchbruch schafft, den sie verdient. Fürs erste wird ihre CD jedenfalls bei mir in Dauerrotation weiterlaufen.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Das Grocery Store Musical

Ein weiteres Beispiel für den beneidenswert lockeren Umgang den die Amerikaner mit ihrer liebsten Theaterform pflegen, ist das neueste Video von Improv Everywhere, einer Website die sich spontanen "Missionen" in den USA verschrieben hat. Mit einem Song von Anthony King und Scott Brown, den Machern des erfolgreichen Off-Broadway-Musicals "Gutenberg - the Musical", sorgten fünf junge Sänger/innen in einem Supermarkt in Queens für amüsierte Begeisterung:

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Excalibur kommt nach Deutschland

Gerade erst ist Ben Hur durch deutsche Arenen galoppiert, da kündigt sich das nächste "Spektakel" an: Alan Simons "Excalibur – The Celtic Rock Opera", eine Nacherzählung der Artus-Legende im ganz großen Stil. Die Premiere findet am 2.Januar im Bremer AWD-Dome statt und tourt dann den ganzen Monat durch die größten deutschen Hallen. Dabei lassen sich die Veranstalter nicht lumpen: Der irische Popstar Johnny Logan, der in den 80'ern gleich 2x den Eurovision Song Contest gewann, gibt den Artus, Fernseh-Schauspieler Michael Mendl den Merlin. Popsternchen Judy Weiss, die unvergleich blasse Esmeralda aus dem Berliner "Glöckner" darf sich als Guinevere versuchen. Daneben treten einige der größten Stars der Folk/Celtic-Szene auf, darunter die britische Band Fairport Convention, Sängerin Jacqui McShee, die deutsche Mittelalterband Corvus Corax, die französische Harfinistin Cecile Corbel, die Zirkusgruppe Feuervogel und die Celtic Feet Dance Company.

Bei soviel geballter Starkraft darf man wohl wenig Handlung erwarten und umso mehr Show, womit sich "Excalibur" ähnlich wie "Ben Hur" wohl eher in die Richtung der französischen "Spectacles" bewegt als in die Richtung der deutschen Schmonzetten Drama Musicals.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Gerüchte um Verfilmungen

Zum gefühlt 35.Mal ging in dieser Woche das Gerücht um, dass “Les Miserables” verfilmt werden soll. Angeblich hat sich Cameron Mackintosh nun mit Working Title zusammengetan um das Erfolgsmusical auf die Leinwand zu bringen. Dabei sind die Angaben so vage wie schon vor 20 Jahren als dieses Gerücht zum ersten Mal aufkam. Die Dreharbeiten würden wohl nicht vor frühestens 2011 beginnen, vielleicht auch erst 2012. Genauso vage sind die Gerüchte über eine Verfilmung von “Miss Saigon”, die der Regisseur Lee Daniel in die Welt gesetzt hat, indem er auf Comingsoon.net verkündete, er würde das Musical gerne verfilmen. Musicalfans sollten wohl lieber nicht gespannt die Luft anhalten. Konkreter sind da wohl schon die Gerüchte um eine Verfilmung des Überraschungshits “Rock of Ages” vom Broadway. Wie die “Variety” nun meldete, soll Adam Shankman, der bereits die Musicalversion von “Hairspray” erfolgreich auf die Leinwand brachte, damit beauftragt worden sein, auch das erfolgreiche Rockmusical mit Hits aus den 80er Jahren zu verfilmen. Der Autor der Bühnenversion, Chris D’Arienzo, hat schon das Drehbuch für die Verfilmung verfasst und auch Produzenten wurden gefunden, darunter Tobey “Spiderman” Maguire. Wer in der Verfilmung mitspielen wird, steht noch nicht fest, aber Shankman ist auf der Suche nach echten Filmstars die gerne losrocken wollen.

Montag, 19. Oktober 2009

Buch "Musicalmania" in den Niederlanden erschienen

In Deutschland kriegt man nach wie vor keinen seriösen Musical Award zustande, während man in den Niederlanden in diesem Jahr bereits den 10.Geburtstag der John Kraaijkamp Musical Awards feiern konnten. Zu diesem Jubliäum ist nun das Buch “Musicalmania” erschienen, in dem der junge niederländische Journalist Frank Waals Interviws, Backstage-Geschichten und Bilder der niederländischen Musicalszene gesammelt hat. Insgesamt 35 Künstler, Produzenten und Macher haben hier aus dem Nähkästchen geplaudert, darunter Chantal Janzen, Carlo Boszhard, Nurlaila Karim, Albert Verlinde und der Übervater des holländischen Musicals, Joop van den Ende. Am meisten bestechen jedoch die zahlreichen professionellen Fotos, von denen viele extra für dieses Buch gemacht wurden.

Frank Waals (Jahrgang 1985) hat u.a bei SBS Shownieuws, Jensen, RTL Nieuws und Musical Exclusief gearbeitet. Das Buch erscheint bei Waals Media in Zusammenarbeit mit FMB Uitgevers und kostet in den Niederlanden 16,95 Euro. Wenn man es jedoch bei bol.com online bestellt, kommen nach Deutschland nochmal 13,85 Euro Portokosten hinzu. Also vielleicht lieber bis zum nächsten Holland-Trip warten und dann vor Ort kaufen...

Bekommt "Carrie" noch eine Chance?

“Carrie”, die Musicaladaption des gleichnamigen Thrillers von Stephen King wurde 1988 das Synonym für “spektakulären Musicalflop”, als es am Broadway nach drei Tagen und fünf Vorstellungen wieder schloß. Doch dies reichte um der Show ein gewisses Kult-Following zu sichern. Aufnahmen der ersten Aufführung im englischen Stratford-upon-Avon mit einer jungen Linzi Hateley als Carrie und Barbara Cook als Mrs Collins wurden unter der Hand ebenso eifrig gehandelt wie Mitschnitte der Broadway-Aufführung (wieder mit Linzi Hateley und Betty Buckley, die in New York Barbara Cook ersetzte) und Musicalfans waren sich einig: Die Musik von Michael Gore (“Fame”) und Dean Pitchofrd (“Footloose”) war gar nicht mal so schlecht gewesen und enthielt etliche gute Songs. Warum ausgerechnet “Carrie” so übel floppte, lieb dann auch lange ein Rätsel (oder auch nicht, wenn man sich nüchtern fragt, warum man einen ausgesprochen blutigen Horror-Thriller ausgerechnet als Musical adaptiert).

Wie auch immer, “Carrie” bekommt vielleicht eine zweite Chance am Broadway – und allein der Kultstatus der Show und die Neugierde der langjährigen Fans dürften zunächst für einen ordentlichen Ticketabsatz sorgen. Doch soweit ist es noch nicht. Derzeit berichtet Variety nur, dass die Autoren Gore, Pitchford und Cohen das Stück noch einmal überarbeiten und dass es ein Reading in New York geben soll.

Samstag, 17. Oktober 2009

Lee Mead und Kristin Chenoweth zurück auf die Bühne?

Zwei der beliebtesten Musicalstars sollen bald wieder auf der Bühne zu sehen sein: Original-"Glinda" Kristin Chenoweth, die zuletzt in der US-Serie "Pushing Daisies" zu sehen war, soll die Hauptrolle in einem Revival des Burt Bacharach-Musicals "Promises Promises" spielen. Ihr Partner wird Sean Hayes, bekannt aus "Will & Grace". Das Musical basiert auf dem erfolgreichen Billy Wilder-Film "The Apartment".

Lee Mead, der sich in der der Casting-Show "Any dream will do" die Hauptrolle im Londoner Revival von "Joseph and the amazing technicolor dreamcoat" sicherte, soll mit dem Klassiker "Babes in Armes" von Rodgers/Hart ins West End zurückkehren. Das wenig gespielte Musical wurde vor zwei Jahren von Regisseur Martin Connor für das Chichester Festival ausgegraben und enthält so bekannte Songs wie "The Lady is a Tramp" und "My Funny Valentine"

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Rock of Ages – das fetzt!

Fast unbemerkt hat sich in der letzten Broadway-Saison ein kleines Off-Broadway-Musical in die Herzen der Fans geschlichen. "Rock of Ages" wurde 2006 in Los Angeles uraufgeführt (damals noch mit Laura Bell Bundy als Sherrie), kam im Oktober2008 nach New York und transferierte schon im März 2009 an den Broadway ins Brooks Atkinson Theatre. Die Handlung passt wie bei Jukebox-Musical üblich auf einen Bierdeckel: Mädchen aus der Provinz kommt nach Los Angeles und beginnt eine Romanze mit dem netten "boy next door", den sie jedoch für einen Rockstar stehen lässt und außerdem, wie so viele andere Provinzmädels auch, im Stripclub ihre Brötchen verdienen muß. Natürlich endet alles in Wohlgefallen. Das Geheimnis von "Rock of Ages" liegt dann auch nicht in der brillianten Story sondern im Recycling großer Hard Rock-Hits der 80'er Jahre von Bands wie Journey, Foreigner, Whitesnake und Poison.

Schon beim ersten Abspielen der CD kommt nicht nur gute Laune auf, sondern auch eine gewisse Nostalgie für die 80'er Jahre, der letzten Dekade in der es, bei allem Trash, noch wirklich große Bands gegeben hat, mit großer Rockmusik die jedem geläufig war und Songs zu der eine ganze Generation abrockte, bevor in den 90'ern die gnadenlose Kommerzialisierung des Mainstream-Pop/Rock begann und das Internet die Musikgeschmäcker in zahllose Subkulturen zersplitterte. Neben hervorrangeden Sängern wie Ex-American Idol-Star Constantine Maroulis als Drew, Amy Spanger als Sherrie und James Carpinello als Stacee Jaxx, bietet "Rock of Ages" vor allem eines: Theatralische Songs, die innerhalb der Handlung wirklich Sinn machen und den Charakter unterstreichen.

Man kann hier wohl getrost von einer zweiten Generation der Jukebox-Musicals reden: Die erste Generation, mit Werken wie"Mamma mia" und "We will rock you" recycelte nur die Songs einer bestimmten Band oder eines bestimmten Sängers und die Auswahl war selbst bei Abba und Queen dann doch eher eingeschränkt. Außerdem gab es Songs, die mußten dann einfach dabei sein, egal ob sie passten oder nicht und vieles klang dann auch entsprechend "reingewürgt" und nicht wirklich stimmig für die Handlung. Man denke an "Only the good die young" oder "Dancing Queen". Auch die Handlung wirkte oft mühselig konstruiert um die Songs irgendwie passend zu machen.
Die zweite Generation dagegen bedient sich frei aus allen möglichen Werken eines Genres – bei "Priscilla – Queen of the Desert" war es der Disco-Pop der 70'er, bei "Rock of Ages" nun der Hard Rock/Metal der 80'er. Dadurch ist es leichter Songs zu finden, die den Charakter wirklich unterstreichen und die Handlung weiterbringen. Sei es, wenn die Priscilla-Truppe "Go West" anstimmt, wenn die drei Helden mit ihrem Bus zu ihrer Reise durch Australien (gen Westen) aufbrechen oder "Always on my mind" von Elvis zu einer wirklich berührenden Ballade von Tick für seinen kleinen Sohn Benji umgedeutet wird. Bei "Rock of Ages" ist dies nicht anders und Songs wie "Waiting for a girl like you" und "I wanna know what love is" passen wunderbar in die Handlung.

Natürlich wird es immer Musical-Puristen geben, die sich aufregen über jede Art von Jukebox-Musicals, die es vorziehen, auch noch das fünfte Werk von Frank Wildhorn zu erstehen, egal wie gleich seine schmalzigen Balladen in jedem Musical klingen und wie banal die Texte sein mögen. Aber wenn Songs wie "Here I go again" im Kopfhörer explodieren und man einfach mitgerissen wird von der schönen Gewalt dieser Rockballaden, dann bleibt unterm Strich die Frage: Warum gibt es im Musicalbereich eigentlich so wenige neue Musicals, die wirklich großartige Songs liefern, die das Publikum mitreißen und die man zuhause noch wochenlang spielt? So wie es einst "Jesus Christ Superstar" schaffte, "Hair" natürlich und auch noch die großen Blockbuster der 80'er mit eingängen, mitreißenden Songs wie "Memory", "The Phantom of the Opera" oder "Do you hear the people sing". Die wirklich guten Rock-Musicals kann man ohnehin an einer Hand abzählen – da war "Rent" in den 90'ern und der Off-Broadway-Hit "Hedwig and the angry inch" und später noch "Spring Awakening", das mit genau einem (ja, einem!) wirklich mitreißenden Rocksong aufwartete: "Totally Fucked". Ein Statement das auch für die Entwicklung der modernen Musik im Musicaltheater stehen könnte. Zwar machen immer wieder junge talentierte Komponisten mit guten Werken auf sich aufmerksam wie zuletzt Tom Kitt mit "Next to Normal", aber auf ein Musical das mit einer Fülle grandioser Rocksongs mitreißt wie es "Jesus Christ Superstar" oder "Rent" taten, wartet man vergeblich. Der nächste Anwärter, "American Idiot", ist dann auch im Grunde auch wieder ein Jukebox-Musical, nämlich mit den Hits von Green Day.

Bis dahin bleibt mir nur das Fazit: So gelungen Werke wie "Next to Normal" auch sein mögen, als tägliche Dauerbeschallung bei der Arbeit, auf dem Fahrrad oder im Auto, sind mir Werke wie "Rock of Ages" hundertmal lieber, die einfach nur Spass machen und die man herrlich mitgrölen kann. Auf die geplante Aufführung in London im kommenden Jahr freue ich mich jetzt schon.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Total Eclipse of the heart

Ab und zu braucht der Mensch was zu lachen. Deshalb gibts heute einen herrliche Clip von "youtube" - die "wörtlich genommene" Version des Videoclips "Total Eclipse of the Heart" von Bonnie Tyler, ein Song den Jim Steinman später für "Tanz der Vampire" als "Totale Finsternis" recycelte. Viel Spass!

Montag, 12. Oktober 2009

American Idiot auf dem Weg zum Broadway?

Wer "Rent" schmerzlich vermisst, kann sich wahrscheinlich bald auf Nachschub am Broadway freuen: Die Uraufführung von "American Idiot" am Berkeley Rep in Kalifornien hat sich zum vollen Erfolg entwickelt und sogar Charles Isherwood von der New York Times gab der Show eine recht positive Kritik. Er verglich "American Idiot" nicht nur mit "Rent" oder "Spring Awakening", sondern vor allem mit "Hair". Wieder geht es um eine Generation, die mit einem realen Krieg konfrontiert wird und mit ihrer Ablehnung von "denen da oben". Und was für die Hippies noch Marijuana und LSD war, ist heute die permanente dumpfe Medienberieselung.

"American Idiot" basiert auf dem gleichnamigen Hit-Album der Punk Band Green Day und umfasst neben den Songs dieser CD auch mehrere B-Sides und vier Lieder aus dem aktuellen Album "21st Century Meltdown". Das 2004 erschienene "American Idiot" richtete sich zwar vor allem gegen die Regierung Bush und das Klima der Angst, dass sie schürte, doch soviel hat sich auch im Jahr 1 des Messias Obama nicht geändert. Ob der Broadway reif ist für Green Day wird sich zeigen - die Zeit ist auf jeden Fall reif für ein neues Musical über das aktuelle Lebensgefühl junger Leute. Zum Ensemble gehören u.a. Tony Vincent, bekannt als Judas in "Jesus Christ Superstar" und als erster Galileo in der Londoner Uraufführung von "We will rock you" und "Spring Awakening"-Star John Gallagher Jr.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Daniel Radcliffe bald auf der Musicalbühne?

Viele hatten ja schon Zweifel, dass Daniel Radcliffe aka "Harry Potter" auf der Schauspielbühne bestehen würde. Jeder, der dann "Equus" in London oder am Broadway gesehen hat, wurde eines besseren belehrt - der junge Mann wußte durchaus zu begeistern. Scheinbar hat Radcliffe die Bühnenluft gut gefallen - so gut, dass er nun in einer Lesung für das Broadway-Musical "How to succeed in business without really trying" die Hauptrolle spielen wird. Die Regie und Choreographie liegt in den Händen von Rob Ashford und die Lesung soll ein mögliches Broadway-Revival der Show von Frank Loesser ankurbeln. Dabei liegt das letzte Revival noch gar nicht so lange zurück: 1995 war "H2B" mit Matthew Broderick zuletzt am Broadway.

Samstag, 10. Oktober 2009

Fame - der neue Film

Seit die Pläne für ein Remake von "Fame" bekannt wurden, hagelte es Kritik von den Musicalfans und der neue Film wurde dann auch nach seinem Start in den USA direkt böse verrissen. Ob es nun daran lag, dass ich mit niedrigen Erwartungen den Film besuchte, oder ob er dann doch nicht so schlecht war, weiß ich nicht, aber ich habe mich bestens unterhalten. Ironischerweise ist der neue Film immer dann am besten wenn er sich von der Vorlage löst und man ihn einfach als eine Art Fortsetzung betrachtet, ein neues Jahr an der berühmten High School of the Performing Arts in einer Welt die sich seit 1980 nunmal deutlich gewandelt hat.
Einer der Hauptkritikpunkte am neuen Film war dann auch, dass er zu "locker und leicht" daher kam – aber meinesachtens kann man das New York von 1980 auch nicht mit dem New York von heute vergleichen. Die Times Square-Gegend mit den Theatern und der Schule war damals nunmal ein übles Drecksloch das von Drogenhändlern und Prostiuierten eingenommen worden war und New York selbst hatte eine furchtbar hohe Kriminalitätsrate. Heute ist New York eine der sichersten Großstädte der USA und der Times Square ist ein quieschbuntes Disneyland für Touristen. Und warum sollte der Film nicht auch eine positive Message ausstrahlen, die vor allen in der Figur des Malik (Collins Pennie) deutlich wird, des "Leroy für 2009". Nein, er ist nicht Leroy, der damals von Gene Anthony Ray in einer köstlichen Mischung aus Arroganz, Selbstsicherheit und Verletzlichkeit gespielt wurde und berüht auch weniger. Trotzdem setzt Malik ein gutes Zeichen, dass man es mit Willen und Eigeninitiative aus dem Ghetto von Harlem schaffen kann.
Am überzeugendsten ist die Geschichte von Denise (Naturi Naughton), der "Coco 2009", die hier jedoch aus einer wohlhabenden schwarzen Mittelklassefamilie kommt und von ihren Eltern von Kindesbeinen an auf eine Karriere als klassische Pianistin getrimmt wurde. An der Schule entdeckt sie ihre Liebe zum HipHop und legt mit ihrer Band am Ende einen rasanten Auftritt im Club hin, der Rihanna und Alicia Keys alt aussehen lässt. Bei den Schauspielschülern war es vor allem die Asiatin Joy (Ana Maria Perez de Tagle) die brilliant spielte. Das Liebespaar des Films, der weichgespülte Smartie Marco (Asher Brook) und die ehrgeizige Jenny (Kay Panabaker), waren leider nur zweidimensionale Klischees. Doch auch hier zeigte sich wieder, dass fast 30 Jahre seit dem Original vergangen sind. Als Irene Cara's Coco im Original von einem windigen Casting-Agenten in eine Bruchbude gelockt wird und sich dort für ein Casting-Video ausziehen soll, macht sie unter Tränen mit. Als Jenny nun von einem ehemaligen Schüler und mittlerweile erfolgreichem Serienstar auf die Casting Couch gezerrt werden soll, wäscht sie ihm den Kopf und haut ab. Die Tanzschüler sind ein wenig unterrepräsentiert, allerdings fiel auch hier auf, dass man weniger klassisches Ballett zeigte, sondern mitreißenden Modern Dance und eine rasante Stepeinlage.

Sicher ist das Original von 1980 ein Filmklassiker den man nicht einfach mal neu filmen kann, genauso wenig wie man Casablanca oder Vom Winde verweht auf einmal mit anderen Schauspielern sehen möchte. Aber wenn man sich davon losmacht, dass die neue Version ein "Remake" ist, sondern es einfach als eine "Neuauflage" sieht, als eine neue Klasse deren Wohl und Weh man über vier Jahre an der High School of Performing Arts verfolgt, dann kann man durchaus nette 90 Minuten verbringen und etliche junge gute Talente beobachten. Inhaltlich ist es jedenfalls noch immer Lichtjahre besser als der unerträgliche Kitsch der "High School Musical"-Franchise oder dem reaktionären dummen Weltbild, das die gerade bei Teenies beliebte Vampir-Schmonzette "Twilight" vermittelt.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Love Never Dies – die Hoffnung stirbt auch nicht

Heute fand nun also die heißersehnte Pressekonferenz in London statt, bei der die Phantom-Sequel "Love never dies" offiziell präsentiert wurde. Dabei gab es letztendlich auch nicht viel neues, was noch nicht bekannt war. Die Show öffnet am 9.März 2010 im Adelphi Theatre in London (Previews ab 20.Februar), am 11.November 2010 soll dann der Broadway nachziehen und 2011 ist Australien dran. Fremdsprachige Produktionen werden garantiert folgen so schnell die Übersetzer damit fertig werden. In London werden Ramin Karimloo als Phantom und Sierra Boggess als Christine zu sehen sein.

Die Handlung spielt 10 Jahre nach dem Ende des Musicals im Vergnügungspark Coney Island vor den Toren New Yorks. Dorthin hatte sich das Phantom mit Madame und Meg Giry geflüchtet, während Christine, längst mit ihrem Raoul vermählt, ein gefeierter Opernstar geworden ist.
Die längst fertiggestellte CD wird jedoch nicht wie erhofft schon zum Weihnachtsgeschäft erscheinen, sondern erst am 10.März zur Premiere in London. Vermutlich will man so die Spannung aufrecht erhalten, denn die größte Sorge der Fans ist wohl, dass die Fortsetzung dramaturgisch einfach nicht überzeugen wird. Das bittersüße Ende des Musicals war in vieler Hinsicht einfach perfekt und dürfte nicht zu toppen sein. Und auch wenn ALW immer mal wieder einen guten Song abliefert, ist es doch schon verdammt lange her, dass eine Cast Aufnahme so proppevoll mit Hits war wie seine großen Werke der 70'er und 80'er.

Natürlich gönne ich ALW von Herzen endlich wieder einen Hit. Zugleich frage ich mich aber auch, ob "Love never dies" dieser Hit sein wird. Zwar spielt das "Phantom" noch immer unermüdlich in London und New York, aber die Zeiten in denen ein neues ALW-Musical automatisch reißende Kartenabsätze bedeutete, sind längst vorbei. Aber Legionen von Fans werden sicher in die Sequel strömen und zumindest die Ausschnitte die beim Press Launch zu hören waren, klingen durchaus vielversprechend. Und bei der aktuellen Flut an Spaß-Musicals, Comedies und Jukebox-Musicals dürfte eine üppig ausgestattete Schmonzette mit viel Romantik und großen Balladen ein gutes Gegengewicht bei der London-Planung bieten. Wenn nun noch jemand Sierra Boggess beibringen könnte, nicht ganz so saumselig dreinzuschauen während sich Ramin Karimloo die Seele aus dem Leib singt, bin ich schon zufrieden.

Das Video gibts auf der offiziellen Website www.loveneverdies.com zu bestaunen. Dort kann man sich auch schon Tickets reservieren. Zum stolzen Top-Preis von £67.50 übrigens.

PS: Wer hat eigentlich das affenscheussliche Logobild verbrochen?

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Requiem für die Kreativität

Wenn sich morgen abend der Vorhang für die "Buddy"-Premiere in Essen hebt, mag der ernsthafte Musicalfan vielleicht eine Schweigeminute einlegen und an Zeiten zurückdenken, als man sich in Deutschland vor Uraufführungen kaum retten konnte. Vieles davon war sicher überflüssig, anderes ganz einfach überteuert, aber letztendlich war es eine aufregende Zeit voller Kreativität und der ein oder anderen spannenden Entdeckung. Der Stage Entertainment mag man eigentlich auch keinen Vorwurf machen. Sie haben's ja versucht. Die "Drei Musketiere" waren vielleicht nicht der große Wurf, aber einen unterhaltsamen Abend boten sie allemal, ebenso wie das Udo Jürgens-Recycling "Ich war noch niemals in New York" das ohnehin von Anfang an die +60 Zielgruppe im Visier hatte, die sonntags abends bei Pilcher und Traumschiff gebannt ZDF schaut. Und auch der "Schuh des Manitu" konnte in der Bühnenversion dramaturgisch und musikalisch überzeugen. Dass der Mut zu Uraufführungen nicht belohnt wurde – traurig. Aber dem Publikum mag man dann auch keinen Vorwurf machen, wenn es in Zeiten der Wirtschaftskrise lieber auf Musicalkarten à 100 Euro verzichtet um sich wenigstens noch das neue iPhone leisten zu können. Doch ach, das musicalliebende Herz schmerzt dann doch gewaltig beim Gedanken an die "Buddy"-Premiere. Recycelte Musik aus den 50'er Jahren, ein Musical das bereits jahrelang in Hamburg gelaufen ist – da hilft auch eine Neuinszenierung nicht oder ein frisches unverbrauchtes Gesicht in der Titelrolle (Dominik Hees), dem man den Durchbruch von Herzen gegönnt. Der warme Aufguß, den die Stage Entertainment hier bietet, ist des Unternehmens nicht würdig. Und schon gar nicht der Location: Essen, im kommenden Jahr einer der wichtigsten Schauplätze, wenn sich das Ruhrgebiet als "Ruhr.2010" mit dem Titel der europäischen Kulturhauptstadt schmückt und monatelang im Zentrum des Deutschland-Marketings steht.

Kulturfreunde werden von überall her ins Ruhrgebiet kommen, werden Pina Bausch gedenken und das Bochumer Schauspielhaus loben, die Ruhrfestspiele von Recklinghausen und die "Route der Industriekultur". Und das Musical? Es bleibt das, was es schon seit zwanzig Jahren ist: Das ungeliebte Stiefkind in der Schmuddelecke. In Bochum dreht seit über 20 Jahren der "Starlight Express" seine Runden, in Oberhausen kann man sich immerhin über den Aufguß von "Wicked" freuen, einem der aktuell erfolgreichsten Musicals am Broadway. Und Essen darf zu Buddy Holly rocken. Kreativ, neu, beeindruckend ist das alles nicht. Und wenn es am Ende ein Jukebox-Musical mit der Musik von Herbert Grönemeyer geworden wäre oder das dritte Musical über einen Fußballverein im Pott: Warum hat man die Chance nicht genutzt, mit einem neuen, guten Musical dem Genre zu einem würdevollen Platz bei den "Ruhr.2010"-Veranstaltungen zu verhelfen? Und wenn man schon nichts eigenes zustande bringt, warum dann nicht "Billy Elliot" bringen – die Musicalversion von Elton John und Lee Hall ist nicht nur eines der erfolgreichsten Musicals in London und New York der letzten Jahre, sondern passt mit seiner Geschichte aus der Zeit der Bergarbeiterstreiks in Nordostengland Anfang der 80'er Jahre perfekt zum Ruhrpott und seiner eigenen von der Kohlenindustrie geprägten Geschichte. Billy hätte genauso gut der kleine Träumer aus Rheinhausen sein können, den es statt ins Bergwerk in den Ballettsaal zieht. Wenn jetzt statt "Electricity" oder "Tief im Westen…" auf der Bühne des Colosseums "Peggy Sue" und "La Bamba" erklingt, bleibt wieder mal nur das Fazit: Schade um die x-te verpasste Chance, dem Musical einen besseren Stand in der schwierigen deutschen Kulturlandschaft zu geben.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Into the woods in Hagen

Bonjour Hagen, Bonjour Tristesse. Grau und öde präsentierte sich das Städtchen am gestrigen 3.Oktober. Das Theater war der einzige lebendige Ort, denn hier fand um 18.00 Uhr die Premiere von “Into the woods” statt, dem viel zu selten gespielten Musical von Stephen Sondheim. Im Vorfeld hatte Hagen schon laut für sich getrommelt mit der Verpflichtung des ehemaligen Schlager-“Meisters” Guildo Horn als Erzähler. Der steht übrigens seit Jahren regelmäßig auf den Theaterbühnen des Landes und darf wirklich nicht ins Blödelbarden-Schublädchen gesteckt werden. Ein Teil der anderen Darsteller kommt von der Folkwang Hochschule in Essen, deren Studiengang “Musical” in diesem Jahr ihr 20-jährigen Bestehen feiert. Folkwang-Professor Gil Mehmert führt Regie. Das Bühnenbild ist zweckmäßig und recht einfallslos, ebenso die Kostüme. Völlig verschenkt wurde die Verwandlung der Hexe von häßlicher buckligen Alten zur Schönheit. Erst kurvt sie seltsamerweise auf Heelys herum, aber der wohl erhoffte Effekt, dass die Hexe zu schweben scheint, wurde dadurch vernichtet, dass die Darstellerin nicht sicher auf den Heelys unterwegs war. Jede Achtjährige saust besser damit durch die Fussgängerzonen. Nach ihrer Verwandlung kommt sie mit Bubikopf und Nachtclubkleid daher wie eine zweitklassige Sängerin aus den 30’ern. Und auch wenn man in Hagen sicher keine Bernadette Peters erwarten durfte, mangelte es Gabriela Ryffel doch sowohl an Ausstrahlung als auch an Stimme. Andere Hauptdarstellerinnen wie Constanze Fischbach als Bäckersfrau und Sabine Ruflair als Hans’ Mutter waren ganz einfach zu jung. Auf der Habenseite des Ensembles standen für mich vor allem Stefanie Köhm als Rotkäppchen und Alen Hodzovic als Bäcker. Doch insgesamt wollte “Into the woods” nicht so recht zünden – viel zu viele Gags wurden verschenkt und der einzige wirklich komische Moment blieb dann auch unfreiwillig der “Auftritt” von Hans’ Kuh Milchweiß, die unprogrammgemäß den Kopf verlor. Die Dialoge zogen sich dahin und mit gut drei Stunden Spielzeit war die Aufführung mindestens eine halbe Stunde zu lang. Lohnt sich der Besuch? So selten wie “Into the woods” in Deutschland gespielt wird, würde ich sagen – ja. Man sollte dieses Stück einfach mal gesehen haben. Aber ich bin überzeugt, dass sich aus “Into the woods” noch wesentlich mehr rausholen lässt, als es Gil Mehmert in Hagen nun getan hat.

Freitag, 2. Oktober 2009

Hairspray-Trailer aus den Niederlanden

In Deutschland beginnen gerade erst die Proben für "Hairspray" in Köln, aber unsere Nachbarn in Holland sind schon weiter: Heute abend findet in Doetinchem die Premiere statt. Bei Youtube gibt es nun einen schönen Trailer mit Ausschnitten aus der niederländischen Tourneeversion mit Arjan Ederveen (Edna), Esmee van Kampen (Tracy) und Jim Bakkum (Link):

Donnerstag, 1. Oktober 2009

CD-Tipp "Next to Normal" OBC 2009

In den letzten Jahren scheint es in jeder Broadway Saison genau ein Musical zu geben, das "anders" ist als die anderen. Das durch aktuelle moderne Bezüge, moderne Musik und anspruchsvolle Themen besticht. Manchmal durchaus harter Tobak, wie im Falle von Duncan Sheik's "Spring Awakening", das Frank Wedekinds Skandalstück "Frühlingserwachen" mit modernem Gitarrenrock garniert, manchmal auch köstlich unterhaltsam wie das freche witzige Puppen-Musical "Avenue Q".

In der letzten Broadway Saison war es "Next to Normal" von Tom Kitt (Musik) und Brian Yorkey (Buch und Texte), das mit 11 Tony-Nominierungen glänzte, aber schliesslich "nur" drei Tonys mit nach Hause nehmen konnte, darunter den für die beste Musik und für die beste Hauptdarstellerin (Alice Ripley), sowie für beste Orchestrierung. "Next to Normal" ist ein Kammermusical für sechs Darsteller und eine siebenköpfige Band, das eine mehrjährige Entwicklungszeit hinter sich hat. Zu den Broadway-Stars, die in den ersten Workshops von involviert waren, gehören Sherie Rene Scott (Diana) und Norbert Leo Butz (Dan) beim ersten Reading in New York 2002 (damals hieß das Stück noch "Feeling Electric"). Anthony Rapp spielte beim New York Musical Theatre Festival 2005 und bei zwei Workshops des Second Stage Theatre Off-Broadway 2006/2007 Dr Madden. Hier kam auch der heutige Star der Show, Alice Ripley, dazu. Wenig erstaunlich ist auch, dass Michael Greif im Second Stage Theatre Regie führte – seit "Rent" hat Greif ein ausgesprochen gutes Händchen für erfolgreiche neue Musicals bewiesen. Brian d'Arcy James war im Second Stage Theatre als Dan zu sehen, schied dann aber aus um die Titelrolle in "Shrek" zu übernehmen. Nach weiteren Tryouts feierte "Next to Normal" schließlich am 15.April 2009 am Broadway im Booth Theatre Premiere und bekam durchweg positive Kritiken.

Im Mittelpunkt der Show steht eine scheinbar typische amerikanische Vorstadt-Hausfrau, Diane Goodman (Alice Ripley). Was auf den ersten Blick aussieht wie eine normale Familie, stellt sich bald als Trugbild heraus: Diana leidet an einer bipolaren Störung und "sieht" ihren Sohn Gabe (Aaron Tveit) als fast erwachsenen gutaussehenen Teenager, obwohl er im Alter von 18 Monaten gestorben war. Darunter leidet nicht nur ihr Mann Dan (J.Robert Spencer), sondern auch ihre lebendige Tochter Natalie (Jennifer Damiano), die sich unsichtbar fühlt, weil sich alles um Gabe dreht. Und gegen die Phantasie ihrer Mutter, die aus Gabe einen bildschönen, erfolgreichen Superboy gemacht hat, ist sie machtlos. Trost findet sie nur bei Henry (Adam Chanler-Berat) einem Freund von der High School. Diana versucht ihre Pillen, mit denen sie ihre Störung zu behandeln versucht, wegzuwerfen und beginnt mit ihrem Arzt Doctor Madden (Louis Hobson) eine neue Behandlung mit Hypnose. Doch auch dies hilft nicht. Nach einem Selbstmordversuch schlägt Madden eine Behandlung mit Elektroschocks vor, wodurch Dianas Gedächtnis mehr oder weniger ausgelöscht wird. Nach der Behandlung versuchen Dan und Natalie Diana die Erinnerung an positive Dinge wiederzugeben. Doch auch die Erinnerungen an Gabe kommen zurück. Madden will die Behandlung mit Elektroschocks weiterführen doch Diana erkennt, dass medizinische Behandlungen sinnlos sind – ihre Störung ist seelischer Natur. Sie hat ihre eigene Hilflosigkeit als junge Mutter nie verwunden, als ihr kleiner Sohn starb. Sie schafft eine Annährung an ihre vernachlässigte Tochter Natalie und beschließt sich von ihrem Mann Dan zu trennen um ihre Probleme selbst zu lösen. Dan bleibt alleine zurück und muß mit seinem eigenen unverarbeiteten Schmerz über Gabes frühen Tod zurecht kommen.

Dies klingt nach hartem Tobak, ist es auch. Schon die CD-Aufnahme – eine Doppel-CD die fast die gesamte Show enthält – ist anstrengend beim Zuhören. Doch sie ist es wert. Dadurch dass die Figuren kaum wirklich miteinander kommunizieren, ist Gesang eine perfekte Ausdrucksform für jeden von ihnen. Und auch wenn sich die Handlung ein wenig in die Länge zieht, gibt es nur sehr wenige Nummern die überflüssig wirken. Alles wirkt sehr logisch und durchdacht konstruiert, vor allem die Auftritte des nur in der Phantasie der Lebenden existierenden erwachsenen Gabe gehen unter die Haut. Die gitarrenlastige Musik reiht sich problemlos in die Reihe der modernen Off-Broadway-Erfolge der letzten Jahre wie "Rent" und "Spring Awakening" ein. Bestechend sind vor allem die hervorragenden Texte, die das Gefühlsleben der Figuren wiedergeben – so wie Dianas großer Hit "I miss the mountains" in dem sie den Zustand des ewigen Gleichmutes beschreibt, in den die Pillen sie versetzt haben, oder Natalies "Super Boy and the Invisible Girl" in dem sie ihren Frust über ihre Vernachlässigung durch die Mutter beschreibt. Auch traurig-melancholiche Momente wie "Song of forgetting" gehen nahe.

Ich war immer jemand, der moderne Musicals geschätzt hat, die sich mit dem normalen alltäglichen Leben beschäftigen und nicht mit den an den Haaren herbeigezogenen Problemen von Vampiren, Monstern oder Phantonem und hier ist "Next to Normal" ganz sicher ein Stück das genau auf meiner Wellenlänge liegt. Vor allem beweist es wieder einmal eindrucksvoll, dass Musicals soviel mehr sein können als leichte, flache Unterhaltung. Ich würde diesem anspruchsvollen Werk gönnen, dass es nicht nur eine längere Laufzeit am Broadway schafft sondern vor allem ein weiteres Leben in Community und College-Theatern in den USA und an Stadttheatern im Ausland.

2 x Bring it on + Glee = High School Musical und kein Ende

Dass der Boom, den Disneys "High School Musical" ausgelöst hat, auch andere auf den Plan rufen würde, war eigentlich klar. Doch jetzt kommt's knüppeldick. Das Remake des legendären "Fame" Filmes ist gerade in den US-Kinos angelaufen (und wurde schon heftig verrissen) und die TV-Serie "Glee" war die erste der neuen Saison, von der eine komplette Staffel mit 24 Folgen bestellt wurde. In "Glee" geht es um den "Glee Club" (d.h. junge Sänger, die in der High School Szenen von Musicals singen und tanzen) einer Schule, der von einem jungen idealistischen Lehrer (Matthew Morrison) auf Vordermann gebracht wird. Zum Club gehören der widerwillige Football-Star und verhinderte Rocksänger Finn (Cory Monteith) und die junge Möchtegern-Diva Rachel (Lea Michele, die originale Wendla aus "Spring Awakening" am Broadway). Keine Preise für jeden der voraussagt, dass es zwischen Finn und Rachel noch knistern wird. Egal, mehr zu "Glee" später.

Nachdem Universal Pictures nun einen Cheerleader-Musical-Film namens "Bring it on" angekündigt hatte, wurde nun auch noch ein Bühnen-Musical mit dem gleichen Titel angekündigt. Angeblich haben die beiden nichts miteinander zu tun, aber wenn der Film ein Erfolg wird, werden die Leute natürlich ins Musical strömen, weil sie die Bühnenversion erwarten. Denn auch diese spielt im Cheerleader-Milieu. Interessant für Musicalfans ist das Creative Team hinter "Bring it on": Die Musik schreiben Lin-Manuel Miranda ("In the Heights") und Tom Kitts ("Next to Normal"), die Songtexte Amanda Green ("High Fidelity"), das Buch stammt von Jeff Whitty ("Avenue Q"). Andy Blankenbühler, der Choreograph hinter "In the Heights", entwirft die Choreografien. Wenn sich hier das gesammelte Talent hinter den modernen, intelligenten Musicals am Broadway der letzten Jahre versammelt, dürfte etwas spannendes dabei rumkommen. Auch wenn die Geschichte mit Sicherheit sehr voraussehbar sein wird.